mini|Choreografie der hannoverschen Fans gegen den VfL Wolfsburg am 1. Spieltag der Saison 2013/14 am 10. August 2013

Der Hannoversche Sportverein von 1896 e. V., allgemein bekannt als Hannover 96, ist ein Sportverein in Hannover.

Mit insgesamt 25.000 Mitgliedern, darunter 6300 Aktive, ist Hannover 96 der größte Sportverein in Niedersachsen und zählt zu den 40 mitgliederstärksten Sportvereinen Deutschlands.Lothar Wieser, Hubert Dwertmann, Arnd Krüger, Hans Langenfeld, Joachim Schlüchtermann, Ludwig Schulte-Huxel (Red.): Sport in Hannover. Von der Stadtgründung bis heute. Hrsg. vom Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte, Hoya e. V., mit wissenschaftlichem Beirat durch Arnd Krüger und Hans Langenfeld. Hoya 1991, ISBN 3-923478-56-9. Sein Sportangebot umfasst die Sportarten Badminton, Bowling, Darts, Fitness, Floorball, Fußball, Handicapsport, Leichtathletik, Roundnet, Schach, Schwimmen, Sportkegeln, Tanzen, Tischfußball, Tischtennis und Triathlon sowie die Abteilung „Tradition“ und die „Fanabteilung“.

Bekannt ist Hannover 96 vor allem durch seine Fußballer, die 1938 und 1954 Deutscher Meister wurden und überwiegend in der höchsten deutschen Spielklasse spielten. Im Jahre 1992 wurden die Profis als Zweitligist DFB-Pokalsieger, in den 2010er Jahren erreichten sie zweimal die K.O.-Phase der UEFA Europa League. Die Lizenzspielerabteilung ist seit dem 20. Dezember 1999 in die Hannover 96 GmbH & Co. KGaA ausgegliedert, deren Kommanditanteile seit Herbst 2014 vollständig von der Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG gehalten werden, die sich mehrheitlich im Eigentum von Matthias Kind befindet, einem Sohn des langjährigen Vereinspräsidenten Martin Kind. Die zur Geschäftsführung berechtigte und voll haftende Komplementärin ist die Hannover 96 Management GmbH, deren Anteile vollständig vom Verein gehalten werden, wodurch die 50+1-Regel gewahrt wird.

Obwohl Hannover 96 die Vereinsfarben Schwarz-Weiß-Grün hat, werden die Spieler der Fußballmannschaften von den Fans aufgrund der traditionell roten Heimtrikots „die Roten“ genannt. Das liegt daran, dass damals die Klubs HSC Hannover, Arminia Hannover und Hannover 96 die Vereinsfarben Schwarz-Weiß-Grün hatten. Man einigte sich deshalb darauf, dass Arminia in blauen Trikots spielt, der HSC in Schwarz-Weiß-Grün und 96 in Rot. Spätestens seit 1930 wurden die 96er in Zeitungen „Rothemden“ genannt. Bereits der Vorläufer Hannoverscher Fussball-Club von 1896 benutzte rote Trikots trotz der schwarz-weiß-grünen Vereinsfarben.Hardy Grüne: Rote Liebe. Die Geschichte von Hannover 96, Verlag Die Werkstatt GmbH, Göttingen 2009, S. 23. Die Vereinshymne ist 96 – Alte Liebe.

Heimstadion der Mannschaft ist das 1954 erbaute Niedersachsenstadion, das heute den Sponsorennamen Heinz-von-Heiden-Arena trägt. Die Amateure trugen bis 2008 ihre Heimspiele im vereinseigenen Eilenriedestadion aus, dann im Niedersachsenstadion und ab 2012 im Beekestadion, um 2016 nach dem Umbau des Eilenriedestadions dorthin zurückzukehren. Am 17. Januar 2011 wurde die Straße, an der Stadion und Geschäftsstelle liegen, durch die Stadt nach dem verstorbenen 96-Torwart in Robert-Enke-Straße umbenannt.

Im Mai 2014 beschloss Hannover 96, auf dem Gelände des Eilenriedestadions ein Nachwuchsleistungszentrum zu errichten. Dem Denkmalschutz wird bei der Umgestaltung des historischen Stadions Rechnung getragen. Die Maßnahme wurde durch den Hockey-Club Hannover ermöglicht, indem dieser zustimmte, innerhalb des Eilenriedestadions umzuziehen.Bernd Haase: In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 14. Mai 2014, abgerufen am 6. März 2025. Mitteilung auf der Website der Stadt Hannover, abgerufen am 6. März 2025.

Geschichte 1896–1938: Von der Vereinsgründung bis zur ersten Meisterschaft mini|links|1905: Die erste Vereinsfahne des Hannoverschen Fußball Clubs von 1896 (H.F.C. v. 1896) auf dem Feld der Radrennbahn am Pferdeturm. Im Hintergrund ist ein Werbebanner für Adler-Motorwagen zu sehen. mini|Rugby-Mannschaft im Jahr 1897 mini|Stammbaum von Hannover 96 mini|Niedersachsenstadion Ein wichtiger Förderer während der Entstehung von Hannover 96 war der Sportpionier Ferdinand Wilhelm Fricke.Wolf-Dieter Mechler: Ein Schuss – ein Tor. Hannover-96-Bilder aus den frühen Jahren, S. 4. Am 12. April 1896 wurde Hannover 96 als Hannoverscher Fußball-Club von 1896 (HFC) gegründet. Trotz der Namensgebung des Vereins wurde zunächst wie in den meisten Vereinen Rugby gespielt, ehe der Verein sich 1899 dem in Deutschland populärer werdenden modernen Fußballspiel (Association Football) widmete. 1901 wurde aus dem Rugbyclub ein Fußballverein.

Ebenfalls ab 1901 wurde Max Senn aus der Schweiz als Spielführer und „einer der ersten Ausländer überhaupt im deutschen Fußball aktenkundig“. Er war eigentlich nach Hannover gekommen, um als kurzzeitiger Ausbilder bei dem Uhrmacher M. Stellmann zu arbeiten. Der Fußball-interessierte Schweizer, den Zeitzeugen als „hervorragenden Balltechniker“ beschrieben, schloss sich privat als Stürmer dem HFC an.

Am 3. Juli 1913 entstand der Hannoversche Sportverein von 1896 durch eine Fusion des Hannoverschen FC von 1896 mit dem BV Hannovera 1898. Letzterer entstand 1905 durch die Fusion des FV Hannovera 1898 Hannover und des 1902 vom HFC 1896 abgespaltenen Hannoverschen BV. 1902 hatten sich dem HFC 1896 bereits die Spieler von FV Germania 1902 Hannover angeschlossen. Von Anbeginn bis weit in die 1950er Jahre trug der Verein seine Spiele auf der hannoverschen Radrennbahn am Pferdeturm aus. Bei der Fusion 1913 wurden als Spieltracht schwarze Hosen und weiße Hemden beschlossen.Fusionsprotokoll vom 4. Juli 1913 in Der Verein kehrte aber dann wieder zu den roten Trikots des HFC zurück.

1905 wurde der Hannoversche FC, der trotz der schwarz-weiß-grünen Vereinsfarben in roten Trikots antrat, erstmals Stadtmeister. Anschließend scheiterte er in der Endrunde um die norddeutsche Meisterschaft am späteren Erzrivalen Eintracht Braunschweig, was sich bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges sechs Mal wiederholte. Innerhalb Hannovers spielte die Mannschaft zwar stets eine führende Rolle, ins überregionale Blickfeld traten die 96er aber erst in den 1930er Jahren. 1932 wurde mit Robert Fuchs erstmals ein hauptberuflicher Trainer für die Fußballspieler bei Hannover 96 beschäftigt. Robert Fuchs war insgesamt 16 Jahre (allerdings mit Unterbrechung) als Trainer bei 96 angestellt. Im August 1935 wurden mit Edmund Malecki und Fritz Deike erstmals zwei Spieler von Hannover 96 in die Nationalmannschaft berufen.

In der Saison 1937/38 wurde Hannover 96 zum ersten Mal Deutscher Meister im Fußball. Die Mannschaft erreichte das Endspiel durch ein 3:2 nach Verlängerung im Halbfinale in Dresden gegen den Hamburger SV. Das Finale wurde am 26. Juni 1938 in Berlin ausgetragen. Gegner war die in den 1930er Jahren dominierende Mannschaft des FC Schalke 04, die als hoher Favorit galt. Vor mehr als 90.000 Zuschauern lautete das Ergebnis 3:3 nach Verlängerung. In der Wiederholung des Endspiels, am 3. Juli 1938 erneut in Berlin vor diesmal über 94.000 Zuschauern ausgetragen, stand es nach der regulären Spielzeit erneut 3:3. Hannover 96 gelang in der Verlängerung der Siegtreffer zum 4:3 n. V. und damit eine kaum für möglich gehaltene Sensation: Hannover 96 war deutscher Fußballmeister 1938.

Folgende Spieler bestritten sowohl das erste Finale als auch das Wiederholungsspiel für die Roten: Ludwig Pritzer – Helmut Sievert, Willi Petzold – Johannes Jakobs, Ernst Deike, Ludwig Männer – Edmund Malecki, Ludwig Pöhler, Erich Meng, Peter Lay – Richard Meng. Auch Schalke 04 spielte beide Spiele in unveränderter Besetzung.

In den folgenden Jahren spielte 96 stets in der jeweiligen Gauliga.

1945–1963: Von der Wiedergründung bis zur Gründung der Bundesliga Während der Besetzung Hannovers durch die Alliierten als Folge des Zweiten Weltkrieges wurde Hannover 96 im Jahr 1945 wie alle Vereine in Deutschland aufgelöst. 1946 erfolgte die Wiedergründung des Vereins. 1947 erreichte 96 am grünen Tisch die Aufnahme in die als höchste Spielklasse neu gegründete Oberliga. Gleich in der ersten Saison in der Oberliga-Nord musste die Mannschaft zunächst absteigen und begann damit 1949 erstmals in der Zweitklassigkeit. Nachdem Holstein Kiel nachträglich aus der Oberliga ausgeschlossen worden war und Hannover 96 einen garantierten Startplatz in der Oberliga für die Saison 1949/50 zugesprochen bekommen hatte, meldete der Verein die Mannschaft vom laufenden Spielbetrieb ab und bestritt den Rest der Saison ausschließlich mit Freundschaftsspielen.

mini|links|1954 trug sich Hannover 96 als Deutscher Fußballmeister ins Goldene Buch der Stadt Hannover ein Ab 1949/50 war Hannover 96 wieder dauerhaft in der höchsten Spielklasse vertreten. 1952 wurde Helmut Kronsbein als neuer Trainer verpflichtet. 1953/54 gelang ihm mit einer namenlosen Elf, in der kein einziger Nationalspieler der späteren Weltmeistermannschaft aus Deutschland stand, nach einem Startrekord mit 22:0 Punkten in der Oberliga Nord der Gewinn der norddeutschen Meisterschaft und der Einzug in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. 96 schaffte in der Endrunde gegen den Berliner SV 92 und den VfB Stuttgart den Einzug ins Endspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Das Finale wurde im Hamburger Volksparkstadion vor 80.000 Zuschauern ausgetragen. Kaiserslautern war klarer Favorit, da die Mannschaft viele Nationalspieler aufwies, die später in Bern Fußball-Weltmeister 1954 wurden. In Hamburg gab es am 23. Mai 1954 ebenfalls ein Wunder – der Außenseiter Hannover 96 besiegte Kaiserslautern nach einem 1:1 zur Halbzeit mit 5:1 und wurde zum zweiten Mal deutscher Fußballmeister.

Die Aufstellung der Roten im Finale: Hans Krämer – Helmut Geruschke, Hannes Kirk – Werner Müller, Heinz Bothe, Rolf Gehrcke – Heinz Wewetzer, Rolf Paetz, Hannes Tkotz, Klemens Zielinski, Helmut Kruhl. Gehrcke vertrat den verletzten Willi Hundertmark.

mini|Auswärtsspiel bei Holstein Kiel (0:1), 22. September 1957 In der folgenden Saison belegte 96 Platz fünf in der Oberliga-Nord. 1956 schaffte die Mannschaft es erneut in die Endrunde zur deutschen Meisterschaft, wo sie gegen Kaiserslautern, Schalke 04 und den Karlsruher SC ausschied. Es war die letzte Teilnahme an einer Endrunde zur deutschen Meisterschaft. Spitzenspiele trug der Verein oft nicht in der heimischen Radrennbahn, sondern im Eilenriedestadion aus. Der zunehmende Wechsel zwischen beiden Spielstätten hatte mit dem Abriss der Radrennbahn 1959 ein Ende, wobei mit Gründung der Bundesliga dauerhaft das Niedersachsenstadion bezogen wurde.

1963 wurde Hannovers Antrag auf Eingliederung in die neu gegründete Bundesliga abgelehnt. Neben der direkten, sportlichen Qualifikation galten die sportlichen Leistungen gemäß der Zwölfjahreswertung sowie die wirtschaftliche Situation des Vereins als Kriterien für die Teilnahme an der Bundesliga. Hierbei zog Hannover 96, wenn auch knapp und in der formalen Wertung äußerst umstritten, den Kürzeren gegenüber Eintracht Braunschweig. Diese „Niederlage“ am grünen Tisch gegen den niedersächsischen Nachbarn aus Braunschweig wurde zum Anstoß einer bis heute bestehenden Rivalität zwischen den Fans dieser beiden Vereine. Hannover verpflichtete für die Regionalliga 1963 Werner Gräber von Duisburg 48/99, Horst Podlasly von Hamborn 07 und Walter Rodekamp vom FC Schalke 04, die sich alle als Verstärkungen erwiesen. Zudem wurde Eberhard Herbst von Preußen Münster geholt.