mini|Blick auf Berlin-Mitte von der Dachterrasse des Humboldt Forums
Mitte ist ein Ortsteil des gleichnamigen Bezirks in Berlin und umfasst einen Teil der historischen Stadtteile. In ihm liegt die historische Mitte mit den ehemaligen Stadtkernen von Alt-Berlin und Alt-Kölln, dem Brandenburger Tor, der Straße Unter den Linden, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Museumsinsel und dem Berliner Fernsehturm. In Mitte befinden sich zahlreiche Einrichtungen des Bundes, des Senates von Berlin im Roten Rathaus und das Abgeordnetenhaus von Berlin im Preußischen Landtag sowie zahlreiche Botschaften.
Bis zur Verwaltungsreform im Jahr 2001 war der Ortsteil ein eigener Bezirk. Dieser Bezirk Mitte wurde mit dem Bezirk Tiergarten und dem Bezirk Wedding zum neuen Bezirk Mitte von Berlin fusioniert. Die Ortsbezeichnung Mitte wird immer ohne Artikel verwendet, also „Ich wohne in Mitte“, „Wir fahren nach Mitte“. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist damit meist der Ortsteil Mitte gemeint, nicht der neue, durch Fusion entstandene Bezirk Mitte.
Lage Der Ortsteil Mitte wurde 1920 als Bezirk gebildet. Er umfasst das Kerngebiet des alten Berlins. Lediglich die westliche Grenze deckt sich mit dem Verlauf der alten Zollmauer; dort liegt mit dem Brandenburger Tor das Zolltor nach Westen in Richtung der Stadt Brandenburg. Einige Ortsbezeichnungen, die auf weitere Stadttore der Zollmauer hinweisen, liegen heute in angrenzenden Ortsteilen, wie etwa das Kottbusser Tor und das Frankfurter Tor, die sich in Kreuzberg und in Friedrichshain befinden.
Gliederung mini|Historische Stadtteile in Berlin-Mitte mini|hochkant|Bahnhof Alexanderplatz und umgebende Viertel im Luftbild, August 2008
Der Ortsteil Mitte gliedert sich in verschiedene Ortslagen.
Historische Stadtteile Eine formelle Einteilung in die historischen Stadtteile, wie sie bis 1920 bestand, geht auf die ehemalige Doppelstadt Berlin-Kölln und ihre Vorstädte zurück. Einige der historischen Stadtteile waren nicht auf Berlin-Mitte begrenzt, sondern erstreckten sich auch auf benachbarte Ortsteile. Die Grenzen und Bezeichnungen der historischen Stadtteile haben sich im Laufe der Zeit mehrfach verändert. Die Abbildung rechts zeigt die letzte amtlich gültige Einteilung von 1920. I Alt-Berlin IIAlt-Kölln III Friedrichswerder IV Dorotheenstadt VFriedrichstadt (reicht bis nach Kreuzberg) XI Luisenstadt (reicht bis nach Kreuzberg) XIINeu-Kölln XIII Stralauer Vorstadt (reicht bis nach Friedrichshain) XIV Königsstadt (reicht bis nach Prenzlauer Berg und Friedrichshain) XVSpandauer Vorstadt XVI Rosenthaler Vorstadt (reicht bis nach Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen) XVIIOranienburger Vorstadt (reicht bis nach Wedding und Gesundbrunnen) XVIII Friedrich-Wilhelm-Stadt
Statistische Gebiete und Verkehrszellen Im Bereich des Ortsteils Mitte gibt es acht statistische Gebiete, die zum Teil auf den historischen Stadtteilen beruhen, aber auch einige dieser Stadtteile zusammenfassen. Diese sind unterteilt in 17 Verkehrszellen.RegionalesBezugssystem Gebietssystematik für das Land Berlin, Berlin 2013. (PDF) statistik-berlin-brandenburg.de 098 – Friedrich-Wilhelm-Stadt 0981 Friedrichstraße / Luisenstraße 0982 Luisenstraße / Hannoversche Straße 0983 Chausseestraße / Hannoversche Straße 0984 Invalidenstraße / Scharnhorststraße 099 – Oranienburger Vorstadt (einschließlich Rosenthaler Vorstadt) 0991 Invalidenstraße / Fehrbelliner Straße 0992 Pflugstraße / Julie-Wolfthorn-Straße 0993 Zionskirchplatz 100 – Spandauer Vorstadt 1001 Oranienburger Straße / Neue Schönhauser Straße 1002 Alte Schönhauser Straße / Torstraße 101 – Königsstadt (reicht bis zur Spree, also einschließlich Alt-Berlin) 1011 Rotes Rathaus / Molkenmarkt 1012 Alexanderplatz 102 – Dorotheenstadt (reicht bis zur Spree, also einschließlich Teile von Friedrichswerder und Museumsinsel) 1021 Unter den Linden / Friedrichstraße 103 – Friedrichstadt (reicht bis zur Spree, also einschließlich Teile von Friedrichswerder und Humboldtforum) 1032 Hausvogteiplatz 1033 Schloßplatz / Breitestraße 104 – Luisenstadt (einschließlich Neu-Kölln und Fischerinsel) 1041 Köpenicker Straße / Michaelkirchstraße 1042 Fischerinsel 105 – Stralauer Vorstadt 1051 Alexanderstraße / Mollstraße
Lebensweltlich orientierte Räume Die sogenannten Lebensweltlich orientierten Räume (LOR) sind im August 2006 per Senatsbeschluss als neue räumliche Grundlage für Planung, Prognose und Beobachtung demografischer und sozialer Entwicklungen in Berlin festgelegt worden. Im Bezirk Mitte gibt es vier Prognoseräume mit zehn Bezirksregionen: 0110 – Prognoseraum Zentrum 011001 – Tiergarten-Süd 011002 – Regierungsviertel 011003 – Alexanderplatz 011004 – Brunnenstraße Süd 0120 – Prognoseraum Moabit 012005 – Moabit-Ost 012006 – Moabit-West 0130 – Prognoseraum Gesundbrunnen 013007 – Osloer Straße 013008 – Brunnenstraße Nord 0140 – Prognoseraum Wedding 014009 – Parkviertel 014010 – Wedding-Zentrum
Geschichte der historischen Stadtgebiete mini|hochkant=0.5|links|Wappen des ehemaligen Bezirks Mitte (1995–2000)
Norden: Spandauer Vorstadt, Oranienburger Vorstadt und Rosenthaler Vorstadt mini|Ortsteil Mitte mit den historischen Stadtvierteln
Der Norden des Ortsteils ist nach wie vor geprägt von dichter Vorkriegsbebauung. Vor allem die Spandauer Vorstadt, die Oranienburger Vorstadt und die Rosenthaler Vorstadt haben nach der politischen Wende einen starken Gentrifizierungsprozess durchlebt. Aktuell sind die meisten Altbauten in dieser Gegend saniert und die Gegend ist geprägt von Gastronomie und Einzelhandel.
Die Oranienburger Straße ist eine überregional beliebte Ausgehmeile mit zahlreichen Bars und Restaurants, während die Gegend um den Rosenthaler Platz mit den Hackeschen Höfen, der Rosenthaler Straße, Weinmeister Straße und Neue-Schönhauser Straße durch gehobenen Einzelhandel geprägt ist.
mini|hochkant|Neue Synagoge mit Kriegsschäden, 1948
Vor der Shoah lebten hier viele Juden, nachdem 1737 Friedrich Wilhelm I. allen jüdischen Bürgern Berlins ohne eigenen Grund und Boden befohlen hatte, sich hier anzusiedeln. Im 19. Jahrhundert kamen jüdische Zuwanderer aus Osteuropa hinzu, die hier eine große jüdische Gemeinde vorfanden. Besonders hervorzuheben ist die Neue Synagoge von 1866, die mit ihrer Goldenen Kuppel eine markante Landschaftsmarke der Gegend darstellt. Während der Novemberpogrome, durch die Bombardierung Berlins im Zweiten Weltkrieg und anschließende Vernachlässigung von Seiten der DDR-Regierung (kaum ein Gemeindemitglied hatte den Holocaust überlebt) hatte das Gebäude zwar großen Schaden genommen, konnte jedoch nach der politischen Wende wiederhergestellt und 1995 eröffnet werden.
Vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich in der Spandauer Vorstadt das Schloss Monbijou, die traditionelle Residenz der preußischen Königinnen. Nach dem Ende der Monarchie befand sich in seinen Räumen ein Hohenzollernmuseum. Das Schloss überstand den Krieg mit schweren Schäden, wurde jedoch nicht wieder aufgebaut, sondern 1959 aus ideologischen Gründen auf Anordnung des Ost-Berliner Magistrats abgerissen.
Osten: Alt-Berlin, Alt-Kölln, Friedrichswerder, Königsstadt und Stralauer Vorstadt mini|Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt Forum, 2018 mini|Die sozialistische Stadtplanung in Ost-Berlin bestimmte den Wiederaufbau am Alexanderplatz mini|Nikolaiviertel
Berlin entstand als Doppelstadt Berlin-Kölln am Spreeübergang, dem heutigen Mühlendamm. Durch das Stapelrecht bzw. Marktrecht mussten alle auf der Spree transportierten Waren auf dem Berliner Molkenmarkt bzw. dem Köllnischen Fischmarkt angeboten werden. Die Städte blühten auf und waren auch Mitglied der Hanse.
Die beiden Spreearme sind heute stark umbaut, auf der Insel steht heute im Norden die Museumsinsel mit dem Berliner Dom, dem Lustgarten und den wichtigsten Museen der Hauptstadt.
In der Mitte befanden sich früher das Berliner Stadtschloss (1950 gesprengt und abgetragen) und am selben Ort seit 1976 der Palast der Republik, dessen Abriss im Jahr 2009 beendet wurde. Von 2012 bis 2020 wurde an dieser Stelle das Humboldt Forum mit der historisierenden Fassade des zerstörten Schlosses errichtet. Es beherbergt die Sammlungen außereuropäischer Kunst der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
Die Friedrichswerdersche Kirche beherbergte bis 2012 ein Schinkelmuseum. Durch die Errichtung weiterer Bauprojekte in direkter Nähe zur Kirche, kam es jedoch zu Schäden im Fundament des Gebäudes und das Museum musste geschlossen, die Figuren Schinkels ausgelagert werden.
In unmittelbarer Nähe stand vor ihrer Zerstörung im Verlauf des Zweiten Weltkriegs die Berliner Bauakademie, deren Gebäude ebenfalls von Karl-Friedrich Schinkel entworfen worden war. Ein Wiederaufbau der Bauakademie ist seit langem geplant und wurde für das Jahr 2020/21 angestrebt.
Am Ostufer der Spree, wo sich einst das dicht bebaute Alt-Berlin befand, breitet sich heute ein großer Platz mit dem Fernsehturm hin zum Alexanderplatz aus. Von der alten Bebauung des Viertels ist nach dem Krieg und der DDR-Stadtplanung der 1950er und 1960er Jahre nur die Marienkirche erhalten geblieben.
Nahe dem Molkenmarkt steht das Rote Rathaus und das Nikolaiviertel mit der ältesten Kirche Berlins. Das Viertel an der Nikolaikirche wurde im Verlauf des Zweiten Weltkriegs stark zerstört. 1987 entstand hier anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins ein neues Wohngebiet aus Plattenbauten und rekonstruierten Wohnhäusern das den Namen Nikolaiviertel erhielt.
Alt-Kölln hatte als Stadtviertel im Zweiten Weltkrieg vergleichsweise kaum Schaden genommen, jedoch wurde die historische Bebauung in den Nachkriegsjahren von der DDR-Regierung abgebrochen. Im Bereich der Brüderstraße entstanden Apartmenthäuser in Plattenbauweise und südlich der Gertraudenstraße wurde das Wohngebiet Fischerinsel errichtet, dessen Hochhäuser bis heute diesen Teil der alten Mitte markant prägen.
Anstelle der 1964 abgerissenen Petrikirche soll ab 2028 das House of One entstehen, ein Gotteshaus, das drei der großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam gleichberechtigt als Synagoge, Kirche und Moschee in einem Gebäude vereint.
In der Königsstadt und der Stralauer Vorstadt nördlich und östlich des Alexanderplatzes wurden nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls Wohnsiedlungen in Plattenbauweise errichtet, die sich zum Teil bis in den Ortsteil Friedrichshain hineinziehen.
Süden: Neu-Kölln und Luisenstadt Die südlichen Ortslagen Luisenstadt und Neu-Kölln (auch Neukölln am Wasser) in Mitte erlebten im Verlauf des Zweiten Weltkriegs ebenfalls starke Zerstörungen. Der südliche Teil der Luisenstadt kam nach Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 zum Bezirk Kreuzberg und lag dadurch nach der deutschen Teilung im ehemaligen West-Berlin.
mini|Märkisches Museum, 1973
Das Märkische Museum in Neu-Kölln erzählt die Geschichte der Stadt Berlin. Im angrenzenden Köllnischen Park befindet sich der Bärenzwinger, in dem seit 1939 Bären als Berliner Wappentiere gehalten wurden. Seit dem Tod der letzten Bärin Schnute im Oktober 2015 ist der Zwinger unbesetzt.
Der zu Mitte gehörende Teil der Luisenstadt um die Jannowitzbrücke ist geprägt von Wohnblöcken des Heinrich-Heine-Viertels und Industrie.
Am südlichen Ende der Heinrich-Heine-Straße befand sich während der deutschen Teilung ein Grenzübergang zum – im ehemaligen West-Berlin gelegenen – Bezirk Kreuzberg.
Die historische Bebauung blieb in der Luisenstadt vereinzelt im Bereich um das Engelbecken erhalten. Mittelpunkt des symmetrischen Areals bildet die Sankt-Michael-Kirche, die während der letzten Kriegstage schweren Schaden nahm und als Ruine erhalten blieb. Bis heute wird der unzerstörte Chor von der Gemeinde als Kirche genutzt.
Durch die deutsche Wiedervereinigung ist die Symmetrie des Ensembles zwischen dem Wassertorplatz auf West-Berliner Seite und dem Engelbecken auf Ost-Berliner Seite mit der Sichtachse der Gartenanlage Luisenstädter Kanal auf die Sankt-Michael-Kirche wiederhergestellt.