mini|hochkant=1.3|Völkerschlachtdenkmal Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig wurde 1898 bis 1913 von Bruno Schmitz im Monumentalstil errichtet. Es erinnert an den entscheidenden 18. Oktober 1813 der Völkerschlacht bei Leipzig während der Befreiungskriege. Das Monument stellt einen Turm dar, in dem sich eine Ruhmeshalle und eine Krypta befinden. Mit einer Höhe von rund 91 Metern ist es eines der höchsten Monumente Europas. Es gehört zu den Sehenswürdigkeiten Sachsens und zu den Nationaldenkmälern Deutschlands.
Geschichte Völkerschlacht bei Leipzig Vom 16. bis 19. Oktober 1813 fand vor den Toren der Stadt Leipzig die sogenannte Völkerschlacht statt. Sie führte im Rahmen der Befreiungskriege zu einer Niederlage Napoleons gegen die Truppen Russlands, Österreichs, Preußens und Schwedens. In der Schlacht, die bis zum Ersten Weltkrieg als die größte der Geschichte galt, kämpften Deutsche auf beiden Seiten. Bereits am 18. Oktober 1813 wurde die Völkerschlacht zugunsten der Verbündeten Preußen, Österreich, Russland, Schweden und weiterer europäischer Staaten entschieden.
Schon kurz nach der Schlacht gab es erste Pläne des Dichters Ernst Moritz Arndt (1769–1860) für ein Denkmal.K. Keller, H.-D. Schmid: Vom Kult zur Kulisse. Leipziger Universitäts-Verlag, Leipzig 1995, ISBN 3-929031-60-4.A. Spitzner, B. Héroux: Das Völkerschlachtdenkmal. Weiheschrift. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1913, S. 42, 44. Da Sachsen in der Schlacht auf Seiten Napoleons stand und dafür erhebliche territoriale Einbußen hinnehmen musste, war der Wille, dieser eigenen Niederlage ein Denkmal in Leipzig zu setzen, gering.
1863 wurde zum 50. Jahrestag feierlich ein Grundstein für ein Denkmal gelegt.Etienne François (Hrsg.): Nation und Emotion. Deutschland und Frankreich im Vergleich – 19. und 20. Jahrhundert (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 110). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1995, ISBN 3-525-35773-7.A. Spitzner, B. Héroux: Das Völkerschlachtdenkmal. Weiheschrift. 1913, S. 60 ff. Er befand sich an der heutigen Abzweigung der Naunhofer Straße von der Prager Straße. Aber bis zum Ende des 19. Jahrhunderts folgten keine ernstzunehmenden Umsetzungspläne für ein Denkmal. Dieser Grundstein wurde später beim Bau des Völkerschlachtdenkmals in das Fundament mit einbetoniert.Claus Uhlrich: Verschwunden – Schicksale Leipziger Denkmale, Gedenksteine und Plastiken. Verlagsbuchhandlung Bachmann, Leipzig 1994, , S. 25/26.
Planung des Denkmals 1895 schrieb der Deutsche Patriotenbund einen Ideenwettbewerb aus, den der Architekt Karl Doflein aus Berlin gewann, Zweiter wurde Bernhard Schaede aus Charlottenburg. Im Herbst 1896 wurde ein zweiter Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 72 deutsche Künstler beteiligten. Der Rat der Stadt Leipzig hatte hierfür 20.000 Mark zur Verfügung gestellt. Der 1. Preis wurde dem Entwurf „Walküre“ des Architekten Wilhelm Kreis zuerkannt, die weiteren Plätze belegten Otto Rieth (2. Preis), Karl Spaeth und Oskar Usbeck (3. Preis) sowie Bruno Schmitz (4.) und Arnold Hartmann (5.). Da keiner der Vorschläge den Vorstellungen des Vorsitzenden des Patriotenbundes Clemens Thieme entsprach, wurde im Folgejahr der Berliner Architekt Bruno Schmitz, der u. a. das Kyffhäuserdenkmal entworfen hatte, mit der Ausarbeitung eines neuen Entwurfs beauftragt.
Bau des Denkmals Der Grundstein für das Denkmal wurde am 18. Oktober 1898 im Südosten der Stadt gelegt. Das 42.500 Quadratmeter große Denkmalgelände wurde dem Deutschen Patriotenbund geschenkweise von der Stadt Leipzig überlassen.Otto Rudolph: Plaudereien vom Bau des Völkerschlachtdenkmals, Leipzig 1937. Errichtet wurde es nach Entwürfen von Bruno Schmitz. Bauherr war Clemens Thieme,Informationsplakat im Fundament des Völkerschlachtdenkmals (29. September 2006) auf den der Einbau der Krypta, der Wegfall des großen Steinkreuzes auf der Spitze, die Anbringung der 12 großen Ritterfiguren anstelle von glatten Pfeilern mit kleinen Ornamenten, Entwässerungsanlagen in den Pfeilern, ein Übergang über den Hauptsims in den runden Oberteil, die Ausführung einer dritten Sockelschicht, eine schlichtere Portalgestaltung in dem Rundbogen und die Gestaltung des Hauptsimses zurückzuführen sind.Leipzig-Lexikon: Thieme, Clemens. Biogramm. Finanziert wurde der Bau durch 26 speziell eingerichtete Lotterien und durch Spenden – u. a. auch von Bauherr Thieme.
Eine vom Bauleiter Otto Rudolph durchgeführte Untersuchung des Baugrundes mit Probebohrungen zwischen 10,5 und 19,2 m Tiefe und Probebelastungen ergab eine sehr diverse Lage und Stärke verschiedener Bodenschichten und führte zu der Entscheidung, die verfüllte Sandgrube für die Fundamente des Denkmals bis auf ihren Grund, 4,75 m unter Straßenniveau, komplett wieder auszuschachten. Diese Arbeiten nahmen fast zwei Jahre in Anspruch; über 82.000 Kubikmeter Erdreich wurden bewegt. Nach der Fertigstellung der Fundamente wurden die Stützmauern aufgestellt und die hinter den Stützmauern liegende Treppe entgegen den Ausführungen von Schmitz in einem „gefälligeren Steigungsverhältnis“ ausgeführt. Erste Reliefs und Figuren wurden angebracht.
Das erste Gerüst wurde nach dem Abschluss der Unterbauarbeiten mit den drei großen Sockelschichten errichtet; es war 54 m hoch und benötigte 700 Kubikmeter Holz. Eine größtenteils elektrische Anlage diente zum Betrieb von vier Steinwinden, zwei Steinaufzügen, zwei Pumpen, einer Betonmischmaschine und der Drahtseilbahn. Die Zwickel des Kugelgewölbes und die vier großen Rundbögen wurden gleichzeitig hochgezogen. Jeder Stein war dabei besonders errechnet und konstruiert, so dass alles ineinanderpasste. So waren danach an dem Kugelgewölbe keinerlei Nachbearbeitungen erforderlich.
Die Wendeltreppen sollten auch über den Hauptsims hinauf mit hochgeführt werden. Schmitz hielt dies für nicht mehr möglich und wollte eiserne Leitern verwenden. Daraufhin hat Otto Rudolph anhand eines Gipsmodells die Treppenführung durch die Figuren bis zur obersten Plattform berechnet.
Das Richtfest wurde am 18. Oktober 1911 gefeiert. Am 13. Mai 1912 wurde der Schlussstein eingefügt. Bis zur Einweihungsfeier wurden noch zahlreiche Bildhauerarbeiten im Inneren ausgeführt sowie die Rundbögen nachträglich geschlossen. Zum 100. Jahrestag der Völkerschlacht wurde das Denkmal am 18. Oktober 1913 eingeweiht.Die Völkerschlacht bei Leipzig. auf: www.voelkerschlacht-jubilaeum.de Hauptgast der Einweihungszeremonie war Kaiser Wilhelm II.; alle Bundesfürsten des Deutschen Reiches sowie zahlreiche weitere Honoratioren kamen ebenfalls. Sie fuhren in einem Autokorso vom Hauptbahnhof zum Denkmal am Stadtrand; tausende Menschen säumten den Weg.Völkerschlachtdenkmal in Leipzig - Pyramide des Patrioten. auf: einestages.spiegel.de, 18. Oktober 2013.
NS- und DDR-Zeit mini|Baulicher Zustand um 1995 (Postkarte von Brück & Sohn) mini|Ansicht des Innenaufbaus (aus 3D-Rundgang) In der Zeit des Nationalsozialismus besuchte Adolf Hitler das Denkmal oftmals bei seinen Aufenthalten in Leipzig, und der Ort diente als Stätte von mythischer Bedeutung bei den Vereidigungszeremonien der NSDAP und verschiedener Einheiten der Wehrmacht. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs im April 1945 verschanzten sich etwa 300 Soldaten der SS und Angehörige des Volkssturms gegen die angreifenden Amerikaner in dem Denkmal. Daraufhin kam es zu Schäden durch Artillerietreffer. In der Nacht zum 20. April 1945 ergaben sich die verbliebenen Kämpfer unter dem Kommando von Oberst Hans von Poncet und kamen in amerikanische Kriegsgefangenschaft.Kalenderblatt: 19.4.1945 – Das letzte Aufgebot. auf: einestages.spiegel.de, 19. März 2009.
Nach Kriegsende erwog die Regierung der DDR zunächst, das Denkmal zu zerstören. Schließlich erinnerte man sich aber daran, dass in der Völkerschlacht auch Russen auf deutscher Seite gekämpft hatten, und der Ort wandelte sich zu einem Monument der deutsch-sowjetischen Freundschaft bzw. Waffenbrüderschaft.Ernst Piper: Völkerschlachtdenkmal – Der Klotz der Nation. Der Tagesspiegel, 20. Oktober 2013 (abgerufen am 1. Juli 2022) Gelegentlich fanden am Denkmal auch Aufmärsche der Freien Deutschen Jugend und Zapfenstreiche der Nationalen Volksarmee statt.Matthias Donath: Fremder Nachbar „Völki“. In: Konrad-Adenauer-Stiftung: Die politische Meinung. Ausgabe 522, 24. Oktober 2013, S. 117.
Der westdeutsche Historiker Thomas Nipperdey charakterisierte das Denkmal 1968 als eines der „nationalen Sammlung“ bzw. der „nationalen Konzentration“, in dem sich die Nation vor dem Hintergrund des Sieges einer Völkerkoalition als „geschlossene Volksgemeinschaft und als Macht versteht“.
Sanierung 2003–2017 Das umgangssprachlich „Völki“ genannte Denkmal gehört einer Stiftung des öffentlichen Rechts der Stadt Leipzig und ist Einrichtung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig. Rund 300.000 Menschen besuchen das Monument pro Jahr.
Im Jahr 2003 begannen Rekonstruktions- und Sanierungsmaßnahmen. Ursprünglich sollten diese bis zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht im Jahr 2013 beendet werden. Dieses Ziel wurde für das eigentliche Denkmal erreicht; die Sanierung der Außenanlagen sollte im Frühjahr 2019 abgeschlossen werden.Baugerüste in der Krypta des Völkerschlachtdenkmals fallen. In: Freie Presse. 7. März 2013. aufgerufen am 22. März 2013. Die Kosten sollen etwa 30 Millionen Euro betragen. Sie werden aufgebracht von der „Stiftung Völkerschlachtdenkmal“, dem Freistaat Sachsen, der Stadt Leipzig und Spendern.
Während der Sanierungsarbeiten wurde auch die im Zweiten Weltkrieg zerstörte und ursprünglich von August Unger entworfene Verglasung der vier Themenfenster in der Ruhmeshalle rekonstruiert. Auf der Grundlage spärlichen Bildmaterials wurde der Wernigeröder Glasgestalter Günter Grohs mit dieser Aufgabe betraut. In mehreren Teilschritten konnte die rotbräunliche Rechteckverglasung aus der Nachkriegszeit entfernt und durch die neuen Fenster ersetzt werden. Die Realisierung des Fensterprojektes erfolgte in den Glaswerkstätten F. Schneemelcher, Quedlinburg, und wurde im Jahr 2012 vollendet.
2003 wurde der nach dem Zweiten Weltkrieg entfernte Personenaufzug zwischen Krypta und Außenrundgang wieder hergestellt und 2006 durch einen zweiten vom Fundamentbereich bis zur Krypta ergänzt. Zu dessen Zugang wurde die vorher nur im Bildprogramm angedeutete Tür zu Füßen der Michaelsfigur geöffnet. Zusammen mit den neuen Rampen auf dem Vorfeld wurde das Denkmal bis zur Höhe von 57 Metern barrierefrei und kann seit November 2019 auch virtuell begangen werden.
Beschreibung Materialien Das Denkmal wurde in seinen sichtbaren Teilen aus Beuchaer Granitporphyr, der von der Fa. G. Günther in Leipzig im Kirchbruch rund um die Bergkirche Beucha abgebaut wurde, errichtet.A. Spitzner, B. Héroux: Das Völkerschlachtdenkmal. Weiheschrift. 1913, S. 100. Abweichend davon heißt es in einer anderen Quelle, dass zum Bau des Völkerschlachtdenkmals 1911–1913 etwa 80 Prozent des Gesteins für die Außen- und Innen-Verkleidung des Beton-Bauwerks aus Beuchas Steinbruch Sorge – einem von damals sieben Steinbrüchen in und um Beucha – stammt;Quelle: Informationstafel an der Steinbruch-Erinnerungsstätte an Beuchas Ortsausgang in Richtung Brandis, erfasst am 23. September 2017. die Herkunft der verbleibenden 20 Prozent ist bislang offen.
Beim Bau des Völkerschlachtdenkmals und bei der Fertigung seiner Monumentalfiguren ist der Granitporphyr als Beuchaer Werkstein bekannt geworden. Für das Bauvorhaben wurden 26.500 Steinblöcke in Beucha gewonnen, bearbeitet und nach Leipzig gebracht.Flyer des Sax-Verlags von 2017 mit Informationen zum Buch Beucha – Dorf der Steine, Sax-Verlag, ISBN 978-3-86729-115-6.