mini|David gegen Goliat, Zeichnung aus Frankreich aus dem 13. Jahrhundert, mit hebräischer Legende mini|David mit dem Haupt Goliaths. Marmorrelief (1795) des italienischen Bildhauers Grazioso Rusca an der Hauptfassade des Mailänder Doms mini|David präsentiert den Kopf des Goliath (Gustave Doré), 1866 mini|David mit Goliats Kopf, Bildfeld an der großen Knesset-Menora mini|David und Goliath, Gemälde von Albert Weisgerber (1914)
Goliat, häufig auch Goliath (; ), aus Gat ist der Name eines legendären riesigen Kriegers der Philister aus dem Tanach (Altes Testament).
Biblischer Befund Ausführliche Beschreibungen Im 1. Buch Samuel wird die Figur des Goliat ausführlich beschrieben:
Im Zusammenhang der Erwählung Davids zum zukünftigen König von Israel erzählt vom Zweikampf des jungen David gegen einen riesigen Krieger der feindlichen Philister. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe tritt David dem gewaltigen Gegner entgegen und kann ihn mit seiner Steinschleuder töten:
berichtet dementsprechend, wie David einige Zeit später auf seiner Flucht vor dem israelitischen König Saul im Heiligtum in Nob nach einer Waffe fragt und vom Priester Abimelech die Auskunft erhält:
Zusammenfassungen Im 2. Buch Samuel , einer Zusammenfassung der Heldentaten von Davids Gefolgsleuten gegen mächtige Gegner, wird der Riese Goliat in eine Reihe mit drei weiteren riesenhaften Gegnern gestellt, die alle vier den Rafaitern zugeordnet werden. Goliat wird von Elhanan, dem Sohn Jaïrs aus Betlehem, getötet, David ist nur mittelbar als Kriegsherr am Ruhm beteiligt:
Im 1. Buch der Chronik dagegen wird im beinahe gleichen Summarium geschildert, dass Elhanan nur den Bruder Goliats tötet:
Die historisch-kritische Bibelwissenschaft geht heute mehrheitlich davon aus, dass viele Details der Goliat-Erzählung in der hebräischen Bibel erst kurz vor der Zeitenwende entstanden und dass auch der Name Goliat als Bezeichnung für Davids Gegner keinen ursprünglichen Bestandteil der Erzählung 1. Samuel 17 darstellt, sondern erst nachträglich von einem Schreiber ergänzt wurde, der die Notiz über die Heldentat des Elhanan kannte. Die andere Erzählung 2. Samuel 21,19 dürfte nach dieser Hypothese als ursprünglicher literarischer Kontext des Namens gelten. Bei der späteren Übernahme des Summariums in 1. Chronik 20 wurde dementsprechend der vorgefundene Widerspruch harmonisiert, indem man Elhanan die Tötung von Goliats Bruder zuschrieb.
Im Alten Testament finden sich besonders im Buch Josua weitere Geschichten über Kämpfe mit Riesenvölkern. Dazu zählen neben den Rafaitern, zu denen die beiden Summarien Goliat zählen, auch die Söhne Anaks (Anakiter) und die Emiter.
Diese Erzählungen von Kampf und Sieg gegen die Riesenvölker Kanaans haben primär keinen historischen, sondern einen theologischen Hintergrund: Indem sich das Volk Israel bedingungslos auf die Führung JHWHs verlässt, ist es ihm möglich, das versprochene Land in Besitz zu nehmen.
Etymologie
Der Name Goliat selbst hat keine semitische Etymologie. Gemäß den Hypothesen zur Abstammung der Philister wird dafür dieselbe indoeuropäische Wurzel vermutet wie in dem lydischen Namen Alyattes. Ein Team um den Archäologen Aren Maeir von der Bar-Ilan-Universität fand 2005 in der einstigen Philisterstadt Gat eine Tonscherbe mit einer Inschrift in früher semitischer Schrift, auf der zwei Namen genannt sind, die Ähnlichkeiten mit dem Namen Goliat aufweisen und darauf hindeuten, dass es sich bei Goliat durchaus um einen Namen der Philister handeln könnte.The Tell es-Safi/Gath Archaeological Project: Overview
Beiträge der Altertumsforschung mini|Das Goliathhaus in Regensburg Die Größe Goliats wird in den Schriftrollen von Qumran mit vier Ellen und einer Handbreit (ungefähr zwei Meter) angegeben, ebenso bei dem jüdischen Historiker Flavius Josephus und in der Septuaginta. In späteren Schriften, die die Grundlage von Lutherbibel und Einheitsübersetzung bilden, sowie in der Vulgata wird seine Größe sogar auf sechs Ellen und eine Handbreit (also ca. drei Meter) gesteigert.
Nach statistischen Untersuchungen der israelischen Altertumsbehörde an männlichen Skeletten aus der Bronze- und Eisenzeit (3000–500 v. Chr.) war der durchschnittliche Mann in biblischer Zeit etwa 1,64 m groß. Immer wieder gibt es jedoch auch Funde deutlich größerer Skelette (1,85–2,00 m), unter anderem aus Gezer. Es gilt als durchaus wahrscheinlich, dass solche überdurchschnittlich hochgewachsenen Männer als Einzel- und Vorkämpfer in den Armeen dientenWar Goliat „nur“ ein Elitekämpfer? Blog „Archäologische Spatenstiche“, scilogs.spektrum.de, 12. Dezember 2007 und so eine Grundlage zur Goliaterzählung lieferten.
Riesen tauchen auch in anderen Quellen der Antike auf. Auf Siegeln und Tempelmauern dieser Zeit befinden sich entsprechende Darstellungen. Ein Beispiel ist der Abu-Simbel-Tempel von Ramses II. in Oberägypten sowie Textüberlieferungen aus Syrien und Ägypten. So zeigt die Goliaterzählung zum Beispiel große Ähnlichkeit mit der altägyptischen Geschichte des Sinuhe aus dem Mittleren Reich, in der Sinuhe den Starken aus Retjenu ebenfalls mit einer List tötet.Manfred Görg: Ägyptische Religion: Wurzeln – Wege – Wirkungen. Kohlhammer, Stuttgart 2007, S. 69.
Die Rüstung und Bewaffnung Goliats entspricht der eines Hopliten griechischer Heere.
Rezeption mini|Herr und Frau Goliath, beim Stadtfest „Ducasse d’Ath“
Heute werden in Anlehnung an den biblischen Bericht sehr große Menschen oder Dinge als Goliat bezeichnet. Treten irgendwo zwei sehr ungleiche Gegner gegeneinander an, so spricht man häufig von einem Kampf „David gegen Goliat“.
Die Figur des Goliat ist in viele Bräuche eingegangen. Eine bekannte ist die Riesenfigur des Goliat beim „Ducasse d’Ath“-Festival in Ath (Belgien). Das „David-und-Goliath-Spiel“ war bis ins 20. Jahrhundert im Lungau stark verbreitet; in Ramingstein wird es aufgeführt.Vereine & Brauchtum: David und Goliath ramingstein.at
Auf einer der Exemplum-Tafeln des Kurfürsten Joachim II. aus der Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren wird der Kampf Davids gegen Goliat dargestellt (ca. 1540/1545).
In Regensburg steht das Goliathhaus, auf dessen Fassade ein monumentales Wandgemälde von Melchior Bocksberger (1573) die gleiche Szene zeigt.
Matthias Claudius reimte das Kinderlied War einst ein Riese Goliath, gar ein gefährlich Mann.Reiner Andreas Neuschäfer: „Wie man mit Ehren fechten soll“ oder: Matthias Claudius als David in Würselen. „Die Geschichte von Goliath und David, in Reime bracht“. In: Jahresschriften der Claudius-Gesellschaft. 15 (2006), S. 5–20.
1960 entstand die italienische Bibelverfilmung David und Goliath.
Dagmar und Klaus Heizmann schrieben 2002 ein Kindermusical mit dem Titel David und Goliat.
Der Goliathkäfer ist auf Grund seiner Größe nach dieser Person benannt, ebenso der Goliathfrosch. Eher ironisch ist dagegen die Benennung des Sprengpanzers Goliath zu sehen, der im Verhältnis zu herkömmlichen Panzerfahrzeugen sehr klein war.
Weblinks
The Tell es-Safi/Gath Archeological Project (archäologische und epigraphische Erkenntnisse mit weiterführenden Verweisen)
Terra X: Der Riese Goliath – Auf den Spuren der Seevölker. TV-Dokumentation auf YouTube (52:01 Min.)
Einzelnachweise
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