mini|Die Walhalla in Donaustauf
Die Walhalla ist eine Gedenkstätte auf dem Bräuberg im bayerischen Markt Donaustauf. Sie wurde in den Jahren 1830 bis 1842 durch König Ludwig I. von Bayern vom Architekten Leo von Klenze errichtet. Als gestalterisches Vorbild des klassizistischen Baudenkmals, das bedeutenden Persönlichkeiten „teutscher Zunge“ gewidmet ist, dienten antike Tempelbauten.Quelle: Amtlicher Führer, S. 66 ff. Stand 2026 gibt es 132 Büsten, davon sind 7 Frauen und 64 Tafeln, mit 6 geehrten Frauen.
Geschichte Vorgeschichte mini|Luftbild der Gedenkstätte mini|Farbdruck um 1900
Die Idee zur Errichtung der Walhalla, die nach Walhall, der Ruhestätte der Gefallenen in der nordischen Mythologie, benannt wurde, ist vor dem Hintergrund der politischen Situation zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu sehen. Nach Niederlagen gegen Napoleon zerbrach das Heilige Römische Reich 1806. Viele deutsche Fürsten arbeiteten, notgedrungen oder freiwillig, im Rheinbund mit den Franzosen zusammen. Das Kurfürstentum Bayern war seit 1805 mit Frankreich verbündet gewesen, wurde von Napoleon zum Königreich erhoben, und im Vierten Koalitionskrieg 1806/1807 marschierte Kronprinz Ludwig I. an der Seite der Franzosen gegen Preußen kämpfend in Berlin ein.
Angesichts von „Teutschlands tiefster Schmach“ im Jahr 1806, als das Heilige Römische Reich aufgelöst wurde, ein Großteil des späteren Deutschlands als Rheinbund unter dem direkten Einfluss Napoleons stand und die linke Rheinseite zu Frankreich gehörte, ließ der damalige Kronprinz Ludwig bereits 1807 eine Serie von Büsten „rühmlich ausgezeichneter Teutscher“ erschaffen. „Kein Stand nicht, auch das weibliche Geschlecht nicht, ist ausgeschlossen. Gleichheit besteht in der Walhalla; hebt doch der Tod jeden irdischen Unterschied auf.“
Nur „teutscher Zunge zu seyn, wird erfordert, um Walhallas Genosse werden zu können“, so Ludwig, denn die Sprache „ist das große Band, das verbindet, wäre jedes andere gleich zernichtet; in der Sprache währt geistiger Zusammenhang“. Diese „teutsche Zunge“ war weiter gefasst als die heutige deutsche Sprache und deckte sich in erheblichem Umfang mit dem, was man heute als germanisch bezeichnen würde. In diesem Sinne waren Österreicher und Schweizer, aber auch Niederländer und Flamen, Russen oder Angelsachsen aufnahmefähig. Zu den Geehrten kamen auf Anweisung Ludwigs viele historische Personen hinzu, die keine Deutschen oder Deutschsprachigen waren, aber aus seiner Sicht prägend für die Nationenbildung der Deutschen waren. So wurden – insbesondere bei den Tafeln – für die Nationenbildung relevante Römer, Goten, Vandalen und auch Franken, wie deren König Chlodwig I., in die Ruhmeshalle aufgenommen.
Die politische Schwächung der deutschsprachigen Staaten, die französische Besetzung und die Teilnahme vieler Deutscher an Napoleons verheerendem Russlandfeldzug 1812 wurden als tiefe Erniedrigung aufgefasst. Bestimmte Teile Deutschlands begannen zunehmend, eine positive gemeinsame nationale Identität in der Vergangenheit zu suchen, die sich an einer postulierten gemeinsamen Muttersprache orientierte, wobei die Deutschen und die Germanen der Völkerwanderung weithin gleichgesetzt wurden. Weitere deutsche Nationaldenkmäler des 19. Jahrhunderts, wie etwa das Hermannsdenkmal oder die Befreiungshalle, die zwar meist klassizistischen Stiles waren, jedoch germanische Themen aufgriffen, sind Ausdruck dieser Identitätssuche.
Planung und Bau mini|Grundriss der Walhalla mini|Tempelfassade von Klenze mit Giebelrelief von Schwanthaler
Ludwig hatte, wie in der ersten der drei Bodeninschriften vermerkt, schon im Januar 1807 den Beschluss gefasst, so bald wie möglich für fünfzig große Deutsche einen Ehrentempel zu errichten. Zusammen mit dem Schweizer Geschichtsschreiber Johannes von Müller, der auch den Namen Walhalla vorschlug, wählte er Persönlichkeiten aus, von Kaisern längst vergangener Zeiten über jüngst Verstorbene, wie Friedrich Schiller, bis zu Zeitgenossen wie Goethe und Joseph Haydn, und gab auf eigene Kosten deren Büsten in Auftrag, bei Bildhauern wie u. a. Johann Gottfried Schadow, dessen Sohn Rudolf Schadow, Joseph Maria Christen oder Christian Friedrich Tieck.
Während die ersten Büsten noch 1807 vollendet wurden, verzögerte sich die Planung und Fertigstellung eines angemessenen Gebäudes um Jahrzehnte. Erst nach der Niederlage Napoleons konnte 1814 ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben werden. Die Ausschreibung trug die Überschrift: „Ein Gebäude, dem Andenken großer Deutschen bestimmt.“Bekanntmachung dreyer architektonischer Preisaufgaben. II. Ein Gebäude, dem Andenken großer Deutschen bestimmt. In: Extrabeilage zum Morgenblatt für gebildete Stände. Achter Jahrgang, Nr. 1, April 1814. Ludwig dachte als Standort für den klassizistischen Prachtbau zunächst an den Englischen Garten in München, erst später verlegte er sich auf die Ausführung auf einem Berg und außerhalb der Residenzstadt.
Der Entwurf im Stile des Parthenons geht auf Zeichnungen des Architekten und frühen Archäologen Carl Haller von Hallerstein zurück, der mit einem Stipendium des bayerischen Königlichen Hofes 1810 Griechenland bereiste und Baustudien am Original durchführte. Eine enge Korrespondenz mit Kronprinz Ludwig ist seit 1811 bezeugt. Sein Entwurf bestand aus 26 Zeichnungen, die er im November 1815 einreichte und heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt werden.Hansgeorg Bankel (Hrsg.): Carl Haller von Hallerstein in Griechenland 1810–1817 Architekt, Zeichner, Bauforscher. Anlässlich der Ausstellung Carl Haller von Hallerstein in Griechenland 1810–1817: München, Palais Preysing, 14. Februar–15. März 1986; Nürnberg, Albrecht-Dürerhaus u. Fembohaus, 22. März–11. Mai 1986; Berlin-Charlottenburg, Antikenmuseum SMPK, 14. Juni–31. August 1986. Im Auftrag der Carl-Haller-von-Hallerstein-Gesellschaft. Reimer, Berlin 1986, ISBN 3-496-00840-7. Nach seinem frühen Tode im Jahre 1817 erwarb der Architekt Leo von Klenze im Jahre 1819 ein umfangreiches Schriftstück von 175 Blättern Hallers mit Studien zur Walhalla und zur ebenfalls von Klenze gebauten Glyptothek. Für die Walhalla übernahm er einige wesentliche Ideen Hallers.
Bei Ludwigs Regierungsantritt 1825 waren bereits 60 Büsten vollendet, aber noch kein Bauplatz gefunden. Zusammen mit Klenze wurde der Bräuberg oberhalb des Donautals bei Donaustauf ausgewählt. Die Grundsteinlegung für den „Ruhmestempel“ erfolgte am 18. Oktober 1830, dem 17. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig. Klenze errichtete die Anlage in den Jahren 1831 bis 1842. Die Walhalla war mit Baukosten von vier Millionen Gulden Ludwigs teuerstes Projekt.Modell der Walhalla. Webseite des Münchner Stadtmuseums, Zugriff am 13. April 2023. (Etwa 82 Millionen Euro (2018))
Am 18. Oktober 1842, dem 29. Jahrestag der Völkerschlacht, eröffnete Ludwig I. den Bau mit Worten, die auf einem Stein vor der Walhalla zu lesen sind:
Zur Eröffnungsfeier komponierte der bayrische Hofkapellmeister Joseph Hartmann Stuntz einen Festhymnus mit dem Titel Teutscher Bardengesang.„WEISS UND BLAU“ – Die neue Renner-CD auf renner-ensemble.de, 17. Juni 2023
Nachgeschichte mini|hochkant|Sitzbild von Ludwig I. Ludwig veröffentlichte selbst 1842 eine Beschreibung von Walhalla’s Genossen. Heinrich Heine verspottete diese 1844 in seinem Gedicht Lobgesänge auf König Ludwig als „Wallhall-Wisch“ und kritisierte das Fehlen von Luther, der bei der Einweihung noch nicht aufgenommen war. Erst 1847 wurde auch die schon 1831 fertiggestellte Büste des Reformators aufgestellt.
Bei Regensburg lässt er erbau’n Eine marmorne Schädelstätte, Und er hat höchstselbst für jeden Kopf Verfertigt die Etikette.
«Wallhallagenossen», ein Meisterwerk, Worin er jedweden Mannes Verdienste, Charakter und Thaten gerühmt, Von Teut bis Schinderhannes.
Nur Luther, der Dickkopf, fehlt in Wallhall, Und es feiert ihn nicht der Wallhall-Wisch; In Naturaliensammlungen fehlt Oft unter den Fischen der Wallfisch.aus Heinrich Heine: Lobgesänge auf König Ludwig in Arnold Ruge, Karl Marx (Hrsg.): Deutsch-Französische Jahrbücher, Bureau der Jahrbücher, Paris 1844
Auch bedingt durch seine Affäre mit Lola Montez dankte Ludwig im Revolutionsjahr 1848 zugunsten seines Sohnes Maximilian II. ab. Wie auch die Eröffnungsfeier eher sparsam gehalten war, so erfolgten die weiteren Neuaufnahmen in Anwesenheit von Ludwig in einer schlichten Weise, zuletzt 1866 auch die Aufnahme von Ludwig van Beethoven. In diesem Jahr, inzwischen war sein Enkel Ludwig II. auf dem Thron, musste der 80-jährige Ludwig noch miterleben, wie der Deutsche Bruderkrieg dem Deutschen Bund nach einem halben Jahrhundert ein Ende bereitete.
Ludwig starb 1868, also zwischen der Gründung des Norddeutschen Bundes und seiner Erweiterung zum Deutschen Reich. Die erste Neuaufnahme von Skulpturen nach dem Tod des Gründers erfolgte erst 22 Jahre später und galt Ludwig I. selbst.Emanuel Schmid in: Karl Möseneder (Hrsg.): Feste in Regensburg. Mittelbayerische Druckerei- und Verlags-Gesellschaft Regensburg 1986. Die Aufnahme König Ludwigs I. in die Walhalla (Nr. 95) S. 507–509 „Das dankbare Volk“ ehrte „Ludwig, Koenig von Bayern“ 1890 mit einem großen Sitzbild. Schon 1862 hatte er testamentarisch die Walhalla „Deutschland, seinem großen Vaterlande“ vermacht und hinzugefügt, dass bei Auflösung des Deutschen Bundes Bayern den Besitz übernehme, mit der Einschränkung: „Würde später wieder ein Bund Deutschland vereinigen, würde Walhalla aufs neue Eigentum Deutschlands.“ Dies wurde jedoch nicht umgesetzt: Walhalla blieb Eigentum des Königreiches und späteren Freistaates Bayern.
Zwischen 2004 und 2014 musste das Gebäude für 13,3 Millionen Euro saniert werden. Die Sanierung betraf den gesamten Unterbau und das Dach. Auch die Entwässerung musste erneuert werden.Walhalla hat wieder einen sicheren Stand. Mittelbayerische Zeitung, 14. November 2014. Seit Anfang April 2015 steht die Walhalla der Öffentlichkeit wieder für Besichtigungen zur Verfügung.Bayerisches Fernsehen: Walhalla in neuem Glanz. Bericht in der Abendschau, 15. April 2015.
Da aufgrund des Denkmalschutzes keine Geländer nachgerüstet worden waren, kam es bereits zu mehreren schweren Unfällen, darunter 2 mit Todesfolge (2020 und Juli 2025), durch Stürze auf Treppen und Podeste. Im August 2025 wurden provisorische Absperrungen angebracht, über ständige Absicherungen (z. B. aus Glas) berät eine Arbeitsgruppe.
Beschreibung Architektur mini|Außenansicht der Walhalla mini|Innenansicht der Walhalla
Die Walhalla ist das älteste Beispiel einer Gruppe monumentaler Gedenkbauwerke Deutschlands, zusammen mit Ludwigs Befreiungshalle, dem Niederwalddenkmal bei Rüdesheim am Rhein, dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, dem Kyffhäuserdenkmal, dem Deutschen Eck in Koblenz, dem Hermannsdenkmal bei Detmold, dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica und der Berliner Siegessäule.
Der Architekt Leo von Klenze errichtete den als „Ruhmestempel“ gedachten Bau im Auftrag König Ludwigs I. von 1830 bis 1842, mit einer Außenfassade aus Untersberger und Kelheimer Kalkstein, für die Terrassenmauer ursprünglich ein Jura-Kalkstein aus Ebenwies an der Naab, hoch über der Donau in Donaustauf bei Regensburg. Im Innenbereich wurden weitere Werksteinssorten verbaut, darunter Carrara-Marmor und Laaser Marmor sowie verschiedene bunte Kalksteinarten aus dem Land Salzburg, wie der Rottropfmarmor aus Adnet und der Untersberger Marmor. Ebenso wurden Kalksteine von Rosenheim, von Horwagen und vom Tegernsee sowie weitere Sorten für kleine Zierelemente im Fußboden verwendet.Gerhard Lehrberger, H. Hilpert, Margreta Sonnenwald: Bau- und Dekorationsgesteine der Walhalla. In: Ulrich Hauner et al.: Bayerischer Wald vom Pfahl zur Donau. (= Wanderungen in die Erdgeschichte, Band 37), Exk. B1. Verlag F. Pfeil, München 2019. Die Gesamtanlage mit Unterbau ist 125 Meter lang und 55 Meter hoch.