Rodewald ist eine Gemeinde in der Samtgemeinde Steimbke im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen. Die landwirtschaftlich geprägte Gemeinde ist unterteilt in die Obere, Mittlere und Untere Bauerschaft (abgekürzt als o. B., m. B. und u. B.). 1970 entstand aus den drei politischen Gemeinden Rodewalds die Einheitsgemeinde Rodewald. Bis zur Landkreisreform im Jahre 1974 war Rodewald Teil des Landkreises Neustadt am Rübenberge, seitdem gehört die Gemeinde zum Landkreis Nienburg/Weser.Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Nienburg vom 11. Februar verkündet im Nds. GVBl. Nr. 6/1974 S. 78.
Geografie Das Dorf gilt mit ungefähr 11 Kilometern Länge als das zweitlängste Dorf Niedersachsens. Es liegt geographisch relativ zentral in Niedersachsen, etwa 40 km nördlich der Landeshauptstadt Hannover und 125 km südlich der Hansestadt Hamburg.
Geschichte mini|St.-Aegidien-Kirche
Rodewald wurde im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts durch die Grafen von Wölpe mit Billigung des Mindener Bischofs als Diözesan gegründet. Die Gründung war Teil eines größeren Landesausbaus in ihrem Herrschaftsbereich. 1221 und 1223 tritt ein Christianus de Rodelwolde in zwei Urkunden als Zeuge auf. Durch eine planmäßige Ansiedlung entstand entlang eines Weges der erste Abschnitt, der zu einem großen Teil mit der heutigen unteren Bauerschaft identisch ist. Der damit verbundenen Waldrodung verdankt das Dorf wahrscheinlich seinen Namen, das nach seiner Form ein hochmittelalterliches Hagenhufendorf ist. Jeder Siedler erhielt ein gleich großes Stück Land, eine eingehegte, d. h. eingezäunte Hufe, die sich in einem Streifen quer zur Straße erstreckte und innerhalb derer er sich ansiedelte und seine Gebäude errichtete. Dazu genoss er als Häger rechtliche Vorteile, wie die eigene niedere Gerichtsbarkeit.
Die Parzellen von der Größe von 60 bis 70 Morgen waren nur so breit wie der Hof, dafür allerdings sehr lang. Diese für das Hochmittelalter typische Flur ist noch heute zu erkennen. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts verlängerte sich das Dorf nach Süden und wurde um die mittlere und obere Bauerschaft erweitert, die eigene Rechtsgemeinschaften bildeten.
1302 gelangte die Grafschaft Wölpe und damit auch Rodewald durch Verkauf an Otto den Strengen von Braunschweig-Lüneburg und verblieb als Vogtei bis 1866 im Herrschaftsbereich der Welfen.
Mit der 1542 publizierten Kirchenordnung und der nachfolgenden Kirchenvisitation im Teilfürstentum Calenberg hielt die Reformation Einzug.
1579 wird erstmals der Rodewalder Markt genannt; auf das Vorhandensein einer spezialisierten Wirtschaft und damit einer Bedeutung als Absatz- und Handelsort verweisen bereits die 1543 überlieferten Hokesherren.
1821 zerstörte ein Großfeuer den Turm der St. Aegidienkirche, der 1847 in neuer Form wiederaufgebaut wurde.
Nach der Annexion des Königreichs Hannover fiel Rodewald 1866 an Preußen. 1878 wurden die drei Bauerschaften zu eigenständigen Gemeinden erklärt.
Nach dem Ende des Kaiserreiches und des Ersten Weltkrieges blieb der Ort bis Mitte des 20. Jahrhunderts agrarisch geprägt. Dies änderte sich 1935, als in Steimbke, Rodewald und Suderbruch im Zuge der Autarkiebemühungen Erdölvorkommen erschlossen wurden, die von der Gewerkschaft Brigitta ausgebeutet wurden.
Nach der Machtergreifung bestanden zwei Lager des Reichsarbeitsdienstes (RAD). Die hier Verpflichteten begradigten u. a. als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme den Lauf der Alpe. Die NSDAP hatte schon vor 1933 starken Rückhalt im Dorf gefunden.
Der Zweite Weltkrieg erreichte den Ort erstmals im September und Oktober 1943, als Luftangriffe Schäden in der unteren Bauerschaft verursachten. Luftkämpfe im Januar, März und Mai 1944 forderten erste Opfer unter der Zivilbevölkerung.
Am 9. April 1945 wurden durch Artilleriebeschuss mehrere Gebäude am Kummende in der oberen Bauerschaft zerstört.
Das Kriegsende hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die Sozialstrukturen des Ortes. Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten bildeten eine neue Bevölkerungsgruppe, deren Landsmannschaften sich erst allmählich integrierten. Für diese „Neusiedler“ entstanden neue Wohngebiete im Neudorf als Erweiterung der unteren Bauerschaft und an der Pottstraße in der oberen Bauerschaft und 1962 der Neubau der katholischen Kirche „Zur Heiligen Familie“.
1972 wurden die drei Teilgemeinden zur Einheitsgemeinde Rodewald zusammengelegt, die im Zuge der Kreisreform 1974 Teil des Landkreises Nienburg/Weser wurde und in der Samtgemeinde Steimbke aufging.
Heute ist die historische Siedlungsstruktur der Hagenhufe noch vielerorts erkennbar und Rodewald ist das „lange Dorf an der Straße“. Die verbliebenen Freiflächen entlang der Straße verzahnen auch Landschaft und Siedlung.
Religion mini|Die kath. Kirche Hl. Familie (Rodewald) zum Zeitpunkt ihrer Profanierung, 2015 In Rodewald sind die beiden großen christlichen Konfessionen vertreten, die sich in zwei Kirchen in Rodewald zum Gottesdienst versammeln. Es gibt keine weiteren in Rodewald institutionell vertretenen Konfessionen und Religionen.
Die evangelisch-lutherische St.-Aegidien- und St.-Johannis-Kirchengemeinde Rodewald gehört zum Kirchenkreis Nienburg und unterhält in Rodewald zwei Kirchen: Die St.-Johannis-Kirche in der unteren Bauerschaft und die St.-Aegidien-Kirche in der mittleren Bauerschaft. Die evangelische Kirchengemeinde umfasst ca. 2400 Gemeindeglieder und unterhält ein gemeinsames Pfarramt mit der evangelischen Kapellengemeinde der Streusiedlung Lichtenhorst.
Die römisch-katholische Kirche „Heilige Familie“ wurde 1961/62 im nördlichen Ortsbereich erbaut, am nach dem Gründer und langjährigen Pfarrer der Gemeinde Georg Wengler benannten Weg. 1962 wurde das benachbarte katholische Seniorenzentrum „Heilige Familie“ eröffnet, es befindet sich heute in evangelischer Trägerschaft. Seit 2006 gehörte die Kirche zur Pfarrgemeinde St. Bernward in Nienburg, 2015 wurde sie profaniert. Der Nienburger Pfarrer betreut heute auch die ca. 350 Mitglieder umfassende Gemeinde in Rodewald. Eine weitere protestantische Georgskapelle bestand im früheren Schulhaus der Oberen Bauerschaft am Krummende.
Politik Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Rodewald besteht aus 13 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für die Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 2001 und 3000 Einwohnern., abgerufen am 27. März 2017. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 9. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Die letzte Kommunalwahl am 12. September 2021 ergab das folgende Ergebnis:
Partei Anteilige Stimmen Anzahl Sitze CDU 34,94 % 5 WG Rodewald 24,40 % 3 SPD 9,78 % 1 FDP 4,06 % 1 Grüne 8,32 % 1 Einzelwahlvorschlag Göbel 18,50 % 2
Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2021 lag mit 63,02 % über dem niedersächsischen Durchschnitt von 57,1 %.
Bürgermeister Der Gemeinderat wählte das Gemeinderatsmitglied Bernd-Christoph Höper (CDU) zum ehrenamtlichen Bürgermeister für die aktuelle Wahlperiode., abgerufen am 8. Januar 2022.
Bisherige Amtsinhaber ~1970: Hermann Frerking 1972–1986: Herbert Schöling (CDU) 1986–1996: Fritz Thieße (CDU) 1996–2001: Helmut Ario (SPD)spd-steimbke.de: Vierzig Jahre in der SPD, abgerufen am 27. August 2021 2001–2007: Herrmann Bartels (CDU) 2007–2011: Hans-Joachim Zilke (SPD) 2011–2021 Katharina Fick (WG) seit 2021 Bernd-Christoph Höper
Gemeindedirektor ~1970: Heinrich Krage 1971 Gustav Graubohm 1972 Uwe Wanner 2001 bis 2014 Hans-Jürgen Hoffmann 2014 bis 2019 Knut Hallmann 2019 Torsten Deede
Wappen Das Gemeindewappen der Dorfgemeinde Rodewald m.B. mit der Eule in der Öffnung eines Kirchenfensters (Lichtgade) wurde 1960 vom Regierungspräsidenten in Hannover genehmigt und von der 1969 gegründete Einheitsgemeinde übernommen. Das Motiv der Eule stammt dabei von einer kleinen steinernen Eule im Portal des Turms der St.-Aegidien-Kirche in Rodewald m.B.
Der Rat der Gemeinde Rodewald hat sich gegen die Freigabe zur Nutzung im Internet entschieden.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Kriegerdenkmale mini|Kriegerdenkmal untere Bauerschaft Die Gemeinde Rodewald verfügt über drei Kriegerdenkmale. Zwei stehen in der mittleren Bauernschaft an der Hauptstraße vor der St. Aegidien-Kirche. Eines davon erinnert mit einer Gedenktafel 1860 und 1870–1871 an die gefallenen Soldaten. Das andere erinnert an die beiden Weltkriege von 1914–1918 und 1939–1945.
Ein weiteres Ehrenmal aus den 1920er Jahren steht in der unteren Bauernschaft auf einem parkähnlichen Gelände an der Kreuzung Lichtenhorster Straße / Zingeldamm. Es ist ein damals bautypisches Kriegerdenkmal in Pyramidenform aus Feldsteinen mit angebrachten Gedenktafeln 1914–1918 und 1938–1945. Es ist heimatgeschichtlich wertvoll weil es an die damalige eigenständige Gemeinde untere Bauerschaft erinnert.
St.-Aegidien-Kirche mini|hochkant|St.-Johannis-Kirche
Die an der Grenze von Mittlerer und Oberer Bauerschaft gelegene St.-Aegidien-Kirche ist ein spätromanischer Backsteinbau aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Um 1523 verlängerte man die Langhausfenster. Die drei Obergeschosse und der Turmhelm wurden nach einem Brand 1821 nach 1849 neu errichtet. 1965–1969 wurde die spätbarocke Innenausstattung entfernt und der Innenraum wieder in seinen ursprünglichen Zustand rückversetzt. Dabei wurden Wandmalereien aus dem späten 13. Jahrhundert freigelegt. Zwei moderne Fenster im Altarraum stellen die „Ankunft Christi“ und die „Wiederkunft Christi“ dar.
St.-Johannes-Kirche Die Johanniskirche in der Unteren Bauerschaft ist die älteste den beiden Rodewalder Kirchen. Die jetzige Saalkirche mit quadratischem Chor entstand an Stelle eines Vorgängerbaus in der Mitte des 14. Jahrhunderts, die tonnengewölbte Sakristei und der Dachreiter 1752. Der Ost- und Westgiebel des Backsteinbaus wurden mit flachen Mauernischen detailliert gestaltet. Der Westgiebel wurde, im Gegensatz zum Ostgiebel, im Jahre 2003 restauriert. Im 15. und im 18. Jahrhundert wurde das Dach mehrfach restauriert. Der Innenraum besticht durch sein weit heruntergezogenes Kreuzgewölbe.
Paltrockwindmühle mini|hochkant|Windmühle Rodewald Die Paltrockwindmühle in der Unteren Bauerschaft gehört zu den wenigen erhaltenen Paltrockmühlen, einer Zwischenstufe von Bock- und Holländerwindmühle. Zugleich ist sie ein Beispiel für die Anpassung von Mühlentechnik im 20. Jahrhundert. Sie wurde 1935 von der Mühlenbaufirma Karl Kühl aus Teilen einer dort seit 1890 stehenden Bockwindmühle, die ihrerseits aus Rethem an der Aller stammte, und aus Teilen anderer Mühlen umgebaut. Obwohl Flügel und Windrose heute fehlen, ist das Mahlwerk noch voll funktionsfähig und wird mit einem Elektromotor betrieben.
Heimatmuseum Das Heimatmuseum Rodewald wurde 1982 von den Schülern Ulf Bohnhorst und Holger Rabe mit Unterstützung der Gemeinde initiiert und von einem Museumsverein betrieben. Es befindet sich in einem 1877 errichteten Fachwerkbau, der seit Beginn des 20. Jahrhunderts als Arztpraxis genutzt wurde. Neben dem erhaltenen Inventar finden sich Exponate zur Rosenapotheke und zum Landleben in früheren Jahrhunderten.Bertold Frost: Rodewald. Wandel eines Dorfes 1945–1983. Nienburg 1983, S. 201 f.; siehe auch Heimatmuseum Rodewald.
Vereine Die meisten Bewohner von Rodewald engagieren sich in einem oder mehreren der ungefähr 25 verschiedenen Vereine des Dorfes. Die größten davon sind:
SSV Rodewald