mini|Blick durch die Friedenstraße auf den Wasserturm

Neu-Ulm ist eine Große Kreisstadt und der Verwaltungssitz des Landkreises Neu-Ulm im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Die Hochschulstadt liegt an der Westgrenze Bayerns am rechten Donauufer gegenüber der zu Baden-Württemberg gehörenden Großstadt Ulm. Per hatte Neu-Ulm Einwohner. Nach Augsburg und Kempten (Allgäu) ist Neu-Ulm die drittgrößte Stadt des Regierungsbezirks.

Die Ursprünge der südlichen Donaustadt gehen zurück auf das Jahr 1810, als Ulm württembergisch wurde und die Siedlungen rechts der Donau bei Bayern verblieben. Der Diplomat und Administrator Karl Ernst von Gravenreuth gilt als Gründer der Stadt.

Heute ist Neu-Ulm eines von 23 Oberzentren in Bayern und bildet mit Ulm ein länderübergreifendes Doppelzentrum mit 193.131 Einwohnern (Stand Dezember 2025). Seit dem Abzug der US-Streitkräfte 1991 befindet sich die Stadt in einem städtebaulichen Wandel, der durch verschiedene Großprojekte wie Umbau des Bahnareals mit Neu-Ulm 21 oder auch die Landesgartenschau 2008 geprägt wurde. mini|Neu-Ulm an der Donau

Überblick zur Stadtentwicklung

Als Ulm nach dem Pariser Vertrag vom 28. Februar 1810 zum Königreich Württemberg kam, blieben die rechts (südöstlich) der Donau gelegenen Siedlungen bei Bayern. Sie entwickelten sich rasch – insbesondere durch den 1841 beschlossenen Bau der Bundesfestung Ulm – und wurden 1853 an die Eisenbahnstrecke nach Augsburg angeschlossen. Unter König Ludwig II. wurde Neu-Ulm 1869 zur Stadt erhoben und erhielt eine bis zu etwa 2.500 Mann starke Garnison. Als diese nach dem Ersten Weltkrieg aufgelöst wurde, kämpfte die Stadt erfolgreich gegen den Abschwung und wurde ab 1925 durch Betriebsansiedlungen allmählich zu einem Zentrum der Industrie. Basis dafür waren die 1900 mit dem markanten Neu-Ulmer Wasserturm gesicherte Wasserversorgung und das Durchbrechen der Festungsmauern 1906. Die bis dahin kreisfreie Stadt Neu-Ulm wurde durch die bayerische Gebietsreform 1972 in den Landkreis Neu-Ulm eingegliedert und zur Großen Kreisstadt.

Geografie mini|Blick über den Petrusplatz Neu-Ulm nach Ulm Verhältnis zu Ulm und dem Landkreis Das heutige Neu-Ulm weist außer dem „City“-Bereich noch weitere elf amtlich benannte Gemeindeteile auf, die zu drei Vierteln erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts eingemeindet wurden. Viele Gebiete sind vom Charakter her eher ländlich geblieben. In den Anfängen der kurzen, erst 200-jährigen Entwicklungsgeschichte hatten einige wesentlich ältere, heute zu Neu-Ulm gehörende Orte wie Pfuhl größere Bedeutung. Auch wirken sich Bedeutung und Größe des direkt benachbarten Ulm aus. So ergeben sich immer wieder Diskussionen, inwieweit sich Neu-Ulm bezüglich des ÖPNV, der Energie- und Wasserversorgung oder auch im kulturellen Bereich gegenüber der Nachbarstadt behaupten kann und ob die Beteiligung an den Kosten angemessen ist.

Flächenstatistik und Stadtgliederung Die Stadtfläche beträgt 8099 ha, davon sind ca. 3975 ha landwirtschaftlich genutzte Flächen, ca. 1870 ha voll- bzw. teilversiegelte Flächen (Wohngebäude, Industrie- und Gewerbeflächen, Straßen und Wege, Schienenwege, Plätze), ca. 1270 ha Wald und Gehölzflächen, ca. 307,5 ha für Sport/Freizeit/Erholung, ca. 236,5 ha Gewässer (stehend und fließend) sowie ca. 440 ha sonstige genutzte oder nicht nutzbare Flächen. Das Stadtgebiet ist in neun Gemarkungen geteilt; es existieren 686 Straßennamen und 24.093 Flurstücke.Bayerisches Vermessungsamt, Januar 2018.

mini|Sankt-Mammas-Kirche in Finningen mini|Burlafingen, Pfarrkirche Sankt Jakobus

Die Gemeinde hat 23 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Durch die doppelte Auflistung von Offenhausen und Schwaighausen, bedingt dadurch, dass beide Orte teils im PLZ 89233 und 89231 liegen, sind 25 Gemeindeteile angegeben.

Das Wiley ist ein Wohn- und Geschäftsviertel im Gemeindeteil Ludwigsfeld.

Geschichte Entstehung Neu-Ulms Das rechtsseitige Donauufer gehörte bis 1802 zur Reichsstadt Ulm und wurde vielseitig genutzt. Der westliche Teil der in der Donau gelegenen Insel, die als Der Schwal bekannt war und immer noch so genannt wird, war ein Vorwerk der Ulmer Stadtbefestigung und sicherte den Donauübergang. Ihr östlicher Teil diente als Floß- und Schiffsgelände. Am Donauufer westlich der Insel lagen die Werkstätten der Ulmer Schiffleutezunft, die Schopperplätze. Dort wurden die Ulmer Schachteln gebaut. Neben den Gebäuden der Ulmer Schützen, den Schießhäusern, befanden sich auf dem Gebiet des heutigen Stadtkerns Gärten von Ulmer Bürgern. An die Gärten schloss sich ein schmaler Ackerland-Bereich an, der ins Ulmer Ried mit seinen Weideflächen überging.

Die Neuordnung Europas durch Napoleon wirkte sich auch in Ulm aus. 1802, noch vor der Verkündung des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803, verlor die Stadt ihre Unabhängigkeit und wurde dem Kurfürstentum Bayern eingegliedert.

Im Vertrag von Compiègne vom 24. April 1810, der maßgeblich unter dem Druck Napoleons zustande kam, wurde zwischen den Königreichen Bayern und Württemberg ein Gebietsaustausch vereinbart. Ein Staatsvertrag zwischen Bayern und Württemberg vom Mai 1810 regelte die Einzelheiten. Bayern trat die Hoheit über die Stadt Ulm und Teile Oberschwabens an Württemberg ab. Die Grenzziehung erfolgte in der Mitte der Donau. Dabei blieben die Insel und die Besitzungen Ulms am rechten Ufer der Donau bei Bayern.

Offiziell bestimmte der bayerische Generalkommissär Karl Ernst Freiherr von Gravenreuth den 22. April 1811 als den Tag, an dem die aus dem ehemaligen Ulmer Gebiet entstandene Gemeinde „beginnen soll, politisch zu existieren“.

Entwicklung zur Stadt Zunächst bestand der Ort aus wenigen Gärten, Höfen und Wirtshäusern. Anfangs hieß die Kongregation Ulm am rechten Donauufer, 1814 wurde der Name Neu-Ulm erstmals aktenkundig vermerkt. Bis zu den 1830er Jahren hatte sich ein kleiner Siedlungskern ausgebildet.

Der Aufschwung kam erst einige Jahrzehnte später in Gang: 1841 beschloss die Frankfurter Bundesversammlung den Bau der Bundesfestung Ulm mit einem Brückenkopf auf bayerischer Seite. Auf Betreiben König Ludwigs I. wurde die Ortschaft Neu-Ulm in die Festung einbezogen. Von 1844 bis 1857 entstanden die ausgedehnten Festungsanlagen, auf bayerischer Seite nach Plänen von Festungsbaudirektor Major von Herdegen und dessen Nachfolger Ingenieurmajor Theodor Ritter von Hildenbrandt. Der geschlossene innere Ring (Enceinte) wurde als halbes Achteck mit vier geraden Fronten ausgeführt. Zudem wurden drei vorgelagerte Festungswerke erbaut: Werk 12 Schwaighofen, Werk 13 Ludwigsvorfeste und Werk 14 Illerkanal. Neu-Ulm wurde Garnison, es rückten das 12. Infanterieregiment Prinz Arnulf sowie Chevaulegers und Fußartillerie ein.

1853 wurde Neu-Ulm an die Bayerische Maximiliansbahn nach Augsburg angeschlossen. Nach Fertigstellung der Eisenbahnbrücke über die Donau wurde die Strecke 1854 nach Ulm verlängert und so mit dem Schienennetz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen verbunden. An der Südseite des Bahnhofsgeländes in Ulm entstand ein „Bayerischer Bahnhof“. 1857 erhielt Neu-Ulm ein Stadtwappen. Von 1857 bis 1860 wurde die katholische Kirche St. Johann Baptist in neuromanischem Stil erbaut. Die evangelische Petruskirche wurde von 1863 bis 1867 in neugotischem Stil errichtet. Beide wurden als Backsteinbauten ausgeführt.

In den Jahren von 1840 bis 1870 wurden zahlreiche Militärbauten errichtet. Dazu zählen der Festungsbauhof („Schirrhof“, 1845–1858), die Friedenskaserne („Zwölfer-Kaserne“, 1860–1867), die Chevauxlegers-Kaserne (1865–1867), das Garnisonslazarett (1862–1866), vom Proviantamt die Militärbäckerei 2 (1849) und die Magazine I (1852–1854, gleichzeitig Militärbäckerei 1), II (1861–1862) und III (1863–1864) und das Kriegsspital (1850–1854), das 1873 zur Artilleriekaserne wurde, außerdem das Offizierskasino an der Maximilianstraße.

1869 war die Verleihung des Stadtrechts durch König Ludwig II. erfolgt. Im Ortschaftenverzeichnis von 1888 werden noch das Dorf Ludwigsfeld und die Einöde Gurrenhof separat erwähnt. Ab 1908 gehörte auch die Landgemeinde Offenhausen dazu mit dem gleichnamigen Dorf und den Einöden Maierhof, Steinhäule und Striebelhof.

Ausbau der Stadt mini|Petrusplatz Neu-Ulm 2005

Im Jahr 1885 wurde der Jurist Josef Kollmann Erster Bürgermeister. Es begann der Aufbau der kommunalen Einrichtungen, die Grundlage für die weitere Entwicklung der Stadt waren: 1887 wurde das städtische Krankenhaus errichtet, 1889 das Schlachthaus. 1891 wurde Neu-Ulm zur Stadt erster Klasse erhoben und damit kreisfrei. Ab 1897 verband eine Straßenbahnlinie die Bahnhöfe von Ulm und Neu-Ulm. Die Inbetriebnahme des Wasserturms im Jahr 1900 sicherte die städtische Wasserversorgung; der Turm entwickelte sich rasch zum Wahrzeichens der Stadt. 1906 durften endlich die Festungsmauern durchbrochen werden, Neu-Ulm konnte sich ausdehnen. 1907 wurde freies Gelände im Südosten des Stadtgebiets mit einem Industriegleis erschlossen. Durch Ansiedlung von Fabriken entwickelte sich daraus das Neu-Ulmer Industriegebiet. 1908 wurde Offenhausen (wieder) eingemeindet. Bei der Entfestigung 1909/1910 wurden die Festungsanlagen von der Bahnhofstraße bis zum Augsburger Tor geschleift. Auf den frei gewordenen Flächen ließ die Stadtverwaltung die Zentralschule und Wohnhäuser errichten. Das Augsburger Tor und der Donauanschluss blieben zunächst erhalten. Vor dem Tor entstand stadtseitig ein Platz, der den Namen Augsburger-Tor-Platz erhielt. 1912 wurde die neue Donaubrücke, die Gänstorbrücke, eingeweiht. Sie dient als direkte Verbindung zwischen den östlichen Gemeindeteilen von Neu-Ulm und Ulm und entlastet dadurch die Herdbrücke.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Garnison Neu-Ulm aufgelöst. 2.500 Verbraucher der ehemaligen Garnison fielen weg. Dies erforderte für die einseitig auf das Militär ausgerichtete Wirtschaft Neu-Ulms eine Neuorientierung. Binnen weniger Jahre hatte Neu-Ulm den Verlust der Garnison verkraftet. Es ging spätestens ab 1925 kontinuierlich wirtschaftlich aufwärts, hatte doch schon im 19. Jahrhundert Bürgermeister Kollmann die Weichen für den Aufbruch ins Industriezeitalter gestellt. Die bayerische Seite besaß gegenüber dem württembergischen Ulm eine weit bessere Versorgungslage in allen Belangen, kam allenfalls in Schwierigkeiten durch das württembergische „Hamsterwesen“. (Damals kostete ein Ei in Neu-Ulm neun Pfennig weniger als in Ulm, ein Liter Milch war in Neu-Ulm um 16 Pfennige billiger zu haben.) Neu-Ulm überstand den politischen Umbruch nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Übergang zur Republik relativ problemlos, ebenso die Einquartierung hunderter Flüchtlinge. 1919 und in den Folgejahren überstieg die Nachfrage nach ausgebildeten Handwerkern stets die Zahl der Stellengesuche. Nach 1920 schnellte die Zahl der Industrie-Ansiedlungen schlagartig nach oben. Plötzlich wirkte sich der Abzug der Soldaten sogar positiv aus. Freiwerdende Gelände, die zahlreich vorhandenen Gleise und fast unbeschränkte Erweiterungsmöglichkeiten übten eine große Anziehungskraft aus. Die Stadtspitze (Oberbürgermeister Nuißl) wusste die Chancen zu nutzen. Die Bevölkerung wuchs weiter, der wirtschaftliche Umbruch wurde bewältigt. Neu-Ulm war eine wohlhabende Stadt.

mini|2012 abgerissener Konzertsaal Neu-Ulm im Jahr 2011

In den 1930er Jahren wurde Neu-Ulm wieder Garnison. In der Zeit des Nationalsozialismus entstand ab 1934 an der Ecke Reuttier-/Finninger Straße die Reinhardt-Kaserne. Dort wurde das Pionierbataillon 45 stationiert. An der Memminger Straße entstand ab 1936 die Ludendorff-Kaserne. Dort wurden Teile des 5. Artillerie-Regimentes untergebracht. Für beide Kasernenbauvorhaben hatte sich die Stadt heftig beworben. 1937 übernahm die Luftwaffe den Flugplatz im Gemeindeteil Schwaighofen und baute ihn zu einem Einsatzhafen II. Ordnung aus.