mini|hochkant=1.5|Bornholm – Reliefkarte mini|hochkant=1.5|Bornholm – Satellitenaufnahme der NASA mini|hochkant=1.5|Bornholm, Schrägluftbild von Nordwest
Bornholm [] (dänische Aussprache: []) ist zusammen mit sechs unbewohnten kleinen Nebeninseln (insgesamt elf Hektar) die östlichste Insel und Gemeinde Dänemarks. Die Ostseeinsel liegt zwischen dem schwedischen Schonen und der polnischen Woiwodschaft Westpommern, etwa 150 km östlich von Kopenhagen und 85 km nordöstlich von Rügen. Die Südküste Schonens (Schweden) ist etwa 35 km entfernt. Die Insel hat Bewohner (), die teilweise Bornholmsk, einen ostdänisch-schonischen Dialekt, sprechen.
Die nahegelegenen Schäreninseln Christiansø und Frederiksø gehören zu keiner Kommune, sondern werden als einzige Gebiete Dänemarks direkt vom Verteidigungsministerium verwaltet.Danmarks Statistical Yearbook 2009 – Geography and climate, Table 3 Area and population. Regions and inhabited islands (englisch) Sie bilden jedoch zusammen mit Bornholm einen Landsdel („Landesteil“), den Landsdel Bornholm.
Geographie
Die Insel Bornholm ist km² groß. Sie ist in Nordwest-Südost-Richtung 40 km lang. Die größte Breite in Südwest-Nordost-Richtung beträgt 30 km. Die Insel bildet mit der Ostsee eine 158 km lange Küste. Die Oberflächenform der Insel entspricht einem leicht gewellten Hügelland, das allseits zu seiner höchsten Höhe im Inselinneren, dem 162 m hohen Rytterknægten, ansteigt. Zwischen Tejn und Gudhjem, ganz in der Nähe vom Bornholmer Kunstmuseum, liegt im Døndalen der höchste Wasserfall Dänemarks, der 22 m hoch ist.Døndalen – Bornholm.
Die Landschaftsformen wurden weitgehend im Quartär während der vergangenen Kaltzeiten durch den Einfluss der Gletschereismassen gebildet. Das Vorrücken der Gletscher nach Süden führte zu einem starken Gesteinsabtrag und zur Herausbildung der heutigen Wellenform der Insel.
An das Vorhandensein von Gletschern erinnern noch die teilweise zentimetertiefen Kritzungen im Gestein, die durch Gesteinsmaterial entstanden, das von den Gletschern mitgeführt wurde. Einzelne Blöcke, die der Gletscher nach dem Abschmelzen hinterließ, sogenannte Findlinge wie der Bobbestenen, sind ebenfalls an vielen Stellen der Insel zu finden. Manche wackeln auf ihrer Unterlage und werden daher Rokkesten (deutsch: „Wackelstein“) genannt.
Durch den stärkeren Abtrag an Gesteinsklüften, Gesteinswechseln und Verwerfungen entstanden zahlreiche Schluchten, die meist in Südwest-Nordost-Richtung verlaufen. Prägnante Beispiele für Schluchten sind das Ekkodalen unterhalb des Rytterknægten, das Kløvedal nördlich der Almindingen und das Dovredal südwestlich Paradisbakkerne. Die Schluchten Bornholms wurden nach dem Gletscherrückzug durch Schmelzwasser erweitert.
Am Ende der Eiszeit ins Meer abfließendes Schmelzwasser verursachte auch die im Norden von Bornholm befindlichen schmalen, tief eingeschnittenen Schluchtentäler. Zu ihnen zählen insbesondere die zu durchwandernden Täler Døndalen, Kobbeå (südöstlich von Gudhjem) und Gyldenså (westlich von Listed). Blickt man von einem an das Tal angrenzenden Feld über das Tal, so sieht man nur ein grünes Band, das von den aus dem Tal herausragenden Baumkronen gebildet wird. Das Tal befindet sich 20 bis 30 Meter tiefer, unterhalb des Betrachters.
Wegen Bornholms felsiger Landmasse ist seine Küste meist Steilküste und Felsküste. Die Felsen brechen oft senkrecht ins Meer ab. Die höchsten Klippen befinden sich südlich von Hammerhus. Die Felsen an der Falkenschlucht (Falkeslugten) sind über 40 Meter hoch.wwwrockclimbing.dk Die Helligdoms-Klippen (Helligdomsklipperne) bei Tejn erreichen 22 m Höhe. Über 20 m hoch sind auch die Granitklippen von Jons Kapel bei Vang. Ausgedehnte, flach ins Meer auslaufende helle Sandstrände befinden sich nur an der Südostecke entlang der Orte Dueodde, Snogebæk und Balka.
Klimadaten
Im Dezember 2010 wurden nach einem Schneesturm auf der gesamten Insel Schneehöhen von (im Minimum) 146 Zentimeter erreicht. Schneewehen türmten sich bis zu 6 Metern auf.
Geologie
mini|Granitbruch Klippeløkken bei Knusker mini|Arnager Kreideküste
Der Gesteinsaufbau Bornholms wird im Gegensatz zum gesamten Rest Dänemarks überwiegend von präkambrischen Grundgesteinen geprägt. Diese bilden eine geologische Einheit mit Südschweden.
Der oberflächennahe geologische Untergrund des Zentrums und des Nordens der Insel wird von präkambrischen Gneisen und Graniten gebildet. Bei den Graniten sind Hammergranit, der den Hammeren im Norden und Bereiche des Inselinneren westlich von Vestermarie bildet, Vanggranit in einem Gürtel südlich des Hammeren, Svanekegranit an der Nordostspitze sowie Paradisbakkegranit am Paradisbakkerne im Osten der Insel zu unterscheiden. Kleine Areale im Süden der Insel werden auch vom dunklen Rønne-Granit eingenommen. Das geschätzte Alter wird mit 1,4 Milliarden Jahren angegeben. Die meisten dieser Gesteine sind als Leitgeschiebe auch in Norddeutschland und Nordpolen sehr häufig zu finden. Die beiden größten Findlinge Norddeutschlands, der Buskam auf Rügen besteht aus Hammergranit.
Der dunkle Rønne-Granit wird heute noch in zwei großen Gruben bei Knudsker (Klippelökken) abgebaut. (dänisch).
Die Gesteine im Süden Bornholms sind Verwitterungsreste und Sedimentgesteine jüngeren Datums. Der Südosten wird von paläozoischen Schiefern gebildet. Dabei handelt es sich um marine Sedimentgesteine aus dem Kambrium, Ordovizium und Silur. Deren Alter liegt somit zwischen 540 und 430 Millionen Jahren. Mesozoische Lehme und Sandsteine bilden den Übergang zum Grundgestein bei Nexø und Åkirkeby bzw. den gesamten Südwesten der Insel bei Rønne. Sie entstammen überwiegend der Jura- und Kreidezeit vor 190 bis 70 Millionen Jahren. Großflächige quartäre Ablagerungen treten vor allem in Form von Sanddünen im Südosten Bornholms bei Dueodde auf. Kalkstein ist auf Bornholm selten und tritt kleinflächig in Form des Arnagerkalks aus der Oberen Kreidezeit im Süden der Insel auf.
Fossile Reste der Lebewelt des zur Zeit des Kambrium und Ordovizium bestehenden Meeres finden sich zahlreich in den Schiefern im Inselsüden. Verbreitet treten Graptolithen und Trilobiten auf. Im Jahre 2006 wurden an der Westküste zwischen Hasle und Rönne die 170 Millionen Jahre alten Spuren von zwei Dinosaurierarten gefunden. Bereits 2002 fanden Forscher den 135 Millionen Jahre alten Zahn eines Velociraptor.
Vegetation, Flora und Fauna
Potentielle natürliche Vegetation des größten Teils der Insel Bornholm sind Rotbuchenwälder bodensaurer Standorte (Luzulo-Fageten). Insbesondere auf Felsen in Südhanglage sind Buchen und Traubeneichen-Trockenwälder bodensaurer Standorte zu erwarten. An steilen Nordhängen und in Schluchten mit luftfeuchtem Klima treten von Natur aus Schluchtwälder aus Berg-Ahorn, Bergulme und Gemeiner Esche auf. Nadelholz ist von Natur aus außerhalb der Kiefernwälder auf den Dünensanden bei Dueodde nicht zu erwarten.
mini|Bornholm ca. 1900
Durch die intensive Landnutzung wurde die natürliche Vegetation stark verdrängt. Naturnahe Wälder sind bis auf wenige Reste von Bornholm verschwunden. Intensiv genutztes Ackerland bildet seit Jahrhunderten einen Ring um das Inselinnere. Dort, auf der ehemaligen Allmende (Almindingen), wurde früher das Vieh gehütet. Durch die Waldweide wurde der Wald immer weiter zurückgedrängt, ebenso durch die Ausbeutung des Waldes für den Schiffbau. Dennoch ist der Almindingen noch immer das zweitgrößte zusammenhängende Waldgebiet Dänemarks. Die dort entstandenen Heide(Lyng)-Flächen (siehe Karte von Bornholm um 1900) wurden erst später, nach Entstehen einer geordneten Forstwirtschaft, mit nicht standortgerechten und meist fremdländischen, aber schnellwüchsigen Nadelhölzern wieder aufgeforstet. Daraus sind die Plantagen, die Forste der Insel, hervorgegangen. Nur kleine Heideflächen, natürliche Niedermoore und Moorseen (beispielsweise Bastemose und Olene) sind im Almindingen übrig geblieben.
Ein großes zusammenhängendes Küstenheidegebiet ist der Hammeren im Norden.
Zu den größeren freilebenden Säugetieren auf Bornholm gehören Rehe, Damhirsche und Hasen. Der Damhirschbestand geht auf aus Farmen entkommene Tiere zurück. Im Gebiet um Svinemosen im Almindingen lebt zudem eine Herde Wisente in einem eingezäunten Areal. Sie ist Teil eines Schutzprojekts für den Europäischen Wisent. Knochenfunde belegen, dass hier schon Rentiere, Biber, Marder und Wildschweine gelebt haben. Es wird angenommen, dass diese Tiere am Ende der Eiszeit, als Bornholm noch Teil des europäischen Festlandes war, in diese Region kamen oder auch während strenger Winter von Schweden über das Eis kamen. Der heutige Rehbestand wurde im 19. Jahrhundert eingeführt.Hans Klüche: Bornholm. Goldstadt-Reiseführer, 1993.
Gemeinden und Verwaltung
mini|Eine inoffizielle Flagge
Das Amt Bornholm (Bornholms amtskommune/amt) wurde Ende 2002 abgeschafft. Das Amt und die früheren fünf Kommunen wurden in der Einheit Bornholms Regionskommune zusammengefasst. Diese Kommune hatte vom 1. Januar 2003 bis zum 31. Dezember 2006 den Status einer kreisfreien Gemeinde und stand somit auf einer Stufe mit Kopenhagen und Frederiksberg. Die früher selbständigen Kommunen Aakirkeby, Allinge-Gudhjem, Hasle, Neksø und Rønne sind Teilgemeinden von Bornholm geworden. Diese Gebietsreform war Ergebnis einer Volksabstimmung vom 29. Mai 2001. Sitz der Verwaltung ist nach wie vor Rønne. Seit 2007 gehört Bornholm wie Kopenhagen und Frederiksberg zur Region Hovedstaden und hat seinen Amtstatus verloren. Ab 2018 gibt es 23 Gemeinderatsmitglieder.
Auf dem Bornholm liegen die folgenden Kirchspielsgemeinden, dän.: Sogn (außer Christiansø, das 18 km nordöstlich von Bornholm liegt) und Ortschaften mit über 200 Einwohnern (byer nach Definition der dänischen Statistikbehörde), bei einer eingetragenen Einwohnerzahl von Null hatte der Ort in der Vergangenheit mehr als 200 Einwohner:
mini|Bornholm und Christiansø (Erbseninseln) mit fünf alten Kommunen (1970–2002) (grüne Farben) und älteren Kommunen mini|Kirchspiel(-gemeinden) / Sogn (mit Nummern)
Nr. Kirchspiel Fläche km²Bornholmsk Turistleksikon Einwohner Ortschaft Einwohner Harde 18 Aaker Sogn 56,77 Aakirkeby Sønder Herred 2 Allinge-Sandvig Sogn 9,61 Allinge-Sandvig Nørre Herred 19 Bodilsker Sogn 32,52 Balka<ref name=" Sønder Herred 1 Christiansø Sogn 0,36 Sønder Herred 6 Gudhjem Sogn 1,30 Gudhjem Øster Herred 7 Hasle Sogn 4,17 Hasle Nørre Herred 14 Ibsker Sogn 32,38 ÅrsdaleListed<ref name=" Øster Herred 8 Klemensker Sogn 57,13 Klemensker Nørre Herred 11 Knudsker Sogn 19,21 Vester Herred 20 Nexø Sogn 4,31 Nexø Sønder Herred 10 Nyker Sogn 24,65 MulebyNyker Vester Herred 17 Nylarsker Sogn 23,33 ArnagerLobbækNylars Vester Herred 4 Olsker Sogn 25,18 Tejn Nørre Herred 21 Pedersker Sogn 29,82 Pedersker Sønder Herred 22 Poulsker Sogn 32,00 Snogebæk Sønder Herred 3 Rutsker Sogn 29,21 RutskerTeglkåsVang Nørre Herred 5 Rø Sogn 26,07 Rø Nørre Herred 16 Rønne Sogn 9,78 Rønne Vester Herred 15 Svaneke Sogn 2,23 Svaneke Øster Herred 12 Vestermarie Sogn 69,77 Vestermarie Vester Herred 9 Østerlarsker Sogn 38,40 Østerlars Øster Herred 13 Østermarie Sogn 53,78 Østermarie Øster Herred Bornholm 581,98 39.644 21 byer 30.450 4 Harden
Die Stadt Gudhjem erstreckt sich auch auf das Kirchspiel Østerlarsker Sogn. Das Besiedlungsgebiet der Stadt Rønne erstreckt sich mittlerweile auch auf das Kirchspiel Knudsker Sogn. Teile der Stadt Svaneke liegen auf dem Gebiet des Kirchspiels Ibsker Sogn. Die Einwohnerzahl von Listed lag 2019 erstmals unter 200, die von Balka 2023.
Die vier Harden hießen im Mittelalter Michlingæ (Sønder Herred), Rothnæ (Vester Herred), Haslæ (Nørre Herred) und Hænnings (Øster Herred), wie auf einer Hardenkarte von Dänemark zu sehen ist, die die Verhältnisse im Mittelalter abbildet.:Datei:Administrative division of denmark in medieval times.jpg
Bevölkerungsentwicklung
1850: 27.927 1901: 40.889 1950: 48.134 1965: 48.620 1970: 47.239 1980: 47.780 1990: 45.900 2000: 44.337 2009: 42.563 2010: 42.154 2011: 41.802 2012: 41.303