mini|300px|Badehaus I von 1857 mit Denkmal Karl von Oeynhausens
Bad Oeynhausen ist eine Stadt im Kreis Minden-Lübbecke im Nordosten von Nordrhein-Westfalen (Ostwestfalen-Lippe). Die Stadt wurde im 19. Jahrhundert als Kurbad gegründet, nachdem auf ihrem Gebiet eine Thermalquelle erbohrt worden war. In der Folgezeit entwickelte sie sich zu einem Kurort von überregionaler Bedeutung mit einem ursprünglich von Peter Joseph Lenné gartenarchitektonisch gestalteten Kurpark. Heute ist sie Standort zahlreicher Spezialkliniken, insbesondere des Herz- und Diabeteszentrums Nordrhein-Westfalen. Aus der Aktivität der in Ostwestfalen verbreiteten evangelischen Erweckungsbewegung ging die diakonische Einrichtung Wittekindshof im Ortsteil Volmerdingsen hervor.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Stadt kurzzeitig Sitz der britischen Militärregierung, bevor diese nach der Potsdamer Konferenz nach Berlin umzog. Das Hauptquartier der britischen Rheinarmee blieb aber noch bis 1954 in Bad Oeynhausen.
Bad Oeynhausen ist mit Einwohnern die zweitgrößte Stadt im Kreis. Sie liegt zwischen dem Wiehengebirge im Norden und dem Lipper Bergland im Süden im Tal der Werre, die im Stadtteil Rehme in die Weser mündet. Ihre heutige Ausdehnung erhielt die Stadt 1973 durch den Zusammenschluss der früheren Stadt Bad Oeynhausen mit umliegenden Gemeinden des ehemaligen Amtes Rehme durch das Bielefeld-Gesetz.
Geografie Geografische Lage Bad Oeynhausen liegt als südlichste Gemeinde des Kreises Minden-Lübbecke auf der Südseite des Wiehengebirges im Ravensberger Hügelland. Nur der Ortsteil Bergkirchen greift im Bereich der Passstraße nach Hille etwas auf die Nordseite des Wiehengebirges über.
Prägend für die Lage der Stadt ist der Verlauf der Werre, die die Stadt von West nach Ost durchquert und im Stadtteil Rehme in die Weser mündet. Die Weser bildet die östliche Stadtgrenze. Im Werretal verlaufen Hauptverkehrslinien wie die Köln-Mindener Eisenbahn sowie bis 2018 die Autobahn 30, die das Stadtgebiet entlang des Flusses durchziehen. Das Stadtzentrum sowie die Stadtteile Lohe, Oberbecksen und Rehme liegen südlich der Werre, die anderen Stadtteile nördlich davon. Beiderseits der Flussniederung steigt allmählich das Hügelland an. Im Norden erstreckt sich die Stadt bis zum Kamm des Wiehengebirges, das die Stadt vom Kerngebiet des Kreises trennt. Im Süden steigt die Stadt aus den Werreniederungen ins Lipper Bergland empor.
Der tiefste Punkt des Stadtgebiets liegt mit an der Weser, der höchste mit ist der Gipfel des Uphauser Berges auf dem Wiehengebirgskamm. Die Fläche des Stadtgebiets beträgt 64,83 km² mit einer größten Ausdehnung von 12,5 km in Nord-Süd-Richtung und 10,3 km in Ost-West-Richtung.
Naturräumliche Gliederung und Naturschutz mini|Das Stadtgebiet reicht vom Wiehengebirge im Norden bis an Ausläufer des Lipper Berglandes im Süden
Bad Oeynhausen liegt im Unteren Weserbergland im nordwestlichen Teil des Niedersächsischen Berglands als Teil der deutschen Mittelgebirgsschwelle. Im System der naturräumlichen Gliederung Deutschlands gehört es größtenteils zum Ravensberger Hügelland (System-Kennziffer 531) und mit einem geringen Teil zum Östlichen Wiehengebirge (532); dieser Teil des bewaldeten Schichtkamms des jurazeitlichen Wiehengebirges wird als „Bergkirchener Eggen“ (532.3) bezeichnet.
Das südlich angrenzende Ravensberger Hügelland besteht aus dem nördlichen Quernheimer Hügelland (531.01) und dem südlich der Werre gelegenen Oeynhausener Hügelland (531.21). Beide sind flachwellige Hügelländer, die von Bächen teilweise stark zertalt sind; typisch sind die als Sieke bezeichneten Kastentälchen. Der größte Teil der Stadtfläche wird von Gestein des Unteren Jura (Lias) gebildet, das teils von Geschiebelehm, teils von Löss bedeckt ist; der südliche Teil des Hügellands liegt auf Gestein des Oberen Muschelkalks (Keuper).
Das Hügelland wird von der west-östlich verlaufenden Werre-Niederung (531.11) mit Auelehm-Böden geteilt. Der tiefstliegende, direkt an der unteren Werre gelegene Streifen ist hochwassergefährdet und teilweise eingedeicht, die Deichpflege übernimmt der Werre-Wasserverband.
Im äußersten Osten hat das Stadtgebiet am westlichen Weserufer Anteil an den Auelehmgebieten der Rehmer Talweitung (366.00).
Die Oberflächengestalt wurde im quartären Eiszeitalter stark von glazialen Formungsprozessen geprägt. Während der Saale-Kaltzeit befand sich der Raum im Bereich der von Skandinavien herkommenden nordischen Tieflandgletscher; zahlreiche dekorativ aufgestellte Findlinge im Stadtgebiet legen davon Zeugnis ab. Im periglazialen Klima der Weichsel-Kaltzeit wurde das Relief umgeformt, es entstanden die Sieke, und eine Lössdecke von lokal unterschiedlicher Mächtigkeit wurde angeweht. Die Werre akkumulierte die vorwiegend aus Sand und Kies bestehende Niederterrasse, in die sie sich postglazial einschnitt und nach späterer Anfüllung mit Auelehm eine hochwassergefährdete Flussaue bildete.Johannes-Hermann Henke: Die Werrestadt Löhne im Überblick: Naturlandschaft und räumliche Entwicklung. In: Heimatverein Löhne und Stadt Löhne (Hrsg.): 1000 Jahre Löhne. Löhne 1993.
Im Stadtgebiet liegen sechs kleinere Naturschutzgebiete, hauptsächlich längs der Sieke, sowie die vier Landschaftsschutzgebiete Wiehengebirge und Vorland, Wulferdingsener Bachniederung, Werreniederung und Oeynhausener Hügelland. Ein Landschaftsplan trat am 29. Dezember 1995 in Kraft. Sowohl das engere Kurgebiet als auch ein großer Teil der weiteren Fläche von Bad Oeynhausen ist als Heilquellenschutzgebiet ausgewiesen.
Im Stadtgebiet von Bad Oeynhausen sind rund 30 Naturdenkmale ausgewiesen, von der Krausen Buche in Eidinghausen bis hin zu Hainbuchen im Kurpark von Bad Oeynhausen. Außerdem gibt es 10 geschützte Landschaftsbestandteile, darunter sind Bachtäler, Baumgruppen und ein ehemaliger Steinbruch.
Nutzung natürlicher Ressourcen mini|Eignung zur geothermischen Energienutzung [Daten in kWh/(m·a)]
Die Heilquellen sind an das tektonische Störungssystem des Piesberg-Pyrmonter Sattels gebunden.Günter Drozdzewski: Geologische Entwicklung und tektonischer Bau. In: Geologie im Weser- und Osnabrücker Bergland. Geologischer Dienst NRW, Krefeld 2003, S. 16–30, hier S. 28–29. Die Bohrungen reichen oberflächennah ins untere Jura, in tieferen Bereichen in Schichten des mittleren Keupers und des mittleren Muschelkalks und die tiefsten Bohrungen bis in den mittleren Buntsandstein. Es wird angenommen, dass die Wasserkörper mit dem darunter liegenden Zechstein in Verbindung stehen.
Der geplante Abbau eiszeitlicher Kiesvorkommen in der Weseraue im Stadtteil Rehme ist umstritten. Die Stadt Bad Oeynhausen und einige Anwohner haben Klage gegen die Abbaugenehmigung erhoben; die Naturschutzverbände BUND und NABU erwarten für die Zeit nach der wirtschaftlichen Nutzung die Entstehung einer ökologisch wertvollen Auenlandschaft.
Die Eignung des Stadtgebiets für die oberflächennahe geothermische Energienutzung ist in nebenstehender Karte dargestellt.Geologischer Dienst NRW: Erdwärme nutzen: Geothermiestudie liefert Planungsgrundlage. In Bad Oeynhausen besteht ein Potenzial zur effizienten Nutzung der Erdwärme, ihre Nutzung ist aber dadurch eingeschränkt, dass ein großer Teil des Stadtgebiets als Wasserschutzgebiet ausgewiesen ist.
Die Windenergie wird nur in zwei 80-kW-Anlagen genutzt. Aufgrund der großen Siedlungsdichte ist nur eine kleinere Windvorrangfläche im Ortsteil Wulferdingsen ausgewiesen, von dieser Möglichkeit wird aber bislang kein Gebrauch gemacht.
Siedlungsraum und zentralörtliche Hierarchie Bad Oeynhausen ist Teil einer Agglomeration in der nördlichen Region von Ostwestfalen-Lippe, das sich als Band von Gütersloh über Bielefeld und Herford bis Minden ausdehnt und durch die Bahnstrecke Hamm–Minden, die Bundesstraße 61 sowie die Autobahnen 2 und 30 verkehrstechnisch erschlossen wird. Das Stadtzentrum ist mit dem Löhner Stadtteil Gohfeld zusammengewachsen. Die nächstgelegenen Oberzentren sind das etwa 39 Kilometer südwestlich liegende Bielefeld, das etwa 50 Kilometer westlich liegende Osnabrück und die etwa 80 Kilometer östlich liegende Landeshauptstadt Hannover.
Die angrenzenden Nachbargemeinden sind im Osten die Stadt Porta Westfalica, im Norden mit der Grenze auf dem Wiehengebirgskamm die Stadt Minden und die Gemeinde Hille sowie im Nordwesten die Gemeinde Hüllhorst. Im Westen und Süden schließen sich die Städte Löhne und Vlotho des Kreises Herford an.
Die Landesplanung stuft Bad Oeynhausen wie seine vier Nachbarstädte als Mittelzentren ein; nur die Gemeinden Hille und Hüllhorst gelten als Grundzentren. Da diese funktional eher nach Minden beziehungsweise Lübbecke hin ausgerichtet sind, fehlt dem Mittelzentrum Bad Oeynhausen ein eindeutig zuzuordnendes Umland.
Stadtgliederung Die Stadt Bad Oeynhausen besteht gemäß ihrer Hauptsatzung aus acht Stadtteilen, die als ehemalig selbstständige Gemeinden nach § 17 des Bielefeld-Gesetzes am 1. Januar 1973 zur neuen Stadt Bad Oeynhausen zusammengeschlossen wurden. Der Stadtteil, der das Gebiet der bisherigen Stadt Bad Oeynhausen (bis 1972) umfasst, trägt ebenfalls den Namen „Bad Oeynhausen“. Für diesen Stadtteil ist auch die Bezeichnung „Bad Oeynhausen (alt)“ gebräuchlich; in diesem Artikel wird er als „Bad Oeynhausen (Stadtzentrum)“ bezeichnet.
Auch Gebietsteile der ehemaligen Gemeinden Rothenuffeln (4 ha) und Gohfeld (62 ha) kamen hinzu. Die Ortsteile Bad Oexen (Eidinghausen), Bergkirchen (Wulferdingsen) und Oberbecksen (Rehme) gehören zu den genannten Stadtteilen.
Stadtteil Fläche (km²) Einwohner 200px Stadtzentrum 7,81 15.951 Dehme 6,53 3.176 Eidinghausen 8,02 7.756 Lohe 6,59 3.287 Rehme 9,59 7.987 Volmerdingsen 11,78 3.458 Werste 6,28 6.652 Wulferdingsen 8,19 3.207
Datenerhebung der Stadt Bad Oeynhausen, Einwohnerzahl inkl. Nebenwohnsitze: Stand 2025Bad Oeynhausen lockt mehr Neubürger an. In: Neue Westfälische, 7. Januar 2026.
Flächennutzung Als potenzielle natürliche Vegetation, die sich ohne weitere menschliche Eingriffe in die Landschaft einstellen würde, wurde für das Ravensberger Hügelland ein artenarmer Buchenmischwald, für das Wiehengebirge und die südlichen hochgelegenen Gebiete des Oeynhausener Hügellandes ein Hainsimsen-Buchenwald ermittelt.Werner Trautmann Erläuterungen zur Karte der potentiellen natürlichen Vegetation der Bundesrepublik Deutschland 1:200000 Blatt 85 Minden (= Schriften für Vegetationskunde. Heft 1). Bundesanstalt für Vegetationskunde, Naturschutz und Landschaftspflege. Bad Godesberg 1966. Die natürliche Vegetation wurde durch den wirtschaftenden Menschen und dessen Kulturlandschaft stark verändert, die Waldflächen wurden größtenteils beseitigt.
Die fruchtbaren Böden werden intensiv landwirtschaftlich genutzt, so dass insgesamt nur eine geringe Waldfläche besteht.
Die administrativ geregelte Flächennutzung ist in einem Flächennutzungsplan festgelegt.
+Reale Flächennutzung in Anteilen Gebietseinheit Siedlungs- und Verkehrsfläche Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche sonstigeFreiflächen Stadt Bad Oeynhausen (2015) 39,5 % 50,2 % 8,4 % 1,9 % Kreis Minden-Lübbecke (2015) 20,0 % 64,0 % 11,9 % 4,1 % Regierungsbezirk Detmold (2015) 18,8 % 56,2 % 22,7 % 2,3 % Land Nordrhein-Westfalen (2015) 22,9 % 48,1 % 26,0 % 3,0 %
mini|400px|Klimadiagramm Bad Oeynhausen
Klima
Bad Oeynhausen liegt wie ganz Ostwestfalen-Lippe gemäß der Klimaklassifikation nach Köppen/Geiger in der „Zone der warmgemäßigten Regenklimate“ (Klimatyp Cfb) mit ganzjährigen Niederschlägen und einer Monatsdurchschnittstemperatur des kältesten Monats über − 3 °C. Die monatlichen Durchschnittstemperaturen liegen durchweg unter 22 °C, wobei in mindestens 4 Monaten 10 °C überschritten sein müssen.