Die westfälischen Dialekte (westfälisch Westfäölsk) bilden eine Dialektgruppe innerhalb des Niederdeutschen.

Binnengliederung des Westfälischen mini|340px|Das Westfälische wird in der Regel unterteilt in1. Ostwestfälisch,2. Südwestfälisch,3. Münsterländisch,4. Westmünsterländisch,Je nach Definition werden noch hinzugerechnet:5. Achterhoeks,10. Twents.11. Grafschafter Platt,12. Emsländer Platt,13. Westerwolds.Niedersächsische Dialekte in den Niederlanden, die aus deutscher Sicht nicht zum Westfälischen gezählt werden, sind:6. Veluws7. Sallands8. Stellingwerfs9. Drents.

Innerhalb dieser Dialektgruppe unterscheidet man grob in der Regel vier Mundartgruppen. Dies sind:Hans Taubken: Niederdeutsche Sprache – westfälische Mundarten, 2007; auf der Seite der Geographischen Kommission für Westfalen – Westfalen Regional (WP), Teil des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) (WP)Zur Binnengliederung des Westfälischen:Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsch - Sprache und Literatur. Band 1: Sprache. Neumünster 1983, S. 14 f., S. 142 f., S. 162. Hans Taubken: Niederdeutsche Sprache - Westfälische Mundarten auf der Seite Geographische Kommission für Westfalen – Westfalen Regional – Die geografisch-landeskundliche Online-Dokumentation über Westfalen, abgerufen am 17. September 2018. Robert Damme, Jan Goossens, Gunter Müller, Hans Taubken: Niederdeutsche Mundarten. In: Geographisch-landeskundlicher Atlas von Westfalen. Themenbereich V: Kultur und Bildung. Lieferung 8, Doppelblatt 1, Münster 1996. Digitalisat. Eingefärbt sind hier nur Gebiete, die zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe gehören. das Münsterländische,Markus Denkler: Das münsterländische Platt. (= Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens (Hrsg.): Westfälische Mundarten, Band 1). Münster 2017 ISBN 978-3-402-14344-5; William Foerste: Das Münsterländische. In: Niederdeutsches Wort. Band 3, 1963, S. 29–36. das sich vom Südwestfälischen durch eine andere Entwicklung des aus urgermanisch *au entwickelten offenen langen, zur Unterscheidung ō² geschriebenen, 'o' unterscheidet, so dass es münsterländisch Brod, südwestfälisch Broud oder Braud und standarddeutsch Brot heißt,Robert Damme, Jan Goossens, Gunter Müller, Hans Taubken: Niederdeutsche Mundarten. In: Geographisch-landeskundlicher Atlas von Westfalen. Themenbereich V: Kultur und Bildung. Lieferung 8, Doppelblatt 1, Münster 1996. Digitalisat. Eingefärbt sind hier nur Gebiete, die zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe gehören; William Foerste: Das Münsterländische. In: Niederdeutsches Wort. Band 3, 1963, S. 29–36. das Ostwestfälische, das vom Münsterländischen und Südwestfälischen durch die Linie getrennt wird, östlich derer das ē² sich in verschiedene Laute aufgespalten hat (in der Regel ai und äi),Robert Damme, Jan Goossens, Gunter Müller, Hans Taubken: Niederdeutsche Mundarten. In: Geographisch-landeskundlicher Atlas von Westfalen. Themenbereich V: Kultur und Bildung. Lieferung 8, Doppelblatt 1, Münster 1996. Digitalisat. Eingefärbt sind hier nur Gebiete, die zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe gehören; Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsch - Sprache und Literatur. Band 1: Sprache. Neumünster 1983, S. 145 f., 147, Karte 5. das Südwestfälische, das sich vom Münsterländischen durch eine andere Entwicklung des aus urgermanisch *au entwickelten offenen langen, zur Unterscheidung ⟨ō²⟩ geschriebenen, o unterscheidet, so dass es südwestfälisch Broud oder Braud, münsterländisch Brod und standarddeutsch Brot heißt,Robert Damme, Jan Goossens, Gunter Müller, Hans Taubken: Niederdeutsche Mundarten. In: Geographisch-landeskundlicher Atlas von Westfalen. Themenbereich V: Kultur und Bildung. Lieferung 8, Doppelblatt 1, Münster 1996. Digitalisat. Eingefärbt sind hier nur Gebiete, die zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe gehören; William Foerste: Das Münsterländische. In: Niederdeutsches Wort. Band 3, 1963, S. 29–36. und das Westmünsterländische,Ludger Kremer: Das westmünsterländische Sandplatt. (= Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens (Hrsg.): Westfälische Mundarten, Band 2). Münster 2018, ISBN 978-3-402-14345-2. das sich gegenüber dem Münsterländischen und Südwestfälischen durch das Fehlen der Westfälischen Brechung (s. u.) auszeichnet. Dafür stimmt dieser westfälische Dialekt bezüglich seiner Lautentwicklung der mittelniederdeutschen ē- und ō-Laute vielfach mit den angrenzenden niederfränkischen (und niederländischen) Dialekten überein.Hermann Niebaum, Jürgen Macha: Einführung in die Dialektologie des Deutschen. 2., neubearbeitete Auflage, Max Niemeyer Verlag 2006, Reihe: Germanistische Arbeitshefte, Heft 36, Kapitel „Wiege und Schwerpunkte der deutschen Dialektologie – Dialekteinteilung“, S. 87

Eine feinere Gliederung unterscheidet:Peter Wiesinger: Die Einteilung der deutschen Dialekte. In: Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung, herausgegeben von Werner Besch, Ulrich Knoop, Wolfgang Putschke, Herbert Ernst Wiegand, 2. Halbband, Walter de Gruyter, Berlin / New York, 1983, S. 807–900, Abschnitt 3.4.1. Das Westfälische (Karte 47.13) auf S. 872–874, hier insb. S. 873 f. östliches Westfälisch Waldeckisch Paderbörnisch Lippisch Ravensbergisch Osnabrückisch-Tecklenburgisch westliches Westfälisch im Süden: Sauerländisch Soestisch Märkisch im Norden: Münsterländisch Gebiet um Lingen/Ems Westmünsterländisch Grafschaft Bentheim

Auch einige niedersächsische Dialekte der Niederlande, genauer die Dialekte Twents (dt. Twentisch), Achterhoeks (dt. Achterhoekisch) und Westerwolds, außerdem die südliche Variante des Emsländer Platt und das Grafschafter Platt der Grafschaft Bentheim werden mitunter dem Westfälischen zugeordnet. Im Einzelnen gibt es je nach verwendeten Definitionen Abweichungen.Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsch - Sprache und Literatur. Band 1: Sprache. Neumünster 1983, S. 14 f., S. 142 f., S. 162; Robert Damme, Jan Goossens, Gunter Müller, Hans Taubken: Niederdeutsche Mundarten. In: Geographisch-landeskundlicher Atlas von Westfalen. Themenbereich V: Kultur und Bildung. Lieferung 8, Doppelblatt 1, Münster 1996. Digitalisat. Eingefärbt sind hier nur Gebiete, die zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe gehören.

Abgrenzung des Westfälischen von benachbarten Sprachgebieten Die Abgrenzung des Westfälischen wird unterschiedlich vorgenommen. Traditionell werden die Gebiete der „Westfälischen Brechung“, der Diphthongierung der alten Kurzvokale in offener Silbe wie in iäten ‚essen‘, wieten ‚wissen‘, Iems ‚Ems‘, uapen ‚offen‘, Fuegel ‚Vogel‘ genannt. In einigen Gegenden werden auch die Langvokale – wie auch im Ostfälischen – diphthongiert. Triphthonge kommen vor. Die Verwendung der Wörter küern ‚reden, sprechen‘ und Rüe ‚Hund‘ wird oft zusätzlich herangezogen.

Doch beschreibt dies eher ein Kerngebiet, da z. B. im Lippischen die Westfälische Brechung fehlt. Daher gibt es auch Abgrenzungen, die einer Linie folgen wollen. So werden die Unterscheidung des alten langen a wie in Rot ‚Rat‘ vom später gedehnten a wie in Sake ‚Sache‘ im Nordosten, die Weser im Osten, das Isoglossenbündel der Zweiten Lautverschiebung, das den niederdeutschen und mitteldeutschen Sprachraum trennt, im Süden, im Südwesten die Grenze der Westfälischen Brechung und im Westen die niederländische Staatsgrenze genannt, da die deutsche Forschung im Gegensatz zur niederländischen oft die Betrachtung der dortigen Dialekte ausschließt.Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsch - Sprache und Literatur. Band 1: Sprache. Neumünster 1983, S. 14f., S. 19 ff., S. 24.

Eine andere Variante ist die Abgrenzung nach folgenden Grenzen: Im Norden wird nördlich der Isoglosse gebruaken: gebroken ein allmählicher Übergang angenommen. Im Osten (abgrenzend vom Ostfälischen) wird die Grenze anhand der Isoglosse di: dik festgelegt. Im Süden (abgrenzend vom Mitteldeutschen bzw. Westmitteldeutschen) wird wieder das Isoglossenbündel der Zweiten Lautverschiebung als Grenze genannt, während im Westen der Gegensatz von mähe(n) und mähet, also die Verbreitung des niedersächsischen Einheitsplurals, das Westfälische vom Niederfränkischen trennen soll.Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsch - Sprache und Literatur. Band 1: Sprache. Neumünster 1983, S. 20 zur Grenze von Nieder- und Mitteldeutsch, S. 142 f. zum allmählichen Übergang der Westfälischen Brechung, S. 162 zum Personalpronomen uns, S. 168 f. zum Einheitsplural. Zur Zusammenstellung vgl. die Karte Deutsche Dialekte 1910 rechts.

Solche Unterschiede erklären auch die unterschiedlichen Abgrenzungen der nebenstehenden Karten.

Grammatik

Deklination Im Großteil des niederdeutschen Sprachraums sind Akkusativ und Dativ zu einem Objektfall zusammengefallen. Im Westfälischen gilt das nach Grimme (1910, S. 58 f.) nur regional: Im Südwestfälischen (Assinghausen) ist der Dativ bewahrt, im Münsterländischen (Ostbevern) ist der Dativ mit dem Akkusativ zusammengefallen. Wie im Restniederdeutschen gibt es Genitivbildungen nur noch in Resten in formelhaften Wendungen.Ursprünglich:

Substantive Nach Grimme (1910, S. 61 f.), bezogen auf Südwestfälisch (Assinghausen – A) und Münsterländisch (Ostbevern – O): +m.n.f.pl.nom. -∅, -e -∅, -e -e(¨)-e, ¨-er, -es, -en, -ensdat. (nur A) -e, -en -e, -en -e, -en(¨)-en, ¨-ern, -esakk. -∅, -e, -en -∅, -e, -en -en(¨)-e, ¨-er, -es, -en, -ens (¨ bezeichnet Umlaut)

Adjektive Nach Grimme (1910, S. 68), bezogen auf Südwestfälisch (Assinghausen – A) und Münsterländisch (Ostbevern – O): m.n.f.pl.bestimmtnom. -e -e -e -edat. (nur A) -e, -en -e, -en -e, -en -enakk. -en -en -en -eunbestimmtnom. -en -∅ (A: auch -te) -e -edat. (nur A) -em (-en) -em (-en) -er -enakk. -en -∅ (A: auch -te) -e -e Die Endung -te tritt nur an, wenn das Adjektiv nominalisiert wird: mei ok ente „mir auch eins“ (Assinghausen, Grimme 1910, S. 68f).

Steigerung erfolgt mit -er (Komparativ) und -ste (Superlativ) (Grimme 1910, S. 68, für Assinghausen und Ostbevern).

Personalpronomen Nach Grimme (1910, S. 64 f.), bezogen auf Südwestfälisch (Assinghausen – A) und Münsterländisch (Ostbevern – O): +1.sg.2.sg.3.sg.m3.sg.n.3.sg.f1.pl.2.pl.3.pl.refl.nom.ik, ikkeA: deä (-de, -te) O: du (-de)A: hai (-he) O: häi (-he)A: iet (-et, -t) O: et (-t)A: sai (-se) O: säi (-se)A: säi O: wiA: äi O: ji (-ji, -e)A: sai (-se) O: säi (-se)dat.A: mäi (O: mi)A: däi (O: di)A: iemme (-me) (O: em)A: iemme (-me) (O: et, -t)A: ier (O: üör)usA: uch (O: ju)A: ienne (-ne) O: üörA: säi (m), ierk (f, pl) (O: sik)akk.A: mik O: miA: dik O: diA: ienne (-ne) O: emA: iet O: et (-t)A: sai (-se) O: üörusA: uch O: juA: sai (-se) O: säi (-se)A: sik (sg), ierk (pl) O: sik Nach Grimme (1910, S. 73) flektieren Possessivpronomen wie unbestimmte (starke) Adjektive.

Demonstrativpronomen Nach Grimme (1910, S. 73 f.), bezogen auf Südwestfälisch (Assinghausen – A) und Münsterländisch (Ostbevern – O): +einfacheszusammengesetztesnom.sg.A: dai, dat O: däi, datdüsse, dütdat.sg.A: diem, dier, diem (O: den, däi, dat)A: düm, dür (O: düssen, düsse, düt)akk.sg.A: dai O: däidüssen (A) / dün (O), düsse, dütnom.pldat.plakk.pl

Beschreibung des Westfälischen Das Westfälische hat zahlreiche altertümliche grammatische Formen und Aussprachegewohnheiten bewahrt.Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsch - Sprache und Literatur. Band 1: Sprache. Neumünster 1983, S. 138–174.

In der verschriftlichten Form gibt es keine normierten Rechtschreibregeln; geschrieben wird meist nach phonetischen Gesichtspunkten. Für das Münsterländische und für das Ostwestfälische im Ravensberger Land gibt es jedoch ausgearbeitete Schreibweisen.Hermann Jellinghaus: Westfälische Grammatik. Die Laute und Flexionen der Ravensbergischen Mundart mit einem Wörterbuche. Bremen 1877; Klaus-Werner Kahl: Wörterbuch des Münsterländer Platt. Aschendorff Verlag, Münster 2000.