mini|Der Speyerer Dom, die größte erhaltene romanische Kirche der Welt mini|Kirche in Suceava, Rumänien mini|Pfarrkirche Wörth an der Donau, eine dreischiffige Basilika mini|Kollegienkirche in Salzburg
Eine Kirche oder ein Kirchengebäude ist ein von einer oder mehreren christlichen Konfession(en) zum Gottesdienst, zum Gebet und zur stillen Einkehr genutzter Sakralbau. Ausgehend von der etymologischen Bedeutung des altgriechischen Wortes gelten Kirchen als Gotteshäuser. Kirchen werden darüber hinaus manchmal auch für Gemeindeversammlungen, kulturelle Veranstaltungen (zum Beispiel Konzerte), Vorträge und weitere kirchliche, kulturelle und soziale Aktivitäten genutzt.
Als Kirchenbau bezeichnet man im Bereich von Architektur und Bauwesen die Disziplin, die sich mit Entwurf, Neubau, Umbau und Erhalt von Kirchen beschäftigt.
In Deutschland gibt es 2025 insgesamt etwa 44.400 katholische und evangelische Kirchengebäude, von denen etwa 90 Prozent unter Denkmalschutz stehen. Das wirft erhebliche Probleme beim Versuch einer kreativen Umnutzung leerstehender Kirchen auf.
Überblick Die Kirche ist der zentrale Ort des Gottesdienstes der römisch-katholischen, alt-katholischen, orthodoxen, iroschottischen, anglikanischen und der evangelischen Gemeinden. Sie dient der Versammlung der Glaubensgemeinschaft, der gemeinsamen Andacht, der Verkündigung des Wortes Gottes, der Spendung und dem Empfang von Sakramenten und Sakramentalien. Außerhalb von Gottesdiensten dienen Kirchen – sofern sie offen stehen – auch dem persönlichen individuellen Gebet, dem Innehalten vor Gott oder einfach nur dem Zur-Ruhe-Kommen (vergleiche Raum der Stille).
Nach dem Kirchenrecht der römisch-katholischen Kirche ist es „ein heiliges, für den Gottesdienst bestimmtes Gebäude, zu dem die Gläubigen das Recht freien Zugangs haben, um Gottesdienst vornehmlich öffentlich auszuüben.“CIC can. 1214 CIC Für Martin Luther war ein Gebäude nur dann Kirche, wenn Christen darin zusammenkommen, „bitten, predigt horen und sacrament empfahen.“ Er empfiehlt deshalb den Abbruch von Kirchen, wenn diese nicht mehr dem gottesdienstlichen Geschehen dienen: „wie mit allen anderen hewßern thutt, wenn sie nymmer nütz sind“. Der Kirchenbau an und für sich besitzt nach Luther keine Heiligkeit. Ähnlich sah es der reformierte Theologe Heinrich Bullinger (1504–1575). Heilig war eine Kirche für ihn, „sofern sie durch den heiligen Gebrauch – und das heißt durch den gottesdienstlichen Gebrauch der Gemeinde – geheiligt wird.“Zitate nach Markus Sahli, Matthias D. Wüthrich: Wohnung Gottes oder Zweckgebäude. Ein Beitrag der Kirchenumnutzung aus evangelischer Perspektive (Hrsg. Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund SEK). Folge 4 in der Reihe SEK Impulse. Bern 2007, ISBN 978-3-7229-1007-9, S. 16–18.
Die Unterschiede im Verständnis spielen auch bei der Heiligung des Gebäudes eine nicht unbedeutende Rolle. Während etwa in der römisch-katholischen Kirche ein Kirchengebäude durch den dem Bischof vorbehaltenen Ritus der Kirchweihe geweiht („dediziert“) oder gesegnet wird,Nova ecclesia quam primum dedicetur aut saltem benedicatur „Nach ordnungsmäßiger Vollendung des Baues ist die neue Kirche unter Einhaltung der liturgischen Gesetze baldmöglichst zu weihen oder wenigstens zu segnen“, CIC can. 1217. werden evangelische Kirchen ihrer Bestimmung übergeben,Erich Hertzsch: Art. Kirchweihe. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. 3. Auflage. Bd. 3. Tübingen 1959, Sp. 1624. beziehungsweise „gewidmet“.Siehe zum Beispiel Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg: Kirchengesetz über die Widmung und Entwidmung von Kirchen (Widmungsgesetz, WidmungsG); eingesehen am 16. Oktober 2017. Wird eine Kirche nicht mehr benutzt, so geht dem in der katholischen Kirche die Profanierung voran, evangelischen Kirchen in der Regel eine sogenannte „Entwidmung“.
Katholische Kirchen erhalten mit der Weihe einen „Titel“ (titulus ecclesiae).Unaquaeque ecclesia suum habeat titulum „Jede Kirche muß ihren Titel haben, der nach vollzogener Weihe nicht geändert werden kann“, CIC can. 1218 codex-iuris-canonici.de Damit ist das Patrozinium gemeint; die Kirche wird einem oder auch mehreren Patronen unterstellt, dessen Gedenktag jährlich in dieser Kirche als Hochfest begangen wird. Neben Heiligen kann der Titulus ecclesiae auch ein Glaubensgeheimnis sein: die heiligste Dreifaltigkeit selbst; Jesus Christus mit Nennung eines seiner liturgisch gefeierten Glaubensgeheimnisse oder seines Titels, etwa Christkönig, Salvator oder Herz Jesu; der Heilige Geist; die Jungfrau und Gottesmutter Maria mit einem ihrer liturgischen Titel, etwa Unsere Liebe Frau, Maria Hilf oder Mariä Himmelfahrt; die heiligen Engel.
Viele Kirchengebäude sind außerhalb der Gottesdienste verschlossen.Warum uns Kirchen wichtig sind. Artikel vom 24. Mai 2019, abgerufen am 25. Mai 2019. Die Initiativen „offene Kirche“ verschiedener evangelischer Landeskirchen wollen dem entgegenwirken und laden die Gemeinden ein, auch unter der Woche ihre Gotteshäuser zu öffnen. Einige Kirchengebäude sind außerhalb der Gottesdienstzeiten der Öffentlichkeit nur gegen Zahlung von Eintrittsgeld zugänglich. Auch „weltliche“ Veranstaltungen wie Konzerte oder Lesungen finden manchmal in Kirchengebäuden statt.
Kirchen sind oft ein Baudenkmal, Kulturgut und Teil des kulturellen Erbes. Viele Kirchen tragen das Kennzeichen für KulturgutDefiniert in Artikel 16 der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut vom 14. Mai 1954. beziehungsweise das Kennzeichen für Kulturgut unter Sonderschutz entsprechend der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten (vgl. Blue Shield International).
Begriffe mini|Ehemalige Pfarrkirche Heilig-Kreuz in Frankfurt-Bornheim von Martin Weber (1929) mini|Evangelische Erlöserkirche in Wiesbaden-Dotzheim (1995) Das Wort „Kirche“ in der Bedeutung „christliches Gotteshaus“ geht über mittelhochdeutsch kirche und althochdeutsch kirihha auf altgriechisch kȳriakón (κυριακόν), „Gotteshaus“, zurück. Das damit verbundene Adjektiv ist kȳriakós (κυριακός), „dem Herrn gehörig“, und das Substantiv kȳ́rios (κύριος) für „Herr, Herrscher“ und für „Gott, Christus“. Ableitungen aus dem Altgriechischen in andere Sprachen sind mittelniederländisch kerke, karke, daraus niederländisch kerk, und altenglisch cir(i)ce, cyr(i)ce, daraus englisch church.Kirche. DWDS
Pfarrkirche
Die Pfarrkirche, im Protestantismus auch Gemeindekirche genannt, ist die Hauptkirche einer Pfarrei oder Kirchengemeinde. Weitere Kirchen und Kapellen in einer Pfarrei dienen einer Einzelfunktion, so als Friedhofskapelle – mancherorts auch als „Aussegnungshalle“ bezeichnet – oder als Jugendkirche, oder sie sind Filialkirchen in einer Gemeinde, die einer Pfarrei zugeordnet ist. Das Gebiet einer Kirchengemeinde oder Pfarrei beruht in der Regel auf historischen politischen Gemeindegrenzen, in größeren Städten auf einem Stadtteil oder einem Stadtbezirk. Die Volkskirchen folgen in diesem Sinne dem Parochialprinzip, Freikirchen kennen diese Regelung nicht. Einer Kirche sind meistens weitere administrative oder soziale Einrichtungen wie etwa ein Pfarramt, Kindergärten oder Schulen zugeordnet. Sie liegen in der Nachbarschaft oder auf dem Kirchengelände.
Klosterkirche Die Kirche eines Klosters kann Klosterkirche, Abteikirche, Prioratskirche, Katholikon (Hauptkirche eines griechisch-orthodoxen Klosters) oder Münster (von ) genannt werden. Der Begriff Münster wird für manche Kathedralen, Pfarrkirchen und Klosterkirchen gleichermaßen verwendet. Kirchen in evangelischen Klöstern, Kommunitäten oder Lebensgemeinschaften werden teils auch Ordenskapelle genannt, Beispiel Communität Christusbruderschaft Selbitz.
Stifts-/Kollegiatkirche Eine Stiftskirche gehört zu einem Stift. Dieses unterscheidet sich von einem Kloster dadurch, dass Stiftsherren oder -damen es bewohnen. Diese untergliedern sich wiederum in Regular- und Säkularkanoniker bzw. Regular- und Säkularkanonissen.
Kathedrale
In der katholischen, der anglikanischen und den orthodoxen Kirchen tragen Bischofskirchen den Titel einer Kathedrale. Von der Spätantike bis ins hohe Mittelalter wurde in der Westkirche häufig neben die Kathedrale eine Taufkapelle (Baptisterium) gebaut.
Dom
Domkirchen sind wegen ihrer Größe und Gestaltung besonders herausragende, meist bischöfliche Kirchengebäude.
Münster
Münster dient als Bezeichnung für eine Kloster-, Stifts- oder Domkirche.
Dorfkirche
Dorfkirche ist eine u. a. kunstgeschichtliche Bezeichnung für eine – in der Regel alte und kleine – Kirche in einem Dorf oder in einem zur Zeit der Erbauung dörflichen Umfeld, oft im Siedlungskern des Ortes gelegen und mit ländlichem Charakter und ländlichen Architekturmerkmalen. Nicht jede Kirche in einem Dorf oder auf dem Land ist eine Dorfkirche.
Predigtkirchen
Kirchen, bei denen die Wortverkündigung, d. h. die Predigt bzw. die Auslegung der Bibel im Mittelpunkt des Geschehens steht und meist auch die architektonische Gestalt beeinflusst. Predigtkirchen sind insbesondere im Protestantismus verbreitet. Nicht selten ist die Kircheneinrichtung auf die Kanzel an einer Langseite des Raumes ausgerichtet, sodass man von einer Querkirche spricht, teilweise gibt es auch einen Kanzelaltar oder eine andere gleichrangige Kombination von Altar und Kanzel bzw. Ambo, so dass beide im Zentrum des Ausrichtung stehen.
Votivkirchen
Eine Kirche, die aufgrund eines Gelübdes als Zeichen des Dankes für die Rettung aus einer Notlage oder mit der Bitte um Erfüllung eines bestimmten Anliegens, zuweilen auch zur Sühne, erbaut wurde, wird Votivkirche genannt.
Gedenk- oder Gedächtniskirchen Gedenkkirchen oder Gedächtniskirchen erinnern an positive oder negative Ereignisse oder an Personen. Sofern sie an negative Ereignisse erinnern, sind sie auch eine Art Mahnmal.
Basilika
Als Basilika werden einerseits frühchristliche mehrschiffige Sakralbauten der Spätantike bezeichnet. Daneben stellt Basilika auch einen von der katholischen Kirche für besondere Kirchengebäude verliehenen Ehrentitel (→ Basilika (Titel)) dar, wobei zwischen den sechs altehrwürdigen Basilicae maiores und den derweilen über 1800 Basilicae minores zu unterscheiden ist.
Wegekirche
Mit dem liturgiewissenschaftlichen Begriff der Wegekirche werden Kirchenbauten bezeichnet, in denen es im Unterschied zum Zentralbau eine starke Ausrichtung des ganzen Raums, der Gemeinde und des Liturgen nach vorn, zum Altar, zum Licht hin gibt. Der Begriff ist im katholischen Kirchenbau verbreitet und wurde im 20. Jahrhundert von Rudolf Schwarz geprägt.Rudolf Schwarz: Kirchenbau. Welt vor der Schwelle. Heidelberg 1960. (Nachdruck: Regensburg 2007, ISBN 978-3-7954-1961-5, S. 24.)
Wehrkirche
Als Wehrkirche bezeichnet man festungsartig befestigte Kirchen.
Notkirche
Notkirche nennt man Räume oder Gebäude, die behelfsmäßig bzw. provisorisch als Kirche dienen und in der Regel in einer Notlage entstanden sind. Nicht immer sind sie typologisch als Kirche erkennbar. Teilweise handelt es sich aber auch um Kirchen, die zwar in einer Notsituation entstanden sind, aber zur dauerhaften Nutzung vorgesehen sind (zum Beispiel Bartning-Notkirchen).
Kirchen nach sonstigem Zweck