Wald ist eine politische Gemeinde im ehemaligen Bezirk Vorderland des Kantons Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz.

Geographie Wald liegt zwischen Trogen und Heiden auf knapp ; der höchste Punkt der Gemeinde liegt auf oberhalb des Chozeren, an der Grenze zum Bezirk Oberegg des Kantons Appenzell Innerrhoden; der tiefste Punkt auf unterhalb des Rechbergs am Moosbach.

Wald umfasst eine Fläche von 685 Hektaren. Davon sind 47 Hektaren Siedlungsfläche, 438 Hektaren Landwirtschaftsfläche, 196 Hektaren bestockte Fläche und 4 Hektaren unproduktive Fläche.Der Kanton in Zahlen (Broschüre)

Geschichte Die Besiedlung erfolgte vom Bodensee und vom Rheintal her. Im 14. Jahrhundert verfügte vor allem der bischöflich-konstanzische Hof Horn über grundherrschaftliche Rechte im Gebiet von Wald. Für die Gegend von Erbschrut Ervscrute im Südosten der Gemeinde sind Zehntabgaben nach Altstätten bezeugt. Nach den Appenzeller Kriegen von 1401 bis 1429 kam das Gebiet von Wald mit dem restlichen Vorderland zur Rhode Trogen. Kirchlich gehörte es bis 1463 zu Goldach beziehungsweise Altstätten (Erbschrut). Nach den Freiheitskriegen war es Teil der neuen Kirchhöri Trogen, mit der es 1525 zur Reformation übertrat.

Nachdem sich Rehetobel 1669 wegen des beschwerlichen Wegs von der Mutterkirche in Trogen gelöst und eine eigene Kirche gebaut hatte, kamen auch in Wald ähnliche Forderungen auf. Dieses Vorhaben stiess in Trogen auf Widerstand, und es führte in Wald zu einem Streit um den richtigen Standort: Girtanne oder der Hof zu Wald. 1687 wurde die neue Kirche in Wald eingeweiht. Für die Girtanne galt, dass die Wahl des Kirchgangs nach Trogen oder Wald der damaligen Elterngeneration freigestellt war, die Kinder und kommende Generationen aber definitiv zu Wald gehören sollten. Damit waren die Grenzen zwischen Trogen und Wald gezogen, und Wald wurde zu einer eigenständigen Gemeinde. Um die Kirche bildete sich innerhalb der Streusiedlung bald ein Dorfkern.

Im Landhandel in den Jahren 1732 bis 1734 ergriff Wald als einzige Gemeinde im Vorderland die Partei der Harten. Die Harten stützten sich während der kritischen Jahre auf die Gemeinden hinter der Sitter und auf die Linden. Während der Helvetik war ein Distrikt des Kantons Säntis nach Wald benannt, dessen Hauptort war jedoch Heiden. 1805 wurde der Beschluss gefasst, eine neue Strasse zu bauen, die von Teufen bis Thal führte. Zuvor war es beinahe unmöglich gewesen, mit Kutschen oder gar anderen Gefährten nach Wald zu gelangen. Nach der Fertigstellung verfügte Wald über eine Durchgangsstrasse mit einer Breite von 4,2 Metern.

Die drei Tannen auf dem Gemeindewappen beziehen sich auf die Lage des Dorfes, da der Ort hauptsächlich von Wald umgeben ist.

Die Bewohner von Wald wurden früher «Eseler» genannt, was ohne Zweifel vom Wort Esel abstammt. Dieser Übername entstand, da man der Bevölkerung den Hang zur Eigenwilligkeit nachsagte.

Ausser der hinterländischen Gemeinde Schönengrund ist Wald die einzige Ausserrhoder Gemeinde, die ihr eigenes Quellwasser sowie eine eigene Wasserversorgung hat. Der Entscheid für eine eigene Versorgung wurde Anfang 1990 gefällt. Das Quellwasser hat die Qualität von Mineralwasser. Bis 1987 wurden sogar die Ortschaften Oberegg und St. Anton mit dem Quellwasser von Wald versorgt. Für Notfälle bestehen heute jedoch Wasserleitungen nach Trogen. Der Wasserverbrauch in der Gemeinde beträgt heute pro Jahr ungefähr 50'000 Kubikmeter.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1734 1818 1850 1888 1900 1920 1941 1960 1980 1990 2000 2010 2020 2022 Einwohner 1436 1370 1432 1537 1480 1354 868 817 695 851 881 844 872 893 Nach 1980 setzte durch vergünstigtes Bauland eine rege Bautätigkeit ein. Die Bevölkerung erhöhte sich von 1980 (695 Einwohner) bis Ende 2002 um rund 29 Prozent auf 896 Einwohner.

Politik Marlis Hörler Böhi ist die aktuelle Gemeindepräsidentin der Gemeinde Wald (Stand Juli 2023). Wald verfügt über einen siebenköpfigen Gemeinderat, der unter der Leitung der Gemeindepräsidentin steht. Der Rat wird für eine vierjährige Amtszeit von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern im Majorzverfahren bestimmt. Der Gemeinderat ist ein politisches Organ der Exekutive und kümmert sich im Rahmen seiner Kompetenzen um die laufenden Geschäfte der Gemeinde. Es gibt auf Gemeindeebene keine begrenzte Anzahl Amtszeiten. Die aktuelle Zusammensetzung des Gemeinderats ist auf der Webseite der Gemeinde ersichtlich.Gemeinderat Wald, auf wald.ar.ch

Aufgrund der Einwohnerzahl hat Wald im Kantonsrat in Herisau, der Legislative des Kantons, einen Sitz. Die Person wird im Majorzverfahren von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Die Kantonsrätinnen und Kantonsräte vertreten die Interessen der Gemeinde auf kantonaler Ebene. Die aktuellen Vertretungen aller Gemeinden sind auf der Webseite des Kantonsrats verzeichnet.Mitglieder des Kantonsrates, auf ar.ch

1999 führte Wald als erste Ausserrhoder Gemeinde das Stimm- und Wahlrecht für Ausländer auf Gemeindeebene ein. Sie wurde 2011 von Secondos Plus als «ausländerfreundlichste Gemeinde der Schweiz» ausgezeichnet.

Wirtschaft mini|Bauernhaus mit Webkeller Neben der traditionellen Gras- und Milchwirtschaft sowie Viehzucht gab es in Wald auch etwas Ackerbau. Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich das Textilgewerbe. Zum Spinnen kam nun auch die Heimweberei, zunächst vor allem von Leinwand. Ab dem 18. Jahrhundert gab es auch in Wald Fabrikanten, die in Heimarbeit Baumwollmusselin herstellen liessen und damit international Handel trieben. Zu den bedeutenden Textilhandelshäusern gehörten etwa «Bouff Père & Fils» oder «Walser, Kriemler & Comp.». Vom wirtschaftlichen Wohlstand ab etwa 1800 zeugen noch heute diverse Fabrikanten-, Bürger- und Bauernhäuser mit reicher Ausstattung. Die verkehrsgeographische Randlage von Wald hemmte jedoch früh die wirtschaftliche Entwicklung. Wald gehörte bereits im 18. Jahrhundert zu den Abwanderungsgebieten der Region und hatte auch im 19. Jahrhundert keinen nennenswerten Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen. Der Niedergang der textilen Heimindustrie nach 1900 brachte einen demografischen Einbruch.

Die Bevölkerung des Dorfes bestand bis etwa 1950 vorwiegend aus Familien von Stickereibauern. Diese Landwirte besassen nur kleine Agrarflächen und übten daneben im Keller oder im Anbau ihres Wohnhauses die Stickerei aus. Mit der Krise der Handstickerei zwischen 1950 und 1970 gaben viele dieser Stickereibauern ihren Beruf auf, verkauften ihre Maschinen und zogen weg. Ferienkolonien und Pensionen verhalfen in den 1930er-Jahren dem Fremdenverkehr zu einem bescheidenen Aufschwung. Von 1950 bis 1970 erfolgte die Umnutzung vieler Stickerbauern- und Seidenweberhäusern, im Dialekt als «Häämetli» bezeichnet, zu Ferienhäusern. In Wald gibt es heute 75 Ferienhäuser.

Eine Attraktion für den Fremdenverkehr war der Tierpark «Tanne» mit Alpenhotel. Es gab dort Löwen, Bären, Kamele, Affen, Lamas und exotische Vögel. 1966 soll der Tierpark mehr als 100 Tiere beherbergt haben. Angeboten wurde auch Ponyreiten für die Kinder. Nach 1968 wurde der Betrieb mehr und mehr reduziert. Zuletzt war es noch ein Kinderzoo. 1977 wurde auch dieser geschlossen, 1983 brannte das Hotel nieder.

Unternehmen Hauptarbeitgeber ist seit 1945 die vor allem in Metall- und elektrischer Heiztechnik tätige Firma Walser & Co AG. Das Unternehmen produzierte handgeflochtene Drahtkörbe und sogenannte Zainen (Wäschekörbe). Viehhüteapparate, Draht, Isolatoren, Seilerwaren, Bürsten und Blachen ergänzten das Angebot. Ab 1950 verhalf der Firma Walser & Co. der «Walser-Tran» zum Durchbruch. Dies ist ein Produkt aus Lebertran und Vitaminen und stärkt den Knochenbau bei Nutztieren. 2010 beschäftigte die Firma 85 Mitarbeiter, wovon ein Drittel in Wald wohnte. Seit 2018 wird die Firma von der dritten Generation geführt. Heutige Produkte der Firma Walser Co. AG sind der Abfallkübel «Abfall-Hai», der in vielen Städten im In- und Ausland steht und in Bärengebieten eingesetzt wird, um die Raubtiere von den Abfällen fernzuhalten. Daneben stellt die Firma heute Verankerungen für Leitplanken, Geländer, Schallschutzwände oder Vordächer her. Ein drittes Produkt sind beheizte Apparate aus Edelstahl.

2005 stellte der erste Wirtschaftssektor knapp 25 Prozent, der zweite gut 45 Prozent der Arbeitsplätze in der Gemeinde.

Heute sind in Wald gut 20 Unternehmen angesiedelt, darunter zahlreiche kleine und mittlere Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe. Es gibt im Dorf eine Käserei, einen Lebensmittelladen und eine Postagentur.

Medien Der Wäldler Anzeiger «Wanze» ist das amtliche Publikationsorgan der Gemeinde Wald. Er erscheint alle zwei Wochen und wird von der Gemeindekanzlei erstellt. Neben offiziellen Mitteilungen wird über das Leben im Dorf berichtet und auf Veranstaltungen hingewiesen.

Bildung Schon früh gab es in den Pfarrbüchern Hinweise auf Schulen in der Gemeinde. Damals wurde das Lesen der Bibel gefördert. Mehr als Singen, Schreiben und Lesen wurde nicht unterrichtet. Mit dem Kirchenbau brach auch ein neues Zeitalter im Schulwesen an. Eine Schulstube wurde im Pfarrhaus eingerichtet und somit die Dorfschule gegründet. Die Aussenschulen «Langenegg», «Grund» und «Kozeren» vereinigten sich zu einer Schulrhode, der «Fahrenschwendi» mit einem eigenen kleinen Schulhaus. Das Schulhaus Dorf war 1768 fertiggestellt. Die beiden Schulrhoden wurden 1868 zusammengelegt und der Gemeindeverwaltung unterstellt. Ein Jahr später wurde ein neues Schulhaus im Dorfkern bezogen (heute Gemeindekanzlei). Ab 1873 wurde zusätzlich eine Oberstufe eingeführt.

1905 und 1907 standen Reorganisationen im Wäldler Schulwesen an. In der Primarschule wurde die achte Klasse eingeführt, und die Lehrkräfte wurden zunehmend besser entlohnt. Man entschied sich für ein zweites Schulhaus in der Gemeinde, da das alte zu klein geworden war.

Heute können alle Kinder vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse in Wald zur Schule gehen. Die Primarschule wird im Doppelklassensystem geführt. Die Sekundarschule für die Gemeinden Wald und Rehetobel befindet sich in der Nachbargemeinde Trogen. Die einzige Kantonsschule von Appenzell Ausserrhoden befindet sich ebenfalls in Trogen.

Öffentliche Einrichtungen Das Alters- und Pflegeheim Obergaden wird von der Gemeinde Wald getragen. Es bietet Lebensraum für ältere Menschen, die selbstbestimmt leben möchten, aber auch Pflegebetten. Für Externe gibt es einen Mittagstisch und auch einen Mahlzeitendienst zuhause. Ein erstes Haus im Obergaden war als Waisenhaus erbaut worden. Es brannte 1845 ab, als ein neunjähriger Knabe mit Streichhölzern spielte. Der Wiederaufbau entpuppte sich als schwierig, da Geldquellen fehlten. Mit dem Neubau von 1846 waren auch straffällige Frauen und Männer im Waisenhaus untergebracht worden.

Verkehr mini|Die letzte Postkutsche vor der Einführung des Postautos, 1920 Wald liegt an der Postautolinie von Trogen nach Heiden.

Kultur und Freizeit In der Gemeinde gibt es eine Kulturkommission, die kulturelle Anlässe organisiert und unterstützt. Zum festen Jahresprogramm gehören der Jahrmarkt, eine Oster- und eine Adventsfeier. Diese Ostermontagsfeier hat eine lange Tradition, ihren Ursprung hat sie im 17. Jahrhundert. Damals brachten die Schülerinnen und Schüler Bibel- und Gesangsbuchverse möglichst kreativ zu Papier und konnten so zeigen, was sie während des Schuljahres gelernt haben. Heute ist Wald das einzige Dorf im Kanton Appenzell Ausserrhoden, das diese Tradition weiterführt.