Tacherting ist eine Gemeinde und ein Dorf im oberbayerischen Landkreis Traunstein.
mini|Ortszentrum Tacherting mit Kirche links und Rathaus (grau) mini|Tacherting Dorfmitte vom Sportplatz gesehen mini|Tacherting aus südlicher Richtung, die B299, sowie die Lage im Alztal gut erkennbar mini|Pfarrkirche „Zu unserer lieben Frau“ in der Ortsmitte
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im nördlichen Landkreis Traunstein, etwa 85 km östlich der Landeshauptstadt München. Gute 60 km südöstlich befindet sich das österreichische Salzburg. Zur Kreisstadt Traunstein sind es 28 km. Die Gemeinde befindet sich im Alpenvorland in der Planungsregion Südostoberbayern. Die Höhenlage der größeren Gemeindeteile ist durch räumliche Gegebenheiten relativ unterschiedlich verteilt: Die Gemeindeteile Emertsham () und Peterskirchen () liegen deutlich höher als der größte Gemeindeteil Tacherting selbst, der sich durch seine Lage im Alztal nur auf rund befindet.
Der Osten des Gemeindegebietes wird von der Alz durchflossen, dem einzigen Abfluss des Chiemsees, welcher sich selbst etwa 20 km entfernt befindet. Durch die Nähe zur Alz kommt es des Öfteren zu Hochwasser und einem damit verbundenen Anstieg des Grundwasserspiegels. Bestes Beispiel ist das Hochwasser in Mitteleuropa 2013.
Flächennutzung Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt 5024 ha, davon sind 3575 ha (71,1 %) Landwirtschaftsfläche, 928 ha (18,5 %) Waldfläche, 455 ha (9,1 %) Siedlungs- und Verkehrsfläche.
Nachbargemeinden An die Gemeinde grenzen im Norden die Gemeinden Taufkirchen (Landkreis Mühldorf am Inn) und Engelsberg, im Osten Feichten a.d.Alz (Landkreis Altötting), im Süden Trostberg, im Südwesten Kienberg und im Westen Schnaitsee.
Gemeindegliederung
Es gibt 108 Gemeindeteile, die sich auf die drei Gemarkungen Tacherting (Osten), Emertsham (Zentrum) und Peterskirchen (Westen) verteilen: GemarkungTacherting GemarkungEmertsham GemarkungPeterskirchen Tacherting Aichmühle Außerperl Brandstätt Degernfeld Eberting Fern Flecking Förgenthal Galgenpoint Haselreit Heimhilgen Hochholzen Hochreit Hütting Laab Lengloh Lohen Mitterfelden Mittermühle Mussenmühle Neuschalchen Oberbrunnham Otzen Pinzgau Reit Schalchen Schermühle Schörging Straß Unterbrunnham Wajon Emertsham Altenham Arfling Attenberg Au Berg Buch Buchöster Fellern Gerading Goldberg Haitzing Hirschham Hof Holzhäusl Hörzing Kirchstätt Leiten Maierstetten Mussen Neudeck Niederhausen Pfarrhof Ponthal Reicherting Ruppling Schönlinden Schweinberg Siegharting Spreit Urthal Wartmoning Watzing Weisthum Wies Willading Witzmoning Wolfanger Wolfhausen Peterskirchen Aigner Arbeiter Attenhub Brandstätter Eck Fuchsreit Guttenhof Handler Harrer Höhenmark Holzen Holzenhilgen Kainau Kirschner Kitzler Klugham Lehen Liebharten Lufersöd Machesöd Maierlreith Moos Mörn Mühlhausen Reichgrub Rusch Schergenhub Schwoshub Siegler Spiegelsberg Stadler Vogl Weg Werfer Woishub Zehnthof Weingarten?
Größere Gemeindeteile sind Tacherting, Emertsham, Peterskirchen, Wajon, Reit, Schalchen, Neuschalchen, Degernfeld und Lengloh.
Geschichte Chronik Das Gebiet rund um den Ortsteil Tacherting ist seit alters her besiedelt – belegt durch Bodenfunde, u. a. Hügelgräber der Jungsteinzeit bzw. der späten Bronzezeit. Ebenfalls konnte die durchgehende Besiedelung während der Römerzeit nachgewiesen werden, als die Gegend zur Provinz Noricum des römischen Weltreichs gehörte. Umfangreiche Ausgrabungen am Anfang des 19. Jahrhunderts belegen diese Abschnitte der Ortsgeschichte.
Im 6. Jahrhundert verfiel das römische Weltreich und es kam zur Einwanderung der Bajuwaren, auf die Orte mit der Endung „-ing“ (Tacherting, Taching, Chieming) hinweisen.
Um 735 datiert die wohl erste Erwähnung von Tacherting als „takahartinka“ in einer Schenkungsurkunde an die Domkirche Passau.
Im Jahr 788 wurde „Tahardinga“ in der Notitia Arnonis als dem Erzbischof Arno von Salzburg gehörende Kirche erwähnt.
Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Alz als Grenze zwischen dem Herzogtum Bayern und dem Erzbistum Salzburg bestimmt, Tacherting fiel bei Streitigkeiten zwischen den herzöglichen Brüdern Ludwig und Heinrich an Niederbayern.
mini|Altes Luftbild von Tacherting In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die heutige Pfarrkirche Unserer Lieben Frau in Tacherting erbaut.
Auf dem Reichstag zu Konstanz 1507 ordnete ein kaiserliches Dekret Tacherting Oberbayern zu.
Mit der Regulierung der Alz und dem Bau des ersten Abschnitts des Alzkanals (1908–1910) entstanden Wasserkraftwerke, erste Industrie siedelte sich an.
Im Mai 1945 zog die US-amerikanische Armee ein, Tacherting wurde Lazarett-Gebiet.
In den 1960er Jahren fanden regelmäßige Grasbahnrennen in Tacherting mit bis zu 18.000 Zuschauern statt.
2009 fand in Tacherting die Deutsche Meisterschaft im Bogenschießen statt.
Religionen Wie auch im Rest des ländlich geprägten Oberbayern bekennt sich der Großteil der Bevölkerung zur römisch-katholischen Kirche. Laut der Volkszählung von 1987 waren dies 3990 Bürger der Gemeinde. Nur 274 Bürger bekannten sich zum evangelischen Glauben.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 die Gemeinde Emertsham eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam Peterskirchen hinzu. In der Folge finden sich auf dem Gemeindegebiet die drei Gemarkungen Tacherting (1851,19 ha, Osten, entspricht der Gemeindeausdehnung in ihren ursprünglichen Grenzen vor dem 1. Juli 1972), Emertsham (2188,17 ha, Zentrum) und Peterskirchen (984,23 ha, Westen).
Einwohnerentwicklung + Bevölkerungsentwicklung 1840 bis 2016Statistik kommunal 2010 Tacherting (PDF; 1,3 MB) Jahr 1840 1900 1950 1961 1970 1991 1995 2000 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Einwohner 1653 2143 4050 3962 4516 4624 5327 5507 5663 5623 5574 5537 5514 5480 5469 5477 5486 5605 5717 5761
Um dem demografischen Wandel, hier konkret der Landflucht, entgegenzuwirken, hat der Gemeinderat am 26. Januar 2012 die „Richtlinie zur Förderung von Wohnraum und Familien“ beschlossen. Mit diesem Förderprogramm soll der Zuzug neuer Einwohner sowie der Erwerb von Wohneigentum durch die Ortsbevölkerung im Gemeindegebiet gefördert werden. Im Jahr 2013 wurden im Förderprogramm 35.000 Euro abgerufen, für 2014 standen 65.000 Euro zur Verfügung.
Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 4380 auf 5734 um 1354 Einwohner bzw. um 30,9 %.
Politik Gemeinderat
Der Gemeinderat besteht derzeit aus 20 Mitgliedern und dem Ersten Bürgermeister. Bei den Kommunalwahlen in Bayern 2020 wurden die 20 Sitze im Gemeinderat wie folgt verteilt: FW: 10 Sitze (49,07 %) CSU/Unabhängige: 6 Sitze (32,52 %) SPD: 4 Sitze (18,40 %). Die Wahlbeteiligung lag bei 59,6 % (2014: 45,7 %)
Bürgermeister Vom 21. Oktober 2006 bis 30. April 2020 war Johann Hellmeier Erster Bürgermeister. Durch die Änderung der Wahlgesetzgebung galt seine Wahl vom 23. September 2012 knapp acht Jahre bis zu den allgemeinen Kommunalwahlen 2020. Seit dem Tod von Bürgermeister Josef Breu (1994) waren die Bürgermeisterwahlen in Tacherting nicht mehr im Rhythmus der Gemeinderatswahlen gewesen.
Bei der Wahl 2020 am 15. März 2020 wurde bei insgesamt drei Bewerber mit 71,22 % der Stimmen Werner Disterer (Freie Wähler) als neuer Erster Bürgermeister der Gemeinde gewählt.
1956 bis 1966 Ludwig Steffl 1966 bis 1994 Josef Breu (CSU) 1994 bis 2006: Rudolf Schenkl (SPD) 2006 bis 2020: Johann Hellmeier (CSU und Unabhängige) seit 2020: Werner Disterer (FW)
Wappen
Gemeindefahne: Die Gemeindefahne (weiß, gelb, blau mit Gemeindewappen) entstammt der Idee des Ehrenbürgers Urbanek; seit 1967 führt die Gemeinde Tacherting diese eigene Fahne.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Tacherting liegt im Alztal, das sich in diesem Bereich oft noch im naturnahen Zustand befindet. Die Tachertinger Pfarrkirche heißt: „Zu unserer Lieben Frau“. In der Ortsmitte von Tacherting befindet sich der unter Denkmalschutz stehende Salzstadel. In der näheren Umgebung finden sich bedeutende Ausflugsziele wie etwa der Chiemsee, oder die längste Burg der Welt in Burghausen. Die Chiemgauer Alpen, sowie bekannte Wintersportorte wie Ruhpolding oder Inzell sind in ca. 45 Minuten erreichbar.
Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Museen Im Gemeindeteil Brandstätt befindet sich das von privater Hand geführte Chiemgauer Schulmuseum. Das Heimatmuseum befindet sich in der Grundschule in Tacherting. Im Keller der Grundschule findet man die Räume des Heimatvereins Tacherting mit Funden aus 4000 Jahren Ortsgeschichte. Seit Neuestem wird dort auch die Bilderausstellung „3000 Jahre Ortsgeschichte Tacherting“ ausgestellt.
Sport Tacherting kann auf eine lange sportliche Vergangenheit zurückblicken. In den 1950er Jahren war Tacherting berühmt für seine Grasbahnrennen. Die Tachertinger Rennbahn galt als eine der schnellsten Deutschlands zur damaligen Zeit. Bis zu 18.000 Zuschauer ließen sich dieses Spektakel nicht entgehen, in einem Ort, der selbst nur ca. 4000 Einwohner hatte. 1959 endeten diese Grasbahnrennen aufgrund von Grundstücksverkäufen. Heute tragen vor allem die Sportvereine zu einem abwechslungsreichen Gemeindeleben bei.
SV Linde Tacherting
SV Linde Tacherting wurde 1949 als SV Tacherting gegründet. 1969 wurde der Vereinsname in SV Linde Tacherting geändert. Zurzeit bestehen 10 Abteilungen mit über 1100 Mitgliedern. Es gibt Abteilungen für: Fußball, Leichtathletik, Ski, Stockschießen, Seniorensport, Tennis, Tischtennis, Turnen, Tae Kwon Do und Volleyball.
Das neue Vereinsheim des SV Linde Tacherting wurde am 19. August 2008 nach einer Bauzeit von 1 ½ Jahren eingeweiht. Im Herbst 2013 wurde die neue 2,5-fach-Turnhalle der Gemeinde Tacherting offiziell ihrer Bestimmung übergeben.
mini|Im Herbst 2013 eröffnete neue 2,5-fach-Turnhalle der Gemeinde Tacherting
TSV Peterskirchen
Der TSV Peterskirchen wurde 1967 gegründet. 1990 Bau der Tennisanlage. Die A-Fußballmannschaft der Herren spielt in der Bezirksliga Oberbayern Ost.
FSG Tacherting (Feuerschützengesellschaft Tacherting)
Schützenverein, Bogensport, Luftgewehr, Luftpistole…
Deutscher Mannschaftsmeister – 1. Bundesliga Bogenschießen 2002, 2004 und 2008 – im Bogenschießen
Regelmäßige Veranstaltungen Bis in die 2000er-Jahre wurde von der Freiwilligen Feuerwehr Tacherting zur Faschingszeit der Faschingsball im Gasthaus zur Post veranstaltet, der aber mittlerweile nicht mehr angeboten wird. Stattdessen werden Events wie z. B. das jährliche Familienfest zum Vatertag veranstaltet.
Der Motorsportclub initiiert jährlich einen Adventsmarkt, der auch von ortsansässigen Vereinen und Geschäften mit gestaltet wird. Musikalische Beiträge werden von der Musikschule Emertsham, dem Musikverein Feichten oder anderen Gruppen dargeboten.
Wirtschaft und Infrastruktur Tacherting befindet sich im Süden des Südostbayerischen Chemiedreiecks. Im Ortsteil Lengloh befinden sich die zwei wichtigsten Arbeitgeber: Zum einen die Linde AG (Werk Schalchen) mit zirka 800 Mitarbeitern. Hier verlassen oft Schwertransporte mit Wärmetauschern und Luftzerlegern das Werk Richtung Passau, um dann verschifft zu werden. Zum anderen befindet sich dort die AlzChem (Werk Schalchen – vormals Evonik, davor Degussa, davor SKW Trostberg Werk Schalchen) mit zirka 100 Mitarbeitern. Es existieren des Weiteren eine ganze Reihe von mittelständischen Unternehmen. Die Gemeinde selbst beschäftigt derzeit 50 Mitarbeiter. Im Norden Tachertings befindet sich ein bebaubares Gewerbegebiet (Lochner Feld) unmittelbar an der Bundesstraße B 299. Insgesamt stehen aktuell 4,3 ha baureife Gewerbe- und Wohnbauflächen zur Verfügung.
Im Ortsteil Tacherting sind die Discounter Edeka (Scherer) sowie Netto ansässig. An der B299 in der Ortsmitte von Tacherting befindet sich eine Sparkasse sowie eine meine Volksbank Raiffeisenbank eG.