Die Schulpädagogik ist eine Teildisziplin der Pädagogik (Erziehungswissenschaft). Als wissenschaftliche Disziplin beschäftigt sie sich mit der Theorie und Praxis der Entwicklung und Reflexion wissenschaftlicher Konzepte zur Gestaltung von Schulleben, Unterricht. Als Disziplin mit der hier skizzierten speziellen Aufgabenstellung existiert die Schulpädagogik nur in wenigen europäischen Ländern, u. a. in Deutschland.

Begriffsbestimmungen, nähere begriffliche Eingrenzungen Einordnung des Fachgebietes „Schulpädagogik“ Schulpädagogik ist eine Teildisziplin der Pädagogik, wobei die Pädagogik wiederum sich unter den weiter gefassten Oberbegriff der Bildungswissenschaften eingliedern lässt. Die Schulpädagogik befasst sich mit allen Dimensionen des schulischen Lehrens und Lernens, auch von Erwachsenen in diesem Rahmen, in einer staatlichen Organisation. Sie beschreibt die vielen Bereiche einer schulischen Organisation (siehe Schulentwicklung) und die theoretischen Grundlagen des Lehrens und Lernens in einem gesellschaftlich und staatlich organisierten Bildungssystem. Schließlich entwirft sie Möglichkeiten des Lehrens und Lernens für Lehrende und Schüler im Sinne einer höheren Wahrscheinlichkeit des Schulerfolgs.

Das Dilemma der Schulpädagogik ist, dass sie innovative Ideen und Konzeptionen nicht unmittelbar in die Schulen tragen kann, sondern immer auf die Kooperation mit Institutionen der Bildungsadministration angewiesen ist, die oftmals als eher konservativ und bürokratisch erlebt werden. Diese Beschränkung ihres Gestaltungsspielraums erklärt u. a. auch, dass die Schulpädagogik sich in den letzten Jahrzehnten kaum ausdifferenziert hat. Sie versteht sich einerseits als deskriptive Wissenschaft, die schulische Phänomene beschreibt, begrifflich ausdifferenziert und dazu theoretische Grundlagen schafft. Zugleich sieht sie sich aber auch als normative Disziplin, insofern konstruktive neue Modelle, Methoden und Konzepte entwickelt werden, die eine höhere Wahrscheinlichkeit des Erfolgs schulischer Lehr-Lern-Settings versprechen. Dazu unternimmt sie auch empirische Untersuchungen und wertet relevante Daten aus.

Schulpädagogische Grundbegriffe Die Schulpädagogik verlangt eine Definition der Begriffe Schule, Unterricht und Erziehung. Hilbert Meyer im Jahr 1997 schlägt folgende Arbeitsdefinitionen vor:

Schulen sind Institutionen zur gemeinsamen und planmäßigen Erziehung und Unterrichtung der heranwachsenden Generation. Unterricht ist die planvolle pädagogische Interaktion von Lernenden und Lehrenden zum Zwecke der Aufklärung und der Vermittlung von Handlungskompetenz. Erziehung ist die absichtliche Einwirkung von Erziehern auf die heranwachsende Generation zum Zwecke der Persönlichkeitsbildung.

In der heutigen Schulpädagogik greift man verstärkt auf Konzepte zurück, die offene Formen von Schule und Unterricht ermöglichen. Diese sind zum großen Teil in der Reformpädagogik und der Subjektiven Didaktik begründet. Das individuelle Lernen wird stärker betont, neue Methoden und Handlungsperspektiven sollen Lehrern und Schülern Möglichkeiten eröffnen, die Schule als Lern-, Bildungs- und sozialen Ort zu erleben. Im Gegensatz dazu stehen traditionelle Formen von Schule (z. B. mit Frontalunterricht).

Theorie und Praxis der Schulpädagogik Die bisherige postulierte Einheit von Theorie und PraxisWerner Jank, Hilbert Meyer: Didaktische Modelle. 5., völlig überarb. Aufl., Cornelsen-Scriptor, Berlin 2002, ISBN 3-589-21566-6, S. ? oder anders gesagt: „Als Wissenschaft von der Praxis für die Praxis“Friedrich W. Kron: Grundwissen Didaktik. (= UTB; Bd. 8073). E. Reinhardt Verl., München 2004, ISBN 3-497-01725-6, S. 31. hat sich in der Vergangenheit als nicht immer leicht umzusetzende Ausrichtung erwiesen, sodass einige Pädagogen diese Ausrichtung am liebsten niederreißen würden. Trotzdem ist es so, dass Pädagogen/Erzieher/Lehrer schlussendlich vor praktischen Erziehungsaufgaben stehen, die die Gesellschaft von ihnen zu lösen erwartet. Während manche die Schulpädagogik in einer Kritik der Institution ihren Ausgangspunkt nehmen sehenSabine Reh, Tilman Drope: Schulpädagogik. In: Klinkhardt Lexikon Erziehungswissenschaft (KLE), Teil 3: Phänomenologische Pädagogik – Zypern. (= UTB; Bd. 8468 [Teil 3]). / Klaus-Peter Horn et al. (Hrsg.). J. Klinkhardt Verl., Bad Heilbrunn 2012, ISBN 978-3-8252-8468-8, S. 154–156, darin auf S. 154. und didaktische, lehrplantheoretische und schultheoretische Beiträge zu liefern als Aufgabe wahrnehmen, sehen andere Schulpädagogik vor allem als mit praktischen Problemen des Unterrichtens und Erziehens in der Schule befasste, theoretisch reflektierende und empirisch forschende Wissenschaft an. Im Versuch einer Systematisierung der Schulpädagogik können drei Säulen unterschieden werden: (1) eine Theorie des pädagogischen Handelns unter schulischen Bedingungen, (2) eine Theorie des Lehrplans und des Unterrichts, (3) eine Theorie der Schule.

Im Einzelnen lassen sich diverse Themenfelder der Schulpädagogik zuordnen: Theorie der Schule, Schulorganisation und Schulformen; Sozialisation in der Schule, Schulleben; Theorie des Lehrerberufs, Lehrerrolle; Schülerverhalten, Schülerrolle; Grundlagen und Theorien der Didaktik; Curriculumtheorie; Theorie des Lehrens; Mediendidaktik und Unterrichtstheorie; Unterrichtsanalyse, Unterrichtsforschung, Unterrichtsplanung.

Durch die Auswertung der universitären Lehrerbildung seit den 1970er Jahren und für Lehrer aller Schulformen spätestens seit der Wiedervereinigung Deutschlands hat die Erziehungswissenschaft im Allgemeinen an Bedeutung gewonnen.Sabine Reh, Tilman Drope: Schulpädagogik. In: Klinkhardt Lexikon Erziehungswissenschaft (KLE), Teil 3: Phänomenologische Pädagogik – Zypern. (= UTB; Bd. 8468 [Teil 3]). / Klaus-Peter Horn et al. (Hrsg.). J. Klinkhardt Verl., Bad Heilbrunn 2012, ISBN 978-3-8252-8468-8, S. 154–156, darin auf S. 155 f. Die Schulpädagogik erhält in einer immer stärker spezialisierten Wissenschaft vom Erziehen nun die Aufgabe, sowohl die Ausbildung angehender Lehrer anzuleiten, als auch deren späteres Berufsfeld und ihre Tätigkeit mit wissenschaftlichen Methoden zu erforschen und in Form von Empfehlungen an politische Entscheidungsträger Einfluss auf die weitere bildungspolitische Entwicklung auszuüben. Derzeit ist noch nicht abzusehen, wie sich die Schulpädagogik entwickeln wird im Verhältnis einer Wissensform der professionellen Praktiker, ihrer kritisch-pädagogischen Tradition und einer empirischen Bildungsforschung, von der man hofft, dass sie unverzüglich die Wege weist und Mittel bereitstellt, verbessernd auf die Schul- und Unterrichtspraxis einzuwirken.

Teildisziplinen Allgemeine Didaktik

Die Allgemeine Didaktik nimmt eine zentrale Position in der Schulpädagogik ein: sie beschreibt u. a. die Prozesse und Strukturen des auf Vermittlung von Wissen und Verhalten ausgerichteten Unterrichts. Sie hat sich im Laufe der Entwicklung zu einer überwiegend geisteswissenschaftlich-idealistischen Position verfestigt (s. F. W. Kron 2004). Handlungswissenschaftliche oder erfahrungswissenschaftliche Fundierungen sind selten zu finden. Dringende reale Probleme, wie z. B. Bildungsstandards, Leistungsmessung und -bewertung, Lehrerverhalten, Schülerverhalten, die Entwicklung von Lernkulturen, Bewusstseinsbildung bei Lehrenden und Lernenden in einer postmodernen Situation, gesellschaftliche und politische Mythen über Lehren und Lernen sucht man vergebens in den meisten Lehrbüchern der Didaktik. Vielmehr werden seitenweise alte, z. T. überholte didaktische Modelle, Ansätze und Lerntheorien, oft ohne Bezug zur heutigen schulpädagogischen Alltagssituation und -kontext referiert (s. Kron, Gudjons, Peterßen, Jank/Meyer).

Neuere Ansätze (Flechsig, 1991, Heitkämper 2000, Reich 2000, Kösel 2002, 2007, Scheunpflug 2001) haben es schwer, sich in der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung durchzusetzen. So werden überwiegend die alten Modelle der Didaktik von der jungen Lehrer-Generation übernommen, die vielfach keinen Bezug zur heutigen Schulrealität herstellen können. In der zweiten Phase der Lehrerbildung kommt dann der Praxisschock, weil dort die Realität ganz anders aussieht als in der didaktischen Theorie suggeriert wird. Es werden zögernd neue Perspektiven in ein sinnvolles didaktisches Handlungskonzept zu integrieren versucht (Bovet 2004, Kösel 2007).

Didaktische Epistemologie War in den vergangenen Jahrzehnten die Lehrplantheorie ein Teilaspekt der Schulpädagogik, so hat sich in letzter Zeit eine neue Sichtweise über Wissen, Wissenskonstruktion, die Tiefenstruktur des Wissens und dessen Vermittlung durch professionelle Personen entwickelt: Die heutige Lehrplanpraxis wird zunehmend vom Begriff der Bildungsstandards überdeckt und überformt. Es ist das Bestreben, eine Vereinheitlichung und zugleich Nivellierung im deutschen Schulsystem durch Bildungsstandards zu erreichen (die Einheitsversion in der Gesellschaft, siehe auch Wissensgesellschaft, s. Klime, Prange, Prenzel).

Es gibt aber auch eine andere Sichtweise, wie Wissen und dessen Vermittlung in der sich anbahnenden Wissensgesellschaft im 21. Jahrhundert zu sehen ist (Kösel 2007). Mit dem Begriff Wissen ist nicht mehr mit dem herkömmlichen ontologischen Wahrheitsanspruch zu begegnen, sondern mit einem soliden didaktischen Relativismus.

Früher stand man auf sicherem Boden. Die Unterscheidung von gut und schlecht war nach Luhmann selbst gut, weil sie das Schlechte als schlecht ausweisen konnte. So konnte man Fehlzuordnungen bannen und sie in die Nähe des Irrtums rücken. Alles ist, wie es ist. Die bezeichnete Realität ist eindeutig und einwertig. Es ist deshalb auch nicht nötig, Prozesse, Dynamiken und die Gegenwart mit ihren tausend Erscheinungen und Paradoxien zu beschreiben. Aus dieser Perspektive ist auch die schulische Welt eine Einteilung und eine Inklusionslogik, die die Lernenden schon frühzeitig durch das dreigliedrige Schulsystem in einen für jeden Menschen bestimmten Platz als Differenzierungsform einteilen und zuteilen muss. Es muss auch Unterschiede in dieser Einheit geben, die als naturgegeben (mit Hilfe des Begriffs Begabung) anzusehen sind. Man sollte über dasselbe eigentlich auch derselben Meinung sein. Wenn nicht, ist das ein Irrtum oder moralisch gesehen, etwas Schlechtes. Nach wie vor wird auch im schulischen Bereich um die Vorherrschaft des ontologischen Einteilens und Generalisierens gekämpft. Als bestes Beispiel in der Gegenwart kann man den Glauben an die Einheit des Wissens durch Bildungsstandards ansehen.