mini|Seedeich bei Büsum, Kreis Dithmarschen mini|Tetrapoden am Strand von Hörnum (Sylt)

Maßnahmen des Küstenschutzes dienen dazu, niedrig liegende, vom Menschen genutzte Gebiete in Meeresnähe vor Überflutungen bei Sturmfluten zu schützen (Hochwasserschutz). Zudem sollen sie auch die Küsten selbst vor Uferrückgang und Landverlust bewahren, die durch den Meeresspiegelanstieg aufgrund des Klimawandels auftreten.

In militärischem Kontext bezeichnet Küstenschutz den Schutz einer Küste vor Angriffen oder einer Invasion, vor allem durch den Bau von Küstenfestungen und das Bereithalten von Truppen zur Bekämpfung einer eventuellen Invasion. So ließ etwa die Wehrmacht im besetzten Frankreich ab 1940 den Atlantikwall als Küstenschutz errichten und stationierte zahlreiche militärische Verbände entlang der Küste (siehe auch Grenzschutz).

Mitunter machen verfehlte Küstenschutzmaßnahmen im Nachhinein zusätzliche Maßnahmen notwendig. Hierzu zählen Eingriffe durch Bauwerke wie Molen und Schutzwände ebenso wie das Ausbaggern und Freihalten künstlicher Fahrrinnen in der Nähe von Häfen. Bevor die ökologischen Zusammenhänge bekannt waren, haben auch unbedachte Eingriffe durch den Menschen dazu geführt, dass es zu verstärkter Abtragung lockeren Materials in Uferregionen kam. So führte beispielsweise die Steinfischerei vor bereits bewachsenen Steilküsten dazu, dass diese bei Ostseesturmhochwasser wieder aktiv wurden und neue Abbrüche bildeten (u. a. beim Ostseesturmhochwasser 1872).

Allgemeines mini|Holz-Palisaden für den Küstenschutz auf der Ostfriesischen Insel Baltrum mini|Geotextilrollen als Dünenschutz am Strand von Kampen (Sylt)

In Deutschland sind die an der Nord- und Ostseeküste gelegenen Bundesländer (Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein) für den Küstenschutz zuständig.

In den Niederlanden ist Küstenschutz ebenfalls von großer Bedeutung, da hier große Flächen des Landes durch Landgewinnung dem Meer abgerungen wurden und der hinter den Deichen liegende Bereich größtenteils unterhalb des Meeresspiegels liegt. Aufgabenträger sind dort die Behörde Rijkswaterstaat sowie die Waterschapen.

Die Erhaltung der Halligen vor der norddeutschen Küste gehört ebenfalls zum Küstenschutzes. Diese grünen Sandbänke vor der Küste brechen die Wellen der Sturmfluten und schützen so die Deiche an der Festlandküste.

Auch die Ostfriesischen Inseln sind Teil des Küstenschutzes. Sie werden nicht nur wegen ihrer großen Bedeutung für den Tourismus in Niedersachsen geschützt, sondern brechen wie die Halligen die von der Nordsee auf das Festland auflaufenden Wellen und reduzieren so den Druck auf die dortigen Deiche.

Dünen sind ein natürlicher, jedoch labiler Küstenschutz und stehen in Deutschland generell unter Naturschutz. Da die Dünen nur durch Pflanzen wie Strandaster oder Strandhafer vor Erosion durch Wind und Wellen geschützt sind,Oh Schreck, der Sand ist weg auf bund.net, abgerufen am 13. April 2025. ist ihr Betreten gesetzlich untersagt. Solche Bepflanzungen dienen auch dazu, um Menschen vom Betreten von Dünen abzuhalten und wirken gleichzeitig als Windschutz, sodass sich Sand dahinter absetzen kann. Wo der Sand schnell weggespült wird und keine Steine zum Brechen der Wellen in ausreichender Menge vorhanden sind, behilft man sich mit Beton (siehe auch Wellenbrecher).

Prinzipien Die Prinzipien des Hochwasserschutzes gelten auch entlang von Flüssen, da durch Schneeschmelze und/oder massive Regenereignisse im Einzugsgebiet erhebliche Flutwellen entstehen können, wodurch die Pegel schnell ansteigen. In Einzelfällen sind daher auch Sperrwerke notwendig, um angrenzende, vom Menschen genutzte Gebiete vor Überflutung schützen.

Um Küstenbereiche zu sichern, an denen Windstau und Tidebewegung zu Abtragung und Überflutung führen können, werden künstliche Deiche errichtet, um Acker- und Siedlungsflächen zu schützen. Wird die Deichkrone überflutet, kann der Deich schnell hinterspült werden und brechen, was zu einer Überflutung des Hinterlandes führt. An kritischen Stellen kontrollieren bei erhöhter Belastung freiwillige Deichläufer die Deiche, um Deichschäden wie Durchnässung oder drohende Deichbrüche zu erkennen und sie der Deichverteidigung – einer Abteilung innerhalb des Hochwasserschutzes – zu melden.

Das Wirken des Meeres und Maßnahmen des Küstenschutzes mini|Basaltsteinpflaster im Tidebereich der Hafeneinfahrt von Neuharlingersiel mini|Vorbereitungen für den Saugbagger mini|Buhnenbau auf Baltrum Die Nordseeküste ist nicht nur bei Sturmfluten gefährdet. Da die Nordsee ein Randmeer ist, bilden sich hier durch die Gezeiten Strömungen aus, die oft parallel zur Küste verlaufen. Durch die Anordnung der Nordseeinseln muss das Wasser, das sich zwischen den Inseln und dem Festland befindet, bei Ebbe und Flut durch die schmalen Rinnen (Gaten) zwischen den Inseln hindurchströmen. Diese Strömungen können so stark sein, dass beispielsweise die Wichter Ee zwischen den Inseln Norderney und Baltrum mit einer Breite von nur 800 Metern aufgrund der sich ständig verändernden Morphologie als nicht schiffbar gilt.

Diese Strömungen können erhebliche Sandmengen bewegen und auf diese Weise zu einer Erosion im Bereich der Küste führen. Sie können sogar zur Verlagerung ganzer Inseln beitragen. Das geschieht, indem sie Sand an einer Stelle abtragen, ihn transportieren und schließlich an einem anderen Ort wieder ablagern. Dadurch entstehen neue Sandbänke an entfernten Stellen.

Die Ostfriesischen Inseln verlagern sich durch die Strömung (in erster Hinsicht allerdings durch den Golfstrom und die Lage im Bereich der Westwinde) allmählich nach Osten. Dies geschieht durch die Abtragung von Material (Sand) am Westkopf der Insel und dessen Ablagerung am östlichen Ende, weshalb sich bei fast allen Inseln mittlerweile der Ort an der Westseite befindet. Um die Siedlungen auf den Inseln vor bzw. bei Sturmflutereignissen zu schützen, wird der Westkopf der Inseln in den meisten Fällen durch massive Verbauungen vor weiterer Küstenabtragung geschützt. Dazu zählen etwa die Buhnen, die meist weit ins Wattenmeer hinausgreifen, es folgen dann in vertikaler Anordnung z. B. Basalt- oder Granitsteinlagen, Betonpflaster und weitere Bauwerke, die der Brechung der Wasserwellen dienen.

Die Wasserstände bei Sturmflut allein würden die Küste wahrscheinlich weniger gefährden, wenn sie nicht mit enorm starken Wellen einhergingen. Eine ausgeprägte Sturmflut kann durch gleichmäßig starke Winde aus einer Richtung für ein bis zwei Tage verursacht werden; ein kurzer Windstoß erzeugt keine Welle. Um richtig groß und stark zu werden, muss eine Welle sich über lange Strecken vom Wind anschieben lassen. Das ist auch der Grund dafür, dass die Deiche der Festlandküste von den Nordseeinseln geschützt werden. Die hier auflaufenden Wellen haben nämlich nur die Strecke zwischen Insel und Festland, um Energie aufzunehmen. Sie sind somit weit weniger stark als die Wellen, die den Inseln von der seewärtigen Seite her zulaufen.

In einer Welle kann eine große Menge Energie gespeichert sein, die fast alles, was der Mensch ihr entgegenstellt, zerstören kann. Je steiler der Küstenverlauf, desto mehr Energie kann die Welle pro Meter, den sie zurücklegt, abgeben. In diesem Fall kann sie erheblich zerstörend und abtragend wirken. Auf einer schiefen Ebene geringer Neigung läuft sich die Welle tot, an einem steilen Profil kann sie jedoch mühelos eine gleich hohe Deichkrone überspülen und mit ihrer Kraft den Deich zunehmend zerstören und ihn schließlich durchbrechen. Deshalb gilt, dass ein Deich vom Profil her auf der dem Meer zugewandten Seite eine möglichst geringe Neigung haben sollte. Das macht ihn allerdings breit, damit platzraubend und teuer. Auch können Strömungshindernisse wie Muschelbänke, Sandbänke, Wellenbrecher oder Tetrapoden der Welle die Kraft nehmen.

Um dem Sandabtrag in Strandnähe durch küstenparallele Strömungen und einer damit verbundenen Versteilung der Küste entgegenzuwirken, werden häufig Buhnen eingebracht. An Stellen, an denen noch ein breiter und hoher Dünengürtel vorhanden ist, reicht oft eine Stabilisierung der Dünen durch Bepflanzung aus. Wo der Platz für breite Deiche nicht vorhanden ist, muss ein steileres Profil gewählt werden, das dann zusätzlich durch ein Deckwerk aus Beton oder massiven Steinquadern gesichert werden muss. Im Normalfall baut man einen breiten Deich mit einem Sandkern und einer Deckschicht aus Klei gegen die Erosion und bepflanzt den Deich, um ihn mit dem Wurzelwerk zusätzlich vor Erosion zu schützen. An Stellen mit starken Gezeitenströmungen kann hin und wieder eine Sandaufspülung zur Verflachung des Küstenprofils nützlich sein.

Küstenschutz in Kunst und Literatur mini|Küste – Farbige Buhnen, Ölgemälde von Ingo Kühl, 2011, im Besitz des Nordfriesland Museums Nissenhaus Husum Eine literarische Auseinandersetzung mit dem Küstenschutz findet sich in der Novelle Der Schimmelreiter von Theodor Storm sowie in den Krimis der Autorin Kari Köster-Lösche mit dem Protagonisten Sönke Hansen, der als Wasserbauinspektor beim Wasserbauamt Husum tätig ist. Zahlreiche Künstler haben sich mit dem Thema „Buhnen“ beschäftigt, darunter Fritz Overbeck, Otto Eglau, Ingo Kühl und Hans Jessel.Einsatz für die alten Steinbuhnen am Sylter Weststrand, siehe Artikel Nordseebuhnen in der Bildenden Kunst in Sylter Nachrichten vom 20. April 2018.

Siehe auch Journal of Coastal Conservation Küstenwache integriertes Küstenzonenmanagement Küstenbefestigung Riffball

Literatur Safecoast (Hrsg.): Coastal flood risk and trends for the future in the North Sea region, synthesis report. Safecoast project team. Den Haag 2008 (als PDF-Datei, englisch). Literatur zum Thema Küstenschutz im Hydraulic Engineering Repository (HENRY)

Weblinks

Küstenschutz in Niedersachsen: Ein erster Überblick Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz Online-Broschüre Küstenschutz in Mecklenburg-Vorpommern Kuratorium für Forschung im Küsteningenieurwesen

Einzelnachweise