Düllstadt ist ein Gemeindeteil des Marktes Schwarzach am Main im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Düllstadt hat eine Fläche von 5,165 km². Sie ist in 376 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 13735,90 m² haben.

Düllstadt war bis zum 30. September 1973 eine Gemeinde. Die Entstehung des Ortes ist eng mit dem nahen Kloster Münsterschwarzach verbunden, das in Düllstadt eine Schafzucht unterhielt. Die Verbindungen zum Kloster wurden erst mit dem Übergang nach Bayern zu Beginn des 19. Jahrhunderts zerstört.

Heute ist Düllstadt der kleinste der Schwarzacher Gemeindeteile und liegt, anders als die anderen Dörfer, nicht ausschließlich im Schwarzacher Becken. Das Dorf war lange Zeit von der Landwirtschaft geprägt, die heute nur noch eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Entlang der Bundesstraße 22, die die Ortsdurchfahrt bildet, haben sich noch einige Baulichkeiten aus der Vergangenheit des Dorfes erhalten. Besonders bemerkenswert ist die Filialkirche St. Michael.

Geografie Lage Das Kirchdorf Düllstadt liegt im Osten des Schwarzacher Gemeindegebietes. Im Norden beginnt in einiger Entfernung das Stadtgebiet von Volkach, die Gemarkung von Dimbach liegt Düllstadt am nächsten. Weiter nordöstlich liegt Reupelsdorf, das heute Gemeindeteil von Wiesentheid ist, der gesamte Osten wird vom Michelheidewald in Reupelsdorfer Gemarkung eingenommen. Im Südosten ist Kleinlangheim-Atzhausen zu finden. Ohne direkte Straßenverbindung ist dagegen das im Süden gelegene Haidt, das ebenfalls zu Kleinlangheim gehört. Im Westen erstrecken sich Stadtschwarzach und die anderen Schwarzacher Ortsteile Münsterschwarzach und Gerlachshausen, mit denen Düllstadt fast zusammengewachsen ist.

Nächstgelegene größere Städte sind Volkach mit einer Distanz von etwa sieben Kilometern und Kitzingen, das ungefähr zehn Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das etwa 23 Kilometer entfernte Würzburg.

Naturräumliche Lage Naturräumlich liegt Düllstadt am Rande der sogenannten Schwarzacher Talweitung (auch Schwarzacher Becken). Der Abschnitt des Mittleren Maintals zeichnet sich durch seine direkt an den Main anschließenden flachen Abschnitte aus. Hier münden drei Bäche mit ursprünglich nahezu gleicher Schüttung im Abstand von nur etwa 250 m in den Main, die flache Schwemmfächer vor sich her schieben. Die Talweitung ist auch wegen ihrer fruchtbaren Böden dicht besiedelt. Die östlichen und südlichen Teile der Gemarkung besitzen eine andere Bodenzusammensetzung und sind Teil des ausgedehnten Albertshofener Flugsandgebiets im Steigerwaldvorland.

Der Ortsteil liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Klimazonen in Deutschland zählt. Das erklärt auch den Weinbau in der Umgebung von Düllstadt. Geologisch überwiegen auf der Ostseite des Maines bereits Keupergesteine, die bereits typisch für das Steigerwaldvorland und seine Naturräume sind. Flugsand ist dagegen besonders häufig im Süden der Gemarkung zu finden, die bereits in Richtung Steigerwald ansteigt.

Hydrologisch wird Düllstadt vom Main dominiert, wenn die Siedlung auch keinen eigenen Zugang zum Fluss besitzt. Der Main fließt im Westen in etwa 2,5 Kilometern Entfernung vorbei. Besonders bedeutsam für das Dorf ist der Mainzufluss Castellbach, der von Südwesten kommend durch Düllstadt fließt und sich hier verzweigt, um einen unbenannten Mühlbach zu bilden. Inmitten des Ortes entspringt der Silberbach. Die Schwarzach spielt für die nördliche Gemarkung eine Rolle. Sie vereint sich hier mit dem Seeflußgraben, der von Eichfeld kommend in ihr mündet. Der Wenzelbach durchfließt den äußersten Süden der Gemarkung.

Dorfgliederung Zentral in der Gemarkung liegt hierin die bebaute Fläche mit dem vom Castellbach zweigeteilten Straßendorf, das von der heutigen Bundesstraße 22 durchquert wird. Der jüngere Dorfteil liegt im Nordosten und wird von der Kirche, der alten Schule und dem Rathaus beherrscht, die alle nördlich der Hauptstraße angesiedelt wurden. Älter ist der südwestliche Teil, wo der ortsbildprägende Gutshof steht, der auf die Herrschaft der Münsterschwarzacher Mönche verweist. Südlich vom Hof wurde 1804 der Friedhof angelegt.

Neubaugebiete umgeben insbesondere den Gutshof. Zunächst siedelten die Menschen ab den 1970er Jahren entlang der vom Kernort abzweigenden Atzhäuser Straße, in etwa 700 Metern Entfernung zur Kirche. Hier siedelte sich auch eine Großgärtnerei an, die heute als einzige industriell genutzte Fläche die Verbindung zwischen dem Kernort und den Häusern an der Atzhäuser Straße bildet. 1972 erschloss man südlich des Gutshofes mit dem Baugebiet Koppelwasen neue Flächen, die direkt an den Altort angrenzen. Im Jahr 1995 erweiterte man dieses Areal um den Ahornring.Wich, Günter: 1100 Jahre Düllstadt. S. 9.

Die Gemarkung wird von unterschiedlichen Landschaften geprägt. Eine schmale Waldfläche, der sogenannte Tannenwald, zieht sich entlang des Castellbachs bis fast ins Dorf. Wald ist mit dem Axbach-Forst auch im Norden der Kirche zu finden. Drei Baggerseen rahmen die Neubaugebiete entlang der Atzhäuser Straße ein, ganz im Süden erstreckt sich ein großer Solarpark. Älter ist dagegen die sogenannte Wasenmeisterei am Seeflußgraben, die sich ganz im Norden der Gemarkung am Rande des Reupelsdorfer Waldes befindet und ebenfalls von mehreren Seen umgeben ist. Hier ragt auch das als Landschaftsschutzgebiet eingetragene Staatswaldrevier Reupelsdorf in die Gemarkung. Mehrere als Naturdenkmal eingetragene Bäume befinden sich nahe der Kirche. Bedeutend ist insbesondere die sogenannte Ludwigslinde vor dem ehemaligen Rathaus.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Das Schwarzacher Becken besitzt eine lange Siedlungsgeschichte, die bereits bis in das Paläolithikum reicht. Vor 4000 Jahren siedelten Schnurkeramiker der Jungsteinzeit in der Umgebung von Schwarzenau. Die Urnenfelderzeit ist mit mehreren Funden um Hörblach vertreten. Gleichzeitig wurde auch das Areal um Düllstadt von Menschen erschlossen. 1969 wurde ein Kegelhalsgefäß in der Umgebung der heutigen Siedlung entdeckt, das die verbrannten Überreste eines jungen Mannes enthielt.Wich, Günter: 1100 Jahre Düllstadt. S. 14.

Aus der älteren Eisenzeit haben sich wiederum um Schwarzenau Trennwandschalen der Hallstattmenschen aus der Zeit zwischen 800 und 500 vor Christus erhalten, die heute im Museum für Franken zu sehen sind. Ihre Grabbeigaben waren noch aus Bronze geschaffen. Um Gerlachshausen wurden Gräber der La-Tène-Zeit identifiziert. Der keltische Stamm der Bojer errichtete um die Zeitenwende herum in Schwarzenau eine dauerhafte Siedlung. Zugleich konnten auch auf der anderen Mainseite keltische Funde gemacht werden.Büll, Franziskus: Das Monasterium Suuarzaha. S. 17.

Anschließend war das Becken von Alemannen besiedelt, die bis um 260 nach Christus verschwanden. Sie machten den Burgunden Platz, die bis ins 4. Jahrhundert zwischen Main und Schwarzach siedelten. Diese germanischen Stammesverbände etablierten auch den Namen Schwarzach für das Fließgewässer im Zentrum der Talweitung. Ab dem 6. Jahrhundert begannen fränkische Stämme von Westen kommend in das Gebiet vorzustoßen und verdrängten die etablierte Bevölkerung langsam.

Zur Zeit der fränkischen Merowinger im 6. Jahrhundert wurde wohl auch Düllstadt endgültig dauerhaft besiedelt. Hierauf weist ein heute als Bodendenkmal geführtes Areal südlich der Michaelskirche hin. Die Franken brachten das Christentum an den Main mit und etablierten erste Verwaltungsgrenzen, die sogenannten Gaue. Das spätere Düllstadt lag südlich des Schwarzachbachs und war damit Teil des Iffgaus.

Mittelalter Über die erste Erwähnung von Düllstadt herrscht Uneinigkeit in der Literatur. Eventuell ist das Dorf bereits im Jahr 815/816 in einer Urkunde zu finden. So soll der Ort zum Ausstattungsgut des im Steigerwald gegründeten Klosters Megingaudshausen gehört haben, das eine Art Vorgängerinstitution der Abtei in Münsterschwarzach war. Allerdings ist diese Erstnennung als Ulgestat, das in einer späteren Abschrift um das Wort Dülstat ergänzt wurde, umstritten und wird in der Klosterforschung inzwischen angezweifelt. Die örtlichen Traditionen verweisen allerdings immer noch auf diese sehr frühe Erwähnung.Vgl.: Bauer, Hans: Landkreis Kitzingen. S. 38.

Gesichert ist dagegen eine Nennung von „Tullstatt“ in einer Bestätigungsurkunde des Jahres 918. Am 21. April 918 bestätigte König Konrad I. in Frankfurt am Main mehrere Orte, die Bischof Dracholf von Freising, der zugleich auch Kommendatarabt von Schwarzach war, an sein Kloster übergeben hatte. Über Düllstadt, Stadelschwarzach und Wiesentheid heißt es, dass diese Orte „ad victum et restitutum ipsorum fratrum pertinent (…)“ (lat. zum Lebensunterhalt und zur Kleidung dieser Mönche dienen).

Düllstadt war also bereits bei seiner ersten Nennung eng mit dem benachbarten Kloster verbunden. Neuerlich tauchte es im Jahr 1023 in den Schriftquellen auf, als Kaiser Heinrich II. dem Hochstift Würzburg seinen Wildbann im Steigerwald zuerkannte. Wahrscheinlich bestand der Ort zu diesem Zeitpunkt aus wenigen Häusern, die sich um einen Schafhof gruppierten, der dem Kloster Münsterschwarzach zugeordnet war.Vogt, Gabriel: Markt Schwarzach am Main. S. 503. Über die herrschaftliche Zugehörigkeit in der Frühzeit schweigen die Quellen.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts verlor Düllstadt einen großen Teil seiner Gemarkungsfläche, weil diese der neugegründeten Stadt Schwarzach zugeordnet wurde.Büll, Franziskus: Das Monasterium Suuarzaha. S. 42. Um 1266 war der kleine Ort Teil des ausgedehnten Vogteibesitzes der Grafen zu Castell, die sich eine Herrschaftsbasis zwischen Main und Steigerwald aufzubauen versuchten. Sie hatten die Vogtei allerdings von den mächtigeren Fürstbischöfen von Würzburg zu Lehen erhalten und durften sie nur mit ihrer Zustimmung veräußern.Castell, Alexander Fürst zu: Düllstadt. S. 89.

Dies geschah im Jahr 1306, als das Kloster Münsterschwarzach als eigenständiger Machtfaktor im Schwarzacher Becken aufzutreten begann. Mehrere Vogteien über Orte um die Abtei, darunter Düllstadt, gelangten durch Bischof Andreas an das Kloster, das zum Grundherren über diese Dörfer aufsteigen sollte. Zugleich begann auch die gerichtliche Einbindung des Dorfes in die Strukturen des Klosterbesitzes, so mussten die Düllstadter in Mittelalter und Früher Neuzeit das Kreuzganggericht in Münsterschwarzach aufsuchen.Probst, Erwin: Vogt und Herr zu Dorf und Felde. S. 147 u. 153.

Ähnlich wie im benachbarten Stadtschwarzach wurde auch Düllstadt im Jahr 1461 in die Auseinandersetzungen zwischen dem Hochstift Würzburg und dem Markgrafen von Ansbach Albrecht Achilles im Ersten Markgrafenkrieg hineingezogen. Der Vogt der markgräflichen Stadt Kitzingen, Georg von Gebsattel, zog mit seinen Truppen nach Stadtschwarzach und setzte das ungeschütztere Düllstadt in Brand. Über den Wiederaufbau des Ortes schweigen die Quellen.

Frühe Neuzeit Besetzungen und Plünderungen prägten auch im 16. Jahrhundert die Düllstadter Dorfgeschichte. Der für die Wirtschaft des Klosters so wichtige Schafhof im Zentrum der Ortschaft wurde immer wieder in Mitleidenschaft gezogen. So raubte am 26. Juli 1546 im Schmalkaldischen Krieg Johann Friedrich I. von Sachsen mit seinen Truppen das Dorf aus und ließ 750 Schafe und Schweine wegführen. In der Folgezeit konnten die Düllstadter den Getreidezehnt an das Kloster nicht mehr bezahlen.Dresch, Hans A.: Quellen und Berichte zur Geschichte der Marktgemeinde Schwarzach am Main. Teil 1. S. 67.

Wenige Jahre später wurde das Dorf erneut belastet. Im Zweiten Markgrafenkrieg des Albrecht Alcibiades wurden die Klosterdörfer bedrängt. Obwohl vor allem Sommerach 1553 durch Einquartierungen in Mitleidenschaft gezogen wurde, wurde Düllstadt mit immerhin 500 Gulden an Kontributionen beschwert. Ein Jahr später fand in unmittelbarer Umgebung des Dorfes die Schlacht bei Stadtschwarzach statt, die eines der Rückzugsgefechte des Markgrafen darstellte.