mini|Vorführung im Planetarium Reims Planetarium (griechisch-lateinisch für „Planetenraum“In seiner ursprünglichen Verwendung; siehe Planetarium. In: ) bezeichnete ursprünglich ein Gerät zur Veranschaulichung des Planetenlaufs. Bis zum 19. Jahrhundert verstand man darunter einen kleinen mechanischen Apparat, den man inzwischen als „Orrery“ bezeichnet. Unter dem modernen Planetarium versteht man heute ein Gebäude mit einer halbkugelförmigen Kuppel, auf deren Innenfläche Bilder des Sternenhimmels von einem speziellen Projektor erzeugt werden. Diese Art Planetarium bezeichnet man als Projektionsplanetarium. Zu den wesentlichen Merkmalen gehört, dass der Projektor die Tages- und Jahresbewegungen zu einer beliebigen Zeit und für einen beliebigen geographischen Ort darstellen kann. Als Erfinder des modernen Projektionsplanetariums gilt der Physiker Walther Bauersfeld, der es 1919 im Auftrag von Carl Zeiss Jena entwickelte und baute. Das Projektionsplanetarium ist nicht mit einer Sternwarte zu verwechseln. Ersteres erzeugt einen simulierten Sternenhimmel, während man in einer Sternwarte die realen Himmelsobjekte beobachten kann.

Ein weiteres Instrument zur Beobachtung von realen Himmelsobjekte und zum Identifizieren derselben ist das Handplanetarium, ein kleiner, in der Hand gehaltener Computer mit GPS-Empfänger, Lagesensoren und Visiereinrichtung. Mit dem Handplanetarium werden Himmelsobjekte wie Sterne und Planeten am realen Sternenhimmel angepeilt, das Handplanetarium identifiziert die Objekte und gibt weitere audiovisuelle Informationen über Kopfhörer und Display.

Statistik mini|hochkant|Zeiss-Planetarium Jena Der Planetariumsprojektor Model I der Firma Carl Zeiss wurde am 7. Mai 1925 im weltweit ersten permanent betriebenen modernen Projektionsplanetarium im neu eröffneten Sammlungsbau des Deutschen Museums auf der Münchner Museumsinsel in Betrieb genommen und ist bis heute als Exponat im Deutschen Museum erhalten. Das Zeiss-Planetarium in Jena (D) ist seit dem 18. Juni 1926 bis heute in Betrieb.Die Weltenmaschine. ISBN 978-3-9811120-2-3, S. 145–146 Jährlich besuchen mehr als 100 Millionen Besucher ein Planetarium. Weltweit gibt es über 3200 Projektionsplanetarien,Stand: Ende 2006; Quelle: LochNessProductions doch diese Zahl ist vermutlich zu niedrig, da viele Schulplanetarien hauptsächlich intern genutzt werden und kaum Informationen über sie vorhanden sind. In den USA sind mindestens 1500 Planetarien bekannt. Die größten und modernsten Häuser stehen in China mit dem Shanghai Astronomy Museum (30 Meter äußerer Kuppeldurchmesser), in Japan mit dem Nagoya City Science Museum (35 m Kuppeldurchmesser) sowie in Russland mit dem Planetarium Nr. 1 (37 Meter Kuppeldurchmesser).

Europa In Europa sind über 450 Planetarien gelistet,Liste der Planetarien in und , im Original abgerufen am 5. Juli 2008 wobei eine unbekannte Anzahl von Zeltplanetarien enthalten ist. Die größten europäischen Bauten mit mehr als 23 m Kuppeldurchmesser befinden sich in: Brüssel (BE), Prag (CZ), Jena (DE), Kopenhagen (DK), Valencia (ES), Athen (GR), Budapest (HU), Chorzów (PL), Lissabon (PT), Moskau (RU), Sankt Petersburg (RU), Stockholm (SE) und Kiew (UA).

Deutschland, Österreich, Schweiz

mini|hochkant|Planetarien in Deutschland mini|Carl-Zeiss-Planetarium Stuttgart In Deutschland gibt es ca. 100 Planetarien (Stand: 30. Juni 2007).

In Österreich gibt es ein Großplanetarium in Wien (Wiener Planetarium), ein Mittelplanetarium in Klagenfurt und drei Kleinplanetarien (Judenburg, Schwaz und Wien). Als erstes Planetarium weltweit erhielt das Zeiss Planetarium Schwaz am 11. September 2006 eine Ganzkuppelvideoanlage des Typs Spacegate Quinto. (im Original abgerufen am 13. September 2009) Am 8. November 2006 wurde in Judenburg mit dem „Sternenturm“ ein weiteres Full-Dome Planetarium eröffnet. Das neueste Planetarium Österreichs ist das digitale Planetarium im Naturhistorischen Museum in Wien. Es wurde im September 2014 aus Anlass des 125-Jahre-Jubiläums des Museums eröffnet und ist ein Full-Dome Planetarium neuester Generation. Das Kleinplanetarium in Königsleiten, das höchstgelegene Planetarium Europas, wurde im Frühjahr 2016 endgültig geschlossen.Susanne M. Hoffmann: Planetarium-Sternwarte Königsleiten endgültig geschlossen. Artikel im Blogportal SciLogs vom 11. Mai 2016. Abgerufen am 9. Dezember 2017. Dezember 2017 startete die Astronomin und Wissenschaftsvermittlerin Ruth Grützbauch in Wien per Lastenfahrrad das mobile, aufblasbare Pop-Up-Planetarium Public Space mit 5 m Durchmesser für bis zu 30 Kinder und besucht damit Schulen, Kindergärten und Veranstaltungen.Aufblasbares Planetarium auf Tour orf.at, 12. Februar 2018, abgerufen am 19. Februar 2018.Sternenhimmel für alle: Das Pop-up Planetarium „Public Space“ scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, 14. Dezember 2017, abgerufen am 19. Februar 2018.

In der Schweiz besitzt das Verkehrshaus in LuzernVerkehrshaus in Luzern ein 18-m-Großplanetarium, die Stadt KreuzlingenPlanetarium und Sternwarte Kreuzlingen ein Planetarium mit einer 10-m-Kuppel. Weiterhin existieren noch fünf Kleinplanetarien. In Sion wurde im Herbst 2018 ein neues Kleinplanetarium eröffnet.Planétarium Sion - Valais. Seite des Planetariums Sitten im Wallis (frz.).

Im Jahr 2011 wurde die Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien e. V. gegründet, als Nachfolgeorganisation des zuvor nur informell existierenden Rates deutscher Planetarien sowie der Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Planetarien. Die jährlich im April/Mai stattfindende GDP-Tagung gilt als eine Art Branchentreffen der Planetarien sowie der in diesem Bereich tätigen Firmen. Innerhalb der GDP gibt es mehrere Arbeitsgruppen, die sich mit speziellen Themen befassen, z. B. Planetariumsdidaktik und Planetariumsleitungen. Die nächste Tagung der GDP findet 2025 in Halle (Saale) statt.

Mobile Planetarien, Heimplanetarien mini|Mobiles Planetarium Neben den stationären Planetarien mit ihren großen Apparaten und entsprechend großen und massiven Kuppeln gibt es auch eine Reihe von kleinen und mobilen Lösungen. Ein mobiles Planetarium besteht i. d. R. aus einem Projektionsgerät und einer aufblasbaren Kuppel. Es kommen Kuppelgrößen von etwa 2,5 bis 8 Metern Durchmesser zum Einsatz. Beim Projektor gibt es viele verschiedene Ansätze. Bei rein optischen Geräten wird meist nur der Sternenhimmel abgebildet, hier manchmal sogar nur für eine Hemisphäre. Aber auch recht komplexe Geräte mit Sonnen-, Mond- und Planetenprojektoren gibt es. Was all diesen Geräten fehlt ist jedoch die automatische Steuerung dieser Zusatzprojektoren. Unterstützt durch die rasante Entwicklung von Computern und Digitalprojektoren (sog. Beamer) hat sich in letzter Zeit auch das digitale Planetarium etabliert. Es können alle Aspekte des Sternenhimmels erlebt und erklärt werden, also Planetenbewegungen, Finsternisse, Durchgänge usw. Dies erfolgt größtenteils mit kurzen sogenannten Fulldome-Videoclips.

Eine neue Generation von portablen Planetarien wird von dem japanischen Planetariumsbauer Takayuki Ohira entwickelt. Seine Planetarien finden auf Veranstaltungen wie z. B. der Aichi World Expo 2006 ihre Anwendung. Neben den professionellen Linien Astroliner und Megastar brachte Takayuki Ohira im August 2006 in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Sega Toys unter dem Namen Sega Homestar das erste Heimplanetarium auf den Markt. Im Handtaschenformat projiziert es für den Hobbybereich einen realistischen Sternenhimmel von bis zu 60.000 Sternen an die Zimmerdecke oder Wand. Die Genauigkeit und Programmierbarkeit eines professionellen Projektionsplanetariums kann mit einem solchen deutlich günstigeren Heimgerät nicht erreicht werden.

Größere Projektoren werden in mobilen „aufblasbaren“ Planetarien eingesetzt. Diese bestehen aus einem runden Kuppelzelt, in dem durch ein Gebläse ein leichter Überdruck erzeugt wird, der es aufrecht hält. Besucherzahl bis ca. 75 Personen (10-m-Kuppel), die meist auf Kissen sitzen. Der Projektor steht teils in der Mitte der Kuppel. Manchmal auch am Rand (z. B. bei Projektor mit 1/4 Kugelspiegel). Solche Planetarien werden meist von Personen betrieben, die sich und ihr Planetarium für Einsatz in Schulen und bei Veranstaltungen aller Art buchen lassen (Firmenfeste, Jubiläen, Werbeveranstaltungen...) .

Ein Planetarium, das nicht auf einen Saal mit kuppelförmiger Decke angewiesen ist, ist das Planetarium Zürich. Der Blick in den Sternenhimmel wird von computergesteuerten Projektoren auf eine Leinwand projiziert.

Ausstattung und Technik

Auditorium und Kuppel alt=Kuppelsaal eines Planetariums mit unidirektionaler Sitzanordnung. In der Mitte befindet sich das Projektionssystem, bestehend aus einem Sternprojektor und einer Fulldome-Video-Anlage.|mini|218x218px|Planetariumskuppel mit unidirektionaler Sitzanordnung. In vielen Städten gibt es öffentliche Planetarien mit Präsentationen für alle Altersgruppen. Ähnlich wie im Kino nimmt der Zuschauer dabei auf einem Sitz im Kuppelinnenraum Platz. Um eine gute und ergonomische Rundumsicht auf den künstlichen Sternenhimmel an der Kuppel zu gewährleisten, sind die Sitze darunter oft drehbar angeordnet. Die klassische Sitzanordnung besteht aus konzentrischen Sitzreihen rund um den zentralen Sternenprojektor. Bei neueren Bauten wird immer öfter auch eine dem Kino ähnelnde, unidirektionale Sitzordnung installiert. Oft wird die Kuppel dabei um bis zu 30° geneigt, wodurch bei filmischen Vorführungen auch Teile des Bodens zu sehen sein können, ohne dass das Bild verzerrt oder gekippt werden muss. Die Kuppel selbst besteht meist aus gebogenem Metallblech. Wie eine Kino-Leinwand kann sie perforiert sein, um durchlässig für den Schall von dahinter liegenden Lautsprechern zu sein.

Sternenprojektor mini|Planetariumsprojektor von Carl ZeissUnser heutiges Bild eines Planetariums-Projektors wird geprägt von optomechanischen Geräten in Kugel- oder Hantelform in der Mitte der Kuppel. Kern des Systems sind die Sternfeld-Projektoren. Ältere Geräte stellen die Sterne durch Lochblenden dar, neuere Generationen von Carl Zeiss arbeiten mit Glasfaser-Technik. Veränderliche Objekte wie Sonne, Mond und Planeten werden durch zusätzliche Projektoren erzeugt. Damit lässt sich die Gestalt des Sternenhimmels und auch die scheinbare Bewegung der Sterne und Planeten zueinander, über den Tag, über Jahre oder Jahrhunderte darstellen. Durch Drehung um die Hauptachse lässt sich die Tageszeit bzw. die geografische Länge des Standortes verändern, durch Neigung um eine horizontale Achse kann die geografische Breite bestimmt werden. Weitere Projektoren können die Sternbilder und deren Namen, die Milchstraße und andere nebelartige Objekte darstellen.mini|Moderner Zeiss-Planetariumsprojektor Universarium Modell IX

Als modernster Sternenprojektor der Welt gilt das Modell IX „Universarium“ von Carl Zeiss Jena. Das erste Modell in Europa dieser Art wurde im Jahr 2000 im Bochumer Planetarium installiert. Nach Stuttgart im Jahr 2001 wurde 2002 auch im Wiener Planetarium und in Mannheim das Universarium eingerichtet, 2003 folgte das Planetarium Hamburg, 2016 Berlin. Das Zeiss-Planetarium Jena wurde im Oktober 2006 mit einer Ganzkuppel-Laserbild-Projektionsanlage („All Dome Laser Image Projection“) ausgestattet, wie sie auch im Pekinger Planetarium eingesetzt wird. Diese projiziert ein nahtloses Kuppelbild mit einer erheblich verbesserten Farb- und Kontrastdarstellung.

Im Planetarium Hamburg und im Mediendom Kiel wird erstmals in Deutschland auch eine 360°-Video-Projektion mit dem System Digistar 3 des Unternehmens Evans & Sutherland eingesetzt. Dieser Simulator ermöglicht erstmals eine freie Visualisierung komplexer Inhalte über die Astronomie hinaus.

Dia-Projektoren