mini|hochkant=1.3|Der Traum vom Bad im Jungbrunnen (Gemälde von Lucas Cranach d. Ä., 16. Jahrhundert) Der Begriff Badekultur oder Badewesen (von baden) bezieht sich auf das Baden in warmem oder kaltem Wasser, das in erster Linie der Reinigung dient, aber auch der Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens. Das Dampfbad, heute zur Sauna gezählt, diente ebenfalls diesem Zweck.
Schwimmbäder gehören nicht zur Badekultur, auch wenn sie ursprünglich aus der Badekultur entstanden sind.
Geschichte Zusammenfassung Die Ursprünge der europäischen Badekultur liegen in der Antike, als öffentliche Thermen auch eine wichtige soziale Funktion hatten. Mit der Völkerwanderung kam der Zerfall der römischen Badekultur. Im Byzantinischen Reich dagegen blieb die Tradition bestehen und wurde später von den islamischen Eroberern fortgeführt (etwa in Gestalt des hammām). Im Mittelalter wurde die Tradition auch in Europa mit den im Vergleich zu den Thermen allerdings bescheiden dimensionierten Badehäusern wieder aufgenommen. In der Neuzeit ist die Badekultur eng mit der Entstehung von Kurorten mit Thermalquellen sowie Seebädern verbunden. Über private Badezimmer verfügte die große Masse der europäischen Bevölkerung erst ab dem 20. Jahrhundert. Die Bedeutung des Bades in verschiedenen Epochen war immer eng mit den jeweils herrschenden Vorstellungen von Hygiene verknüpft.
Anfänge Altertum Die ersten größeren Badeanlagen befanden sich unter anderem in den Städten der Indus-Kultur (um 2500–1900 v. Chr.). In Mohenjo-Daro lag ein Bad auf der „Zitadelle“ in einem Gebäude mit einem 7 × 12 m großen und 2,4 m tiefen Becken, in das zwei Treppen hinabführten. Die Wasserversorgung erfolgte über Brunnen. Die Größe der Anlage deutet an, dass dieses Bad nicht nur der Körperreinigung, sondern wohl auch rituellen Zwecken und dem Vergnügen am Baden dienen sollte. Aber nicht nur in diesem wohl öffentlichen Gebäude fand man Badeeinrichtungen, sondern auch in vielen Häusern der Stadt, die auf ein ausgeprägtes Hygienebedürfnis der Bewohner, vielleicht aber auch auf rituelle Waschungen schließen lassen. Weitere frühe Badeanlagen sind aus dem Alten Reich des Alten Ägyptens (ca. 2700–2200 v. Chr.), aus Mari in Mesopotamien (um 2000 v. Chr.), auch aus Knossos in der Minoischen Kultur (um 2000 v. Chr.) sowie aus der Mykenischen Kultur (ab ca. 1600 v. Chr.) bekannt.
Griechenland mini|hochkant|Rekonstruierte Wanne in einem Haus in Olynth Im antiken Griechenland und bei den Römern hatte die Badekultur einen sehr hohen Stellenwert. Schon etwa 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung gab es auf Kreta private Baderäume und eine Kanalisation. Die im späten 8. Jahrhundert v. Chr. niedergeschriebene Odyssee, die die Abenteuer des Königs Odysseus von Ithaka und seiner Gefährten auf der Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg schildert, belegt in zahlreichen Versen den hohen Stellenwert, den die Griechen einer Reinigung mit Wasser beimaßen. So schildert der achte Gesang beispielsweise, wie im Hause des Phaiakenkönigs Alkinoos Odysseus von den Haussklaven ein Bad zubereitet wird, bevor er sich an der Tafel seines Gastgebers niederlässt., aufgerufen am 11. Juni 2009. Vergleichbare Stellen belegen eine sorgfältige Reinigung vor Gebeten und Opfern und die Sitte, dem Gast zunächst Wasser zu reichen, damit er sich seine Hände waschen könne und ihm anschließend ein Bad anzubieten.
Im 5. Jahrhundert v. Chr. entstanden öffentliche Badeanstalten mit einem Becken und Wannen sowie einem Salbraum ( „Badstube“ bzw. „Bad“). Ab dem 4. Jahrhundert wurden öffentliche Bäder zu einer verbreiteten Einrichtung in griechischen Städten. Ein bestimmtes Bauschema scheint es nicht gegeben zu haben, man findet Räume mit meist 10 bis 22 Wannen oder Sitzwannen sowohl in rechteckiger (zum Beispiel in Olympia) als auch kreisbogenförmiger Anordnung (zum Beispiel in Gortyn, Gela und Megara Hyblaea). Teilweise gab es in einem Badekomplex zwei Baderäume, in denen Männer und Frauen getrennt baden konnten. Neben diesen öffentlichen Bädern gab es auch in Privathäusern bereits Badezimmer. Häufig enthielten sie nur ein Waschbecken in Hüfthöhe. Einige enthielten auch bereits aus Ton gebrannte Badewannen, wie man sie beispielsweise in Olynth ausgegraben hat.Katherine Ashenburg, Clean. S. 21. Zur weiteren Reinigung kannten die Griechen Schwitzbäder (Dampfbäder), in denen heiße Steine mit Wasser übergossen wurden. Es gab außerdem trockene Heißluftbäder. Das waren kleine Räume, in denen ein Becken mit Holzkohle für Hitze sorgte. 300 Jahre später wurde das so genannte Hypokaustum zur Beheizung der Badeanlagen eingeführt.
Oft besaßen auch die hellenistischen Sportanlagen (Singular: Gymnasion, Plural: Gymnasia) Wasserbecken zur Abkühlung nach dem Sport. Da die Athleten sich für die Wettkämpfe mit Sand und Öl einrieben, wurden Schweiß und Schmutz hinterher mit einer Strigilis (Hautschaber) entfernt. Es gibt keine Belege, dass Gymnasia vor der römischen Zeit ihren Nutzern bereits heißes Wasser anboten, obwohl dieses zur Entfernung des Öls und Schmutzes besser geeignet gewesen wäre.Katherine Ashenburg, Clean. S. 24. Die griechischen Sportstätten mit integrierten Bädern waren bereits zu diesem Zeitpunkt Begegnungsstätten, in denen man sich stundenlang aufhielt.Francoise de Bonneville: Das Buch vom Bad. S. 20f. Gymnasia, die auch über heißes Wasser verfügten, sind erstmals für das 1. Jahrhundert v. Chr. belegt.Katherine Ashenburg, Clean. S. 28.
Die Vorliebe für warme Bäder war in der griechischen Gesellschaft nicht ohne Kritik. Der griechische Komödiendichter Aristophanes (um 450 bis 380 v. Chr.) zweifelt in Die Wolken daran, ob die sich in warmen Bädern verweichlichenden Griechen noch über die Manneskraft verfügten, die ihre Vorfahren in der Schlacht bei Marathon erfolgreich sein ließen. Platon (um 428 bis 348 v. Chr.) plädierte in seinem Dialog Nomoi dafür, heiße Bäder auf Alte und Kranke zu beschränken. Noch rigoroser in ihrer Ablehnung waren die Spartaner, die in ihrer Ablehnung warmer Bäder sich auf ihren mythischen Staatsgründer Lykurg beriefen und in ihnen eine Gefahr für die Kriegsfähigkeit ihres Staates sahen.Katherine Ashenburg, Clean. S. 26.
Griechische Ärzte wandten bereits Hydrotherapie an, die sie von den Ägyptern übernommen hatten. Hippokrates war ein bekannter Befürworter der Kaltwasserbehandlungen. Er empfahl kalte Wassergüsse bei Rheuma und Gicht sowie kalte Wickel gegen Fieber. Außerdem waren bereits zahlreiche Heilquellen bekannt, von denen viele Göttern geweiht waren. An besonders wirksamen Quellen wurden so genannte Asklepios-Tempel errichtet, die von Kranken aufgesucht wurden und die im Grunde schon Sanatorien waren. Der berühmteste dieser Tempel befand sich in der Stadt Epidauros. Einen sehr guten Ruf hatten auch die heißen Quellen von Adepsos auf der Insel Euböa.
Römisches Reich mini|Vorstadtthermen mini|Römisches Bad in Bath (England). Nur die Sockelanlage unterhalb der toskanischen Säulen stammt aus römischer Zeit. mini|Rekonstruierter Innenraum der Caracalla-Thermen (Tepidarium) Hygiene spielte ab der späten Republik eine große Rolle. Die ersten größeren römischen Bäder (lateinisch lavatrina Waschraum, eigentlich Abfluss, balneum, balineum Baderaum) entwickelten sich vermutlich in Kampanien, dessen Hauptstadt Capua bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. die größte Stadt Italiens nach Rom war. In der Blütezeit dieser Region, die etwa von 500 bis 300 v. Chr. währte, war der griechische Einfluss dort sehr groß, so dass dort die für die Griechen selbstverständlichen öffentlichen Bäder entstanden. 305 v. Chr. besaß Rom die erste große Wasserleitung (Aqua Appia) und zu dieser Zeit wurde bereits ein öffentliches Bad eingerichtet. Im 2. Jahrhundert v. Chr. war es für römische Bürger bereits selbstverständlich, Zugang zu einer öffentlichen Badeanlage zu haben. Zu den ältesten erhaltenen Thermen zählen die Stabianer Thermen in Pompeji, die am 24. August 79 beim Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurden. Ein frühes Sitzwannenbad entstand dort mutmaßlich bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. Die durch den Vesuvausbruch erhaltene Anlage stammt jedoch im Wesentlichen aus dem Jahre 140 v. Chr. Die Stabianer Therme weist bereits die für ein römisches Bad typischen Merkmale auf und verfügte über eine Unterbodenheizung (suspensura). In Pompeji sind auch jüngere Thermen erhalten geblieben, darunter die sogenannte Vorstadttherme, die in der frühen Kaiserzeit entstand und die zum Zeitpunkt des Vesuvausbruchs noch nicht fertig errichtete Zentrale Therme. Beide Thermen sind technisch ausgefeilter als die Stabianer Therme, boten den Nutzern mehr Raum und Luxus und waren wegen großer Fenster lichtdurchflutet. Die Vorstadttherme, die heute vor allem wegen der im Umkleideraum angebrachten erotischen Fresken bekannt ist, erlaubte den Besuchern sogar den Blick auf das Meer.
Ein typisches römisches Badehaus verfügte über Umkleideräume (apodyterium), einen Schwitzraum (laconicum), ein Warmbad (caldarium), einen mäßig warmen Raum (tepidarium) und ein Kaltbad (frigidarium). Der Ablauf eines Bades war theoretisch genau festgelegt, es stand aber jedem Besucher frei, seinen eigenen Ablauf zu wählen, jedoch war ein schrittweises Aufwärmen weit verbreitet. Nach dem Ablegen der Kleider, die in abschließbaren Boxen (loculi) verstaut werden konnten, wärmten sich die Badegäste für gewöhnlich auf einer Art Sportanlage (Palästra) auf. Anschließend gingen die Besucher in Holzschuhen, mit Badeutensilien und Handtuch zunächst in den Kaltbaderaum (frigidarium), um sich zu reinigen. Danach folgte ein Warmbaderaum (tepidarium) mit einer Raumtemperatur von 20 bis 25 Grad Celsius, in dem es Bänke und Wasserbecken gab. Hier konnte man sich auch von Bediensteten einölen und massieren lassen. Es folgte die Nutzung des laconicums mit trockener Wärme oder des feuchtheißen sudatoriums. Da es sich bei dieser Einrichtung um eine typisch griechische handelt, was unter anderem aus der Bezeichnung laconiumVgl. auch www.roeger-sauna.de. hervorgeht, war sie kein fester Bestandteil einer römischen Badeanlage und der Besuch war rein optional. Der zentrale Raum war das Warmbad (caldarium) mit einer Temperatur von ca. 50 °C. Wegen der Fußbodenheizung trugen die Besucher häufig Holzschuhe, um sich nicht die Füße zu verbrennen. Den Abschluss des Bades bildete wieder das Kaltbad.Francoise de Bonneville: Das Buch vom Bad. S. 24.Marga Weber: Antike Badekultur. S. 54–59.
Einige der öffentlichen Bäder der römischen Republik befanden sich in Privatbesitz, andere gehörten dem Staat. Der für Frauen zugängliche Bereich war gewöhnlich deutlich kleiner als der, der Männern zur Verfügung stand, der Eintritt, den Frauen zu zahlen hatten, jedoch häufig höher als der für Männer. Über mögliche Gründe kann nur spekuliert werden, jedoch vermuten Historiker, dass Frauen in der Regel mehr Kosmetika verbrauchten als Männer und ihre langen Haare nicht selten die Abflüsse verstopften.Marga Weber: Antike Badekultur, S. 151f. Das Preisgefüge war jedoch so gewählt, dass auch die ärmeren Schichten Zugang zu den Thermen hatten. Kinder, Soldaten und mitunter auch Sklaven mussten keinen Eintritt entrichten.Katherine Ashenburg, Clean. S. 31. Wohlhabenderen stand die Möglichkeit offen, sich zusätzliche Dienstleistungen oder Zugang zu besonderen Räumen zu erkaufen. Viele der wohlhabenderen Patrizier kamen mit ihren Sklaven ins Bad, von denen einer die Garderobe bewachte, die in einer offenen Nische im Umkleideraum lag, ein anderer trug die diversen Utensilien, ein dritter schabte ihm mit dem Schabeisen (strigilis) Schweiß und Schmutz von der Haut. Öffentliche Bäder befanden sich auch in den entfernteren römischen Provinzen, so etwa in Baden, lat. Aquae Helveticae in der Schweiz. Dieses diente den römischen Legionären und Siedlern Vindonissas als Bad. Auf deutschem Boden sind zum Beispiel in Trier, Aachen, Weißenburg, Kempten oder Künzing die Überreste römischer Bäder zu sehen, auch die Kurorte Baden-Baden und Wiesbaden sind römische Gründungen.