Das Pitztal ist ein etwa 40 km langes, südliches Seitental des Inntals, das bei Imst einmündet. Es liegt im Bezirk Imst des Bundeslandes Tirol in Österreich. Das Tal wird von der Pitze (auch Pitzbach genannt) durchflossen und liegt vollständig in den Ötztaler Alpen. In dem Tal liegen die Gemeinden Arzl im Pitztal, Wenns, Jerzens und St. Leonhard im Pitztal.
Das Klima im Tal wird durch die alpine Lage mit kühlen Sommern und kalten Wintern geprägt, wobei der Klimawandel mit dem Anstieg der Temperaturen eine längere Vegetationsperiode und kurze Schneebedeckung im Winter bewirken wird. Das Pitztal gehört zu den niederschlagsärmsten Gegenden in Tirol. Die Wirtschaft im Tal war bis 1960 agrarisch geprägt, ab 1970 hat ein massiver Strukturwandel eingesetzt, bei dem die bäuerlichen Betriebe massiv abgenommen haben und der Tourismus zum dominierenden Wirtschaftssektor wurde. Bis Mitte der 1980er Jahre war der Sommertourismus mit Wandern und Bergsteigen der wesentliche Erwerbszweig, seit 2001 ist der Wintertourismus mit Schifahren deutlich stärker, wobei dies bei den jeweiligen Gemeinden unterschiedlich ausgeprägt ist. Der Ausbau der Schigebiete am Gletscher wird aber von der Bevölkerung kritisch gesehen.
Geographie Lage Das etwas 40 km lange Pitztal ist ein in Nord-Süd-Richtung verlaufendes Nebental des Inntals, das bei Imst von Süden einmündet. Es liegt westlich des Ötztals und östlich des Kaunertals, die beide in etwa parallel zum Pitztal verlaufen. Über das Pillertal und die Pillerhöhe existiert eine Verbindung in den obersten Teil des Tiroler Inntales.
Das Tal liegt zur Gänze in den Ötztaler Alpen. Politisch gehört es zum Bezirk Imst. Das Tal wird von der Pitze (auch Pitzbach) durchflossen, diese mündet zwischen Arzl im Pitztal und Karres in den Inn.
Das Pitztal ist über die Inntalautobahn und den Bahnhof Imst-Pitztal der Arlbergbahn an das Verkehrsnetz angeschlossen. Von hier führt die Pitztaler Landesstraße über die 1983 eröffnete Pitztalbrücke über den Inn nach Mittelberg und überwindet dabei einen Höhenunterschied von etwa 1000 m. Mehrere seit 1982 errichtete Galerien bieten Schutz vor Lawinen. In Wenns zweigt eine Straße zur Piller Höhe weiter nach Fließ und Kaunerberg/Kauns. Vom Bahnhof Imst-Pitztal wird ein Überlandbusverkehr (Postbus) angeboten.
Beschreibung Der äußere Abschnitt des Pitztals weist einen breiten Trog auf, hat ausgeprägte Talterrassen und hat dadurch Mittelgebirgscharakter. In diesem Teil des Tals liegen Arzl und Wenns. Die Pitze hat sich darin schluchtartig eingeschnitten und bildet in diesem Abschnitt die Pitzeklamm, bevor es bei der Imster Schlucht in den Inn mündet. Diese Schlucht ist an einigen Stellen bis zu 100 m tief.
Am Fuß des Venet bei Wenns zweigt das Pillertal nach Südwesten ab, dieses Gebiet wird auch Wenner Schmalzkessel genannt.
Weiter südostwärts von Jerzens an verengt sich das Tal, der Talboden ist erst im Gebiet von St. Leonhard im inneren Pitztal signifikant ausgebildet. Das Tal verläuft hier zwischen dem Kaunergrat, der im Westen auf etwa 30 km die Grenze zum Kaunertal bildet, und dem Geigenkamm, der sie im Osten zum nahezu parallel verlaufenden Ötztal bildet. Das innere Tal hat nur eine schmale Talsohle mit übersteilen Hängen. Das Tal steigt hier gleichmäßig an bis zum Fuß der Wildspitze, die zu den Ötztaler Alpen gerechnet wird. Bei Mittelberg in der Gemeinde St. Leonhard teilt sich das Tal in das Mittelberg- und das Taschachtal. Im Talschluss bilden der Mittelbergferner und der Taschachferner ausgedehnte Gletscherflächen an der Wildspitze. Das Pitztal reicht knapp nicht an den Alpenhauptkamm (Staatsgrenze) heran, sondern an der Hochvernagtspitze treffen für eine kurze Strecke noch das hinterste Ötztal und das hinterste Kaunertal aneinander.
Im Jahr 2024 sind 6.965 ha als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen, 5.803 ha als Ruhegebiete.
Gemeinden mini|Arzl im Pitztal, Tirol Das Pitztal gliedert sich in folgende Gemeinden: +Gemeinde EinwohnerArzl im Pitztal 3160 Jerzens 904 St. Leonhard im Pitztal 1442 Wenns 2175
Die vier Gemeinden bilden zusammen den Planungsverband Pitztal mit Einwohnern (Stand ) und einer Fläche von 313 km², davon 26,1 km² Dauersiedlungsraum. Die Bevölkerung ist von 5.127 Bewohnern im Jahr 1961 kontinuierlich gestiegen. Der Zuwachs ist vor allem auf Zuwanderung zurückzuführen, während das Geburten- und Sterbesaldo nur einen geringen Zuwachs aufweist.
Klima Das Pitztal ist ein inneralpines Trockental und gehört zu den niederschlagsärmsten Gebieten Tirols. Diese klimatische Besonderheit wird durch die Barrierewirkung der umgebenden Gebirgsketten bedingt. Die Temperaturen im Pitztal sind typisch für die alpine Lage mit kühlen Sommern und kalten Wintern. Die Lage im Hochgebirge bedingt deutliche Temperaturschwankungen zwischen den Jahreszeiten: im Sommer liegen die Temperaturen bei rund 18 Grad Celsius (abhängig von der Höhenlage im Tal), im Winter herrschen sehr tiefe Temperaturen. Das Wetter im Tal kann unvorhersehbar sein und plötzliche Wetterumschwünge und Temperaturstürze bringen. Der Niederschlag fällt vor allem im Sommer, wobei Mai, Juni und Juli die Monate mit dem meisten Regen sind. Die Sommermonate sind auch die Monate mit den meisten Sonnenstunden.
Die Klimatabellen zeigen die Werte gemessen in St. Leonhard. Die Daten zeigen die mittleren Werte von 1991 bis 2020.
Das Pitztal ist eine hochgelegene Region, die sich durch ein kalt gemäßigtes Klima mit einer kurzen Vegetationsperiode, hoher Frosthäufigkeit, kühlen Sommernächten und hohen Niederschlagsmengen auszeichnet. Solche relativ empfindlichen Regionen werden durch den Klimawandel mit besonderen Risiken konfrontiert. Mit folgenden Auswirkungen muss gerechnet werden:
Durch den Temperaturanstieg wird es in Zukunft auch in den Übergangsjahreszeiten (Frühling und Herbst) möglich sein, zu wandern (Verlängerung der Outdoor-Saison). Die Vegetationsperiode wird sich zukünftig um rund 4 Wochen verlängern, beinhaltet aber ein steigendes Risiko für Dürren. Dürreereignisse werden zukünftig deutlich häufiger zu erwarten sein. Der Niederschlag wird im Jahresmittel tendenziell gleich bleiben, sich aber anders verteilen: lange Dürren werden sich mit Starkregen abwechseln. Auch Gewitter werden häufiger auftreten. Deren Folgen sind Hagel, oberirdische Hangwässer, Bodenerosion, Massenbewegungen von Erde, Überschwemmungen und Windwurf. Die Anzahl der Tage mit Naturschneebedeckung wird markant abnehmen, es muss mit einem Minus von 20 % gerechnet werden.
Geologie Bis zur Eiszeit war das vordere Pitztal ein Teil des Inntals, der Inn floss von Prutz über die heutige Pillerhöhe weiter. Im Laufe der Eiszeit durchbrach der Inn die Enge von Pontlatz bei Landeck in einem neuen Flussbett. Das Pitztal durchschneidet den Gebirgsstock der Ötztaler Alpen, das sogenannte Ötztal-Stubai-Kristallin, in seiner Ausbreitung zwischen Wipptal, dem Vinschgau und dem oberen Inntal. Es repräsentiert ein zur mittelostalpinen Decke gehörendes Altkristallin und besteht in diesem Bereich großteils aus Gneisen, die schon vor der Alpenbildung aus anderen Gesteinen metamorph umgewandelt wurden.
Morphologisch lassen sich drei Hauptabschnitte im Pitztal unterscheiden: der liebliche Talausgang um Arzl-Wenns mit dem sanft ansteigenden Grünland gegen Südwesten zur Pillerhöhe, ab dem Talknick gegen Südosten ein enges Kerbtal (V-Tal) bis etwa zum Ortsteil Zaunhof und eine typische Gletscherformung als Trogtal (U-Tal).
Pflanzen- und Tierwelt Um etwa 6000 Jahren vor heute haben sich in den Tiroler Tälern Fichten-Tannen-Buchenwälder ausgebreitet, die zur dominierenden Waldgesellschaft wurden. Bezeichnend ist, dass im Naturzustand auch die Talböden komplett bewaldet waren. Nur entlang der meist mäandernden Flüsse und Bäche gab es vegetationsfreie Bereiche. Intensiv wurde der Einfluss der Menschen auf die Vegetation in der Bronzezeit, wo für Landwirtschaft und Bergbau massiv gerodet wurde. Almen wurden angelegt und damit die Waldgrenze abgesenkt. Zur Römerzeit erfolgte eine flächendeckende Rodung der Talsohlen und neue Bäume und Sträucher wurden eingeführt. In der Völkerwanderungszeit konnte sich der Wald etwas erholen, im Mittelalter hat die intensive Nutzung und Rodung aber wieder zugenommen. Die heutigen Wälder sind von Menschen geschaffen, nur in ganz wenigen Bereichen in Tirol gibt es noch natürliche Vegetation.
Die Vegetation im Pitztal ist ein typisches inneralpines Fichtenwaldgebiet. Die oftmals von Lawinenbahnen unterbrochene Waldgrenze verläuft in ca. 2100–2200 m Höhe. Sie wird von der Zirbelkiefer (Pinus cembra), der gewöhnlichen Fichte (Picea abies) und einigen Beständen der Europäischen Lärche (Larix decidua) gebildet. An einigen steilen Hängen und in Lawinenstrichen sind Bestände der Grün-Erle (Alnus viridis), der Moor-Birke (Betula pubescens) und verschiedene Arten von Weiden (Salix) heimisch. Die Bergkiefer (Pinus mugo, Latsche) kommt im Pitztal selten vor. Als breiter Gürtel über dem Wald schließen sich Zwergsträucher an, hier dominieren Alpenrosen (Rhododendron ferrugineum), Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus), Rauschbeeren (Vaccinium uliginosum), Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idea), Krähenbeeren (Empetrum hermaphroditum), Gemeiner Wacholder (Juniperus communis) und Gämsheide (Loiseleuria procumbens). Weite Teile der Zwergstrauchheide wurden bereits sehr früh in Almen umgewandelt. Besonders in den Beständen der Krumm-Segge (Carex curvula) unterhalb von ca. 2400 m macht sich die Beweidung in der Vegetation deutlich bemerkbar. Oberhalb des Zwergstrauchgürtels dehnen sich alpine Grasheiden aus. Ziemlich große Flächen nehmen im Pitztal nackte Felsen und Geröllhalden mit Pioniervegetation und die Gletscher ein. Die jüngeren Moränen und die Gletschervorfelder tragen fast keine Pflanzendecke.
Von besonderem Interesse ist auch die Vegetation um den Rifflsee, da dieser zum Einzugsgebiet des Gletscherschigebietes gehört, bei dem es bereits mehrfach Pläne gab, dieses zu erweitern. Unter anderem aus Naturschutzgründen wurden die Erweiterungspläne von der Bevölkerung abgelehnt. Das Gebiet des Rifflsees liegt im Übergang vom subalpinen zum alpinen Bereich, der auch die klimatische Höhengrenze für die Moorbildung ist. Mulden und Bodensenken, die prädestiniert sind für die Bildung von Mooren, werden in diesem Bereich oft von „Schneetälchen“-Vegetation eingenommen. Es treten zwar im Westen des Sees, da wo die Bäche in den See münden, einige Feuchtgesellschaften auf, es kommt aber zu keiner Moorbildung, da die Vegetationsperiode zu kurz ist. Es stören auch die ständigen Überlagerungen mit mineralischem Material. Die Umrahmung des Sees bilden Hänge mit Latschengebüsch und Zwergstrauchheiden. Alpenrosen haben sich an den frischeren, nordschauenden Hängen angesiedelt, während Latschen und Zwergwacholderheide eher auf den trockeneren, nach Süden ausgerichteten Hänge verbreitet ist. Am Rifflsee ist der menschliche Einfluss auf die Vegetation gut zu sehen.
Im Pitztal leben viele der typischen alpinen Wildtiere. Besonders hervorzuheben ist, dass in den Bergen rund um das Pitztal eine der größten Steinbockpopulationen der Ostalpen lebt. Steinböcke waren im Gebiet heimisch, wurden aber im Laufe des 16. Jahrhunderts in fast allen Teilen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets ausgerottet, so auch in diesem Tal. Von 1953 bis 1956 erfolgte ein Wiederansiedlungsprojekt mit 11 Geißen und 6 Böcken. Als sich keine Nachkommen einstellten, wurden 1956 nach dem Tod einiger Tiere die verbleibenden ausgesetzt. In freier Wildbahn vermehrte sich die kleine Gruppe stark, bereits 1966 waren es 70 Tiere, 1983 bereits 550. Stand 2024 wird von einem Bestand von rund 1200 Tieren in mehreren Herden ausgegangen. Steinböcke nutzen vor allem Südhänge und sonnige Lagen. Gemsen und Rehe hatten das Gebiet durchgehend besiedelt, die Anzahl der Gemsen ist aber durch Verdrängung durch die Steinböcke gesunken.
Geschichte mini|Wald bei Arzl, Bild von Ferdinand Gatt, 1886
Frühzeit und Antike