Echter Alant (Inula helenium), meist kurz Alant genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Alante (Inula) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie wird bereits seit der Antike als Heil- und Gewürzpflanze verwendet.
Namen Diese Pflanzenart trägt je nach Region sehr unterschiedliche deutschsprachige Trivialnamen. Dazu zählt Altkraut, Brustalant, Darmkraut, Darmwurz, Edelwurz, Glockenwurz, Helenenalant, Helenenkraut, Odinskopf und Schlangenkraut.Hubbauer P.: „Inula Helenium in der Homöopathie“ Mittelhochdeutsch sind alan, aland und alant belegt.T. A. Sprague 1933, Botanical Terms in Isidorus. In: Bulletin of Miscellaneous Information (Royal Gardens, Kew) 1933/8, 401
Der griechische Name von Alant ist , der lateinische Helenium (früher auch Elenium geschrieben). Der Echte Alant wurde auch als Enula und Enula campana bezeichnet.Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 141–142.Vgl. auch Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 30 (Enula campana „[a]llant wurcz“); und Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 181.).
Das botanische Artepitheton helenium spielt auf zwei Legenden der Antike an. Nach der einen soll Helena, bevor sie von Paris von Griechenland nach Troja entführt wurde, ihre Hände mit den Blüten dieser Pflanze gefüllt haben.Hans Schöpf: Zauberkräuter. Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1986. S. 51. Nach einer anderen Legende wuchs die Pflanze dort, wo Helenas Tränen den Boden benetzten.Siegfried Bäumler: Heilpflanzenpraxis heute. Porträts, Rezepturen, Anwendungen. Urban & Fischer 2006. S. 52. Möglicherweise bezog sich die antike Bezeichnung helénion aber nicht auf die in der Ilias erwähnte Helena, sondern auf Helénē, eine minoische Vegetationsgöttin.Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 1996, ISBN 3-7643-2390-6, S. 281.
Beschreibung und Inhaltsstoffe mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstände
Vegetative Merkmale Echter Alant wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von bis zu 2 Metern. Der starke Wurzelstock hat einen aromatischen Geruch. Er enthält viel Inulin, ein dem Fruchtzucker ähnliches Kohlenhydrat.
Die Blattunterseite ist filzig behaart. Die Grundblätter und die unteren Stängelblätter sind am Spreitengrund in einen oberwärts geflügelten Stiel verschmälert. Ihre Blattspreite ist bei einer Länge von 40 bis 80 Zentimetern sowie einer Breite von 13 bis 25 Zentimetern breit-lanzettlich bis oval. Die mittleren Stängelblätter sind kleiner, oval bis eiförmig mit spitzem oberem Ende und mit herzförmigem Grund sitzend. Die oberen Stängelblätter sind halbstängelumfassend sitzend.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Die Hülle ist bei einem Durchmesser von etwa 2 Zentimetern sowie einer Höhe von etwa 1,5 Zentimetern becherförmig. Die äußeren Hüllblätter sind hochblattartig, sind fast ganz krautig, 8 bis 10 Millimeter breit, abstehend und außen filzig behaart. Die inneren Hüllblätter sind ganz häutig, unten strohfarben und oben bräunlich. Die auffälligen körbchenförmigen Blütenstände sind mit einem Durchmesser von 6 bis 7 Zentimetern relativ groß. Der Blütenkorb enthält Scheiben- und Strahlenblüten. Die gelben Zungenblüten sind weiblich und enden mit einer Zunge, die bei einer Breite von etwa 2 Millimetern sowie einer Länge von 2 bis 3 Zentimetern linealisch ist.
Die Achänen sind bei einer Länge von 4 bis 5 Millimetern zylindrisch. Ihr Pappus ist 8 bis 10 Millimeter lang und besteht aus bräunlichen Borsten.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 20.
Herkunft und Standortanforderungen Echter Alant stammt ursprünglich aus Klein- und Zentralasien. Nach POWO ist er heimisch in Europa in Italien, auf der Balkanhalbinsel und in der Ukraine und in Asien östlich bis Xinjiang. Er soll auch in Spanien heimisch sein. Angebaut wird er u. a. in Deutschland (in Preußen seit 1654Johannes Abromeit: Flora von Ost- und Westpreussen. G. Vogel, Berlin 1898–1903, Band 1, S. 384–385.), in den Niederlanden und auf dem Balkan. Der Echte Alant gedeiht meist an leicht feuchten, halbschattigen Standorten. Verwildert kommt er häufig in Pflanzengesellschaften der Unterklasse Galio-Urticenea und des Verbands Arction vor.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).
mini|Inula helenium subsp. orgyalis Systematik Die Erstveröffentlichung von Inula helenium erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 881.
Je nach Autor gibt es mehrere Unterarten: Inula helenium subsp. helenium Inula helenium subsp. orgyalis (Syn.: Inula orgyalis ): Sie kommt in der Türkei vor. Inula helenium subsp. pseudohelenium : Sie kommt in der Türkei vor. Inula helenium subsp. turcoracemosa : Sie kommt in Armenien und in der Türkei vor. Inula helenium subsp. vanensis : Sie kommt in der Türkei vor.
Abbildungen
Nutzung Gewürz Alant wird heute nur noch selten in der Küche eingesetzt. Die Wurzel des Alant (Droge: Helenii radix bzw. Helenii rhizoma, der Alantwurzelstock) fand seit der Antike aufgrund ihres bitteren, harzigen Geschmacks zum Teil Verwendung als Gewürz für Süßspeisen und Magenbitter. Horaz beschreibt in seiner achten Satire ein Gericht aus gekochten Alantwurzeln und weißen Rübchen.Heinrich Düntzer, Quintus Horatius Flaccus: Kritik und Erklärung der Satiren des Horaz: Ein Handbuch zur tiefern Auffassung der Satiren des Horaz. Universität Gent, Meyersen, 1841. S. 305. Plinius der Ältere legte seinen Lesern nahe, Alantwurzeln zu kauen, um den Geschmackssinn zu verfeinern, die Verdauung anzuregen und die Stimmung zu heben.Cajus Plinius Secundus, Naturgeschichte. Buch XIX, § 92 (Kapitel 29) (Digitalisat Latein) (Digitalisat Ausgabe Külb 1840–1864 Deutsch) Die Rezeptsammlung De re coquinaria aus dem 4. Jahrhundert, die auf den römischen Feinschmecker und Koch Apicius zurückgehen soll, zählt Alant sogar zu den Gewürzen, die in einem römischen Haushalt vorhanden sein müssen, „auf dass es beim Würzen an nichts fehle“. In dem Edikt des Diokletian war der Preis von Alant auf 5 Denare für ein Pfund festgesetzt. Aus dem Jahr 329 nach Chr. ist belegt, dass 1000 Denare pro Pfund gezahlt wurden.Adam Bülow-Jacobsen 2004, Ἑλένιον, Inula helenium (L.) in the Papyri. Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 150, 214.
Kandierter Alant galt lange Zeit als Leckerbissen. Da viele Menschen auf Alant mit Allergien reagieren, findet Alant fast nur noch in Likören Verwendung.
Geruch Wie eine Reihe anderer Pflanzen verwendete man den Alant im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, um die Zimmerluft zu verbessern. Er wurde auf die Glut in den offenen Kaminen geworfen. Die in Alkohol ausgezogene Wurzel ergibt eine süßlich herbe Geruchslotion und eignet sich bei entsprechender Verdünnung als Rasierwasser.
Färbepflanze Die (von Natur aus Harnstoff enthaltende) in Urin gebeizte und zerstoßene Alantwurzel ergibt mit Pottasche und Heidelbeeren einen blauen Farbstoff.Mattuschka, Heinrich Gottfried: Flora silesiaca, Bd. 2. Breslau und Leipzig: Wilhelm Gottlieb Korn 1777. S. 266.
Alant im Volksglauben Der Alant wurde in den Weihebusch eingebunden, der an Mariä Himmelfahrt, dem 15. August zur Kräuterweihe gebracht wird.Hoffmann-Krayer, Eduard u. a. (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Band 5: Knoblauch – Matthias. De Gruyter, Berlin 1974, Artikel Kräuterweihe, Sp. 442. Im Sauerland werden in den Kräuterweihebusch so viele Alantblüten eingebunden, wie Kühe im Stall stehen.Eduar Hoffmann-Krayer u. a. (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Band 1: Aal – Butzemann. De Gruyter, Berlin 1974, Artikel Alant, Sp. 238 f.
Im Volksglauben galt der Alant auch als dämonenabwehrend. In der Steiermark räucherte man am Christabend mit Alant die Stuben und Ställe aus. Als Pflanze des Abwehrzaubers war er ein altes Mittel gegen die Pest. Als Amulett um den Hals getragen, sollte er vor Behexen schützen.
Alant in der Heilkunde Alant wird bereits in ägyptischen Papyri erwähnt.Adam Bülow-Jacobsen: Ἑλένιον. Inula helenium (L.) in the Papyri. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik. Band 150, 2004, S. 214. Im römerzeitlichen Spanien war die Pflanze nach Isidor von Sevilla als ala bekannt. Er beschreibt die Wurzel als aromatisch, die Blätter als scharf.
Überwiegend verwendeter Teil ist die Wurzel (Helenii rhizoma). Alant zählt zu den seit der Antike bekannten Heilpflanzen. Bei Dioskurides und Plinius wird „Helenion“Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 181 („Enula – […] Ellemum“). gegen Husten, Krämpfe und Magenschwäche empfohlen,Heinrich Marzell: Geschichte und Volkskunde der deutschen Heilpflanzen. ; Reichl, 2002, S. 262. und sollte auch bei BlutspuckenBernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 387 (emoptocycis). helfen.
Plinius erwähnt, dass Livia, die Gattin des Augustus, ihn täglich aß – bekanntlich wurde sie 88 Jahre alt.Cajus Plinius Secundus, Naturgeschichte. Übersetzt und erläutert von Philipp H. Külb, Metzler, Stuttgart 1854. Buch XIX, § 92 (Kapitel 29) (Digitalisat) Im gesamten Mittelalter war Alant eine hochgeschätzte Heilpflanze, die besonders in Form des Alantweins als Allheilmittel galt.Pseudo-Arnaldus de Villanova. 13.–14. Jh. Der Tractat … von Bewarung und Beraitung der Wein … Druck. Esslingen (?) nach 1478. (Digitalisat) Im slawischen Sprachraum wurde Alant (glagol. оман) als Hustenmittel genutzt.Ursula Rosenschon 1993, Sechs Seiten medizinischer Rezepte im glagolitischen Psalter 3/N des Sinaiklosters. Sudhoffs Archiv 77/2, 154.