Teufen ist eine politische Gemeinde im Mittelland des Kantons Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz. Teufen liegt durch eine Anhöhe getrennt unmittelbar südlich der Stadt St. Gallen.

Geographie Nach Herisau ist Teufen die zweitgrösste Gemeinde im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Sie besteht aus den Ortschaften Teufen AR, Niederteufen und Lustmühle. Sie grenzt an die ausserrhodischen Gemeinden Speicher, Bühler und Stein, an den innerrhodischen Bezirk Schlatt-Haslen sowie an die Stadt St. Gallen. Das Dorf liegt zwischen 800 und 1000 m ü. M. Insgesamt hat Teufen eine Fläche von 1525 Hektaren. Davon sind 214 ha besiedelt, 848 ha dienen dem landwirtschaftlichen Nutzen und 456 Hektaren bilden Wald; die übrigen 13 ha sind unproduktive Fläche.

Geschichte Der Name Teufen erscheint erstmals in einer Urkunde von 1272 Tiuffen («in der Tiefe»). Vor 1300 zählte man in Teufen fünf Höfe.

1377 schlossen sich die Landleute von Appenzell, Urnäsch, Teufen und Gais mit Erlaubnis des Abtes dem Schwäbischen Städtebund an. Für Teufen, das noch kein Siegel hatte, siegelte der Ammann von Appenzell. Der Bär als Wappentier auf seinem Siegel ging auf allen vieren, wie er heute noch auf dem Teufner Gemeindewappen abgebildet ist.

1479 wurde Teufen durch den Abt von St. Gallen erlaubt, eine Kirche zu bauen. Sehr früh fand die Reformation im Appenzellerland Eingang, eine wichtige Rolle spielte Jakob Schurtanner, der Pfarrer von Teufen war. Nach dem Landsgemeindebeschluss von 1525, wonach jede Kirchhöri (Gemeinde) selber entscheiden konnte, ob sie beim alten Glauben bleiben oder den neuen annehmen wolle, wurden in Teufens Kirche Altar und Bilder entfernt. Gegen Ende des Jahrhunderts verschärften sich die Glaubensgegensätze wieder, was am 28. August 1597 zur Teilung des Landes führte.

Der wirtschaftliche Aufschwung von Teufen war der Leinen- und später der Baumwollweberei zu verdanken. 1776, während der Blütezeit der feinen Baumwollweberei (Mousseline), liess Teufen vom einheimischen Baumeister Hans Ulrich Grubenmann eine neue, grössere Kirche erstellen. 1779 wurde diese auf den Fundamenten der ersten Kirche errichtet. Während der Helvetik war Teufen Hauptort des gleichnamigen Distrikts im Kanton Säntis. Teufen zählte nun bereits über 3500 Einwohner und war somit grösser als die Stadt Winterthur. 1841 bot die Gemeinde das neue, stattliche Schulhaus am Dorfplatz dem Lande als Rathaus zum Geschenk an, wenn Teufen zum Kantonshauptort bestimmt werde. Die Landsgemeinde lehnte das Geschenk ab und erwarb in Trogen den Palast von Landammann Jakob Zellweger. Dafür erhielt Teufen einige Jahre später das kantonale Artilleriezeughaus, das heute der Gemeinde gehört und ein Museum beherbergt.

mini|Historisches Luftbild aus 400 m von Walter Mittelholzer, 1923

Ab 1730 entwickelte sich Teufen ausserdem zum Kurort. Es wurden Molkenkuren angeboten und ozonreiche Luft versprochen. Zu medizinischen und hygienischen Zwecken wurden Bäder im 19. Jahrhundert wichtig. 1814 eröffnete Hans Jakob Jüstrich-Frischknecht ein Bad in einem Bauernhaus im Sonder. Das Wasser stammte aus einer «erdig-salinischen Quelle». Dieses Wasser sollte bei Nervenschwäche und Krämpfen unterstützend wirken. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs kamen keine Gäste mehr in die Bäder, und das Bad Sonder wurde zu einem Sanatorium für Kinder mit Tuberkulose umgebaut.

Ab 1890 bezeichnet sich die Gemeinde Teufen als klimatischen Luftkurort, aufgrund der gesunden ozonreichen Luft. Dank der Nähe zur Stadt St. Gallen und der Eröffnung der Appenzeller Strassenbahn 1889 entstanden Pensionen, Kinderheime und Institutionen wie das 1908 gegründete Prof. Buser's Voralpines Töchter-Institut. Trotz der Wirtschaftskrise wurde 1933 mit Hilfe von Spenden und Aktionären ein Freibad gebaut, eine Massnahme zur Förderung der Gesundheit der Bevölkerung. Bereits ab dem 18. Jahrhundert hatten sich auch immer mehr Heilpraktiker und Naturärzte angesiedelt, zumal die Gesundheitsgesetzgebung im Kanton Appenzell Ausserrhoden sehr liberal war. Das Spektrum reichte von Pflanzenheilkunde über Akupunktur, Magnetopathie, Geopathie bis zur Radioästhesie. Oberhalb von Teufen eröffnete der Basler Naturarzt Alfred Vogel 1937 ein Kurhaus, das zum Grundstein eines international tätigen Unternehmens für Naturheilpräparate wurde (vgl.). Auf die Kurhäuser folgten auch Klinik-Gründungen: 1958 die Paracelsus-Klinik, 1973 die Augenklinik, 1977 (bis 2012) die Berit-Klinik und 2007 die Klinik Teufen. Die Gemeinde wurde zum «Gesundheitsort».

Während der Wirtschaftskrise ab den 1920er-Jahren durch den Niedergang der Textilindustrie sank die Einwohnerzahl. Ab Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich Teufen zur Wohngemeinde in der Agglomeration St. Gallen und verzeichnet ein stetiges Wachstum. Zwischen 1956 und 1969 wurden 156 Ein- und 51 Mehrfamilienhäuser erbaut. Die Ortsteile Lustmühle und Niederteufen erhielten dadurch Vorstadtcharakter. Die steuergünstige und bevorzugte Wohnlage führt allerdings auch zu Verkehrsproblemen durch die zahlreichen Arbeitspendler. 1973 wurde die Umfahrungsstrasse eröffnet und damit das Dorfzentrum vom Durchgangsverkehr entlastet. Seit den 1990er-Jahren wird über die Verlegung der Appenzeller Bahn von der Strasse weg in einen Tunnel diskutiert.

2012, 2017 und 2022 wurde Teufen vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF als kinderfreundliche Gemeinde ausgezeichnet. Die Gemeinde hat zum Beispiel eine Kinder- und Jugendkommission mit Einsitz von Jugendlichen, es gibt ein Spielplatzkonzept und altersgerechte Informationen.

Bevölkerung Teufen verzeichnet, fast als einzige der Ausserrhoder Gemeinden, eine praktisch ständig steigende Einwohnerzahl.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1667 1850 1870 1900 1920 1950 1980 2000 2010 2018 2022 Einwohner 2070 4119 4765 4595 4726 4318 5027 5535 5763 6280 6434

Politik Reto Altherr ist Gemeindepräsident der Gemeinde Teufen (Stand Juni 2022). Teufen verfügt über einen siebenköpfigen Gemeinderat, der unter der Leitung des Gemeindepräsidenten steht. Der Rat wird für eine vierjährige Amtszeit von den stimmberechtigten Einwohnern im Majorzverfahren bestimmt. Der Gemeinderat ist ein politisches Organ der Exekutive und kümmert sich im Rahmen seiner Kompetenzen um die laufenden Geschäfte der Gemeinde. Es gibt auf Gemeindeebene keine begrenzte Anzahl Amtszeiten. Die aktuelle Zusammensetzung des Gemeinderats ist auf der Webseite der Gemeinde ersichtlich.Gemeinderat Teufen

Aufgrund der Einwohnerzahl darf Teufen sieben Personen im Kantonsrat in Herisau stellen, der die Legislative des Kantons bildet. Die Personen werden im Majorzverfahren für eine Amtszeit von vier Jahren bestimmt. Die Kantonsräte vertreten die Interessen der Gemeinde auf kantonaler Ebene. Die aktuellen Vertretungen aller Gemeinden sind auf der Webseite des Kantonsrats verzeichnet.Mitglieder des Kantonsrates

Wappen und Fahne Im Wappen und der Fahne von Teufen ist ein Bär zu sehen. Ein solcher war früher das Wappentier des Klosters St. Gallen. 1914 wurde das Wappen und der Fahne für Teufen neu angefertigt. Der Bär soll an die Zeit erinnern, in der Teufen «sich unter das Siegel von Appenzell gebunden hatte». Auf der unteren Hälfte steht der Buchstabe «T» geschrieben. Er stellt den Anfangsbuchstaben des Dorfnamens dar.

Wirtschaft und Infrastruktur Teufen galt bei der Landteilung noch als armes Dorf. Doch ab 1820 war Teufen eine der reichsten Gemeinden des Halbkantons. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden aus Teufen Sandsteinblöcke nach St. Gallen geliefert. Diese wurden für die Erbauung der dortigen Kathedrale genutzt. Doch es waren vorwiegend andere Wirtschaftszweige, die für den wirtschaftlichen Aufschwung der Gemeinde sorgten: die Müllerei, die Uhrenindustrie und die Textilindustrie. Sie ergänzten nach und nach die traditionellen Vieh- und Milchwirtschaftsbetriebe.

mini|Die ehemalige Mühle Pfauen ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung In Teufen gab es vier Müllersfamilien, wobei die Familie Zürcher die Müllerei in der Region des Appenzellerlandes besonders mitgeprägt hat; sie wird als «Müllerdynastie» bezeichnet. Das Geschlecht wurde erstmals 1679/1680 erwähnt. Die Vertreter der Familie Zürcher besassen schon damals verschiedene Mühlen in der Ostschweiz. Später befanden sich ihre Mühlen in insgesamt 13 von 20 Ausserrhoder Gemeinden. Die Teufner Müller waren so erfolgreich, dass es von 1730 bis 1740 zu Konflikten zwischen den beiden Appenzell kam. Die Ausserrhoder hatten die Innerrhoder weitgehend auf dem appenzellischen Mehlmarkt verdrängt.

Teufen war auch für seine Holzräderuhren bekannt. Im 18. Jahrhundert war es vor allem Jacob Schäfer-Zürcher, der für seine komplexen Uhrwerke berühmt war. Weitere namhafte Uhrmacher aus Teufen waren Emanuel Brugger und Ulrich Haas. Die Uhr in der Kirche Teufen wurde ebenfalls von einem Teufner – einem anderen Jacob Schefer – gefertigt.

Es war vor allem das Textilgewerbe, das Teufen – wie dem ganzen Appenzellerland – zu seinem Wohlstand verhalf. Eine 2008 entdeckte Fassadenmalerei legt nahe, dass Teufen schon um 1670 im internationalen Textilhandel tätig gewesen sein könnte. Nachgewiesen ist, dass ab 1720 St. Galler Fabrikanten Seidenflor aus Teufen bestellten. Im Jahr 1760 erfand der Teufner Johannes Gmünder nahtlose Hemden, was Teufen ein erstes Mal europaweite Aufmerksamkeit einbrachte. Zu dieser Zeit war Teufen zwar eine Produktionsstätte des Trogner und Speicherer Textilgewerbes, konnte sich aber ab 1780 einen eigenen Namen im Bereich der Handstickereien machen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten sich überdurchschnittlich viele Fabrikanten in der Gemeinde etabliert. Das Textilgewerbe war deren Haupterwerbszweig. Um 1820 konstruierte der Teufner Johann Conrad Altherr den ersten Plattstich-Webstuhl, mit dem man im gleichen Arbeitsgang weben und den Stoff mit stickereiartigen Mustern versehen konnte. In den 1850er-Jahren wurden die ersten Handstickmaschinen aufgestellt. Die Jahre von 1880 bis 1890 werden als die «goldenen Jahre der Stickerei» bezeichnet. In den Jahren danach erlebte die Textilindustrie eine schwere Krise, von der sie sich nur kurzfristig wieder erholte, um dann nach dem Ersten Weltkrieg endgültig zusammenzubrechen. An die Zeit der Stickerei erinnern in Teufen die stattlichen Geschäftshäuser im Eggli und die vielen Stickerhäuser entlang der Strassen.

Medien Es war der Teufner Mediziner Matthias Oertli (1777–1837), der als Landammann von Appenzell Ausserrhoden die Zensurbehörde auflöste und damit eine freie Presse ermöglichte. In Teufen wurde vermutlich 1865 die Lokalzeitung «Säntis» gegründet, die sich für Demokratie und freie Meinungsbildung starkmachte. Einer der profiliertesten Redaktoren war Hans Konrad Sonderegger, der 1934 in den Ständerat gewählt wurde. Der «Säntis» erschien bis 1969.

Seit 1995 erscheint die «Tüfner Poscht», ab 2000 «Tüüfner Poscht». Die Lokalzeitung hat eine Auflage von 4000 Exemplaren und wird gratis an alle Haushaltungen verteilt. Sie will die Informationsbedürfnisse der Bevölkerung abdecken und den Zusammenhalt stärken. Herausgeber ist ein Verein, die Redaktion zählt acht Mitglieder (Stand 2024).

1950 gründeten Arthur und Ida Niggli den Verlag Niggli. Das Verlagsprogramm spiegelt die vielfältigen Interessen des Verlegerpaars ebenso wie die Kunst- und Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Standardwerke zu Photographie, Kunst und Architektur sowie Künstlermonografien erscheinen bei Niggli. Ein besonderes Augenmerk gilt auch der Typografie, war Arthur Niggli doch selbst Grafiker und gestaltete viele Bücher selbst. 1992 verkauften die Nigglis den Verlag an Heer Druck AG in Sulgen.

Bildung Während der Helvetik (1798–1803) besuchten im Sommer 50 bis 60 Kinder die Schule in Teufen. Im Winter kam nur noch die Hälfte, während in Niederteufen die Schule in den Wintermonaten komplett geschlossen war. Die Lehrer verdienten sehr wenig und waren auf die Anwesenheit der Schüler angewiesen.