mini|hochkant=1.5|Rathausplatz in Wolgast Wolgast ist eine Kleinstadt im Nordosten Deutschlands. Der größte Teil der Stadt liegt westlich vor der Insel Usedom, ein kleiner Teil liegt auf der Insel. Sie gehört zum Landkreis Vorpommern-Greifswald und ist Sitz des Amtes Am Peenestrom, dem weitere sechs Gemeinden angehören. Sie ist eines der 18 Mittelzentren des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Aufgrund seiner Lage wird Wolgast wie Anklam als „Tor zur Insel Usedom“ bezeichnet, zudem ist die Stadt für ihr erhaltenes historisches Zentrum mit vielen Baudenkmalen, den Stadthafen und die Peene-Werft bekannt.

Geographie Geographische Lage Wolgast liegt zum größten Teil am Westufer des Peenestroms, eines Mündungsarmes der Oder und der Peene, der die Insel Usedom vom Festland trennt. Der Ortsteil Mahlzow liegt östlich des Peenestroms auf der Insel. Da diese über zwei Wolgaster Brücken mit dem Festland verbunden ist, wird die Stadt auch als Tor zur Insel Usedom bezeichnet.

Etwa drei Kilometer südwestlich der Stadt, in der Nähe des Ziesebergs, mündet die von Westen aus dem Ziesebruch kommende Ziese in den Peenestrom.

Stadtgliederung Das Gebiet der Stadt Wolgast besteht laut ihrer Hauptsatzung aus sechs Ortsteilen:Hauptsatzung der Stadt Wolgast, § 12 (PDF; 336 kB) Wolgast Buddenhagen Hohendorf Pritzier Schalense Zarnitz

Geschichte mini|Wolgast in der Stralsunder Bilderhandschrift 1615 Name Der Ortsname veränderte sich von Hologost (1127), Hologosta (1165) zu Woligost und urkundlich 1140 zu Wologost sowie zu Wolegast (1229) oder Wolgust (1250) zum heutigen eingedeutschten Wolgast (1189, 1250, 1331).Ernst Eichler, Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo-Koch-Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1 Auch die Burg wurde mit „Castrum Waleguste“ genannt (1194).

Der Name Wolgast könnte ein altpolabischer Personenname Voligost gewesen sein, dessen zweiter Namensteil gość die Bedeutung Gast, auch Freund hat. Der Name bezeichnet somit jemanden, der einen größeren/besseren Freund hat.Oskar Beyersdorf: Ueber die Slavischen Städtenamen Pommerns. In: Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde (Hrsg.): Baltische Studien, Band 25, Heft 1, Stettin 1874, S. 100. Wilhelm Ferdinand Gadebusch ging ebenfalls von groß als Bedeutung der ersten Silbe (woly) aus, gast (poln. gąszcz) soll jedoch als Dickicht oder Hain zu deuten sein, woraus er Großer Hain ableitete.Wilhelm Ferdinand Gadebusch: Chronik der Insel Usedom. W. Dietze, Anklam 1863, S. 243; .

Mittelalter mini|hochkant|links|St.-Petri-Kirche (Wolgast) mini|hochkant|Altes Rathaus mini|Stadtmauer mit Turm an der Kronwiekstraße Die Gegend von Wolgast gehörte zum Siedlungsgebiet der slawischen Lutizen, später zum Herzogtum Pommern. Der Ort wurde urkundlich erstmals 1123 als eine Handels- und Zollstelle erwähnt. Hier befand sich der Tempel des slawischen Gottes Jarovit, der durch Bischof Otto von Bamberg auf seiner zweiten Missionsreise 1128 zerstört wurde. Er legte vermutlich an dieser Stelle die St.-Petri-Kirche an. Der Kirchbau und der südlich davon gelegene wendische Rundling waren der Ursprung der Stadt.

1230 wurde letztmals ein Kastellan für Wolgast erwähnt. Die erstmalige Verleihung des Stadtrechts erfolgte wahrscheinlich zwischen 1250 und 1259.Joachim Wächter: Wolgast im Mittelalter. In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte, Heft 4/2002, S. 18–23 Das ergibt sich aus einem Brief von 1259 in dem consules (Ratsherren) erwähnt wurden (laut MUB). Die Bestätigungsurkunde von 1282 durch Herzog Bogislaw IV. beweist, dass die Stadtrechtsverleihung durch die Herzöge Barnim I. und Wartislaw III. gemeinsam erfolgte.Dietmar Lucht: Die Städtepolitik Herzog Barnims I. von Pommern 1220–1278 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern, Reihe V: Forschungen zur pommerschen Geschichte, Band 10). Köln / Graz 1965, S. 57/58. Es ist davon auszugehen, dass sich die Stadtrechtsverleihung auf eine neue deutsche Stadt bezog, die mit regelmäßigem Straßennetz neben den bisherigen wendischen Siedlungen Kronwiek, Bauwiek und Fischerwiek angelegt wurde. Wolgast erhielt 1282 durch Herzog Bogislaw IV. eine Bestätigung des Lübischen Stadtrechts.

mini|links|Schloss Wolgast, Kupferstich von Matthäus Merian, 1652 (Topographia Germaniae) Von 1295 bis 1625 war die Stadt nach der Teilung des Herzogtums Pommern in Pommern-Stettin und Pommern-Wolgast Sitz der Herzöge der Wolgaster Linie. Ihre Residenz, das Schloss Wolgast, war einer der bedeutendsten norddeutschen Renaissancebauten. Es befand sich auf einer der Stadt vorgelagerten Insel im Peenestrom zwischen dem Festland und der Insel Usedom, die bis in die Gegenwart als Schlossinsel bezeichnet wird. Um 1820 verschwanden die letzten Überreste des Schlosses aus dem Stadtbild. Sehenswert aus dieser Zeit sind die Petrikirche mit der herzoglichen Gruft und die Gertrudenkapelle auf dem alten Friedhof, ein architektonisches Kleinod.

Wolgast war Mitglied der Hanse, innerhalb dieses Städtebundes jedoch nie von größerer Bedeutung. Die durch die Residenz vermittelte Nähe des Landesherrn führte dazu, dass die Stadt nicht die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit anderer Städte dieser Zeit erreichen konnte.

16. bis 19. Jahrhundert mini|Wolgast Anfang 17. Jahrhundert auf der Lubinschen Karte mini|links|Belagerung von Wolgast mini|Wolgast 1761 Im Dreißigjährigen Krieg besiegten in der Schlacht bei Wolgast am 2. September 1628 die kaiserlichen Truppen unter Albrecht von Wallenstein die dänischen Verteidiger der Stadt unter König Christian IV. 1630 landete der schwedische König Gustav II. Adolf mit seiner Armee in Peenemünde, das zur Stadt Wolgast gehörte. Nach dem Tod des Königs erfolgte 1633 die Rückführung seines Leichnams nach Schweden von Wolgast aus.

Vom Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 bis zum Wiener Kongress 1815 gehörte die Stadt, wie das gesamte Gebiet Vorpommerns, zu Schwedisch-Pommern und wurde ab 1720 zur Grenzstelle der Oderein- und -ausfahrt, weil die Swineausfahrt versandet war. Wolgast profitierte von den Zoll- und Steuererhebungen. 1713 ließ der russische Zar Peter I. die Stadt im Großen Nordischen Krieg niederbrennen. Dabei wurden das Residenzschloss endgültig und große Teile der Stadt fast völlig zerstört. Das herzogliche Schloss verfiel nach den schweren Kriegsbeschädigungen und wurde als Baumaterial für innerstädtische Häuser und in mehreren Gutsorten zum Beispiel Wrangelsburg und Krebsow verwandt. Daher basiert das heutige Stadtbild von Wolgast in wesentlichen Teilen auf barocker Architektur, mit dem historischen Rathaus als herausragendem Beispiel, bei weitgehend mittelalterlichem Straßengrundriss. Zu den wenigen in diesem Brand nicht zerstörten und damit noch heute verbliebenen Resten gotischer Baukunst zählt die Kirche St. Petri.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu neuem Aufschwung durch Handel und Industrie. Es entstanden Speicher- und Handelshäuser. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts verfügten die in Wolgast vertretenen Reeder über 20 Handelsschiffe.

mini|Speicher von 1836 am alten Wolgaster Hafen Besonders sehenswert als gut erhaltene Fachwerkbauten waren die beiden großen Getreidespeicher am Stadthafen; einer von 1836. In ihnen sollen die letzten Steine des Schlosses verbaut sein. Der in unmittelbarer Nähe zur Peene-Werft stehende, 1843 für den Getreidegroßhändler August Wilhelm Homeyer errichtete Kornspeicher am Wolgaster Hafen wurde in der Nacht vom 6. zum 7. Juni 2006 durch Brandstiftung zerstört.

20. und 21. Jahrhundert 1899 und 1901 nahm die 1872 von Johannes Quistorp gegründete und inzwischen von seinem Sohn Martin Quistorp geführte Firma Pommerscher Industrie-Verein auf Actien zwei große Portlandzementfabriken in Wolgast in Betrieb, deren wichtigstes Rohmaterial per Schiff angelieferte Rügener Kreide war. Bis 1939 konnten sich die Wolgaster am Markt behaupten. Danach lag das Gelände bis 1945 brach. Es wurde von 1950 bis zur Wende von der Marine der DDR genutzt und ist heute Teil des Südhafen-Gewerbegebietes.

Den Zweiten Weltkrieg überstand Wolgast, bis auf die Sprengung der Peenebrücke im April 1945 durch die Wehrmacht, ohne nennenswerte Zerstörungen. Dies ist vor allem auf die kampflose Übergabe der Stadt am 30. April 1945 an die Rote Armee zurückzuführen.

Zu Zeiten der DDR wurde in der Stadt die Peene-Werft errichtet. Sie war auf Militärschiffbau ausgerichtet und hatte ca. 3500 Beschäftigte. Daneben wurde Wolgast zum Marinestützpunkt. Administrativ wurde Wolgast ab 1952 Kreisstadt des Kreises Wolgast im Bezirk Rostock. Die Einwohnerzahl stieg bis 1989 auf etwa 17.000.

mini|Fachwerkspeicher am Hafen (Kornspeicher), 1836 erbaut, 2006 durch Brandstiftung zerstört

Nach der politischen Wende wurden ab 1991 der historische Stadtkern und die Schlossinsel im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert. Durch Stadtumbau und Wohnumfeldverbesserungen wurden die benachbarten großen Wohngebiete saniert. Nach der Wiedervereinigung wurden die Marinestreitkräfte abgezogen. Seit Beginn der 1990er Jahre hat Wolgast deutlich an Einwohnern verloren. Grund dafür ist die Abwanderung in andere Bundesländer, aber auch die Stadtflucht in kleinere Umlandgemeinden.

Im Zuge der Kreisreform Mecklenburg-Vorpommern 1994 wurde der Kreis Wolgast zusammen mit den Kreisen Anklam und Greifswald-Land zum Landkreis Ostvorpommern zusammengefasst, dessen Kreissitz die Stadt Anklam war. Mit der Kreisgebietsreform Mecklenburg-Vorpommern 2011 wurde Wolgast Teil des Landkreises Vorpommern-Greifswald.

Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel Ort der Vielfalt.

Geschichte der Ortsteile Buddenhagen

Der Ort Buddenhagen wurde erstmals als buddenhaghen 1387 urkundlich erwähnt.

Hohendorf mini|hochkant|Kirche Hohendorf

Hohendorf wurde als Hogendorp 1319 erstmals urkundlich erwähnt.

Pritzier Pritzier wurde erstmals 1618 als Prißer in der Lubinschen Karte erwähnt. Bereits vorher war die Familie von Nienkerken (Neuenkirchen) Besitzer des Lehens, ab wann ist nicht verzeichnet. Deren letzter Erbe starb 1641. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde 1648 der schwedische Marschall Conrad Mardefelt durch königlich schwedische Dotation Herr von Gut Pritzier mit den Dörfern Hohendorf, Katzow und Netzeband. Schon 1653 verkaufte er an den schwedischen Feldmarschall Carl Gustaf Wrangel. Dies löste jedoch Streitigkeiten über die Besitzverhältnisse des Gutes während der Reduktion von 1694 aus. Die Wrangelschen Erben erhielten aber durch die Reduktionskommission den durch rechtmäßigen Kauf erworbenen Besitz zurück. 1720 starb mit Wrangels Enkelin die letzte Erbin, und so wurde das Gut landesherrliche Domäne. Der Ort Pritzier wurde ein Domänendorf und Gutssitz.

1865 hatte Pritzier 143 Einwohner in 22 Familien, an Gebäuden war vorhanden: 1 Schule, 11 Wohn- und 19 Wirtschaftsgebäude.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstenthums Rügen. IV. Teils Band II. Anklam 1868, S. 972 ff. für das Kirchspiel Hohendorf; .

Pritzier ist ein Gutsdorf mit Gut und Landarbeiterkatenzeile; vom Gut sind Reste vorhanden. Es wurde am 1. Juli 1950 nach Hohendorf eingemeindet.

Schalense