mini|Barsinghausen nach Merian-Kupferstich um 1650
Barsinghausen () ist eine Stadt und selbständige Gemeinde nach niedersächsischem Kommunalrecht in der niedersächsischen Region Hannover.
Geografie Lage
Barsinghausen liegt am Höhenzug Deister im Übergangsgebiet zwischen den deutschen Mittelgebirgen und dem norddeutschen Tiefland. Die Stadt gehört administrativ zur Region Hannover und befindet sich im Calenberger Land, einer historischen Landschaft südwestlich von Hannover. Der Deister grenzt an das Weserbergland. Er dient als Naherholungsgebiet und ist in seinen Ausläufern vom Stadtzentrum Barsinghausen nur ca. 200 m entfernt. Der Ort liegt in der Calenberger Lössbörde mit fruchtbaren Ackerböden.
Das Stadtgebiet weist zwischen Groß Munzel und dem Deisterkamm einen Höhenunterschied von mehr als 300 m auf. Die SGB Stadtentwicklungsgesellschaft Barsinghausen mbH greift im Logo die Zahl „142 üNN“ auf und verweist damit auf die Höhenunterschiede (Reliefenergie) im Stadtgebiet.
Stadtgliederung mini|Blick vom Stemmer Berg über Großgoltern nach Barsinghausen und zum Deister Die Stadt Barsinghausen ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus den folgenden Ortsteilen (EinwohnerzahlenRegion Hannover: Barsinghausen wächst am stärksten – Kernorte besonders beliebt, haz.de, 18. Januar 2021, abgerufen am 19. Januar 2021. in Klammern):
Nachbargemeinden Barsinghausen grenzt an Wunstorf, Seelze, Gehrden, Bad Nenndorf, Wennigsen (Deister), Springe, Lauenau und Bad Münder am Deister und somit auch an Teile der Landkreise Hameln-Pyrmont und Schaumburg.
Geschichte mini|Fernmeldeturm von der B 65 gesehen Frühere Ortsnamen von Barsinghausen waren in den Jahren 1193 Berkingehusen, 1200–1204 Berzinghusen, 1203 Berchingehusen, 1213 Berscyngehusen, 1216 Berchsihusen, 1223–1225 Berkenhusen, 1228 Berkingehusen und 1229 Bercingehusen. Anscheinend besteht eine Verbindung zu einem germanischen Personennamen „Berico“, der auf „bero“, „bern“ zurückgeht und „Bär“, „Held“, „Krieger“ bedeutet. Das Toponym wäre dann als „bei den Häusern der Sippe des Beriko“ zu lesen.
Besiedlung der Deistermulde und Klostergründung Siedlungsreste belegen den Aufenthalt von Menschen im Gebiet des späteren Barsinghausen erstmals für die Jungsteinzeit. Die Reste wurden bei archäologischen Untersuchungen vor der Erweiterung des Gewerbegebiets am Calenberger Kreisel gefunden und stellten sich als Stichbandkeramik aus der Zeit um 4900 v. Chr. dar. Flächige Holzkohle deutete darauf hin, dass es sich um Einzelhöfe handelte, die abgebrannt sind. Weitere vorgeschichtliche Funde in der Gegend stammen aus der späten Bronze- und der frühen Eisenzeit zwischen 1500 und 500 v. Chr.Mirko Haendel: Archäologen entdecken Erstaunliches über Barsinghausens Besiedlung in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 8. Mai 2024
Zur Zeit der Völkerwanderung um 400 n. Chr. sind die Cherusker im Deister-Leine-Raum nachweisbar. Nach 500 n. Chr. erschließen Sachsen die Deistermulde. Im Frühmittelalter zählte das Siedlungsgebiet zum Marstemgau. Im späten 10. und frühen 11. Jahrhundert entstand die Isenburg als Wallburg bei Landringhausen. Ihre kaum noch sichtbaren Reste wurden 1982–1983 untersucht.Hans-Wilhelm Heine: Frühe Burgen und Pfalzen in Niedersachsen. Von den Anfängen bis zum frühen Mittelalter. Hildesheim 1991. S. 41–44. Im 11. Jahrhundert wurde die „Kokemühle“, eine Wassermühle zwischen den späteren Barsinghäuser Stadtteilen Barrigsen und Landringhausen, erstmals erwähnt.Calenberger Zeitung. 6. Oktober 2006 S. 4.
Barsinghausen wurde erstmals urkundlich im Hochmittelalter (1193) im Zusammenhang der Gründung des Marienklosters erwähnt, damals noch unter dem Namen „Berkingehusen“. Andere Ortsteile sind urkundlich eher bezeugt wie etwa Kirchdorf, das in einer karolingischen Urkunde erstmals 892 genannt wird. Die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes Goltern datiert auf das Jahr 1158 (Urkunde zur Abführung des Zehnten an Herzog Heinrich den Jüngeren von Bayern und Sachsen). 1225 wird der Ort Barrigsen erstmals urkundlich erwähnt.
Im Hochmittelalter bildeten die Lössböden und zahlreichen Zuflüsse zur Südaue eine wichtige Grundlage für die Landwirtschaft und zahlreiche Mühlenbetriebe. Erstmals urkundlich erwähnt werden drei Mühlen in Egestorf im Jahr 1231. Zudem entstanden im Barsinghäuser Raum in dieser Zeit Rittergüter und Grundherrengüter als eigene Wirtschaftseinheiten.
Reformation, Bergbau und Industrialisierung Die Reformation führte 1543 zu einer kirchlichen Neuordnung im Kloster Barsinghausen. Ab dem 17. Jahrhundert erlangten neben den Bauern vor allem Steinhauer, die den Deistersandstein abbauten, an gesellschaftlicher Bedeutung. Der Barsinghäuser Bergbau erfuhr einen weiteren Aufschwung ab 1817, als zu den Abnehmern der Wealdensteinkohle die frühen Industriebetriebe um Hannover (beispielsweise in Linden) hinzukamen.
Im Jahr 1828 wurde die bisher selbständige Gemeinde Altenhof eingemeindet. Einige Gebäude aus dieser Zeit sind in der heutigen Altenhofstraße noch erhalten. Mit der 1872 in Betrieb genommenen Deisterbahn (Bahnstrecke Weetzen-Haste), die hauptsächlich dem Steinkohle-Bergbau im Deister diente, erhielt Barsinghausen eine Bahnverbindung zum Netz der Hannover-Altenbekener Eisenbahn. Im Jahr 1910 waren bereits 50 Prozent aller Erwerbstätigen Barsinghausens in den Bergwerken beschäftigt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg führten Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten zu einem Bevölkerungswachstum in Barsinghausen. Nachdem die Preußische Bergwerks- und Hütten AG (heute: TUI) 1956/57 den Abbau der Steinkohle einstellte, siedelten sich andere Industriezweige in Barsinghausen an. Im Gespräch war 1954 auch die Ansiedlung des VW-Zweigwerks für den Bau des VW Transporters, der unter anderem durch den niedersächsischen Wirtschaftsminister Hermann Ahrens unterstützt wurde. Den Zuschlag erhielt allerdings Hannover-Stöcken.Jan Jäckel: Wie der VW-Transporter nach Stöcken kam. Der Weg zur Entscheidung für den Standort Hannover. In: Hannoversche Geschichtsblätter NF 69 (2015), S. 73. Im Jahr 1969 erlangte Barsinghausen das Stadtrecht. Bis zu dessen Auflösung im Jahr 2004 gehörte Barsinghausen zum Regierungsbezirk Hannover.
Eingemeindungen Durch die 1. Gebiets- und Verwaltungsreform in Niedersachsen im Jahre 1968 erfolgte die Zusammenlegung der Gemeinden Barsinghausen, Kirchdorf und Egestorf, welche fortan die (vergrößerte) Gemeinde Barsinghausen bildeten. Diese erhielt am 21. August 1969 das Stadtrecht. Im Zusammenhang mit dem Hannover-Gesetz wurden am 1. März 1974 die bisher selbständigen Gemeinden Barrigsen, Göxe, Goltern, Groß Munzel, Hohenbostel am Deister, Holtensen bei Wunstorf, Landringhausen, Langreder und Ostermunzel in die Stadt Barsinghausen eingegliedert. Die Gemeinde Goltern bestand zu diesem Zeitpunkt aus den Gemeinden Großgoltern, Nordgoltern, Eckerde und Stemmen sowie die Gemeinde Hohenbostel am Deister aus den Gemeinden Hohenbostel, Bantorf, Wichtringhausen und Winninghausen.
Politik
Rat der Stadt Barsinghausen
Die 39 Sitze des Rates der Stadt Barsinghausen verteilen sich nach der Kommunalwahl am 12. September 2021 wie folgt: Es erreichten die SPD 13 Sitze, die CDU 11 Sitze, die Grünen 7 Sitze, die FDP, die Wählergemeinschaft Aktiv für Barsinghausen (AfB) und die AfD je zwei Sitze sowie die Unabhängige Wähler-Gemeinschaft Barsinghausen (UWG) einen Sitz.Wahlergebnisse Kommunalwahl 2021 In: Webseite Stadt Barsinghausen. Abgerufen am 24. November 2021. Hinzu kommt der Bürgermeister.
Von den 39 Mitgliedern des Rates sind zwölf Frauen.Übersicht auf Ratsinfo.Barsinghauen.de, Abruf am 24. November 2021
Für den bis zum 31. Oktober 2021 amtierenden Rat galt: Nach mehreren Fraktionswechseln und -austritten bestand die AfD-Fraktion seit dem 4. April 2019 nur noch aus zwei Mitgliedern. Die UWG hatte sich neu zusammengesetzt, die CDU hatte ein ehemaliges UWG-Mitglied hinzugewonnen. Dadurch hatte die CDU 12 Sitze. Zudem hatten CDU und FDP eine Gruppe gemäß den Regelungen des § 57 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes gebildet.
Stadtratsvorsitzende ist Laura Schneider (SPD).
Bürgermeister mini|Rathaus Der aktuelle Bürgermeister der Stadt Barsinghausen ist Henning Schünhof (SPD).barsinghausen.de, abgerufen am 2. November 2025. Seine Stellvertreter sind Karl-Heinz Tiemann (SPD), Max Matthiesen (CDU) und Axel Frey (Grüne).
Chronik der Bürgermeister Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die ersten von der britischen Militärregierung ernannten Bürgermeister der Gemeinde Barsinghausen: Juli 1945 bis Januar 1946: Wilhelm Heß (dann bis 1956 Gemeindedirektor) Januar 1946 bis September 1946: Friedrich Carl Dann gewählt: 1946–1949: August Oberheide 1949–1953: Friedrich Reinecke 1953–1956: August Oberheide (zum 2. Mal) 1956–1961: Friedrich Reinecke (zum 2. Mal) 1961–1964: Wilhelm Heß 1964–1980: Walter Theil 1980–1986: Karl Rothmund 1986–1991: Helmut Körber 1991–2006: Klaus-Detlef Richter 2006–2012: Walter Zieseniß 2013–2021: Marc Lahmann ab 2021: Henning Schünhof (SPD)
Wappen der Stadt Der Entwurf des Kommunalwappens der Stadt Barsinghausen stammt von dem Heraldiker und Verleger Heinz Reise. Die Verleihung durch den Niedersächsischen Minister des Innern erfolgte am 31. August 1950. Die am 1. März 1974 durch Gesetz neugebildete Stadt Barsinghausen hat das Wappen der bisherigen Stadt Barsinghausen übernommen, das vom Regierungspräsidenten in Hannover am 7. August 1974 genehmigt wurde.
Das Logo der Stadt Barsinghausen greift ebenfalls den Hirsch auf, ergänzt durch den Stadtslogan „…hier geht’s bergauf!“.
Wappen der Ortsteile
Städtepartnerschaften in Frankreich/Normandie in Polen/Woiwodschaft Niederschlesien in der Ukraine/Oblast Wolyn in Deutschland/Sachsen
Jugendparlament In Barsinghausen gab es ein Jugendparlament, das von jugendlichen Bürgern gewählt wurde und diese vertrat. Die Idee zum Barsinghäuser Jugendparlament entstand im Frühjahr 2003 auf Vorschlag der Grünen Jugend, der Jungen Union und der Jusos. Jugendbürgermeister der Stadt Barsinghausen war Frederik Engelke. Aufgrund von Bewerbermangel für die dritte Legislaturperiode wurde das Jugendparlament aufgelöst.
Verwaltung Neben der allgemeinen Verwaltung gibt es einen Eigenbetrieb für Stadtentwässerung, dessen Betriebsführung durch die Stadtwerke Barsinghausen GmbH erfolgt.stadtwerke-barsinghausen.de Die SGB Stadtentwicklungsgesellschaft Barsinghausen mbHHomepage betreibt Wirtschaftsförderung, Grundstücksverkauf und Stadtmarketing.
Religion Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 51,6 % der Einwohner evangelisch-lutherisch, 11,6 % römisch-katholisch, 36,8 % gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft (Muslime, Juden) oder als Konfessionslose keiner Religionsgemeinschaft an., Bevölkerung im regionalen Vergleich nach Religion -in %, Zensus 2011 Gemäß Statistik vom Dezember 2018 stellen mit 15,529 Personen, die keiner rechtlich-körperschaftlich verfassten Religionsgemeinschaft angehören, in Barsinghausen eine relative Mehrheit der Bevölkerung. 2018 gab es 14,915 evangelisch-lutherische Einwohnern und 3,839 Einwohnern waren Mitglied der römisch-katholischen Kirche.50 Jahre Stadt Barsinghausen – Entwicklung von der Gemeinde zur Stadt, Statistische Kurzinformation 10/2019, Abbildung 3: Bevölkerung Barsinghausens am Ort der Hauptwohnung nach Konfessionen (31. Dezember 2018), Region Hannover (PDF, 2,1 MB), abgerufen am 28. Juli 2019.Barsinghausen Zahl der Kirchenaustritte steigt zuletzt drastisch an, Neue Presse, 17. Januar 2020 (nur Artikelvorschau). Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem weiter gesunken und die Personen, die keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft angehören, machen mit 51,6 % (Stand 31. Dezember 2022) eine absolute Mehrheit der Bevölkerung aus.Region Hannover (Hrsg.)Region Hannover Kurzinformationen 12/2023 Bevölkerung nach Religionszugehörigkeit; PDF, abgerufen am 26. November 2023.
Evangelisch-lutherische Kirchen mini|Klosterkirche St. Marien