Zabeltitz ist ein Straßendorf in der Großen Kreisstadt Großenhain an der Nordgrenze des Landkreises Meißen in Sachsen. Es erlangte überregionale Bekanntheit durch seine Schloss- und Parkanlagen aus der Renaissance und dem Barock.Barockgarten an der Autobahn, Sächsische Zeitung vom 25. August 2017; abgerufen am 17. Februar 2021

Geografie Geografische Lage und Naturraum mini|hochkant|Röderauwald Zabeltitz

Zabeltitz liegt etwa neun Kilometer nördlich von Großenhain an der Großen Röder in der Großenhainer Pflege. Umgeben wird es von den Naturschutzgebieten Röderauwald Zabeltitz und Elligastwiesen. Direkte Nachbarorte sind Treugeböhla, Stroga, Nasseböhla, Walda und Görzig.

Zabeltitzer Kiesel

Im 18. Jahrhundert fand man in der Nähe von Zabeltitz Bergkristalle, die so genannten Zabeltitzer Kiesel oder Zabeltitzer Diamanten. Heute findet man sie kaum noch.Helmut Enger: Zabeltitz – Kleinod der Röderaue – Ein Wegweiser durch Dorf und Barockgarten. Hrsg.: Rat der Gemeinde Zabeltitz-Treugeböhla und Kulturbund der DDR, Ortsgruppe Zabeltitz

Klima Zabeltitz liegt mit seinem humiden Klima in der kühl-gemäßigten Klimazone, jedoch ist ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar.Geoklima 2.1 Die nächsten Wetterstationen befinden sich in Doberlug-Kirchhain, Torgau, Oschatz und Dresden.

Geschichte Ortsname mini|hochkant=1.6|Amt Hayn mit Amt Zabeltitz um 1752

Der Name „Zablatwitz“ kommt aus dem Altsorbischen. Er setzt sich aus „za“ (hinter) und „blato“ (Sumpf) zusammen und bedeutet demnach so viel wie „die hinter dem Sumpf“, wobei mit jenem Sumpf die Elligastniederung gemeint ist. Im Laufe der Geschichte änderte sich der Ortsname von Zabeltitz mehrfach.Dietmar Enge: Unser Zabeltitz. In: Parkschänke Zabeltitz (Hrsg.): Zabeltitzer Heimat. Nr. 1.

Ortsgeschichte mini|Altes Schloss Zabeltitz (2007)

Am 12. April 1207 wurde Heinricus von Zablatwitz urkundlich erwähnt, womit indirekt auch die Existenz Zabeltitzes bewiesen war. Im Mittelalter stand auf dem Gebiet von Zabeltitz eine Wasserburg, welche eine alte Salzstraße zwischen Halle (Saale) und Polen, an der Zabeltitz lag, schützte. Sie wurde wahrscheinlich von der Familie von Zabeltitz gegründet. 1324 wurde die Familie von Köckeritz mit Zabeltitz belehnt, womit Zabeltitz auch als Ort urkundlich erwähnt wurde. Ab 1397 war die Familie von Pflugk für rund 200 Jahre Besitzer von Zabeltitz. Um 1565 wurde die alte Wasserburg unter Nickel Pflugk zu einem Wohnschloss im Renaissancestil umgestaltet. 1580 begann Pflugk mit dem Bau der heutigen St.-Georgen-Kirche.Dietmar Enge, Helmut Enger: Festschrift – 800 Jahre Zabeltitz. In: Förderverein Heimatpflege Röderaue e. V. Zabeltitz (Hrsg.): Zabeltitzer Heimat. Nr. 12, 2007, ISBN 978-3-932913-59-4

Aufgrund der hohen Verschuldung durch den Bau wurde Zabeltitz 1588 für 80.000 Gulden an Christian I. verkauft, der Zabeltitz zu seinem Jagdsitz umbauen wollte. Dazu richtete er das Wohnschloss neu ein, für die Unterbringung seiner Gäste mit Gefolge und deren Pferde war es jedoch zu klein, weswegen er 1588 den Bau des Alten Schlosses veranlasste. Nach seinem Tod erhielt Christian II. Zabeltitz. Unter ihm wurde 1598 der Bau abgeschlossen.Dietmar Enge: Vom Stall zum Schloss. In: Förderverein Heimatpflege Röderaue e. V. Zabeltitz (Hrsg.): Zabeltitzer Heimat. Nr. 10, 2006, ISBN 3-932913-55-8

Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Zabeltitz 1637 von den Schweden geplündert und verwüstet. Trotzdem hielt Kurfürst Johann Georg II. mit seinem Gefolge 1657 und 1659 Jagdlager in Zabeltitz ab.

mini|Palais Zabeltitz

Ab 1699 wurde das Rittergut Zabeltitz verpachtet, während das Schloss stets den Kurfürsten vorbehalten blieb. Später gehörte es zum Wittum der verwitweten Kurfürstin Anna Sophie, Mutter Augusts des Starken, die jedoch auf Schloss Lichtenburg lebte, bis sie 1717 starb. Da die Pächter oft den Pachtzins nicht zahlten und 1727 infolge einer Missernte fünf Dörfer die Steuern nicht aufbringen konnten, versuchte August der Starke den unrentablen Besitz so schnell wie möglich loszuwerden. Er hatte schon 1717 seinem Weggefährten, dem Generalfeldmarschall Graf August Christoph von Wackerbarth, ein Rittergut versprochen. Jetzt bot sich die Gelegenheit, Zabeltitz zu verschenken, da bereits der geplante Tausch von Zabeltitz gegen Pillnitz mit der Gräfin Cosel an deren Weigerung gescheitert war. Am 16. Februar 1728 erhielt Wackerbarth das Rittergut Zabeltitz im Tausch gegen zwei Dresdner Häuser mit Mobiliar, die der König ihm kurzfristig übereignet hatte, da im Monat zuvor Wackerbarths Dresdner Amts- und Wohnsitz, das Gouvernementshaus, bis auf die Grundmauern niedergebrannt war. Wackerbarth errichtete an der Stelle des Pflugkschen Renaissanceschlosses von 1728 bis 1730 das heutige Palais und legte den Barockgarten an. Nachdem er 1734 gestorben und in der Zabeltitzer Kirche bestattet worden war, erbte sein Stief- und Adoptivsohn Graf Joseph Anton Gabaleon von Wackerbarth-Salmour seine sämtlichen Besitzungen. Während er Schloss Wackerbarth's Ruh in Radebeul selbst nutzte, verkaufte er das heutige Kurländer Palais und schenkte Zabeltitz seinem im Piemont aufgewachsenen Neffen Giuseppe Antonio Gabaleone, Conte di Salmour, zur Hochzeit mit Gräfin Helena Isabella Lubieńska. Nach dessen Tod 1759 verwaltete die Gräfin Salmour es für ihre noch unmündigen Kinder. Sie lebte in Prag als Hofdame einer Schwester des Kaisers Joseph II., der auf einer Reise in Zabeltitz Besuch machte. Sie galt als recht fromm und sittenstreng: Giacomo Casanova (1725–1798) beklagte sich in seinen Memoiren „Histoire de ma vie“, sie habe dafür gesorgt, dass er aus Wien ausgewiesen wurde. Auf Wunsch des Prinzen Xaver von Sachsen, des zeitweiligen Regenten des Kurfürstentums, verkaufte sie 1769 Zabeltitz an die von ihm geführten Wettiner. Im Gegenzug erwarb sie die Güter Schloss Kittlitz und Schloss Unwürde bei Löbau. Prinz Xaver legte den Inselteich und die Wildnis im Barockgarten an und lebte bis zu seinem Tod 1806 im Palais.

mini|Karte von Zabeltitz und Umgebung, 1834

1808 wurde der Ort von einem Großbrand verwüstet. Nur die Kirche, das Alte Schloss und das Palais blieben unversehrt. Der Schulbetrieb wurde danach vorerst in der Kirche abgehalten. Bei dem Brand ging ein Großteil der Urkunden und Akten zur Zabeltitzer Dorf- und Kirchengeschichte verloren.Dietmar Enge: 425 Jahre St.-Georgen-Kirche zu Zabeltitz. In: Förderverein Heimatpflege Röderaue e. V. Zabeltitz (Hrsg.): Zabeltitzer Heimat. Nr. 11, 2006, ISBN 3-932913-57-4

Anschließend wechselten die Besitzer. 1817 erwarb der Kammerherr Friedrich Freiherr von Weissenbach Zabeltitz, nachdem er 1813 die Enkelin des Prinzen Xaver, Maria Charlotta Xaveria, geheiratet hatte. Nach seinem Tod 1852 vererbte er Zabeltitz an seinen Sohn Anton Sigismund, welcher 1861 das große Steinkreuz auf dem Friedhof stiftete.

Ab 1875 kam es durch den Eisenbahnanschluss zu einem wirtschaftlichen Aufschwung.

mini|Karte von Zabeltitz und Umgebung, 1910

1889 erwarb der Kammerherr Arnold Woldemar von Frege-Weltzien Zabeltitz, der den Besitz vor dem drohenden Verfall rettete. Er erneuerte 1897 die Kirche und ließ 1898 verschiedene Umbauten im Palais vornehmen. Das Wappen auf der Hofseite erinnert an ihn. 1912 besuchte Sachsens letzter König, Friedrich August III., Zabeltitz. Der damalige Bürgermeister Hirschnitz hatte vor diesem Besuch eine Audienz beim König und als dieser fragte, wo denn „Zabeltitz“ liege, antwortete Hirschnitz: „Was, das kennen sie nicht? Das ist doch die Krone von Deutschland!“. Als Frege-Weltzin am 22. Oktober 1916 starb, vererbte er Zabeltitz an seine Tochter Elisabeth Jay mit ihrem Mann Rudolf Jay. Sie ließen 1919 Zabeltitz an das Stromnetz anschließen. Nach dem Tod der Jay 1932 wurde die Gutsanlage geteilt. Christoph Rudolf Arnold Jay erhielt das Palais und der Kommerzienrat Paul Habich das Alte Schloss. 1936 besuchte Hermann Göring Großenhain und bei dieser Gelegenheit auch Zabeltitz. 1945 erfolgte die Enteignung der Besitzerfamilien. In Folge der sogenannten Bodenreform nach 1945 wurden auch die zur Herrschaft Zabeltitz gehörenden Äcker, Wiesen und einige Waldflächen an „Neubauern“ vergeben. Im Jahr 1950 wurde der bis dahin zu Zabeltitz gehörende Ortsteil Stroga nach Nasseböhla umgegliedert.

Im Sommer 1958 überschwemmte die Röder Zabeltitz von Westen kommend. Auch die Geißlitz konnte die Wassermassen nicht zurückhalten.

Am 1. Januar 1973 wurde Zabeltitz mit Treugeböhla zu Zabeltitz-Treugeböhla vereinigt, wodurch Zabeltitz keine eigene Ortschaft mehr war. Am 1. März 1994 erfolgte der Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Zabeltitz-Treugeböhla, Görzig, Nasseböhla (mit Stroga), Skäßchen (mit Krauschütz, Skaup, Uebigau) und Strauch zur Gemeinde Zabeltitz, welche am 1. Januar 2010 nach einem Bürgerentscheid nach Großenhain eingemeindet wurde. Seitdem gilt Zabeltitz wieder als eigene Ortschaft.Dietrich Hanspach: Der Schraden. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Elsterwerda, Lauchhammer, Hirschfeld und Ortrand. Böhlau Verlag, Köln / Wien / Weimar 2005, S. 196f.

mini|Große Emma Zabeltitz

Zabeltitz ist seit 2012 Modell-Ort des als „Große Emma“ bezeichneten Modellprojektes zur Sicherung einer nachhaltigen Versorgung im dörflichen Raum, unter der Konzeption des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) und in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Meißen realisiert. Hierbei handelt es sich um eine Weiterentwicklung des nachbarschaftlichen Tante-Emma-Ladens als lokales Versorgungs- und Kommunikationszentrum. Grundgedanke ist es, lokalen Service-Anbietern vor Ort zeitlich flexibel Räume und Teile der Ausstattung nutzen. Dies ermöglicht allen Beteiligten, Betriebskosten zu senken und gleichzeitig die Kundenfrequenz zu erhöhen. Ostdeutscher Sparkassenverband; abgerufen am 5. April 2019.„Große Emma“ seit 36 Monaten im Betrieb. Internetblog GROSSE EMMA; abgerufen am 5. April 2019.

In den Jahren 2020 und 2021 wurden im gesamten Ortsgebiet Glasfaserleitungen verlegt. Im Zuge dessen wurde auch die Kopfsteinpflasterstraße aus den 1990er Jahren von der Ortsmitte zum Bahnhof von Grund auf erneuert.Breitbandausbau. Stadt Grossenhain; abgerufen am 14. Februar 2021.Ausbau der K 8512 in Zabeltitz startet. Stadt Grossenhain; abgerufen am 25. Februar 2021.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke und Parks

Altes Schloss mini|Altes Schloss Zabeltitz fotografiert von der Kirche; rechts die Große Röder, dahinter der Barockgarten mini|Blick am Alten Schloss vorbei zum Palais

Das Alte Schloss liegt fast parallel zur Großen Röder gegenüber dem Barockgarten. Die Adresse lautet Am Park 2. Es besteht aus zwei durchgezogenen Etagen, wobei jedoch das Satteldach bis auf die Giebel nicht ausgebaut ist. Nur die Kopfseiten und der Mittelteil des Gebäudes erhielten durch je drei bzw. zwei Renaissancegiebel drei weitere Geschosse. Vor dem mittleren Giebel auf der Parkseite steht der Treppenturm. Er wurde bis zum Dach aus drei Seiten eines Sechsecks gebaut und darüber als Zylinder. Abgeschlossen wird er von einer doppelten Haube mit dazwischen liegender Laterne.

mini|Heute noch erhaltener rechter Stall, genannt Schlosssaal

Im Erdgeschoss nimmt eine zweischiffige Halle den ganzen Mittelteil ein. Sie ist in der Mitte durch eine Wand geteilt und wird auf jeder Seite durch vier toskanische Säulen mit Kreuzgewölben getragen. Als Stall gebaut beträgt die lichte Höhe des Erdgeschosses 4,75 m. Die rechte Halle ist noch wie erbaut erhalten, während in die linke Halle weitere Wände gezogen wurden, um sie als Standesamt der ehemaligen Gemeinde Zabeltitz und nun für standesamtliche Trauungen zu nutzen. In den Kopfbauten befinden sich Wirtschaftsräume, die ebenfalls von Kreuzgewölben getragen werden. Wendeltreppen führen in die Obergeschosse, in denen sich auch Wirtschaftsräume befinden. Die Haupttreppe im Turm ist von außen zugänglich und führt bis zum zweiten Dachgeschoss. Sie besitzt breite, aber sehr kurze Stufen.