mini|alt=Auf einem Felsabsatz in einem lichten Wald hat sich eine Gruppe aus sechs Personen positioniert, die vermutlich einen Magier, einen Söldner, eine Art Minotaurus, eine Zwergin, einen Priester und einen Faun darstellen.|Eine Abenteurergruppe in einem Fantasy-Szenario
(kurz LARP oder LARPing) oder Live-Rollenspiel ist eine Form von Rollenspielen, bei denen die Teilnehmer ihre Spielfigur physisch selbst darstellen. Es handelt sich also um eine Mischung aus Pen-&-Paper-Rollenspiel und Improvisationstheater. Die Spiele finden meist ohne Zuschauer statt. Die Teilnehmer können im Rahmen einer Rolle, welche die eigene Spielfigur und ihre Eigenschaften und Möglichkeiten beschreibt, frei improvisieren. Die Spielfigur wird Charakter genannt. Soweit möglich finden die Veranstaltungen an Orten statt, deren Ambiente dem Szenario der Spielhandlung entspricht. Die Spieler tragen ihren Charakteren und dem Setting entsprechende Gewandung.
Grundsätzliches mini|alt=Das sepiafarbene Foto zeigt sieben Personen, die sich für ein Gruppenfoto in einer Reihe aufgestellt haben; die Frauen tragen lange Röcke oder Kleider und Mäntel, die Männer Anzüge, Mäntel oder militärische Uniformen.|LARP in einem viktorianischen Szenario
LARP ist ein relativ junges, partizipatorisches Medium mit einer großen Anzahl an Möglichkeiten, sich zu beteiligen, von der Selbstverwirklichung bis hin zum simplen Zeitvertreib. Durch die sozialen Interaktionen ermöglicht es, sich selbst besser zu verstehen und weiterzuentwickeln.
Anfang 2020 veröffentlichten der Deutsche Liverollenspiel-Verband e. V. (DLRV) und die Gesellschaft für Live-Rollenspiel e. V. ein Leitbild für Live-Rollenspiel, das die Aspekte Gemeinschaftlichkeit, soziale Verantwortlichkeit, Inklusion, Nachhaltigkeit und Partizipation als wesentliche Grundlagen für Live-Rollenspiel hervorhebt.
Bezeichnung Gelegentlich wird LARP auch als „“ ausgeschrieben, um den Abenteuergedanken in den Vordergrund zu stellen. Das Wort „Action“ im ursprünglichen Begriff bezeichnet allerdings nicht das Action-Genre oder besonders aktionsreiche Spielinhalte, sondern entstammt dem feststehenden englischen Begriff „Live-action“, der auch beim Film eine Darstellung mit menschlichen Akteuren bezeichnet.
Veranstaltungen Derzeit gibt es in Deutschland etwa 500 bis 600 öffentlich ausgeschriebene Liverollenspiel-Veranstaltungen pro Jahr. Die ein- oder mehrtägigen Veranstaltungen werden oft kurz als Con, LARP oder Live bezeichnet. Liverollenspiel-Veranstaltungen werden in Deutschland überwiegend nichtgewerblich von Privatleuten oder Vereinen organisiert. Die Veranstaltungen werden dabei mittlerweile mehrheitlich im Internet über spezialisierte Communitys und Online-Veranstaltungskalender beworben und koordiniert.
Die Teilnehmerzahlen der einzelnen Veranstaltungen variieren von einer Handvoll bis hin zu mehreren tausend Personen. Das jährlich in England stattfindende Gathering schaffte es einmal, fast 10.000 Spieler in einem Spiel zu vereinen. Die größten Veranstaltungen in Deutschland sind im Moment die Groß-Cons Conquest of Mythodea in Brokeloh und Drachenfest in Waldeck. An beiden Veranstaltungen nehmen je 6000 bis 9000 Spieler teil. Im Jahr 2023 verzeichnete das Conquest of Mythodea über 10 000 Teilnehmer (inklusive Team). Mit etwas weniger Teilnehmern kann auch das Epic Empires zu den Groß-Cons gezählt werden, die sich in ihrer Ausrichtung, Spielweise und Bewerbungsstandards unterscheiden. Solche Großveranstaltungen sind jedoch eher die Ausnahme. Übliche Veranstaltungsgrößen liegen zwischen 30 und 200 Teilnehmern.
Genre und Ausrichtung mini|alt=Das Foto zeigt eine hockende Person in abgenutzter, fleckiger Kleidung mit einer Waffe aus einem Kreissägeblatt an einem Stiel sowie einer Fechtmaske über dem Gesicht; durch die gedeckten Farben und die merkwürdige Beleuchtung wirkt die Stimmung düster.|Charakter aus einem Endzeit-Szenario Die Szenarien fallen in verschiedene Genres wie etwa Fantasy, Vampire, Western, Science Fiction, Horror, Endzeit/Postapokalypse, Cyberpunk oder Steampunk. Die meisten Veranstaltungen können dem Fantasy-Bereich zugeordnet werden.
Je nach thematischer Ausrichtung werden verschiedene Arten von Cons unterschieden, darunter Schlachtencons, Ambientecons, Abenteuercons, Hofhaltungen, Tavernencons und weitere. Fast immer anzutreffen sind jedoch Mischformen mit oder ohne Schwerpunkt, bei denen es dem Spieler überlassen bleibt, ob er sich zum Beispiel in der Taverne aufhalten, an Kampfhandlungen teilnehmen oder Rätsel lösen will.
Organisationsformen mini|alt=Das Foto zeigt aufgereihte Bogenschützen auf einem sonnigen Schlosshof, darunter eine Frau mit bemaltem Gesicht, die direkt in die Kamera blickt.|Bogenschießen als Ausbildungsinhalt in einer Witcher School Live-Rollenspiele werden in der Regel von Vereinen, seltener von Privatleuten oder eigens dafür geschaffenen Unternehmen veranstaltet. Die Organisatoren einer LARP-Veranstaltung werden auch kurz als Orga bezeichnet. Im Fantasy-Genre gründen sich Vereine häufig, um in der Spielwelt eine gemeinsame Gruppierung (etwa einen Ritterorden, eine Magierschule oder ein Fantasy-Land) darzustellen. Einige Spielszenarien, die auf Lizenzen basieren, werden von kommerziellen Anbietern als LARPs veranstaltet, zum Beispiel Witcher oder Hogwarts.
Vor allem in den Genres Fantasy und Vampire schließen sich Veranstalter häufig zu sogenannten Kampagnen zusammen. Die Mitglieder einer Kampagne spielen in einer gemeinsamen Spielwelt; so hat etwa jeder Veranstalter ein eigenes Land auf einem fiktiven Kontinent und spielt dessen Geschichte. Die Länder knüpfen untereinander diplomatische Beziehungen oder führen Krieg gegeneinander. Auch hier ist fast nichts geplant, und es entwickelt sich alles beim Spielen. So kann niemand vor einer Schlacht deren Ausgang kennen, da sie eben nicht in den Köpfen der Spieler, sondern auf einem Schlachtfeld mit LARP-Waffen ausgetragen wird.
Der Deutsche Liverollenspiel-Verband Der Deutsche Liverollenspiel-Verband e. V. (DLRV) war ein Interessenverband für das Liverollenspiel in Deutschland. Der Verein ging ursprünglich aus der Mittellande-Kampagne hervor und verstand sich als Kommunikationsplattform für Liverollenspieler, Organisationsteams und Vereine sowie als Interessenvertretung für das Hobby. Zu seinen Aktivitäten gehörten unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit für Liverollenspiel, Messeauftritte und die Bereitstellung von Informationsmaterialien.
Eine zentrale Veranstaltung des DLRV war die jährlich stattfindende Liverollenspiel-Konferenz „MittelPunkt“, die dem Austausch zwischen Spielern, Veranstaltern, Wissenschaftlern und weiteren Akteuren der Liverollenspiel-Szene diente. Im Rahmen des MittelPunkts wurde auch der Preis für Fortschrittliche Rollenspiel-Entwicklung in Deutschland (F.R.E.D.) verliehen, mit dem innovative und zukunftsweisende Konzepte im Liverollenspiel ausgezeichnet wurden. Der DLRV war außerdem Träger beziehungsweise Unterstützer der Arbeitsgemeinschaft Deutsche LARP-Forschung, die den Austausch zwischen Wissenschaftlern und Interessierten zur Erforschung des Liverollenspiels förderte.
Der DLRV war noch 2019 öffentlich aktiv. Unter anderem veranstaltete er gemeinsam mit weiteren Partnern den MittelPunkt 2019 und veröffentlichte im April 2019 gemeinsam mit der Gesellschaft für Live-Rollenspiel e. V. eine Stellungnahme zur Verwendung des Begriffs „LARP“ im Zusammenhang mit extremistischen Anschlägen. Anfang 2020 veröffentlichte der DLRV gemeinsam mit der Gesellschaft für Live-Rollenspiel außerdem ein Leitbild für das Liverollenspiel.
Seit 2020 sind keine vergleichbaren öffentlichen Aktivitäten des DLRV mehr dokumentiert. Die frühere Internetpräsenz des Verbandes ist nicht mehr verfügbar. Der weitere rechtliche Status des Vereins ist nicht eindeutig öffentlich dokumentiert.
Spielwelt und Handlung Viele Veranstaltungen sind Abenteuerspiele, bei denen eine Spielleitung oder Orga (dies können, müssen aber nicht dieselben Personen sein) Ansätze zu einer Geschichte als Spielhandlung oder Plot vorbereitet hat. Die Handlung wird dabei durch Requisiten und vorbereitete Helfer präsentiert. Letztere werden analog zum Pen-&-Paper-Rollenspiel als Nicht-Spieler-Charaktere oder NSCs bezeichnet. Die Spielercharaktere sollen mit den NSCs interagieren und durch Rätsel, Spionage, Nachfragen, Kämpfe, Mutproben und Ähnliches die Spielhandlung verfolgen und zu einem Abschluss bringen.
In „freien“ Spielsystemen steckt die Spielleitung hingegen lediglich einen Rahmen ab, der sich hauptsächlich durch das Setting in der Spielwelt definiert. In diesem können die Spieler nach Spielbeginn frei agieren, ohne einen von der Spielleitung geplanten Handlungsfaden zu verfolgen. Interaktion ergibt sich hierbei aus der gemeinsamen Spielwelt und der gemeinsamen Geschichte der Spielercharaktere.
Spielziel mini|alt=Das Foto zeigt viele bunte, an einem langen Tisch aufgereihte Wappenschilde und dahinter Personen in Ritterrüstungen, die ihre verzierten Helme vor sich abgelegt haben.|Ritter beim Turnier Beim LARP gibt es normalerweise kein definiertes Spielziel. Das Spiel und der Spaß am Darstellen der Figuren ist hier das eigentliche Ziel. Dennoch kann die gewählte Spielfigur eigene Ziele verfolgen. So wird eine Kommissarin Verbrecher jagen, ihr Freund will sie aber vielleicht zum Heiraten überreden, und ein Dieb wird versuchen, nicht erwischt zu werden. In anderen Settings geht es teilweise nur um das Überleben der Spielercharaktere.
Des Weiteren können vom Spielleiter verschiedene Spielstränge, sogenannte Plots, angestoßen werden, aus denen sich Teilziele ergeben. Solch eine Plot-Idee könnte etwa die Versteigerung einer Schmucksammlung sein. Die Kommissarin wird bei der Auktion ein Auge auf die Gäste werfen wollen, der Dieb wird versuchen, das Glanzstück der Sammlung zu stehlen, und der Freund könnte versuchen, einen passenden Verlobungsring zu kaufen.
Gelegentlich werden auch Turniere oder eigene Sportarten wie Rumpelstumpf, Pompfball oder Jugger in den Spielfluss eingebunden.
Es gibt auch LARPs, die einen künstlerischen Anspruch erheben, meist hinsichtlich der schauspielerischen Leistung oder durch die Wahl des Spielthemas. Themen solcher Avantgarde-LARPs drehen sich gewöhnlich um Politik, Kultur, Religion, Sexualität oder die Conditio humana. In nordischen Ländern ist dieser Ansatz häufiger anzutreffen.
Zusätzlich zu Unterhaltungs- und künstlerischem Wert werden auch einige LARPs mit einem Erziehungs- oder Unterrichtsanspruch veranstaltet. So nutzt die dänische Schule Østerskov Efterskole LARP als Unterrichtsinstrument in mehreren Fächern. LARPs mit politischen Themen können versuchen, politisches Denken anzuregen oder zu formen.(Montola, Stenros & Waern 2009) „Some pervasive larps seek to engage in active dialogue with their social environment. The purpose of such dialogue can be politically or artistically motivated. These games have a message that is aimed either at the players, at bystanders, or society as a whole.“
Regeln Vor einer Veranstaltung wird normalerweise durch die Spielleitung (kurz SL) oder Orga ein Regelsystem festgelegt.
Zum Teil sind die Ursprünge des Liverollenspiels aus dem Pen-&-Paper-Rollenspiel an den verwendeten Regeln zu erkennen, mit denen fiktive oder nicht real auszuführende Spielelemente wie Magie, göttliche Wunder oder Kämpfe dargestellt werden. Wie auch im Bereich dieser Rollenspiele gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Regelsysteme.
Grundsätzlich lassen sich LARP-Regelwerke in zwei Gruppen einteilen: Punkte- bzw. fertigkeitenbasierte Regeln