Stadtschwarzach ist ein Gemeindeteil des Marktes Schwarzach am Main im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Stadtschwarzach hat eine Fläche von 1,666 km². Sie ist in 722 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2307,75 m² haben.
Stadtschwarzach war bis zum 31. März 1971 eine selbständige Gemeinde. Gegründet wurde die Siedlung wohl als Planstadt im 13. Jahrhundert und besaß bis ins Jahr 1818 das Stadtrecht. Eng verbunden ist Stadtschwarzach mit dem benachbarten Münsterschwarzach und seinem Kloster, dessen Äbte zeitweise die Herrschaft über Stadtschwarzach innehatten.
Heute bildet Stadtschwarzach als einwohnerreichstes Dorf der Gemeinde den inoffiziellen Hauptort von Schwarzach am Main, wo sich Dienstleistungsunternehmen ansiedelten. Der Tourismus spielt eine nur untergeordnete Rolle, weil die reiche Geschichte des Ortes im Stadtbild nicht mehr ablesbar ist. Stattdessen hat sich Stadtschwarzach zu einem Verkehrsknotenpunkt im nördlichen Landkreis Kitzingen entwickelt, der mit den Nachbarorten Münsterschwarzach und Gerlachshausen zusammengewachsen ist.
Geografie Geografische und naturräumliche Lage Stadtschwarzach liegt im Süden des Schwarzacher Gemeindegebietes. Im Norden ist Münsterschwarzach zu finden. Gerlachshausen, Münsterschwarzach und Stadtschwarzach bilden als zusammenhängende Siedlungsfläche das Zentrum der Gemeinde, das sich als breiter Streifen parallel zum Mainufer zieht. Weiter im Osten liegt Düllstadt, das ebenfalls zur Gemeinde Schwarzach am Main gehört. Der Süden wird von der Gemarkung des Kleinlangheimer Gemeindeteils Haidt eingenommen, der Weiler Stephansberg liegt Stadtschwarzach am nächsten. Südsüdwestlich schließt mit Hörblach wiederum ein Schwarzacher Gemeindeteil an. Auf der rechten Mainseite liegt dagegen Schwarzach-Schwarzenau.
Nächstgelegene, größere Städte sind Volkach, mit einer Distanz von etwa 7 Kilometern, und Kitzingen, das ungefähr 8 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das etwa 22 Kilometer entfernte Würzburg. mini|hochkant|Die Schwarzacher Talweitung: Stadtschwarzach im Vordergrund Naturräumlich liegt Stadtschwarzach in der sogenannten Schwarzacher Talweitung (auch Schwarzacher Becken). Der Abschnitt des Mittleren Maintals ist Teil der Mainfränkischen Platten und zeichnet sich durch seine direkt an den Main anschließenden flachen Abschnitte aus. Hier münden drei Bäche mit ursprünglich nahezu gleicher Schüttung im Abstand von nur etwa 250 m in den Main, die flache Schwemmfächer vor sich her schieben. Die Talweitung ist auch wegen ihrer fruchtbaren Böden dicht besiedelt.
Der Gemeindeteil liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Klimazonen in Deutschland zählt. Das erklärt auch den Weinbau in der Umgebung von Stadtschwarzach. Geologisch überwiegen auf der Ostseite des Maines bereits Keupergesteine, die eigentlich besonders typisch für das sogenannte Steigerwaldvorland weiter östlich sind. Daneben ragen auch Flugsandgebiete in die Gemarkung, die vermehrt weiter im Süden um Albertshofen zu finden sind.
Hydrologisch wird Stadtschwarzach vom Main dominiert, wenn die Siedlung auch bis in die 1970er Jahre mit ihrer Gemarkung keinen Zugang zum Fluss besaß.Franziskus Büll: Das Monasterium Suuarzaha. S. 47. Der Main fließt im Westen in etwa 1 Kilometer Entfernung vorbei. Besonders bedeutsam für die Stadt sind die zwei Bäche Silberbach und Schwarzach, die im Norden in Richtung Main fließen. Der Silberbach begleitet im Norden noch heute die ehemalige Stadtschwarzacher Befestigung und speiste den Stadtgraben mit Wasser. Daneben bildet der Wenzelbach im Süden heute die Gemeindegrenze zu Kleinlangheim.
Ortsgliederung Noch immer wird die bebaute Fläche von Stadtschwarzach von der ehemaligen, mittelalterlichen Altstadt dominiert. Sie war als Dreitorestadt nach Norden in Richtung Münsterschwarzach/Kloster, nach Südosten in Richtung Düllstadt/Bamberg und Südwesten in Richtung Hörblach/Würzburg ausgerichtet. Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war lediglich die Fläche der alten Stadt bebaut und die Strukturen noch im Gelände ablesbar. Der Friedhof der Gemeinde ist innerhalb der ehemaligen Stadtmauern im Süden der Altstadt zu finden.
Erst im 20. Jahrhundert begann die planmäßige Ausweisung von Neubaugebieten. Insbesondere entlang der Ausfallstraßen im Südosten und Südwesten entstanden solche Gebiete. Die Nähe zur Bundesstraße 22 führte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch zur Ansiedlung mehrerer Industriebetriebe, für die ein Industriegebiet im Süden des Silberbaches weiter östlich der bebauten Fläche ausgewiesen wurde. Die Bundesstraße bildet noch heute die südliche Begrenzung der Bebauung.
Seit 1973 befindet sich die Kläranlage für die Gemeinde Schwarzach am Main in der Nähe des Mains auf Stadtschwarzacher Gemarkung an der Staatsstraße 2450. Zwischen Münsterschwarzach und Stadtschwarzach ist auch die Verbandsschule Schwarzacher Becken zu finden, die 1962 gegründet wurde. Mehrere kleine Seen sind zwischen Stadtschwarzach und dem Schulareal zu finden. An der Kolpingstraße im Süden des bebauten Areals wurde ein großer Sportplatz für die örtlichen Vereine angelegt.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Das Schwarzacher Becken besitzt eine lange Siedlungsgeschichte, die bereits bis in das Paläolithikum reicht. Allerdings gilt dies nicht für Stadtschwarzach selbst, da Funde nur in den umliegenden Gemarkungen der anderen Schwarzacher Gemeindeteile gemacht wurden. Vor 4000 Jahren siedelten Schnurkeramiker der Jungsteinzeit in der Umgebung von Schwarzenau. Die Urnenfelderzeit ist mit mehreren Funden um Hörblach vertreten.
Aus der älteren Eisenzeit haben sich wiederum um Schwarzenau Trennwandschalen der Hallstattmenschen aus der Zeit zwischen 800 und 500 vor Christus erhalten, die heute im Museum für Franken zu sehen sind. Ihre Grabbeigaben waren noch aus Bronze geschaffen. Um Gerlachshausen wurden Gräber der La-Tène-Zeit identifiziert. Der keltische Stamm der Bojer errichtete um die Zeitenwende herum in Schwarzenau eine dauerhafte Siedlung. Zugleich konnten auch auf der anderen Mainseite keltische Funde gemacht werden.Franziskus Büll: Das Monasterium Suuarzaha. S. 17.
Anschließend war das Becken von Alemannen besiedelt, die bis um 260 nach Christus verschwanden. Sie machten den Burgunden Platz, die bis ins 4. Jahrhundert zwischen Main und Schwarzach siedelten. Diese germanischen Stammesverbände etablierten auch den Namen Schwarzach für das Fließgewässer im Zentrum der Talweitung. Ab dem 5. Jahrhundert begannen fränkische Stämme von Westen kommend in das Gebiet vorzustoßen und verdrängten die etablierte Bevölkerung langsam.
Die Franken, die ab dem 8. Jahrhundert die Region gezielt kolonialisierten, brachten das Christentum an den Main mit. Sie gründeten auch viele neue Siedlungen, sodass die ältere Literatur mutmaßt, auch Stadtschwarzach sei eine solche Gründung gewesen.Hans Rüthlein (u. a.): Stadtschwarzach im Spiegel der Zeit. S. 68. Die Stelle, an der sich das spätere Stadtschwarzach befindet, lag auf der Ostseite einer alten Furt, die sich zu einem wichtigen Mainübergang entwickelte. Zugleich bildete der Schwarzach-Bach auch die Grenze zwischen den beiden fränkischen Verwaltungsgebieten Volkfeld (im Norden) und Iffgau (im Süden).Franziskus Büll: Das Monasterium Suuarzaha. S. 19.
Früh- und Hochmittelalter Über die erste Erwähnung von Schwarzach in den Quellen des Mittelalters gibt es in der Forschung unterschiedliche Meinungen. Die Ortsgeschichtsschreibung vermutet, dass Schwarzach zum ersten Mal im Jahr 844 in einer Urkunde Bischofs Gozbald von Würzburg genannt wurde. Seit dem 8. Jahrhundert soll das Frauenkloster Schwarzach auf dem „Kirchberg“ im Süden des heutigen Stadtareals gelegen haben. Später übernahmen Benediktiner aus dem Steigerwald die Niederlassung und verlegten sie an die Stelle des heutigen Münsterschwarzach.
Die Geschichtsschreibung des Klosters selbst, allen voran Franziskus Büll, geht davon aus, dass Frauen- wie Männerkloster bereits am Schwarzachbach wuchsen. Stadtschwarzach identifizierte er als hochmittelalterliche Planstadt aus der Stauferzeit und bringt mehrere Argumente für diese These vor. Die Quellenarmut über die Frühzeit der Siedlung kann Zufall sein; allerdings existieren auch keine archäologischen Funde, die an der Stelle der späteren Stadt ausgegraben wurden.
Daneben sorgte die Benennung Stadtschwarzach für Verwirrung. Die spätere Stadt erhielt ihren Namen nicht nach dem Silber- oder dem Castellbach, an dem sie liegt, sondern wurde nach dem übernächsten Mainzufluss Schwarzach benannt. Wahrscheinlicher ist deshalb eine Aufnahme des Namens des bereits existierenden, benachbarten Klosters. Hierfür spricht auch die kleine Gemarkungsgröße ohne Mainzugang (vor der Flurbereinigung), sodass vermutet werden kann, Stadtschwarzachs Gemarkung wurde aus den bereits bestehenden herausgetrennt.
Der planmäßige Grundriss und der seltsame Verlauf der Straßen durch den Ort sind weitere Hinweise auf eine geplante Gründung Stadtschwarzachs. Es ist davon auszugehen, dass der Ort als Handelsposten von den Mönchen von Münsterschwarzach auf Betreiben von Abt Herold gegründet wurde. Die neue Stadt, die 1228/1230 erstmals erwähnt wurde, nahm die Bediensteten des Klosters auf, die ursprünglich in der häufig von Hochwassern bedrohten Siedlung am Mannlehen westlich der Abtei siedelten.Franziskus Büll: Das Monasterium Suuarzaha. S. 53 u. 58.
Zwar liegt keine Stadterhebungsurkunde vor, aber die vielen Rechte, die der Abt von Münsterschwarzach in der Frühzeit in Stadtschwarzach auf sich vereinen konnte, geben Hinweise auf eine planvolle Ansiedlung unter seiner Aufsicht. So durften die Äbte in Stadtschwarzach zunächst den Schultheißen einsetzen, bestimmten Büttel, Zöllner und alle Amtspersonen außer dem Stadtvogt. Dafür erhielt die junge Stadt Marktrecht, eine Mauer, eigene Maße und eine Gerichtszent im Hochstift Würzburg.
Nichtsdestotrotz müssen auch die Grafen zu Castell Einfluss auf Stadtschwarzach gehabt haben. So verkaufte 1227 Ludwig zu Castell seine Güter und Rechte an den Bischof von Würzburg, ehe er zu einem Kreuzzug aufbrach. Dies führte zu Streitigkeiten mit den anderen Familienmitgliedern. Damit wurde die Stadt in die kriegerischen Auseinandersetzungen am Maindreieck zwischen den Würzburger Bischöfen und verschiedenen Adelsgeschlechtern gezogen. 1228 kam es zur (ersten) Schlacht von Schwarzach, bei der die Grafen unterlagen und die Stadt 1230 an den Bischof abtreten mussten.Peter A. Süß: Schwarzach. S. 90. 1283 zerstörten sie Stadtschwarzach zusammen mit den Herren von Henneberg erneut.
Spätmittelalter Im Spätmittelalter waren die Streitigkeiten über die Zugehörigkeit von Stadtschwarzach beigelegt worden. Bischof, Kloster und die Grafen teilten sich die Stadtherrschaft. Castell hatte das Zentgericht von Würzburg zu Lehen erhalten, während die Äbte insbesondere auf die Pfarrei Stadtschwarzach bauten. Eine Pfarrkirche wurde 1326 erstmals erwähnt und stieg in der Mitte des 14. Jahrhunderts unabhängig von der älteren Klosterpfarrei zu einem eigenständigen Machtfaktor bis in den Steigerwald (Großbirkach) auf.Adelhard Kaspar: Stadtschwarzach und seine Kirche. S. 21 f.
Die Bischöfe von Würzburg nutzten die Lage der Stadt an einem wichtigen Mainübergang zwischen Maindreieck und Steigerwaldvorland und begannen in Stadtschwarzach bereits im Hochmittelalter Münzen zu prägen. So hat sich in München ein Denar mit dem Bild des Bischofs Hermann I. von Lobdeburg aus der Frühzeit der Stadtwerdung erhalten. Wie lange die Münzstätte in Stadtschwarzach genutzt wurde, ist unklar. Stadtschwarzach lehnte sich 1400 gegen die Herrschaft des Bischofs auf, verlor aber als Mitglied des Elfstädtebundes in der Schlacht von Bergtheim gegen Gerhard von Schwarzburg und wurde in der Folgezeit häufig verpfändet. mini|hochkant|Der Überfall des Erkinger von Seinsheim in der Bischofschronik des Lorenz Fries