Gerlachshausen ist ein Gemeindeteil des Marktes Schwarzach am Main im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Gerlachshausen hat eine Fläche von 5,288 km². Sie ist in 1009 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5240,92 m² haben.
Gerlachshausen war bis zum 30. September 1973 eine selbstständige Gemeinde. Der Ort kann als einer der ältesten in der Umgebung bezeichnet werden. Er bestand wohl bereits vor der Gründung des Klosters Münsterschwarzach, in dessen Einflussbereich er allerdings im Laufe des Mittelalters gelangte.
Gerlachshausen bildet heute den nördlichen Abschluss der Gemeinde. Anders als in den anderen Gemeindeteilen wurden hier, durch die Nähe zur Volkacher Mainschleife, größere Flächen unter Naturschutz gestellt. Der sogenannte Mainkanal, der von Volkach kommend in Gerlachshausen in den Main mündet, spielt für das Dorf eine wichtige kulturelle Rolle. Am Kanal entstand auch eine Schleuse. Der Ort selbst wird von der alten Ägidiuskirche und seinem ehemaligen Schloss dominiert.
Geografische Lage Geografie und naturräumliche Lage Das Kirchdorf Gerlachshausen liegt im Norden des Schwarzacher Gemeindegebietes. Im Westen fließt der Main am Dorf vorbei, wobei sich bei Gerlachshausen der sogenannte Altmain und der Mainkanal Volkach-Gerlachshausen, der die Volkacher Mainschleife überwinden soll, treffen. Weiter nördlich beginnt das Gemeindegebiet von Volkach, die Gemarkung von Dimbach liegt Gerlachshausen am nächsten. Im Osten erhebt sich dagegen in einiger Entfernung Wiesentheid-Reupelsdorf. Der Süden wird von Münsterschwarzach eingenommen, mit dem Gerlachshausen heute zusammengewachsen ist. Die beiden Gemeindeteile bilden zusammen mit Stadtschwarzach das Zentrum der Gemeinde. Südwestlich, auf der anderen Mainseite, liegt dagegen Schwarzenau. Der Nordwesten wird dagegen von Sommerach eingenommen.
Nächstgelegene, größere Städte sind Volkach, mit einer Distanz von etwa 6 Kilometern und Kitzingen, das ungefähr 10 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das etwa 21 Kilometer entfernte Würzburg. mini|hochkant|Die Schwarzacher Talweitung: Gerlachshausen links im Hintergrund Naturräumlich wird Gerlachshausen mit seiner Gemarkung zur sogenannten Schwarzacher Talweitung (auch Schwarzacher Becken) gerechnet. Der Abschnitt des Mittleren Maintals zeichnet sich durch seine direkt an den Main anschließenden flachen Abschnitte aus, die durch Schwemmfächer der hier mündenden Bäche gebildet wurden. Daneben ragt der ebenfalls im Maintal gelegene Naturraum Volkacher Mainschleife mit einer anderen geologischen Zusammensetzung bis zur bebauten Fläche. Das Dimbacher Flugsandgebiet als Teil der Kitzinger Mainebene nimmt den Nordosten der Gemarkung ein.
Gerlachshausen liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Klimazonen in Deutschland zählt. Das erklärt auch den Weinbau in der Umgebung, der heute allerdings für den Ort keine wirtschaftliche Rolle mehr spielt. Geologisch überwiegen auf der Ostseite des Maines bereits Keupergesteine, die eigentlich besonders typisch für das sogenannte Steigerwaldvorland weiter östlich sind. Daneben ragen auch Flugsandgebiete mit Dünenbildung in die Gemarkung.
Hydrologisch wird Gerlachshausen vom Main bzw. dem seit den 1950er Jahren bestehenden Mainkanal dominiert. Main und Mainkanal münden bei Flusskilometer 188 im Westen der Gerlachshäuser Gemarkung, unmittelbar neben der bebauten Fläche des Altortes, ineinander. Außerdem spielen der Mainzufluss Etterswasengraben, der bei Dimbach entspringt, und der Hölzersgraben weiter nördlich eine gewisse Rolle. Bis zur Gemeindegebietsreform in den 1970er Jahren und der Gemarkungsumlegung, endete das Gebiet von Gerlachshausen unmittelbar nördlich der Schwarzach, die heute durch Münsterschwarzach fließt.
Dorfgliederung Die bebaute Fläche nimmt nur einen kleinen Teil der Gemarkung ein und ist ganz im Süden zu finden. Das Straßendorf entstand im Osten des Maines auf einer hochwasserfreien Terrasse. Mit der Ägidiuskirche auf einer Anhöhe () im Norden und dem ehemaligen Schloss im südlichen Teil des Altortes existieren zwei historische Zentren. Den Friedhof verlegte man im 20. Jahrhundert an den nördlichen Rand der bebauten Fläche.
Eine Besonderheit weist die im 20. Jahrhundert entstehende Siedlung des Dorfes auf. Sie ist inzwischen mit der von Münsterschwarzach zusammengewachsen und erstreckt sich entlang der Kreisstraße im Süden und Südosten des Altortes. So bildet der Ziegelhüttenweg die, auf beiden Seiten bebaute, Gemarkungsgrenze zwischen Gerlachshausen und Münsterschwarzach. Die geraden Hausnummern zählen nach Gerlachshausen, während die ungeraden zur Gemarkung Münsterschwarzach gehören. Ebenso teilen sich beide Gemeindeteile die Garten- und die Sonnenstraße. Zentrum der Siedlung ist der Kreisverkehr in der Abt-Plazidus-Straße weiter östlich.
Die unbesiedelten Gemarkungsteile sind landschaftlich unterschiedlich. Der weit ins Mainhinterland reichende Ostteil wird von großen Ackerbauflächen geprägt, die sich bis zum historischen Eulenberg () bzw. bis zu den Wäldern des Reupelsdorfer Staatswaldes ziehen. Im Norden ragen mit dem Hübnerholz und dem Vorderen bzw. Hinteren Holz die Waldgebiete um Dimbach bis in die Gemarkung. Hier ist auch die Wüstungsstelle des aufgelassenen Lindhofes zu finden. Daneben hat Gerlachshausen auch Anteil am Spessartwald. Während die Gemarkung im Westen am Main endet, hat das Dorf auf der westlichen Seite des Mainkanals noch Flächen auf der sogenannten Weininsel. Hier liegt auch die Schleuse Gerlachshausen.
Schutzgebiete
Die Gemarkung Gerlachshausen ist die einzige Fläche der Gemeinde Schwarzach am Main, in der in größerem Maßstab Areale durch die Naturschutzbehörden unter Schutz gestellt wurden. Dies hängt insbesondere mit der Nähe zur Volkacher Mainschleife zusammen, die durch ihre jahrhundertealte Kulturlandschaft bereits seit Jahrzehnten verstärkt auf den Tourismus setzt und die größte Dichte von Naturschutzgebieten im Landkreis Kitzingen aufweist.
Der äußerste Nordwesten der Gemarkung, der auf der Weininsel liegt, ist Teil des Landschaftsschutzgebietes Volkacher Mainschleife. Bereits 1955 wurde der besonders naturnahe Maintalabschnitt unter Schutz gestellt. Ebenso ist die Mainschleife Fauna-Flora-Habitat (FFH). Weite Teile der Mainschleife sind außerdem als Abschnitt des Maintales zwischen Dettelbach und Schweinfurt bzw. des Südlichen Steigerwaldvorlandes zum Vogelschutzgebiet erklärt worden. Die Mainschleife genießt zusätzlich den Status eines Geotopes.
Einziges Naturschutzgebiet sind die Sandfluren bei Volkach, Schwarzach am Main und Sommerach. Sie ragen im äußersten Norden der Gemarkung entlang der Staatsstraße in Richtung Gerlachshausen und haben ihr Zentrum im Sommeracher Riedwald bzw. im Spessart. Zweck des Naturschutzgebietes ist die Sicherung von Sandmagerrasen und Sandgrasheiden in ihrer Verzahnung mit Waldrändern, Wiesen, Ackerflächen, Streuobstbeständen, Feuchtgebieten und Wasserläufen sowie der Schutz von Sanddünen und Flugsandflächen.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Das Schwarzacher Becken besitzt eine lange Siedlungsgeschichte, die bereits bis in das Paläolithikum reicht. Vor 4000 Jahren siedelten Schnurkeramiker der Jungsteinzeit in der Umgebung von Schwarzenau. Die Urnenfelderzeit ist mit mehreren Funden um Hörblach vertreten. Gleichzeitig wurde auch das Areal um Düllstadt von Menschen erschlossen. 1969 wurde ein Kegelhalsgefäß in der Umgebung der heutigen Siedlung entdeckt, das die verbrannten Überreste eines jungen Mannes enthielt.
Aus der älteren Eisenzeit haben sich wiederum um Schwarzenau Trennwandschalen der Hallstattmenschen aus der Zeit zwischen 800 und 500 vor Christus erhalten, die heute im Museum für Franken zu sehen sind. Ihre Grabbeigaben waren noch aus Bronze geschaffen. Die Gemarkung von Gerlachshausen selbst wird erstmals mit dem 1963 erfolgten Fund eines Gräberfeldes der La-Tène-Zeit fassbar. Der keltische Stamm der Bojer errichtete um die Zeitenwende herum in Schwarzenau eine dauerhafte Siedlung. Zugleich konnten auch auf der anderen Mainseite keltische Funde gemacht werden.Büll, Franziskus: Das Monasterium Suuarzaha. S. 17.
Anschließend war das Becken von Alemannen besiedelt, die bis um 260 nach Christus verschwanden. Sie machten den Burgunden Platz, die bis ins 4. Jahrhundert zwischen Main und Schwarzach siedelten. Diese germanischen Stammesverbände etablierten auch den Namen Schwarzach für das Fließgewässer im Zentrum der Talweitung. Ab dem 6. Jahrhundert begannen fränkische Stämme von Westen kommend in das Gebiet vorzustoßen und verdrängten die etablierte Bevölkerung langsam.
In der Gemarkung Gerlachshausen fanden sich außerdem fränkische Reihengräber, die vielleicht in die Zeit der merowingischen Landnahme im 6. Jahrhundert verweisen. Die Franken brachten das Christentum an den Main mit und etablierten erste Verwaltungsgrenzen, die sogenannten Gaue. Das spätere Gerlachshausen lag nördlich des Grenzflusses Schwarzachbach und war damit Teil des Volkfeldes, das entlang des Volkachbaches entstand.
Obwohl Gerlachshausen unter diesem Namen erst im 10. Jahrhundert in Urkunden auftauchte, ist die Existenz des Ortes durch verschiedene Rückprojektionen auch in den Jahrhunderten zuvor gesichert. So entstanden die meisten Gemarkungen im Schwarzacher Becken bereits im 7. bzw. 8. Jahrhundert, darunter auch die von Gerlachshausen. In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts schnitt man allerdings die neuentstehende Klostergemarkung Münsterschwarzach aus der von Gerlachshausen heraus. Gerlachshausen behielt den wirtschaftlich wichtigen Mainzugang.Büll, Franziskus: Das Monasterium Suuarzaha. S. 35 u. 39.
Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde Gerlachshausen in einer Urkunde des Jahres 918. Am 21. April 918 bestätigte König Konrad I. in Frankfurt am Main mehrere Orte, die Bischof Dracholf von Freising, der zugleich auch Kommendatarabt von Schwarzach war, an sein Kloster übergeben hatte. Neben „Stockheim et Lanckheim“ tauchte auch „Gerlachshausen“ als Ausstattung zum Unterhalt der Mönche in dem Diplom auf.Büll, Franziskus (u. a.): Schwarzach am Main in alten Ansichten. Bild 3. Eventuell gehörte Dracholf der Familie der Mattonen an, die als Stifterfamilie des Klosters Münsterschwarzach angesprochen werden und auch für die Gerlachshäuser Frühzeit eine große Rolle spielen.
Im Früh- und Hochmittelalter gelangten, als Erben der Mattonen, die Grafen zu Castell in den Besitz von Gerlachshausen. Im Jahr 1115 erwarb dann schließlich Abt Rupert von Münsterschwarzach das Dorf von Heinrich von Gerlachshausen, der Teil der Familie zu Castell gewesen ist. Heinrich wurde mit einer lebenslangen Naturalienrente entschädigt. Mit der Übergabe an Münsterschwarzach gelangte auch das Patronatsrecht über den Gerlachshäuser Pfarrer an das Kloster.
Die Urpfarrei Gerlachshausen kann als eine der ältesten kirchlichen Gemeinden am Maindreieck bezeichnet werden und hat ihren Ursprung wohl in der fränkischen Besiedlung des Raumes. Zur Pfarrei gehörten im Mittelalter die Orte Dimbach, Düllstadt, Hörblach, Kirchschönbach, Mainsondheim, Nordheim (am Main), Reupelsdorf, Schwarzenau und Sommerach.Vogt, Gabriel: Schwarzach am Main. S. 500. Eventuell hatten zunächst die Mattonen das Recht den jeweiligen Pfarrer einzusetzen. Es gelangte über die Grafen zu Castell als Lehen an das Hochstift Würzburg und dann an den jeweiligen Abt. Bischof Erlung von Würzburg bestätigte den Übergang an Schwarzach auf einer Synode in Würzburg.Dresch, Hans A.: Quellen und Berichte zur Geschichte der Marktgemeinde Schwarzach am Main. S. 30.