Vegesack [] ist ein Stadtteil von Bremen innerhalb des Stadtbezirks Nord.

Geografie und Ortsteile Vegesack liegt an der Mündung der Lesum in die Weser. An Vegesack grenzen im Nordwesten Blumenthal, im Südosten Burglesum und im Norden die niedersächsische Gemeinde Schwanewede. Am gegenüberliegenden Ufer liegt die niedersächsische Gemeinde Lemwerder.

Vegesack Fläche: 1,84 km², 6547 Einwohner

Das Zentrum des Stadtteils bietet vielfältige Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten in der weitläufigen Fußgängerzone. Sehenswert sind: mini|Vegesacker Hafen (2004) Vegesacker Hafen, 1618–1623 als erster künstlicher deutscher Hafen angelegt; heute Museumshafen Havenhaus, erbaut 1645–1648 als Dienstsitz des Hafenmeisters, 1781/82 umgebaut, jetzt Hotel und Restaurant Kitohaus, im 17./18. Jahrhundert errichtetes Packhaus mit Portal um 1740, heute kulturelle Nutzung (Ausstellungen, Konzerte, Theater und Lesungen), Overbeck-Museum mit Sammlung zum Nachlass des Worpsweder Maler-Ehepaares Fritz und Hermine Overbeck Evangelische Stadtkirche, klassizistischer Bau von 1819–1821, 1832 umgebaut und erweitert Evangelisch-Lutherische Kirche Aumund, neugotischer Backsteinbau von 1876/77 Weserpromenade mit Stadtgarten Weserstraße mit ihren klassizistischen Kapitänshäusern und Villen aus der Gründerzeit

Grohn mini|Luftaufnahme von Grohn mini|St. Michael in Grohn Fläche: 2,02 km², 5.775 Einwohner

Das ehemalige Fischerdorf Grohn (ursprünglich von „Grohden“ = „künstlich aufgeschwemmtes Land“) liegt an der Lesum und erstreckt sich bis zu deren Einmündung in die Weser. Es gehörte als selbstständige Gemeinde ursprünglich zum Königreich Hannover, das 1866 preußische Provinz wurde. 1939 wurde Grohn nach Bremen eingemeindet und gehört seitdem als Ortsteil zum Ortsamtsbereich Vegesack.

Wichtige Betriebe: Norddeutsche Steingut AG, Herstellung keramischer Wand- und Bodenfliesen (bis 2024) die ehemalige Bremer Tauwerk-Fabrik (BTF), die lokal nicht mehr produziert, aber unter dem Namen „Kleine Wolke“ Badezimmertextilien in die ganze Welt exportiert früher Stammsitz der Nehlsen AG (jetzt in Bremen-Oslebshausen), Entsorgungs- und Sicherheitsunternehmen mit Standorten in ganz Deutschland und Beteiligungen im europäischen und afrikanischen Ausland.

Die Grohner Düne ist eine 16-geschossige Großwohnanlage mit 570 Wohnungen, die bis 1973 entstand und stark in der Kritik steht.

In Grohn befindet sich die 1999 gegründete Constructor University, eine private, staatlich anerkannte Hochschule mit internationaler Ausrichtung. Die Lehr- und Forschungssprache ist Englisch. Die Universität ist als einzige private Hochschule Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die Einrichtung nutzt Gelände und Baulichkeiten der vormaligen Roland-Kaserne der Bundeswehr.

Sehenswert sind: Evangelisch-lutherische Kirche St. Michael, von 1906 bis 1908 im neuromanischen Stil nach Entwurf des Architekten Karl Mohrmann errichteter Sandsteinbau auf kreuzförmigem Grundriss mit Vierungsturm und Pfarrhaus, die Ausmalung aus der Erbauungszeit ist erhalten Barockes Prunktor von 1665 zum Haus Seefahrt; ursprünglich in der Bremer Altstadt, in den 1950er Jahren hierher versetzt Lesumsperrwerk von 1971 bis 1974

Hörenswert sind: Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchöre der Chorwerkstatt St. Michael

Schönebeck Fläche: 2,46 km², 5223 Einwohner

Das im Tal der Schönebecker Aue gelegene Wasserschloss Schönebeck wurde 1686 errichtet. Der barocke Fachwerkbau mit massiv erneuerter Südfront von 1705 ist seit 1972 als Heimatmuseum für Vegesack und Umgebung der Öffentlichkeit zugänglich.

Besondere Ausstellungen behandeln die Themen Segel- und Dampfschifffahrt, Heringslogger und Walfänger, die Anfänge der Seenotrettung sowie die Reisen des Vegesacker Afrikaforschers Gerhard Rohlfs. Darüber hinaus wird das Schloss für Konzerte und Sonderausstellungen genutzt.

In unmittelbarer Nähe des Schlosses befinden sich das dazugehörige Verwalterhaus, ein Fachwerkgebäude von 1780, die in den 1980er Jahren hier neu aufgebaute Schlosskate, welche für private Zwecke gemietet werden kann, sowie eine Stauanlage für die ehemalige Wassermühle am Übergang vom Schlossteich zum Geestbach Schönebecker Aue. Damit Fische das Gefälle im Bereich der Stauanlage überwinden können, wurde im Juli 2006 ein separater Umgehungsbach, die sogenannte Fischtreppe, angelegt.

Schönebeck wurde 1939 in die Stadt Bremen eingemeindet.

Aumund-Hammersbeck Fläche: 3,19 km², 7422 Einwohner

Aumund – an der Mündung der Aue – wurde 1040 als Aunon erwähnt. In Hammersbeck lebten an der Beeke die Landbesitzer Hammer. Die beiden Orte gehörten zur Herrschaft Blumenthal. 1821 gehörte Hammersbeck zum ev. Kirchspiel Blumenthal und Aumund zum Kirchspiel Lesum. Die Alt-Aumunder Kirche stammt von 1877. Aumund und Hammersbeck waren seit dem 19. Jahrhundert Gemeinden zunächst im Amt Blumenthal und seit 1885 im Kreis Blumenthal. Mitgründer der Gemeinde Aumund war Martin Ecks, Vorsteher der Gemeinde Fähr, die am 1. April 1908 zusammen mit der Gemeinde Voraumund in Aumund aufging.Amtsblatt der Regierung Stade 1908, S. 76 Am 1. April 1910 wurde auch Borchshöhe eingemeindet und am 1. Oktober 1922 folgte noch Hammersbeck.Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen: Provinz Hannover Verlag des Preußischen Statistischen Landesamts, 1930 Der Friedhof Aumund stammt von 1928. Die vergrößerte Gemeinde Aumund gehörte seit 1932 zum Landkreis Osterholz und wurde 1939 in die Stadt Bremen eingegliedert. Seit 1946 bilden Aumund und Hammersbeck zusammen einen Ortsteil im Stadtteil Vegesack.

Der Ortsteil war 1751 bis 1761 Standort der Terhellenschen Fayencemanufaktur an der heutigen Uhthoffstrasse (gehört seit 1804 zu Vegesack) und einer Ziegelei, von der einige ehemalige Tongruben zeugen, wovon je eine als Aschedeponie und als Hausmülldeponie wieder verfüllt wurden. Aumund-Hammersbeck wird heute überwiegend geprägt durch Wohnquartiere mit Einfamilienhäusern sowie durch gewerbliche Bereiche mit Autohäusern, produzierendem Gewerbe und einem kleineren Technologiepark.

Eine Naturzone mit dem Naturschutzgebiet Hammersbecker Wiesen, der Beckedorfer Beeke, dem Aumunder Angelteich und mit dem Umland bei Beckedorf und Löhnhorst kennzeichnet den Ortsteil.

Der Bahnanschluss an die Bahnstrecke Bremen-Farge–Bremen-Vegesack ist seit 2008 wieder durch den Bahnhof Bremen-Aumund gegeben. Seit Ende 2011 verkehrt die Linie RS 1 der Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen von Bremen-Farge über Bremen-Aumund zum Bahnhof Vegesack, außerhalb der Hauptverkehrszeit weiter via Bremen Hauptbahnhof nach Verden (Aller).

Fähr-Lobbendorf Fläche: 2,34 km², 8031 EinwohnerGeschichte und Bilder von Fähr-Lobbendorf

Fähr Fähr wurde im 16. Jahrhundert auch Vehr geschrieben. Der Name leitet sich von einer Fähre ab, die in einem kleinen Bauernhafen ihren Ausgangspunkt hatte. Seit dem 16. Jahrhundert wurde Fährgrund besiedelt. 1720 lebten hier 14 Bauern, 1766 wurde von 22 Feuerstellen berichtet und gegen Ende des 16. Jahrhunderts waren es 39 Hausstätten, zumeist Brinksitzer, also Kleinbauern. 1823 konnten 105 und 1858 dann 613 Einwohner registriert werden. Am Ende des 18. Jahrhunderts fand der Fährbetrieb nur noch durch die Vegesacker Fähre statt. 1860 gab es wieder eine Personenfähre nach Lemwerder. Die Einwohnerzahl stieg 1885 auf 1118 und 1900 auf 1522 Einwohner. 1892 entstand die Fährer Schule in der Fröbelstraße. Bis 1908 war Fähr eine selbstständige Gemeinde, die dann an Aumund und 1939 an Bremen angeschlossen wurde.

Lobbendorf Lobbendorf wurde 1139 als Lobbenthorpe, wahrscheinlich nach dem Vornamen Lubbe oder Lobbe eines Bauern, benannt. Im 13. Jahrhundert war hier der Sitz einer Ministerialenfamilie. Grundbesitzer waren das Bremer St.-Paul-Kloster und die Ritter von Marßel und von Aumund. 1823 hatte Lobbendorf nur 20 Einwohner, 1995 waren es 8531. Der Ort kam 1852 zu Aumund, dass zum Amt Lesum gehörte. 1939 wurde Aumund nach Bremen eingemeindet. Als Kirchspiel war Lesum und seit 1873 Alt-Aumund zuständig. 1876 wurde an der Lindenstraße der neue Friedhof Vegesack eröffnet. 1946 wurden die Ortsteile Fähr und Lobbendorf zu einem gemeinsamen Ortsteil.

Wirtschaft Seit 1834 war in Fähr die Werft von Claus Steenken ansässig. Seit 1856 war in Lobbendorf die Werft von Johann Peter Menck und danach die von Frerk Balleer bekannt. 1893 folgte der Bremer Vulkan Schiffbau. Bis zur Insolvenz und der nachfolgenden Schließung 1997 war die Schiffbau- und Maschinenfabrik Bremer Vulkan größter Arbeitgeber in Bremen-Nord. Auf dem ehemaligen Werftgelände des Bremer Vulkan, das das gesamte Weserufer in Fähr-Lobbendorf einnimmt, befand sich bis 2012 neben diversen anderen neu angesiedelten gewerblichen Betrieben die Qualifizierungswerft Bremer Bootsbau Vegesack GmbH (BBV) mit dem Schaufenster Bootsbau, auf der historische Schiffe auch im Holzbau restauriert und rekonstruiert wurden. Als Abschluss der so genannten maritimen Meile wurde ein 17 Meter hoher Aussichtsturm auf dem Gelände der BBV errichtet, dessen Blickfeld durch ältere Gebäude recht beschränkt blieb. Seit 2016 beherbergt das ehemalige Vulkan-Verwaltungsgebäude an der Lindenstraße eine Nebenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) des Landes für die Unterbringung in den ersten Tagen und Wochen, die Zentrale Aufnahmestelle des Landes (ZASt) sowie eine Außenstelle des Gesundheitsamtes.

Geschichte Name mini|hochkant|Der Vegesacker Junge mit geleerten Taschen an dem Haus der Gastwirtschaft „Zum Vegesacker Jungen“ (Am Vegesacker Hafen 15) Vegesack könnte sich ableiten vom Feeg-Sack, also von einer Bucht am Fluss oder von einer Gastwirtschaft, in der die Geldbeutel (Sack) sich leerten (fegen). 1453 wurde der Ort Vegesack ausgehend vom Gasthaus „Thom Fegesacke“ erstmals erwähnt. Aumund hat seinen Namen von der Mündung der Aue. Es hieß 1040 Aunon, 1139 Oumunde, 1421 Owmunde. Hammersbeck leitet seinen Namen von den Landbesitzern Hammer ab, die an der Beeke lebten. Schönebeck bedeutet so viel wie schöne Beeke, schönes Bachtal. Es hieß 1380 Schonenbeke und 1412 Schonebeke. Nachfahren der Ritter von Oumunde nahmen im 15. Jahrhundert den Namen von Schönebeck an. Borchshöhe hat um 1700 seinen Namen von den Landbesitzern Friedrich von der Borch (Burg) aus dem alten Rittergeschlecht von Gerfridus de Burch (1181). In den Kirchenbüchern erscheint die Bezeichnung 1833, als die ersten Brinksitzerhäuser nach der Langenholz-Teilung durch das Gut Schönebeck gebaut wurden (siehe Brinksitzerhaus Borchshöher Straße 64).Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon Bd. 1, S. 91. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.

Mittelalter bis 1800 mini|Vegesacker Hafen von 1670 (Ausschnitt eines Gemäldes) mini|Karte der Weser von 1805 Im 14. Jahrhundert wurde die Weserfähre in Fähr erstmals erwähnt. Eine Gaststätte für Schiffer entstand am Ende des 16. Jahrhunderts mit einer kleinen Siedlung an der Einmündung der Aue in die Weser – dem Aumunder Tief.

Von 1618 bis 1623 wurde der Vegesacker Hafen nach einer Entscheidung des Bremer Rates als erster künstlicher Flusshafen Deutschlands von den Bremer Kaufleuten und vom Haus Seefahrt gebaut, da die Weser flussaufwärts immer mehr versandete und die großen Handelssegelschiffe aufgrund ihres Tiefganges die Schlachte der Bremer Altstadt nicht mehr anlaufen konnten. 1645 bis 1648 entstand das Havenhaus, der Amtssitz des Vegesacker Hafenmeisters mit einer Gastwirtschaft. Das Dorf hatte zu jener Zeit nur vierzig Haushalte. 1671 übernahm die Stadt Bremen das Hafenbecken.

Im Ersten Bremisch-Schwedischen Krieg 1654 besetzten schwedische Truppen zwischenzeitlich Vegesack, mussten sich aber bei Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzung mit Abschluss des Ersten Stader Vergleichs wieder zurückziehen.