mini|hochkant=1.3| Die Hansestadt Anklam ist eine amtsfreie Kleinstadt im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die Stadt ist eines der 18 Mittelzentren des Landes.
Anklam wird aufgrund seiner Lage wie das nördlicher gelegene Wolgast auch als „Tor zur Insel Usedom“ bezeichnet und ist bekannt als Geburtsort des Luftfahrtpioniers Otto Lilienthal., Organisation zum Erhalt regionaler Strukturen, Zitat: „Anklam – Hansestadt, Tor zur Insel Usedom und Stadt des Flugpioniers Otto Lilienthal“, abgerufen am 3. November 2014.
Geographie Lage Die Stadt liegt am Fluss Peene, etwa sieben Kilometer vor dessen Mündung in den zur Ostsee fließenden Peenestrom, einen der drei Oderhaff-Ausflüsse. Östlich von Anklam, nahe dem Ortsteil Zecherin der Stadt Usedom, befindet sich mit der Zecheriner Brücke eine von zwei Straßenbrücken über den Peenestrom auf die Insel Usedom (die westliche Verbindung ist die Peenebrücke Wolgast). Anklam ist in den deutsch-polnischen Verflechtungsraum der Metropole Stettin eingebunden., Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung MV, abgerufen am 4. November 2014.
Das Peenetal ist das größte zusammenhängende Niedermoorgebiet Mitteleuropas und seit 2011 als Naturpark Flusslandschaft Peenetal ausgewiesen. Innerhalb dieses Naturparks bestehen mehrere Naturschutzgebiete; in unmittelbarer Näher der Stadt sind dies das 1461 ha große Naturschutzgebiet Anklamer Stadtbruch sowie das 1500 ha große Naturschutzgebiet Unteres Peenetal (Peenetalmoor).
Stadtgliederung Zur Stadt Anklam gehören folgende Ortsteile:Hauptsatzung der Hansestadt Anklam, § 13 (PDF; 1006 kB) Gellendin Pelsin Stretense
Geschichte Namensgeschichte mini|Ansicht von 1618 von Eilhard Lubin, auf der auch eine Brücke zum Burgtor zu sehen ist Die erste urkundliche Nennung Anklams erfolgte 1243 mit Tachlim, es folgen dann 1256 Thanglim und 1264 Tanchlim. Das T fiel erstmals 1284 weg, als der Ort Anclim und 1285 Anclem genannt wurde. Danach sind sehr viele urkundliche Schreibungen bekannt mit wechselnden Namen. Erst nach 1524 sind nur noch Schreibungen ohne T, aber mit Wechsel zwischen c und k aufgeführt. Der Name wird auf die slawische Wortbedeutung „Am Hügel“ zurückgeführt, was auf die Lage des Ortes hinweist.Manfred Niemeyer: Ostvorpommern. Quellen- und Literatursammlung zu den Ortsnamen. Band 2: Festland (= Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde, Band 2). Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Greifswald 2001, ISBN 3-86006-149-6. S. 5 ff.
Die nachfolgende ältere Darstellung (Gengler) ist nicht vom Pommerschen Urkundenbuch gedeckt und die stereotype Namensdeutung Eichlers mit Personennamen ist mit Urkunden nicht belegbar:
Der Name des Ortes stammt aus dem altpolabischen Sprachraum von Tąglim, dem slawischen Lokator der Stadt. 1243 wird ein Stadtvogt von Tanchlim benannt. 1247 erfolgt die Nennung als Tanchlym, 1251 und 1264 als Tanchlim, 1280 und 1283 als Tanglim und 1272 als Tanclam. 1283 fällt mit Anclem erstmals der t-Anlaut weg. 1321 erfolgt erstmals die Nennung Anklam,Ernst Eichler: Städtenamenbuch der DDR. Leipzig 1988, S. 41. parallel erscheint jedoch im selben Jahre nochmals Danglyn. Bis 1902 war die Schreibweise Anclam üblich.
Seit 1990 trägt die Stadt wieder den Namenszusatz Hansestadt.
Frühzeit bis Mittelalter mini|hochkant|Arabische Münzen aus der Zeit um 820, Archäologisches Freilichtmuseum Groß Raden mini|hochkant|Steintor, ein Wahrzeichen Anklams mini|Rathaus um 1840 Aus der Jastorf-Kultur ist eine Besiedlung der Region durch Germanen im 1. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen. Im 7. und 8. Jahrhundert wanderten Slawen in das Peeneurstromtal ein und errichteten im Bereich des heutigen Pferdemarktes im 8. oder 9. Jahrhundert eine erste Siedlung.
Die Slawen wurden nach und nach durch Herzog Ratibor I. und Bischof Adalbert von Pommern christianisiert, die hierzu am 3. Mai 1153 das Kloster Stolpe an der Peene gründeten. Zur gleichen Zeit hatte sich die Region im angrenzenden Groswin zu einem bedeutenden Fernhandelsplatz entwickelt. Dies zog weitere Siedler aus Flandern an, die im 12. Jahrhundert einen Marktflecken gründeten.Gerhard Becker: Sie legten Plätze und Straßen wie die Wollweberstraße sowie den Markt an. Die Anklamer Marienkirche und der sie umgebende Siedlungsbereich waren bereits Anfang des 13. Jahrhunderts vorhanden, wie durch archäologische Ausgrabungen nachgewiesen werden konnte.Joachim Wächter: Zur Geschichte der Besiedlung des mittleren Peeneraums. In: Beiträge zur Geschichte Vorpommerns: die Demminer Kolloquien 1985–1994. Thomas Helms Verlag, Schwerin 1997, ISBN 3-931185-11-7, S. 336 f. Anklam wurde 1243 erstmals als oppidum und 1264 erstmals als civitas (Stadt) erwähnt. Die Bezeichnung eines Zeugen in der Urkunde von 1243 als Schultheiß (scultetus) aus Anklam lässt vermuten, dass hier zu dieser Zeit Stadtrechte bestanden, wahrscheinlich das Magdeburger Recht galt. Auch die Ersterwähnung des heutigen Ortsteils Stretense fällt ins Jahr 1243.
Doch die Stadtrechtsentwicklung nahm eine andere Richtung. Herzog Barnim I. belehnte Anklam 1244 mit dem Lübischen Stadtrecht. Drei Jahre später verlieh er der Stadt weitreichende Privilegien wie beispielsweise die Zollfreiheit und das Recht, Fischerei zu betreiben. 1264 erweiterte er die Rechte und die Einwohner konnten auf allen angrenzenden Gewässern freie Schifffahrt betreiben. Die Stadt erlebte daraufhin einen wirtschaftlichen Aufschwung und trat 1283 der Hanse bei. 1292 erhielt sie endgültig das Lübische Stadtrecht. Der frühe Beitritt Anklams zur Hanse und der Reichtum der Stadt zur damaligen Zeit sind mit dem umfangreichen Heringshandel in der Stadt zu erklären. Die Fischer hatten seit 1338 von König Waldemar von Dänemark das dänische Privileg erhalten, vor Schonen und später vor Bornholm ungehindert zu fischen. Eine Bruderschaft vertrat ihre Interessen (Bornholmer Burse). 1295 gelangt Anklam zum Herzogtum Pommern-Wolgast. Ab 1304 bemühten sich die Augustiner-Eremiten um die Gründung eines Klosters in Anklam. 1310 bewilligte die Bürgerschaft deren Ansinnen unter strengen Auflagen. Kurz darauf beförderte auch der Pommernherzog die Ansiedlung des Konvents. Infolge der Reformation traten die verbliebenen Mönche 1530 ihren Besitz an die Stadt ab. Nach dem Tod des letzten Mönches 1545 wurde das Kloster 1561 abgebrochen. 1325 erhielt die Stadt das Münzrecht.
Bis ins 14. Jahrhundert waren auch Juden in Anklam ansässig. Zwischen 1348 und 1393 kam es aus unbekannter Ursache zu einem Pogrom, bei welchem Juden verbrannt wurden. Für Jahrhunderte durften sich Juden hier nicht mehr niederlassen. 1377 brannte die Stadt bis auf die Marienkirche und einige Häuser in deren Umgebung völlig ab, doch wurde die Stadt innerhalb weniger Jahre wieder aufgebaut. Am 16. September 1384 breitete sich eine ähnlich katastrophale Feuersbrunst von der Badestraße über die gesamte Stadt aus. Wiederum wurden nur die Marienkirche und einige angrenzende Häuser von den Flammen verschont.
Bereits im Stadtgründungsjahrhundert, dem 13. Jahrhundert, wird auf dem Anklamer Marktplatz ein repräsentatives Rathaus angelegt. Das gotische Bauwerk hatte eine imposante Größe von etwa 40 × 14 Meter und wurde nach Schäden durch Krieg, Brand und Vernachlässigung immer wieder aufgebaut bzw. repariert. Die Spuren der Zeit waren an diversen gotischen und renaissancezeitlichen Fassadenüberformungen ablesbar – selbst die großen gotischen Schaugiebel entstammten unterschiedlichen Bauphasen. 1549 erhielt das Rathaus einen Turm (Dachreiter). 1841/42 wurde das Gebäude zusammen mit der restlichen Marktbebauung abgerissen.
1387 versuchten die Handwerker im „Fischer-Aufstand“ vergeblich, dem Magistrat eine Mitsprache abzuringen. Der Bürgermeister Hartwig Thobringe und sämtliche Ratsherren wurden erschlagen. Den Anlass hatte ein Streit über die Größe von Messgefäßen beim Fischhandel gegeben.
Zwischen 1370 und 1461 war Anklam in eine Auseinandersetzung mit dem auf der Burg Spantekow ansässigen Adelsgeschlecht der Schweriner verwickelt. In diesem Zeitraum wurden sieben Fehden ausgetragen, von denen die letzte von 1458 bis 1461 besonders erbittert geführt wurde und in der Schlacht von Drewelow gipfelte. 1412 wurde der südöstlich von Anklam gelegene Hohe Stein, einer von ursprünglich vier Kontrollpunkten der Landwehr, erstmals erwähnt. Die Landwehr umschloss ein etwa 24 Quadratkilometer großes Stadtfeld, welches sich in das Alte und das Neue Feld gliederte. 1424 vernichtete ein erneuter Brand die gesamte Stadt.
Als die Hanse 1427 gegen Dänemark in den Krieg zog, weigerte sich die Stadt zum zweiten Mal daran teilzunehmen. Dafür wurde sie zwar zeitweise aus der Hanse ausgeschlossen, die Beziehung zu Dänemark wurde jedoch dauerhaft so gut, dass der Einspruch des dänischen Königs Anklam von 1713 davor bewahrte, von den Russen niedergebrannt zu werden. 1448 wurde das Armenhaus auf Initiative des Bürgermeisters Arnd Kölpin zu einer Stiftung erweitert, die bis in das 20. Jahrhundert Bestand haben sollte. 1451 bauten die Tuchmacher ihr im 21. Jahrhundert noch erhaltenes gotische Giebelhaus. 1462 wurde erstmals der Pulverturm erwähnt. 1525 zerstörte ein Feuer das Rathaus. Fünf Jahre später übergaben die Augustinermönche das Kloster in die Obhut der Stadt.
1535 zog die lutherische Reformation in die Stadt ein. Damit ging auch die Einführung einer neuen Kirchen- und Schulverfassung einher. Je zwei Geistliche waren fortan an den beiden Pfarrkirchen tätig. Der Schulunterricht wurde an den Nikolaikirchhof verlegt, während die zweite, die „deutsche Schule“ unter die Leitung des Schreib- und Rechenmeisters gestellt wurde. In dieser Schule mussten die Eltern der Kinder ein Schulgeld entrichten. 1555 gründete ein „Meister Adam“ die erste „Ratsapotheke“, dennoch starb 1565 etwa ein Drittel der Bevölkerung an der Pest.
Bis zum Dreißigjährigen Krieg ermöglichte die Anklamer Wirtschaftskraft ehrgeizige technische Projekte wie die Anlage einer Wasserkunst. Die 1580 von Hans Fritzken aus Wismar ausgeführte Fernwasserversorgung mit doppelten Holzröhren führte von Jargelin bis auf den Anklamer Marktplatz. Die ca. vier Kilometer lange und etwa fünf Höhenmeter überbrückende Leitung hatte eine Leistung von 1000 Biertonnen Wasser pro Tag.
17. bis 18. Jahrhundert mini|Titelblatt einer Stadtbeschreibung von 1773 1605 brach erneut die Pest aus, der dieses Mal rund 1.400 Einwohner zum Opfer fielen. Vom 17. bis ins frühe 19. Jahrhundert wurden die Stadt und ihre Bürger immer wieder mit Kriegen überzogen.
Während des Dreißigjährigen Krieges fielen von 1627 bis 1629 kaiserliche Truppen mordend, plündernd und brandschatzend in Anklam ein. 1600 Einwohner kamen ums Leben. 1637, mit dem Tod Bogislaws XIV., geriet die Stadt in einen erneuten Konflikt zwischen Schweden und Preußen. Schwedische Truppen besetzten die Stadt und wurden von kaiserlichen Truppen vertrieben. Sie plünderten jedoch die Stadt erneut aus und vernichteten dabei auch die Bauernschaften in den umliegenden Dörfern wie Pelsin, Gellendin, Woserow, Bargischow oder Gnevezin. Das Kloster Stolpe wurde ebenfalls zerstört. Hinzu kam, dass die Soldaten erneut die Pest in die Stadt brachten und wiederum 1400 Einwohner starben.
Durch den Westfälischen Frieden von 1648 wurde Anklam schwedische Grenz- und Garnisonsstadt. Zwei Jahre später erfolgte der Wiederaufbau der Nikolaikirche. Die Schweden lieferten das Kupfer für das Dach, im Gegenzug zahlte die Stadt 73.000 Taler für die Versorgung der schwedischen Truppen. Während des Zweiten Nordischen Krieges fielen im Jahr 1657 die Polen in Anklam ein. Im Jahr 1659 brannte es erneut in der Stadt. Rund 100 Häuser im Nordwestteil der Stadt wurden zerstört, darunter auch die Heilig-Geist-Kirche.