mini|hochkant=0.8|Stadtkirche St. Marien und Gemeindehaus Usedom ist eine Landstadt auf der gleichnamigen Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie gehört zum Landkreis Vorpommern-Greifswald und ist Verwaltungssitz des Amtes Usedom-Süd, dem weitere 14 Gemeinden angehören. Zur sprachlichen Abgrenzung von der Insel Usedom wird sie auch Stadt Usedom oder Usedom-Stadt genannt.
Geographie Die Landstadt liegt im südwestlichen Teil der gleichnamigen Insel, im so genannten Achterland, am Nordwestufer des Usedomer Sees, einer Bucht des Stettiner Haffs. Im Westen und Norden wird das Gebiet der Stadt vom Peenestrom begrenzt.
Die Stadt Usedom erfüllt nach den Kriterien bislang keine Zentrumsfunktion, das in der Raumplanung bestimmte nächstgelegene Grundzentrum ist das nordöstlich gelegene Heringsdorf, das nächste Mittelzentrum die südwestlich gelegene Hansestadt Anklam. – zentralörtliche Gliederung mit Ober-, Mittel- und Grundzentren, abgerufen am 12. Juli 2015
Stadtgliederung Zur Stadt Usedom gehören folgende Ortsteile:Hauptsatzung der Stadt Usedom, § 1 (PDF; 831 kB)
Usedom Gellenthin Gneventhin Karnin Kölpin Mönchow Ostklüne Paske Vossberg Welzin Westklüne Wilhelmsfelde Wilhelmshof Zecherin
Geschichte Stadt Usedom Name Der Name der Stadt Usedom leitet sich aus dem slawischen „uznam“ ab. „Uznoimia civitas“ wurde 1124/1125 von den Biografen des hier missionierenden Bischof Otto von Bamberg erstmals für die Stadt im Südwesten der Insel bezeugt.Herbord II, 39 Vielleicht liegt Uznoimia das slawische Wort znoj für Strom oder auch Mündung oder Umströmt zu Grunde. Der Name wandelt sich zu Uznam, Uznom (1175), Uznoim, Usdum hin zum Usedum im Jahr 1421.Ernst Eichler, Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1.
Mittelalter Die Region ist seit der Jungsteinzeit besiedelt und seit dem 8. bis 9. Jahrhundert durch Slawen. Der Fundkomplex am Schlossberg, der so genannte Bauhof brachte viele Belege einer befestigten Siedlung aus dieser Zeit. Auch weiter nordöstlich bei den Amtsmühlen gab es eine weitere Siedlung. Ein slawisches Gräberfeld wurde davon östlich nahe dem jetzigen Friedhof nachgewiesen. Seit dem 10. Jahrhundert stand auf dem heutigen Schlossberg eine slawische Burgsiedlung. Die „urbs Osna“ wurde um 1115/1119 von den Dänen unter König Niels zerstört. Das wurde auch ohne Datum in der Knytlinga c. 123 genannt. mini|hochkant=1.3|Ansicht 1611/15. Stralsunder Bilderhandschrift – Rechts mittig – Bauwiek, Rechts oben – Amtsmühlen mini|hochkant=1.3|Ansicht von 1652 nach Merian 1128 nahmen auf dem Usedomer Schlossberg die wendischen Edlen Westpommerns unter Druck durch Wartislaw I. das Christentum an, das Treffen wurde oft auch als erster Landtag von Wartislaws Herrschaftsgebiet bezeichnet.Prüfeninger Vita III, 4 Die Burg Usedom, Zentrum der „terra Wanzlow“, wurde urkundlich erstmals 1140 bei der Bestätigung des Pommerschen Bistums durch den Papst genannt. Eine Burg wurde um 1159 wieder aufgebaut und zugleich entstand eine planmäßige Stadt mit seinem Markt.
1155 wurde bei der Stadt das Kloster Grobe errichtet. In den Jahren 1173, 1177 und 1178 wurde Usedom erneut von Dänen unter König Waldemar I. erobert und zerstört.Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern. Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 535; .Saxo S. 892 und Knytlinga c. 125–126.
Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts war der Ort Usedom eine der Hauptresidenzen der Herzöge von Pommern, das belegen die vielen Urkunden, die sie dort ausführten. Später verlor er diese Bedeutung zugunsten von Wolgast und Stettin.
Im 13. Jahrhundert begann im Zuge der Ostkolonisation die deutsche Besiedlung von Usedom. Als vicus – also als Dorf – wurde Usedom 1240 und als oppidum dann 1267 erstmals erwähnt. Am 23. Dezember 1298 erhielt Usedom von Herzog Bogislaw IV. Lübisches Recht.
16. bis 19. Jahrhundert Im 16. und 17. Jahrhundert schuf die Stadt sich eine Ringmauer mit drei Stadttoren, von denen nur noch eines erhalten ist. Die Stralsunder Bilderhandschrift vermittelt ein gutes Bild der damaligen Stadt, diese war auch Vorbild für die Vignette auf der Lubinschen Karte von 1618. Bei Großfeuern 1475 und 1688 brannte die Stadt komplett nieder.
Nach dem Westfälischen Frieden im Jahr 1648 gehörte Usedom zu Schwedisch-Pommern, mit dem Frieden von Stockholm vom 1. Februar 1720 wurde die Stadt preußisch.
Nach dem Preußischen Urmesstischblatt von 1835 hat sich Usedom kaum nach außerhalb der Stadtmauer entwickelt. Lediglich entlang der nördlichen Straße zu den Amtsmühlen und zur südöstlichen Amtswiek entstanden kleinbäuerliche Ansiedlungen (Ackerbürger). Seit 1876 hat die Stadt einen Eisenbahnanschluss mit Bahnhof durch die Strecke Ducherow-Swinemünde. Auch die Stadt entwickelte sich jetzt weiter nach außen.
Ab dem 20. Jahrhundert Zu Beginn des 20. Jahrhunderts macht der Usedomer Bürgermeister Paul Trömel europaweit von sich reden. Im März 1913 verschwand er unmittelbar im Anschluss an eine Kreistagssitzung und tauchte einige Wochen darauf in Algier als Mitglied der französischen Fremdenlegion auf, was ein enormes Presseecho auslöste und zu abenteuerlichen Mutmaßungen Anlass gab. Im November 1913 kehrte er nach Deutschland zurück. Im Jahr 1914 erschien ein autobiographischer Kurzroman unter seinem Namen,Vom Bürgermeister zum Fremdenlegionär: Das Rätsel meines Lebens. Ein selbsterlebter Roman. (bibliografischer Nachweis bei der Deutschen Digitalen Bibliothek); aufgerufen am 16. August 2016. in dem er seine Erlebnisse schildert.
Im Verlauf der Eisenbahnlinie Ducherow–Swinemünde wurde 1932/33 die Hubbrücke Karnin errichtet, die 1945 kurz vor Kriegsende von Truppen der Wehrmacht auf dem Rückzug gesprengt wurde.
Die Innenstadt und das Rathaus wurden im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 grundlegend saniert.
Ortsteile Gellenthin Gellenthin wurde 1254 erstmals als „Gelendin“ urkundlich erwähnt. Der slawische Name wird als „Kinderpfleger“ oder „armer Schlucker“ gedeutet.
Gellenthin ist von der Form her ein Straßenangerdorf und von der Funktion her ein Bauerndorf, das aber eher kleinbäuerlich anzusehen ist. Es hat keine öffentlichen Gebäude und außer Busverbindung keinen Transportanschluss.
Gneventhin Gneventhin wurde 1218 erstmals urkundlich als „Gnewetyn“ erwähnt. Der slawische Name wird mit „Zorn“ gedeutet. Es wird bis zum 19. Jahrhundert wie das benachbarte Gellenthin oftmals in schriftlichen Nachweisungen genannt.
Gneventhin ist ein Haufendorf, aber ist eher großbäuerlich strukturiert. Die Gehöfte sind größere Dreiseithöfe, deren Struktur noch heute teilweise erkennbar ist. Auch dieser Ort hat außer Straßen keine erkennbare Infrastruktur. Zwei Höfe sind für „Ferien auf dem Bauernhof“ gelistet.
Am 1. Juli 1950 wurde Gneventhin nach Karnin eingemeindet.
Karnin mini|Karniner Brücke Karnin wurde 1267 erstmals urkundlich als „Carnyn“ genannt. Der slawische Name wird als „kleiner Wuchs“ gedeutet.
Kölpin Kölpin wurde 1589 und ab 1911 mit gleichem Namen genannt. Es ist nicht identisch mit dem Ort Kölpinsee, wobei die Namen eine ähnliche Herkunft haben. Der Name wird mit „Schwan“ gedeutet.
Weitere Angaben → siehe Regezow.
Mönchow mini|Kirche in Mönchow Der Ort Mönchow wurde 1168 erstmals als „Minichsow“ und „Minuchowe“ urkundlich genannt. Darin bestätigt Bischof Conrad II. dem Kloster Grobe seine Besitzungen. Der Name wird als „von Mönchen angelegt“ gedeutet.
Der Ort bestand aus einem Gehöft, das später zu einem Vorwerk ausgebaut wurde, und einer daneben liegenden Ziegelei. Der zugehörige Wohnort, bei dem sich auch die Kirche und der Friedhof von Mönchow und Karnin befand, lag weiter nordwestlich. Der Ort wurde 1920 „Kolonie Mönchow“ genannt, weil dort Siedler Land erhielten. Zu der Zeit war auch die Ziegelei eingegangen.
Ostklüne Ostklüne wurde erstmals 1756 als „Ost-Clüne“ genannt. Der slawische Name wird mit „Ast“ oder „Spitze“ gedeutet, bezogen auf die Landzungen an der „Kehle“, der Enge vom Peenestrom zum Usedomer See. Es ist aber nicht identisch mit der Wüstung Klüne, die etwa an der Stelle lag, die durch das Gut Wilhelmshof überbaut wurde.
1779 wurde das „Vorwerk Ostkluene“ genannt, es war wohl die Stelle, an der später die Ziegelei entstand.
1835 bestand der Ort laut PUM (Preußisches Urmesstischblatt) aus zwei Teilen, der Ziegelei – ca. 500 m östlich der „Kehle“ und dem Dorf direkt an der „Kehle“. Zwischen beiden Teilen lag der Friedhof weiter nördlich, er verschwand vor 1920. Neben der Ansiedlung am Wasser befand sich 1835 eine Lotsenstation und die Fährstelle nach Westklüne und Wilhelmshof. In der Kreiskarte von 1900 ist zwischen dem Friedhof und der Ziegelei eine Windmühle, die aber bereits 1920 verschwand. Die Lotsenstation wurde vor 1920 eingestellt und nach Westklüne wegen der besseren Erreichbarkeit verlegt. Bei der Uferansiedlung Ostklüne verblieb nur noch ein Hof, es war wohl die Fährstelle. Ebenfalls eingestellt wurde vor 1920 die Ziegelei und mit dem Gut überbaut.
Das Gut verschwand nach 1945 und wurde als Wohnsiedlung ausgebaut. Auch die Ansiedlung am Ufer der „Kehle“ wurde erweitert. Eine offizielle Fährverbindung besteht nicht, nur private Boote zur Überfahrt. Ansonsten muss der weitere Weg um den Usedomer See herum zur Stadt genommen werden.
Paske Paske wurde 1709 erstmals als „Pasch“ genannt. Das wird als „Waldlichtung“ oder „Bienengarten“ gedeutet. Der Ort liegt am nördlichen Ausläufer des Usedomer Sees gegenüber dem Stadtteil „Bauhof“ von Usedom. Es war nur ein kleines Bauern- und Fischerdorf und hatte die Form eines Sackgassendorfes. Erst um 1920 entstand weiter östlich ein Dorffriedhof und südöstlich am „Weißen Berg“ eine kleine Bootswerft. Am Ort war ein kleiner Hafen, von dem wohl eine kurzzeitige Kahn-Fährverbindung zur Stadt bestand.
Das Dorf und der Werftstandort waren nach 1945 unbedeutende Wohnplätze. Seit 2019 ist Paske durch eine Brücke mit dem ausgebauten Usedomer Hafen verbunden und Teil des touristischen Angebots der Stadt Usedom.
Vossberg Voßberg oder modern geschrieben Vossberg wurde erstmals 1906 im Ortsverzeichnis genannt. Der Ort liegt an der B 110 auf halber Strecke zwischen Zecheriner Brücke und Usedom (Stadt). Auch nach der Gründung war es noch 1920 nur ein einzelnes Gehöft.
Zu DDR-Zeiten wurde dort um 1974 ein Agrarkomplex (LPG) aufgebaut und für dessen Mitarbeiter entstanden Wohneinheiten und Eigenheime, die den Ort beträchtlich vergrößerten. Nach 1990 wurde der Komplex privatisiert, ausgebaut und modernisiert.
Welzin Die älteste urkundliche Erwähnung von Welzin als „Weltzyn“ aus dem Jahr 1267 gilt wie viele des Klosters Grobe als gefälscht. So ist die Urkunde von 1286 mit der Nennung als „de Welzhin“ die wirklich erste. In ihr gab Herzog Bogislaw IV. dem Kloster Grobe einige Dörfer und Gerechtigkeiten. Dabei traten ein Wisco und ein Johannes de Wilzhin als Zeugen auf. Der slawische Ortsname wird als „vergrößert“ oder „gepriesen“ gedeutet.
Nach der Besitzstandskarte von 1530 ist der Landstreifen von Welzin nach Norden dem Kloster Pudagla zugehörig.
Welzin liegt südöstlich der Stadt Usedom zwischen dem Usedomer See und dem Haff. 1835 war der Ort ein kleines Angerdorf von Bauern und Fischer mit einer Ziegelei am Ufer zum Haff. Bis 1920 hatte sich die Ansiedlung kaum verändert, lediglich die Ziegelei war aufgegeben und dort ein Wohnplatz entstanden. Die Bauerngehöfte bekamen eine klare Struktur als Drei- und Vierseithöfe.
Auch zu DDR-Zeiten veränderte sich die Struktur kaum, lediglich die Wirtschaftsbauten wurden weniger, da die Bauern nach 1960 der LPG angehörten und kaum noch private Wirtschaft bestand. Der Tourismus berührte und berührt die Gegend kaum.
Westklüne