Die Prunkwinden (Ipomoea) (auch als Prachtwinden bekannt) sind eine Pflanzengattung, die mit etwa 650 Arten die artenreichste Gattung der Familie der Windengewächse (Convolvulaceae) ist. Die wirtschaftlich bedeutendste Art ist die Süßkartoffel (Ipomoea batatas).
Beschreibung mini|links|Illustration der Sternwinde (Ipomoea lobata) mini|Früchte der Sternwinde (Ipomoea lobata) mini|Reife Früchte und Samen von Ipomoea transvaalensis mini|Behaarte Samen von Ipomoea cairica
Vegetative Merkmale Prunkwinden-Arten wachsen als einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen, Sträucher oder Bäume, meist kletternd, gelegentlich aber auch niederliegend oder auch schwimmend. Einige der Arten sind sukkulent.
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind meist gestielt. Die Blattspreiten sind sehr variabel und können auch an einem Pflanzenexemplar in Form und Größe variieren. Die Blattspreiten können einfach, ganzrandig, gelappt, geteilt oder selten auch zusammengesetzt sein. Am Blattstiel werden gelegentlich Pseudonebenblätter gebildet. Es sind keine Nebenblätter vorhanden.
Blütenstände und Blüten Die Blüten stehen einzeln oder zu mehreren bis vielen in end- oder meist seitenständigen, einfachen oder zusammengesetzten, zymösen Blütenständen.
Die zwittrigen Blüten sind meist fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die meist fünf freien oder selten an ihrer Basis verwachsenen Kelchblätter sind krautig oder nahezu lederig, variieren in Größe in Form und können unbehaart oder behaart sein. An der Frucht sind die Kelchblätter oftmals etwas vergrößert. Die relativ kleinen bis recht großen Kronen sind meist radiärsymmetrisch, können aber auch selten leicht zygomorph sein. Die meist fünf Kronblätter sind röhren-, trichter- oder stieltellerförmig verwachsen. Die Krone kann violett, rot, rosafarben, weiß oder selten auch gelb sein. Der Kronsaum ist schwach oder selten auch stark gelappt.
Es ist nur der innere Kreis mit meist fünf freien Staubblättern vorhanden. Die Staubblätter überragen die Krone nur selten. Die Staubfäden sind fadenförmig und an der Basis oftmals dreieckig verbreitert. Meist sind sie unterschiedlich lang. Die Staubbeutel besitzen zwei Theken. Die kugelförmigen und stacheligen Pollenkörner sind über die gesamte Oberfläche mit Poren (runden bis ovalen Aperturen) versehen (pantoporate). Zwei oder selten drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen. Es ist meist ein ganzrandiger oder gelappter Diskus vorhanden. Der Fruchtknoten kann unbehaart oder behaart sein, er ist meist zwei- oder vierkammerig, selten ist er dreikammerig. Je Fruchtknotenkammer sind zwei Samenanlagen vorhanden. Der fadenförmig Griffel ist meist einfach, selten ist der teilweise bis vollständig zweigeteilt und er steht meist nicht über die Krone hinaus. Er endet in einer köpfchenförmigen Narbe, die nicht geteilt oder in zwei (oder selten drei) kugelförmige, ellipsoide oder fadenförmige Anhänge geteilt ist.
Früchte und Samen Manchmal werden Beeren oder beerenähnliche Früchte gebildet. Meist werden trockene, kugel- oder eiförmige Kapselfrüchte gebildet, die sich mit meist vier (bis sechs) Klappen öffnen oder selten auch unregelmäßig aufspringen. Die Früchte enthalten meist vier, selten auch sechs oder weniger Samen. Die Samen können behaart oder unbehaart sein.
Inhaltsstoffe Die Samen und oberirdischen vegetativen Teile einiger Arten der Prunkwinden enthalten Mutterkornalkaloide. Zum Vorkommen dieser Stoffe innerhalb der Gattung gibt es eine große Anzahl Untersuchungen unterschiedlicher Qualität, mit teilweise gegensätzlichen Ergebnissen. Eine umfassende und genaue Aussage über das Vorkommen lässt sich daraus nicht entnehmen. Von 79 untersuchten Arten kann von 23 Arten mit Sicherheit gesagt werden, dass sie Mutterkornalkaloide enthalten; bei 15 Arten sind die in der Literatur zu findenden Angaben widersprüchlich oder die den Untersuchungen zu Grunde liegenden Methoden zweifelhaft. Bei den restlichen 41 Arten treten keine Mutterkornalkaloide auf. Das Auftreten dieser sekundären Pflanzenstoffe ist innerhalb der Windengewächse nur aus der Tribus Ipomoeeae bekannt, auch in der Schwesterfamilie, den Nachtschattengewächsen (Solanaceae), treten sie nicht auf. Innerhalb der Gattung haben die Mutterkornalkaloide jedoch keine taxonomische Bedeutung, da sie in verschiedenen Untertaxa der Gattung auftreten.
Die Prunkwinden sind neben Evolvulus die einzige Gattung der Familie, in denen Anthocyane nachgewiesen wurden, während sie in den anderen untersuchten Gattungen fehlen. Beispielsweise wurden in Blüten, Laubblättern, Stängeln sowie in den Wurzeln und Knollen der Süßkartoffel (Ipomoea batatas) Anthocyane nachgewiesen.
Ökologie Die Ipomoea-Arten sind an verschiedene Bestäubungsstrategien angepasst. Die verbreitetste Form ist die Bestäubung durch Bienen (Melittophilie). Die Blüten der durch Bienen bestäubten Arten sind überwiegend trichterförmig und lavendelfarben, violett bis blau oder selten auch gelb gefärbt. Insgesamt sind mindestens 19 Gattungen aus vier Bienenfamilien als Bestäuber bekannt. Die meisten gehören zur Familie Anthophoridae, die Gattungen Ancyloscelis, Cemolobus und Melitoma sind sogar oligolektisch, das heißt, sie besuchen ausschließlich Prunkwinden-Blüten.
Vor allem innerhalb der Sektion Mina ist die Bestäubung durch Vögel (Ornithophilie) weit verbreitet, diese Form tritt jedoch auch in der Sektion Exogonium und in den Serien Eriospermum, Jalapae und Mirandinae sowie in den nicht eingeordneten Arten Ipomoea cavalcantei und Ipomoea alexandrae auf.
Die einzigen zwei Nachweise über Bestäubung durch Fledermäuse (Chiropterophilie) innerhalb der Familie der Windengewächse stammen aus der Gattung der Prunkwinden. Die mexikanische Art Ipomoea murucoides dient während der trockenen Jahreszeit als Hauptnahrungsquelle für Fledermäuse und auch Ipomoea arborescens wird von verschiedenen Fledermäusen besucht. Beide Arten werden jedoch wie die restlichen Vertreter der Serie Arborescentes auch von Bienen und Käfern (Cantharophilie) besucht.
Die Bestäubung durch Schmetterlinge (Lepidopterophilie) ist aus den Sektionen Exogonium und Leptocallis bekannt. Einige dieser Arten, wie beispielsweise Ipomoea elongata oder Ipomoea suffulta, besitzen eine für die Gattung sehr ungewöhnliche Blütenform, die eventuell auch auf eine Bestäubung durch Wollschweber (Bombyliidae) hinweisen.
Systematik und Verbreitung Die Gattung Ipomoea wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 159–160 aufgestellt. Typusart ist Ipomoea pes-tigridis Synonyme für Ipomoea nom cons. sind: Acmostemon , Adamboe , Amphione , Apopleumon , Batatas , Bombycospermum , Bonanox , Calboa , Calonyction , Calycanthemum , Cleiemera , Cleiostoma , Clitocyamos , Coiladena , Convolvuloides , Decaloba , Diatrema nom. rej., Diatremis , Dimerodiscus , Doxema , Elythrostamna , Euryloma nom. illeg., Exallosis , Exocroa , Exogonium , Fraxima , Gynoisa , Isypus , Kolofonia , Lariospermum , Latrienda , Legendrea , Leptocallis , Macrostemma , Marcellia non Marcelia , Melascus , Milhania , Mina , Modesta , Morenoa , Navipomoea , Neorthosis , Nil , Ornithosperma , Parasitipomoea , Pentacrostigma , Pharbitis , Plesiagopus , Quamoclit , Quamoclita , Quamoclitia orth. var., Saccia , Stomadena , Tereietra , Tirtalia , Tremasperma , Turbina Eine orthographische Variante ist Ipomea (1773).
Srivastava et al. 2018 legen nahe, dass die Gattung Ipomoea im Paläozän in Asien entstanden ist.
Die Ipomoea-Arten sind vor allem in den Tropen, bzw. tropischen Gebieten auf verschiedenen Kontinenten verbreitet. Weniger Arten gibt es in den gemäßigten Gebieten Nordamerikas und Ostasiens. Nur zwei Arten kommen ursprünglich in Europa vor: Ipomoea sagittata und Ipomoea imperati, beide im Mittelmeerraum.
Die Gattung Ipomoea wird nach Miller 1999 in drei Untergattungen eingeteilt. Die Untergattung Ipomoea subg. Ipomoea enthält behaarte, kletternde Pflanzen, deren Blüten krautige, behaarte Kelchblätter und einen zwei- oder dreifächrigen Fruchtknoten besitzen und deren Samen flaumig behaart sind. Ipomoea subg. Eriospermum umfasst verholzende, ausdauernde Pflanzen unterschiedlichen Habitus, deren Blüten ledrige, unbehaarte Kelchblätter und zweifächrige Fruchtknoten besitzen und deren Samen behaart sind. Die Vertreter der dritten Untergattung, Ipomoea subg. Quamoclit, sind unbehaarte, kletternde Pflanzen, deren Blüten unbehaarte Kelchblätter und zwei- oder vierfächrige Fruchtknoten aufweisen und deren Samen flaumig behaart bis verkahlend sind.
Nach Manos 2001 ist nach phylogenetischen Untersuchungen die Gattung Ipomoea stark polyphyletisch und im weiteren Sinne die Gattungen der Tribus Ipomoeeae enthält. In den Untersuchungen wurden zwei Kladen ermittelt, von der eine die Gattungen der zuvor eigenständig geführten Tribus Agryreieae (Argyreia , Stictocardia, Turbina und Rivea) sowie die Gattung Lepistemon enthält. Die Arten der Gattung Ipomoea, die in diese Klade fallen, bilden keine gemeinsame Gruppe, sondern sind stark zwischen den anderen Taxa verstreut. In der zweiten Klade finden sich neben der dort basal stehenden Gattung Astripomoea vor allem die Arten der Untergattungen Quamoclit und Eriospermum.
Die Gattung enthält nach POWO (Stand 2025) 642 anerkannte Arten.
Die Einteilung der Gattung und Auswahl der Arten folgt Daniel Frank Austin 1979, erweitert nach den Ergänzungen aus darauf aufbauenden Publikationen, weitere Ergänzungen und Änderungen sind durch Einzelnachweise gekennzeichnet. Angaben zur Verbreitung finden sich bei POWO.
mini|Untergattung Eriospermum Sektion Eriospermum: Süßkartoffel (Ipomoea batatas) mini|Untergattung Eriospermum Sektion Eriospermum: Ipomoea horsfalliae mini|Untergattung Eriospermum Sektion Erpipomoea: Ipomoea imperati mini|Untergattung Ipomoea Sektion Pharbitis: Ipomoea indica mini|Untergattung Ipomoea Sektion Pharbitis: Blüte der Purpur-Prunkwinde (Ipomoea purpurea) mini|Untergattung Quamoclit Sektion Mina: Ipomoea quamoclit mini|Untergattung Quamoclit Sektion Tricolores: Blüte der Himmelblauen Prunkwinde (Ipomoea tricolor) mini|Untergattung Quamoclit: Ipomoea cairica mini|Untergattung Quamoclit: Blüten von Ipomoea squamisepala Ipomoea subgen. Eriospermum : sect. Eriospermum ser. Eriospermum Ipomoea alterniflora : Sie kommt nur in Kuba vor. Ipomoea argentea : Sie ist im tropischen Südamerika verbreitet. Ipomoea argentifolia : Sie kommt in Mexiko und Kuba, inklusive der Isla de la Juventud vor. Ipomoea aurantiaca : Sie kommt vom südöstlichen Mexiko über Guatemala bis Costa Rica sowie Nicaragua vor. Ipomoea batatoides : Sie ist Mexiko über Zentralamerika bis ins tropische Südamerika weitverbreitet. Ipomoea blanchetii : Sie kommt in Brasilien vor. Ipomoea bonariensis : Sie ist in Südamerika verbreitet. Ipomoea carolina Ipomoea chrysocalyx Ipomoea clarensis Ipomoea clausa Ipomoea concolor Ipomoea conzattii Ipomoea decora Ipomoea desrousseauxii Ipomoea digitata Ipomoea dimorphophylla Ipomoea eggersiana (Syn.: Ipomoea eggersii ) Ipomoea electrina Ipomoea eremnobrocha Ipomoea flavopurpurea Ipomoea fuchsioides Ipomoea furcyensis Ipomoea goyazensis Ipomoea heterodoxa Ipomoea horsfalliae Ipomoea hypargyrea Ipomoea incerta Ipomoea jalapoides Ipomoea jujuyensis Ipomoea kurtziana Ipomoea lachnaea Ipomoea lacteola Ipomoea leonensis Ipomoea lindenii Ipomoea lineolata Ipomoea longistaminea Ipomoea lottiae Ipomoea luteoviridis Haiti-Prunkwinde (Ipomoea mauritiana ) Ipomoea microdactyla Ipomoea nematoloba Ipomoea nematophylla Ipomoea obtusata Ipomoea passifloroides Ipomoea perichnoa Ipomoea peteri (Syn.:Ipomoea tuxtlensis ) Ipomoea proxima Ipomoea pseudoracemosa Ipomoea repanda Ipomoea reticulata Ipomoea rhomboidea Ipomoea robinsonii Ipomoea rubella Ipomoea saopaulista Ipomoea schomburgkii Ipomoea schultziana Ipomoea sphenophylla Ipomoea steerei Ipomoea suaveolens Ipomoea syringifolia