miniatur|Ansicht von Oekoven mit der St. Briktiuskirche und dem Gereonshof Oekoven ist ein Ortsteil der Gemeinde Rommerskirchen im Rhein-Kreis Neuss des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Die beschauliche Ortschaft hat ca. 800 Einwohner. Den Mittelpunkt bildet die romanische Pfeilerbasilika St. Briktius, die um 1200 erbaut wurde.
Der Ort liegt an der alten Römerstraße Trier–Neuss.
Das Dorf gliedert sich in den alten Ortskern (mit der Kirche St. Briktius), den Dorfanger (ein um 1990 errichtetes Neubaugebiet), das „Stoppelend“ sowie den alten Bahnhof, an dem sich auch das Tierheim und das Feldbahnmuseum der Gillbachbahn befinden. Auch die Rommerskirchener Ortsteile Deelen und Ueckinghoven, die sich nahtlos an Oekoven anknüpfen, gehören insgeheim zu Oekoven, denn nicht nur das Schützenfest, sondern auch alle anderen Ortsgeschehnisse binden alle drei Dörfer ein.
Geschichte 1080 bis 1226 miniatur|Die fränkische Gaueinteilung. Ursprünglich Kölngau genannt, setzt sich für unsere Region der Name Gillgau durch. Mit Datum vom 22. März 1080 schenkt Sigewin, Erzbischof von Köln, dem Stift Sankt Gereon allen Rottzehnten für vorgenommene oder künftig vorzunehmende Rodungen auf allen irgendwo liegenden Gütern. Sigewin war ehemaliger Domdechant des Stifts Sankt Gereon. Auf Bitten des Propstes Hartwich (Propst 1080 bis ca. 1092) schenkte Erzbischof Sigewin mit gleichem Datum der Kirche Sankt Gereon die Diakonie im Gilgau (Gilegowe). Zugleich sollte der jeweilige Propst auch Dechant des genannten Gaus sein.Peter Joerres: Urkundenbuch des Stiftes Sankt Gereon zu Köln. Bonn, S. 10. Ueckinghoven wird 1155 gemeinsam mit Sinsteden, Frixheim und Anstel in einer Urkunde erwähnt. In dieser stellt Papst Hadrian IV die Besitzungen der Abtei Knechtsteden unter seinen Schutz.Josef Schmitz: Rittersitze, Stiftshöfe und Klostergüter an der Gilbach. S. 193. Oekoven wird 1180 erstmals als Hudenchoven erwähnt. In einer umfangreichen Aufstellung der von den verschiedenen Höfen der Kirche Sankt Gereon zu liefernden Naturalien werden unter anderem „Morstorp“ (= Mailsdorp), Ukenchoven (= Ueckinghoven) und Hudenchoven (= Oekoven) aufgeführt.Peter Joerres: Urkundenbuch des Stiftes Sankt Gereon zu Köln. Bonn, S. 27ff.
Um 1090 wird ein Henricus von Mailsdorp als Kanoniker des Stiftes Maria im Kapitol zu Köln genannt. Nach dem Ausscheiden der Stadt Köln aus dem alten fränkischen Kölngau, welcher ein eigenes Dekanat, genannt Buredekanat, bildete, ging die Diakonie des Gilgaus 1194 in dem neuen Dekanat Bergheim auf. In der Auflistung der dazugehörigen Orte wird auch „Oeckhoven“ aufgeführt.Nattermann: Die golden Heiligen. S. 63 Das zu Oekoven gehörende Ikoven kommt unter dem Namen „Hidenkoven“ 1199 und 1297 als Idinchoven vor, wo Gerhard von Xanten einer von ihm im neuen Teil des Domes gestifteten Vicarie Gefälle in Idinchoven anweist.Siehe Giersberg S. 326 – Lacomblet II 574. Im Juni 1209 werden Bürgerstunden (?) während des Hofgerichts in Oekoven (Odinghoven) durch Arnoldo, Vorsteher der Kirche Sankt Gereon abgehalten. Siehe Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein (1901). Am 19. August 1223 bestätigte Papst Honorius die (einzeln aufgezählten) Besitzungen – Kirchen und Güter – sowie die Privilegien der Kirche Sankt Gereon und nimmt die Kirche und ihre Kanoniker in seinen besonderen Schutz. Darunter „curtes et ecclesias quas habetis….Udinchoven…“. Unter der laufenden Nummer 11. wird Hof und Kirche in Oekoven genannt.(Joerres S. 73).
1226 bis 1232 miniatur|links|Das Wappen der Familie von Mailsdorp zeigt zwei Schwäne, die sich anschauen und deren Schnäbel einen Ring halten. miniatur|rechts|Eine Katasterkarte aus dem Jahr 1867 zeigt die drei aus Mailsdorp hervorgegangenen Höfe: Flockenhof (Nr. 151), Gens- (Nr. 147) und Damegenshof (östlich Nr. 148) Von 1226 bis 1232 war Gottfried (Godefried) von Mailstorp Abt von Brauweiler.(siehe Giersberg) Für die Amtszeit gibt es widersprüchliche Angaben zur Amtszeit -nicht jedoch zum Sachverhalt als solchen.(Josef Schmitz: „Rittersitze, Stiftshöfe und Klostergüter an der Gilbach“, S. 186)Dr. Gatzen "Familiengeschichte Zillikens", auch Repertorium des Klosters Brauweiler Einl. St. Archiv Das Amt des rheinischen Pfalzgrafen, dem die Verwaltung der Aachener Kaiserpfalz und des niederrheinischen Reichsgutes oblag, wurde zuerst durch das Geschlecht der Ezzonen ausgeübt. Die Ezzonen waren im Raum westlich Kölns begütert; Brauweiler war das Hauskloster der Ezzonen. Vor der Konkurrenz der Kölner Erzbischöfe wichen die Pfalzgrafen immer weiter nach Süden bis zur heutigen Pfalz zurück. Der von ihnen verwaltete Reichsbesitz am Niederrhein kam als Lehen an die Grafen von Jülich.(Hans Georg Kirchhoff „Grevenbroich – Die Stadtgeschichte“, S. 63) In einer Schutzurkunde Friedrichs für Knechtsteden aus dem Jahr 1232 ist von Uckeinchoven (Ueckinghoven) die Rede.(Giersheim S. 326 – Lacomblet II 96) Zwei Jahre später, 1234, bestätigt Papst Gregor IX. dem Kloster Knechtsteden erneut dessen Besitzungen und führt dabei u. a. den Vronover Hof auf. Hermann von Vronhoven wird dabei namentlich erwähnt.(Josef Schmitz „Leben an der Gillbach II Gemeinde Hoeningen 1800 – 1974“, S. 32) Am 2. Oktober 1235 bekunden Propst Arnold von Born, Dechant Hermann und das ganze Kapitel von Sankt Gereon, dass sie zur Abstellung von Missständen eine Kommission gewählt haben, bestehend aus dem Propst Arnold, dem Dechant Hermann, den Kanonikern Mag. Symon Hartliv von Sankt Gereon und anderen. Diese Kommission soll über die mit den einzelnen Dignitäten verbundenen Kirchen, über die Besetzung der einzelnen Ämter und über die Pflichten und Einkünfte, welche mit den verschiedenen Ämtern verbunden werden sollen, entscheiden. Dabei wird auch die „ecclesie Udenhoven“ (Oekoven) aufgeführt.Siehe Peter Joerres „Urkundenbuch des Stiftes Sankt Gereon zu Köln“, Bonn, S. 97 ff. Ritter Egbert von Frixheim verkauft 1242 dem Kunibert-Stift zu Köln 21 Morgen Land in der Pfarre Oekoven mit einem zugehörigen Grundstück in Malsdorf (Mailsdorp).(Josef Schmitz: „Rittersitze, Stiftshöfe und Klostergüter an der Gilbach“, S. 186)
1246 bis 1279 miniatur|links|Die Kirche Sankt Briktius in Oekoven ist aller Wahrscheinlichkeit um 1200 als Hofkirche des Gereonshofs, später Oekovener Hof, erbaut worden. Im September 1246 „[thun] die drei Kanoniker von St. Gereon […] kund, dass sie einen Brief erhalten haben von dem Erzbischof Conrad von Hochstaden, wonach dieser die zwischen dem Propst und dem Capitel entstandenen Streitfrage, wie weit der Propst wegen der seiner Stelle im j. 1235 incorporierten Pfarreien die Einkünfte des Capitels zu ergänzen habe, gerichtlich zu entscheiden verheisst, zugleich aber befiehlt, dass jene Pfarreien in Zukunft nicht mehr durch Vikare, sondern den kirchlichen Bestimmungen gemäß durch Pfarrer zu versehen seien, und die Kirche St. Gereon denselben demnach die nötigen Einkünfte anweisen solle. Denselben Befehl erlassen die betreffenden Archidiakonen für die einzelnen Kirchen und zwar: der Dompropst Heinrich von Vianden für Heppendorf, Oeckhoven, Giesenkirchen und Spiel.“ Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass es zu dieser Zeit bereits eine Pfarre Oekoven gegeben haben muss – auch wenn sie bis dato durch einen Vikar besetzt war. Die Vikarstelle wird in eine Pastorenstelle umgewandelt und die Einkünfte festgelegt. Dabei werden Einnahmen aus „Udinchoven, Eirode, Vrankenhoven und Ukinchoven“ beschrieben. „Die Kommission bestand aus dem Scholaster Heribert, aus Gottfried von Epenrode und dem Magister Johannes. Die Kommission setzte für Heppenheim, Monheim, Viersen, Rheinkassel, Spiel, Oeckkoven und Giesenkirchen die Einnahmen fest, indem sie eine Teilung der Einnahmen zwischen dem Pfarrer und dem Stift vornahm. Diese Regelung ging dahin, dem Pfarrer das eigentliche Kirchenland, ….mit etwaigen Einnahmen von Hausmieten und Pächten, dann die Opfergaben der Gläubigen, die Gaben für die heilige Messe und die Einkünfte beim Sendgericht zuzuweisen. Dazu kamen besondere Legate und allgemeine Abgaben. Dagegen wurde der Zehnt durchweg mit kleineren Absplitterungen mit den Gutshöfen und auf diese Weise mit dem Stift verbunden.“(Nattermann „Die Goldenen Heiligen“, S. 152)
miniatur|rechts|Grundriss der Kirche Sankt Briktius. Apsis, Mittelschiff und Turm ruhen auf den ursprünglichen Fundamenten. Bei Sanierungsarbeiten im 20. Jahrhundert wurde festgestellt, dass die Kirche keinen Vorgängerbau hatte.
Im Juni 1249 stellt der Propst Arnold von St. Gereon fest, dass der Ritter Friedrich von Anstel gewisse Güter und Zehnten von ihm als Lehen erhalten habe, von welchen er jährlich Zins an die Kirche von Sankt Gereon zu zahlen habe, aber schlecht zahle. Daher überweist der Propst das Recht den Zehnten zu erheben (und ihn dafür zu bezahlen) dem Hofe zu Oekoven zu.Siehe Peter Joerres „Urkundenbuch des Stiftes Sankt Gereon zu Köln“, Bonn, S. 135. Im Juni 1250 werden im Testament des Propstes Arnold von Sankt Gereon Einkünfte beschrieben und verteilt. Darunter Ackerflächen „in Udenchoven, iacentibus in Sinstede.“ Des Weiteren ist die Rede von einem „Hermanno milite de Molsdorp' que dictus Hermannu“.Vergleiche Peter Joerres „Urkundenbuch des Stiftes Sankt Gereon zu Köln“, Bonn, S. 139 ff. Ca. 1250 ist ein Heinrich Mailsdorp' Canonicus im Kapitol zu Köln.Giersberg S. 339 Am 22. Juni 1251 bekunden der Prior Liphard und der ganze Convent von Mechtern, dass sie an die Herrn von Sankt Gereon eine Hufe Land bei Morsdorf (Mailsdorp) verkauft und für das erhaltene Geld sich einen Zehnten in Alstätten gekauft haben.Siehe Peter Joerres „Urkundenbuch des Stiftes Sankt Gereon zu Köln“, Bonn, S. 141 Im September 1262 bekundet Robelo von Sinsteden, dass er den Zehnten von 60 Morgen Ackerland zu Oekoven, den er von Werner, Propst von St. Gereon zu Lehen hatte, mit dessen Bewilligung „den 7 Priestern“ von St. Gereon und dem Hospitalpriester derselben Kirche für 18 Kölnische Mark verkauft hat.Siehe Peter Joerres „Urkundenbuch des Stiftes Sankt Gereon zu Köln“, Bonn, S. 153 f Im Jahre gehört 1273 „Barenstede“ (Barrenstein) genannt kirchlich zur Pfarre Oekoven. Am 17. Februar 1279 genehmigt Erzbischof Sifrid den von Konrad von Hackenbroich gemachten Übertrag der Gerichtsbarkeit über die drei Höfe – Fronhof, das heutige Vronover, Dieprinkhof und Pilkenbusch – an die Abtei Knechtsteden „Acta sunt apud curtem Vronhoven“.(Giersberg S. 326 – Lacomblet II 434/435)
1282 bis 1287 Die Pfarre Oekoven wird 1282 erneut erwähnt. Zudem werden Rabelo, genannt Gabbart von Ueckinghoven und sein Bruder Heinrich, genannt.Aus Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein (1901). Erst im Jahr 1283 können die lang anhaltenden Auseinandersetzungen im Stift Sankt Gereon über die Verteilung der Pfründe und die Separierung von Propst- und Kapitelmensa beigelegt werden.