Chongqing, nach Stange Tschungking (, ohne Diakritikum Chungching Shih, veraltet nach Post Chungking, Abk.: ), ist eine Millionenstadt in der Volksrepublik China am Zusammenfluss von Jangtsekiang und Jialing Jiang.

Chongqing ist als regierungsunmittelbare Stadt eine eigenständige Verwaltungseinheit auf Provinzebene mit 32 Millionen Einwohnern (2020). Nach administrativen Stadtgrenzen ist Chongqing die einwohnermäßig größte Stadt der Welt. In der Kernstadt Chongqing – mit hoher Bebauungsdichte und geschlossener Ortsform – leben 6,9 Millionen Menschen. Der Ballungsraum einschließlich Vororten hat 19,34 Millionen Einwohner (2018). Die urbane Agglomeration wurde 2017 von den UN auf 14,3 Millionen Einwohner geschätzt. Die Fläche des Verwaltungsgebietes ist mit 82.403 km² annähernd so groß wie Österreich und besteht überwiegend aus Gebieten mit ländlicher Siedlungsstruktur. Einwohnerzahl und Fläche sind wiederum größer als die der dichter besiedelten BeNeLux-Länder, wo zusammen 30,2 Millionen Menschen auf 74.817 km² leben, 405 Einwohner/km².

Die regierungsunmittelbare Stadt entstand am 14. März 1997 durch Abtrennung vom östlichen Teil der Provinz Sichuan und Eingemeindung der umliegenden Großregion. Chongqing ist Industriezentrum, Verkehrsknoten und kultureller Mittelpunkt der Region mit Universitäten, Hochschulen, Theatern, Museen und Galerien. Generalkonsulate aus Großbritannien und Japan sowie Konsulate aus Dänemark, Kambodscha, Kanada und den Philippinen haben ihren Sitz in der Stadt.

Geographie Lage mini|Straßenszene in Chongqing, 2004

Die Stadt Chongqing wurde an der Einmündung des Jialing in den Jangtsekiang erbaut. Die Lage am östlichen Rand des Roten Beckens, der „Reisschale“ Chinas, hat das Wachstum der Stadt begünstigt. Die große Entfernung zur Küste und vor allem die schwere Erreichbarkeit haben die Entwicklung jedoch in der Vergangenheit behindert. Der durch den Drei-Schluchten-Damm gebildete Stausee reicht bis Chongqing, so dass größere Schiffe die Stadt erreichen können.

Die Stadt ist von Gebirgen umgeben: dem Daba Shan im Norden, dem Wu Shan im Osten und dem Dalou Shan im Süden. Da Chongqing auf sehr hügeligem Gelände entstanden ist, sind die Straßen teilweise sehr steil, was sich in dem Namen „Stadt der Berge“ (Shancheng) ausdrückt. Sie liegt durchschnittlich 243 Meter über dem Meeresspiegel.

Das administrative Stadtgebiet Chongqings erstreckt sich 470 km in Ost-West-Richtung und 450 Kilometer in Nord-Süd-Richtung. Es hat eine Fläche von 82.402,95 km², das entspricht in etwa der Bodenfläche von Österreich. Davon gehören 1.472,55 km² (1,79 %) zur Kernstadt (hohe Bebauungsdichte und geschlossene Ortsform) und 80.930,4 km² (98,21 %) zu Gebieten mit überwiegend ländlicher Siedlungsstruktur. Die Metropolregion besitzt eine Fläche von 9.622,83 km².

Nachbarprovinzen sind im Osten Hubei und Hunan, im Süden Guizhou, im Westen Sichuan und im Norden Shaanxi. Rund 80 Flüsse fließen durch das Verwaltungsgebiet der regierungsunmittelbaren Stadt Chongqing. Die größten sind der Jangtse, der Jialing, der Wu Jiang, der Fu Jiang, der Qi Jiang und der Daning He.

Geologie Chongqing liegt im Roten Becken, einer vom Jangtsekiang durchflossenen Beckenlandschaft und fruchtbarem bewegten Hügelland aus überwiegend roten Sandsteinen und Tonen, das ringsum von höheren Bergketten umschlossen wird. Das Rote Becken ist reich an Bodenschätzen (Kohlenlager, Erze, Salz, Erdöl und Phosphor). In die Schlagzeilen geriet Chongqing durch die Gasexplosion von Chuandongbei am 25. Dezember 2003, als nach einer Explosion eines Gasbohrloches auf dem Chuandongbei-Gasfeld schlagartig eine große Menge giftiger Gase austrat, die 191 Menschen das Leben kostete und schätzungsweise 4000–5000 Menschen teilweise schwer verletzte.

Im Nordwesten des Beckens liegt die Alluvialebene von Chengdu. Der etwa 6380 km lange, an Stromschnellen reiche Fluss Jangtse durchbricht die Gebirgsketten, die sich am chinesischen Staffelbruch aufgewölbt haben und das Rote Becken gegen das östliche Mittelchina hin abriegeln.

Stadtgliederung und Einwohnerzahlen Innenstadt Die Innenstadt Chongqings unterteilt sich in sechs Stadtbezirke. Diese sind:

Stadtbezirk Yuzhong (), die eigentliche Innenstadt Stadtbezirk Dadukou (), Stadtbezirk Nan’an (), Stadtbezirk Jiulongpo (), Stadtbezirk Shapingba (), Stadtbezirk Jiangbei ().

Der am 18. Juni 2010 gegründete sogenannte „Neue Stadtbezirk“ Liangjiang () umfasst Teile der Stadtbezirke Jiangbei, Yubei und Beibei mit einer Gesamtfläche von ca. 1200 km². In: liangjiang.gov.cn (chinesisch). Im Unterschied zu vergleichbaren Neugründungen in Tianjin (Binhai) und Shanghai (Pudong), handelt es sich hier um eine reine Maßnahme zur Förderung der Wirtschaftsentwicklung, d. h. Liangjiang ist kein Stadtbezirk im administrativen Sinne. Er wird nicht von einer „Volksregierung“ verwaltet, sondern von der „Leitungsgruppe für die Erschließung und den Aufbau des Neuen Stadtbezirks Liangjiang“ (), die sich aus Vertretern der Stadt Chongqing und der betroffenen Stadtbezirke zusammensetzt. Dementsprechend bleiben die drei genannten Stadtbezirke in ihren bisherigen administrativen Grenzen mit ihren Volksregierungen und den zugehörigen politischen Strukturen (Volkskongresse, Konsultativkonferenzen) zumindest vorläufig vollumfänglich erhalten. In: liangjiang.gov.cn (chinesisch).

Die folgende Tabelle enthält die Einwohnerzahlen, die bei den Volkszählungen vom 1. November 2000 und 1. November 2010 ermittelt wurden. In: geohive.com, Geohive (englisch). Aufgeführt sind die Bewohner mit Hauptwohnsitz in Chongqing. Da am 22. Oktober 2011 der ehemalige Stadtbezirk Shuangqiao mit dem ehemaligen Kreis Dazu zum neuen Stadtbezirk Dazu und der ehemalige Stadtbezirk Wansheng mit dem ehemaligen Kreis Qijiang zum neuen Stadtbezirk Qijiang zusammengelegt wurden, sind für die neuen Stadtbezirke die Flächen- und Einwohnerzahlen zu addieren.

Stadtbezirkoder Kreis chin. Fläche[km²] Einwohner(2000) Einwohner(2010) Ew./km²(2010) Lage Banan 1.830,30 886.447 918.692 501,9 Rand Beibei 755,42 646.577 680.360 900,6 Rand Bishan 912,41 608.473 586.034 642,3 Rand Changshou 1.415,49 874.307 770.009 544,0 Umland Chengkou 3.286,00 225.581 192.967 58,7 Wanzhou Dadukou 94,39 247.021 301.042 3.189,3 innen Dazu 1.390,21 905.409 671.243 482,8 Umland Dianjiang 1.518,00 862.323 704.458 464,1 Rg. Fuling Fengdu 2.901,00 774.054 649.182 223,8 Rg. Fuling Fengjie 4.087,00 871.743 834.259 204,1 Wanzhou Fuling 2.946,00 1.134.080 1.066.714 362,1 Rg. Fuling Hechuan 2.356,21 1.420.520 1.293.028 548,8 Umland Jiangbei 213,52 609.619 738.003 3.456,4 innen Jiangjin 3.200,22 1.322.890 1.233.149 385,3 Rand Jiulongpo 443,03 878.777 1.084.419 2.447,7 innen Kaizhou 3.959,00 1.408.116 1.160.336 293,1 Wanzhou Liangping 1.890,00 850.064 687.525 363,8 Wanzhou Nan’an 278,78 592.566 759.570 2.724,6 innen Nanchuan 2.602,00 631.853 534.329 205,4 Rg. Fuling Pengshui 3.903,00 590.228 545.094 139,7 Südosten Qianjiang 2.397,00 442.385 445.012 185,7 Südosten Qijiang 2.182,14 962.813 801.041 367,1 Umland Rongchang 1.079,01 659.556 661.253 612,8 Umland Shapingba 383,45 789.359 1.000.013 2.607,9 innen Shizhu 3.013,00 484.876 415.050 137,7 Südosten Shuangqiao 37,48 42.033 50.116 1.337,1 Umland Tongliang 1.341,73 794.104 600.086 447,3 Umland Tongnan 1.584,97 860.016 639.985 403,8 Umland Wansheng 565,58 265.743 255.776 452,2 Umland Wanzhou 3.457,00 1.648.870 1.563.050 452,1 Wanzhou Wulong 2.901,00 397.697 351.038 121,0 Rg. Fuling Wushan 2.958,00 571.959 495.072 167,4 Wanzhou Wuxi 4.030,00 483.759 414.073 102,7 Wanzhou Xiushan 2.450,00 507.522 501.590 204,7 Südosten Yongchuan 1.575,68 984.730 1.024.708 650,3 Umland Youyang 5.173,00 594.287 578.058 111,7 Südosten Yubei 1.452,03 843.482 1.345.410 926,6 Rand Yunyang 3.649,00 1.219.647 912.912 251,2 Wanzhou Yuzhong 21,90 664.942 630.090 28.771,2 City Zhong 2.184,00 954.075 751.424 334,1 Wanzhou Chongqing 82.402,95 30.512.763 28.846.170 350,1

Peripherie Der Randbereich der Kernstadt umfasst vier Stadtbezirke:

Stadtbezirk Banan (), Stadtbezirk Beibei (), Stadtbezirk Yubei (), Stadtbezirk Bishan ().

Ländliche Umgebung Neun Stadtbezirke liegen im ländlichen Umland außerhalb der Kernstadt: Stadtbezirk Changshou (), Stadtbezirk Hechuan (), Stadtbezirk Jiangjin (), Stadtbezirk Yongchuan (), Stadtbezirk Dazu (), Stadtbezirk Qijiang (), Stadtbezirk Rongchang (), Stadtbezirk Tongliang (), Stadtbezirk Tongnan ().

Fuling Die Region Fuling () grenzt östlich an die Kernstadt und besteht aus drei Stadtbezirken und zwei Kreisen: Stadtbezirk Fuling (), Stadtbezirk Nanchuan (), Stadtbezirk Wulong (), Kreis Dianjiang (), Kreis Fengdu ().

Wanzhou Die Region Wanzhou liegt weit nordöstlich des eigentlichen Chongqing. Sie umfasst drei Stadtbezirke und sechs Kreise: Stadtbezirk Wanzhou (), Stadtbezirk Kaizhou (), Stadtbezirk Liangping (), Kreis Chengkou (), Kreis Fengjie (), Kreis Yunyang (), Kreis Wushan (), Kreis Wuxi (), Kreis Zhong ().

Qianjiang Die Region Qianjiang () schließt östlich an diejenige von Fuling an und bildet den Südosten des Gebiets von Chongqing. Sie gliedert sich in einen Stadtbezirk und vier Autonome Kreise: Stadtbezirk Qianjiang (), Autonomer Kreis Pengshui der Miao und Tujia (), Autonomer Kreis Shizhu der Tujia (), Autonomer Kreis Xiushan der Tujia und Miao (), Autonomer Kreis Youyang der Tujia und Miao ().

Klima Chongqing liegt in der subtropischen Klimazone. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 19,0 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 1138 mm im Mittel; davon fallen etwa 69 % in den Monaten Mai bis September.

Das Klima ist durch kurze und relativ milde Winter und feucht-heiße Sommer gekennzeichnet. Von Oktober bis April herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit mit häufig dichtem Nebel; aus diesem Sachverhalt leitet sich die Bezeichnung „Nebelhauptstadt“ () her.

Chongqing besitzt wegen seiner Lage im Binnenland ausgeprägte Trocken- und Regenperioden. Wärmster Monat ist der August mit maximal 32,8 °C und minimal 24,5 °C mittlerer Tagestemperatur. Teilweise erreichen die Extremwerte bis zu 40 °C. Der kälteste Monat ist in der Gegend um Chongqing der Januar mit maximal 9,5 °C und minimal 5,6 °C Tagesmitteltemperatur.

Im Sommer 2006 war Chongqing von einer starken Trockenheit betroffen. Es regnete über Wochen nicht und ein Großteil der Flüsse trocknete aus. Nach staatlichen Angaben handelte es sich um die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten in China. Die höchste Temperatur wurde offiziell am 15. August 2006 an der Wetterstation in Qijiang mit 44,5 °C gemessen. Der bisherige Rekord lag bei 44,1 °C, gemessen am 19. August 1953 an der Wetterstation in Pengshui. In: paper.sznews.com. In: Shenzhen Daily (englisch).

Starke Regenfälle führten im Sommer 2007 in Chongqing zu Überschwemmungen. Am 18. Juli 2007 wurde mit 266,6 mm an einem Tag die höchste Niederschlagsmenge seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1892 gemessen. Der bisherige Rekord lag bei 206,1 mm Niederschlag, gemessen am 21. Juli 1996.Rainstorm Resets Meteorological Records. In: china.org (englisch).

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