Der Koreakrieg (koreanisch , , wörtlich Sechs-Zwei-Fünf-Krieg) war eine über dreijährige militärische Auseinandersetzung zwischen der Republik Korea (Südkorea) und der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) zwischen dem 25. Juni 1950 und dem 27. Juli 1953. In Nordkorea wird er Vaterländischer Befreiungskrieg (, ) genannt.
Unterstützt wurde einerseits Südkorea von einer UN-Koalition, angeführt von den USA, und andererseits Nordkorea von der UdSSR und insbesondere der Volksrepublik China. Die Truppen der UN-Koalition, bestehend aus 16 Ländern, und eine chinesische Freiwilligenarmee nahmen an dem Krieg teil. Dieser drohte, sich gegen Ende global auszuweiten, wurde letztendlich jedoch durch das am 27. Juli 1953 unterzeichnete zwischenkoreanische Waffenstillstandsabkommen beendet. Er gilt als einer der repräsentativen Stellvertreterkriege des Kalten Krieges.
Neben dem Vietnamkrieg (1955–1975) und dem Krieg in Afghanistan (1979–1989) ist er einer der größten Kriege seit dem Zweiten Weltkrieg. Beide Staaten strebten die Wiedervereinigung Koreas unter ihrer jeweiligen Regierung an.
Der Krieg begann nach abwechselnden Grenzverletzungen beider Konfliktparteien mit dem Überraschungsangriff Nordkoreas, das am 25. Juni 1950 gegen 4:00 Uhr ohne Kriegserklärung den 38. Breitengrad überquerte. Die militärisch überwältigende nordkoreanische Armee erreichte Seoul innerhalb von drei Tagen und nahm es am 28. Juni ein. Als Reaktion auf den Angriff verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolutionen 82 und 83. In Resolution 83 vom 27. Juni 1950 empfahl der Sicherheitsrat den UN-Mitgliedsstaaten, Südkorea die notwendige Hilfe zu gewähren, um den bewaffneten Angriff Nordkoreas abzuwehren und den Frieden wiederherzustellen.
Die nordkoreanische Armee überrannte binnen weniger Tage die Mitte und den Südwesten des Landes und wurde erst am Nakdong-Fluss aufgehalten. Die UN-Truppen wurden von den nordkoreanischen Truppen in einen kleinen Brückenkopf um Busan im Süden der Koreanischen Halbinsel zurückgedrängt.
Beginnend mit der Landung bei Incheon begann am 15. September eine groß angelegte UN-Gegenoffensive, welche am 10. Oktober Pjöngjang und den Amnok-Fluss an der Grenze zur Volksrepublik China erreichte. Die chinesische „Volksfreiwilligenarmee“ griff Mitte November auf Seiten Nordkoreas in das Kampfgeschehen ein und wendete das Kriegsglück erneut.
Infolgedessen wechselte Seoul am 4. Januar 1951 erneut die Hände. Die südkoreanischen und UN-Truppen eroberten Seoul am 15. März zurück.
Dort – etwa entlang des 38. Breitengrades – führten die Kriegsparteien einen verlustreichen Stellungskrieg. Die ersten Waffenstillstandsverhandlungen begannen am 23. Juni 1951, jedoch verzögerte sich der Konflikt auf zwei weitere Jahre. Nach zweijährigen Verhandlungen wurde am 27. Juli 1953 um 22:00 Uhr ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen, das den Status quo ante weitgehend wiederherstellte. Bis dahin waren 940.000 Soldaten und etwa drei Millionen Zivilisten getötet worden. Beinahe die gesamte Industrie des Landes wurde zerstört.
Insbesondere in Deutschland löste der Konflikt Befürchtungen aus, er könne zu einem Dritten Weltkrieg führen.
Nach dem Krieg scheiterten Bemühungen um die Wiedervereinigung Koreas; vermutlich trug die militärische Auseinandersetzung dazu bei, die Teilung des Landes zu verfestigen (→ Korea-Konflikt). Chinesische Truppen blieben bis 1958 in Nordkorea, US-Truppen sind weiterhin in Südkorea stationiert. Bis heute wurde kein Friedensvertrag abgeschlossen.
Bezeichnungen für den Koreakrieg In Südkorea wird der Krieg üblicherweise „“ (Yukio jeonjaeng) genannt, was sich auf das Datum des Ausbruchs bezieht (wie bei der Bezeichnung 9/11 für den Terroranschlag auf das World Trade Center 2001 in New York City). Seltener findet man die formelle Bezeichnung „Koreakrieg“ (Hanguk jeonjaeng / ). In Nordkorea wird er amtlich als „Vaterländischer Befreiungskrieg“ bezeichnet (Choguk haebang Chŏnjaeng ). In China hieß er offiziell „Krieg zum Widerstand gegen die USA und zur Hilfe für Korea“ (), heute häufig auch einfach „Koreakrieg“ (, regional auch ). In den USA wurde er offiziell nur Korean Conflict („Koreanischer Konflikt“) genannt und als Intervention deklariert, vor allem, um eine Kriegserklärung zu vermeiden. Dennoch ist auch dort im allgemeinen Sprachgebrauch die Bezeichnung Korean War („Koreanischer Krieg“) verbreitet. Oft wird der Koreakrieg auch als „vergessener Krieg“ bezeichnet, da er zu den großen Konflikten des 20. Jahrhunderts zählt, aber außerhalb von Korea von anderen Auseinandersetzungen überschattet wird.
Vorgeschichte
Das Kaiserreich Korea geriet ab 1905 unter japanische Vorherrschaft und wurde 1910 vollständig von Japan annektiert. 1919 wurde im Exil die Provisorische Regierung der Republik Korea gegründet, die daraufhin von der Republik China anerkannt und unterstützt wurde. Während der Konferenz von Kairo im November 1943 hatten sich die Alliierten auf eine Wiederherstellung der Unabhängigkeit Koreas geeinigt. Die ursprüngliche Formulierung 'at the earliest possible moment' wurde am 26. November in 'at the proper moment' umgeändert.
Die Alliierten hatten auf der Konferenz von Jalta beschlossen, dass Korea seine Unabhängigkeit wiedererlangen sollte, legten jedoch keine Details fest.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde 1945 Korea von der japanischen Besatzung befreit und unter den Siegermächten in zwei Besatzungszonen geteilt. Die Sowjetunion besetzte das Gebiet nördlich des 38. Breitengrades, die Vereinigten Staaten von Amerika das südliche Gebiet. Gespräche zur Wiedervereinigung schlugen fehl und der 38. Breitengrad wurde zur Demarkationslinie. Die UNO, die zu diesem Zeitpunkt den USA nahestand, übernahm am 14. November 1947 das Mandat für die Wiedervereinigung. Die antikommunistischen USA führten am 10. Mai 1948 unter Aufsicht der UNO Wahlen durch, aber mangels Kooperation der Sowjetunion nur im Süden. Diese wurden von der linken und nationalistischen Opposition boykottiert, um eine Vertiefung der Teilung zu vermeiden. Aus diesen ging der aus dem Exil in den USA zurückgekehrte Rhee Syng-man als Sieger hervor. Rhee Syng-man stammte aus der von den Japanern 1910 abgesetzten Joseon-Dynastie Koreas und war ein früher Vertreter des nationalistischen Widerstands gegen die Japaner. Rhee Syng-man übernahm die Regierungsgeschäfte von den USA am 13. August 1948 und rief am 15. August die Republik Korea aus. Als Reaktion proklamierte der von den Sowjets geförderte Kim Il-sung am 9. September die Demokratische Volksrepublik Korea. Kim Il-sung war ein Diktator, aber auch der proamerikanische und antikommunistische Rhee Syng-man zeigte eindeutig autokratische Tendenzen. Die USA sahen die sozialistischen Staaten dieser Zeit als einen von der Sowjetunion geführten Block und nahmen an, dass Nordkorea als deren Spielfigur den Krieg suchte. Dies war auch der entscheidende Grund für das große amerikanische Engagement. Heute wird auf Grundlage der geöffneten Archive Russlands hingegen vor allem Kim Il-sung als die treibende Kraft gesehen, der den zögerlichen Josef Stalin dazu drängte, das Risiko einer Konfrontation mit den USA einzugehen – nicht zuletzt, indem er Stalin auch gegen Mao ausspielte. Sowohl die Demokratische Volksrepublik Korea als auch die Republik Korea sahen sich als Vertretung des ganzen Landes und wollten es unter dem jeweils eigenen System vereinigen. Beide Seiten gingen unbarmherzig gegen Widerstand vor und suchten die Eskalation, wodurch es vor dem Krieg oft zu Scharmützeln an der Demarkationslinie kam. Anfang 1949 versuchte Kim Il-sung, Stalin zu überzeugen, dass die Zeit für eine konventionelle Invasion des Südens gekommen sei. Stalin lehnte jedoch ab, da die nordkoreanischen Truppen noch recht schlecht ausgebildet waren und er die Einmischung der USA fürchtete. Im Laufe des folgenden Jahres wurde die nordkoreanische Armee zu einer offensiven Organisation nach dem Vorbild der Sowjetarmee geformt und mit Waffen aus der Sowjetunion ausgerüstet. Die Sowjetunion zog zugleich ihre Truppen aus Korea ab, um die USA diplomatisch zu nötigen, es ihr gleichzutun. Anfang 1950 war Nordkorea dem Süden aber in jeder Waffengattung deutlich überlegen, weshalb Washington zögerte. Am 12. Januar 1950 sagte der US-Außenminister Dean Acheson dem National Press Club, die Verteidigungslinie der USA führe von den Alëuten über Japan, den Ryūkyū-Inseln bis zu den Philippinen. Mit diesem „defensive perimeter“ schien er indirekt festzustellen, dass die USA nicht um Korea kämpfen würden.
Diese wohl unbedachte Äußerung ermutigte Nordkorea, den Konflikt zu suchen. Kim besuchte Moskau Ende März und blieb dort fast einen Monat. Stalin erklärte, dass sich die internationale Situation der Sowjetunion unter anderem durch die Zündung der ersten sowjetischen Kernwaffe verbessert habe und er die militärische Offensive unter drei Bedingungen genehmigen würde: Erstens müsse Mao zusagen, zweitens müsse es als Reaktion auf einen Angriff Südkoreas erscheinen und drittens müsse Kim akzeptieren, dass er sich im Falle eines Eingreifens seitens der Vereinigten Staaten auf chinesische Truppen verlassen müsse. Mitte Mai erhielt Kim während eines Besuchs in Peking Maos allerdings widerstrebende Zusage.
Ein Krieg in Korea hatte für Mao keine Priorität und er hatte dies den Sowjets mehrfach mitgeteilt. Für ihn war die Unterstützung der Việt Minh und der Aufbau seines Landes und seiner Streitkräfte wichtiger. Andererseits war Mao auch ein kommunistischer Internationalist, der es als seine Pflicht erachtete, Revolutionären in anderen Ländern zu helfen. Für ihn war Stalin auch der unumstrittene Führer der internationalen kommunistischen Bewegung und er hielt es für falsch, dessen Autorität zu missachten. Zudem hatten die Chinesen gerade ihr eigenes Land vereinigt und daher konnte er diesen Wunsch seinen kommunistischen Brüdern in Korea nicht verwehren.
Verlauf
Nordkoreanische Invasion Kriegsbeginn am 25. Juni 1950 mini|hochkant|Kriegsverlauf (Nordkorea rot und Südkorea grün)
Am 25. Juni 1950 überschritten Truppen der Nordkoreanischen Volksarmee mit dem Ziel der gewaltsamen Wiedervereinigung beider Staatsteile die Grenze nach Süden. Die angreifenden Kräfte verfügten über insgesamt rund 200.000 Soldaten, mindestens 379 Panzer vom Typ T-34/85 sowie 260 Jagdflugzeuge und 188 Bomber. Die Streitkräfte im Süden zählten im Gegensatz hierzu knapp 106.000 Soldaten (100.000 Mann Heeres- und Luftwaffentruppen sowie rund 6.000 Marineangehörige bzw. Angehörige der Küstenwache) und lediglich 46 Flugzeuge, zumeist leichte Aufklärungs- und Verbindungsmaschinen; Panzer standen anfangs keine zur Verfügung, da die US-Administration Truman selbige nicht liefern wollte, um Rhee Syng-man keine Möglichkeit zu geben, seinerseits eine Attacke gegen den Norden auszuführen. Entlang der Ostküste der koreanischen Halbinsel, so bei Gangneung, fanden überraschende Landungsoperationen nordkoreanischer Einheiten statt, die mit kleineren Schiffen und Motorbooten ausgeführt wurden.