mini|Aufteilung der Woiwodschaft Lebus in ehemalige Woiwodschaften Die Woiwodschaft Lebus (, ) ist eine der 16 Woiwodschaften, in die die Republik Polen gegliedert ist. Sie grenzt im Westen an die deutschen Länder Brandenburg und Sachsen, im Norden an die Woiwodschaft Westpommern, im Osten an die Woiwodschaft Großpolen sowie im Süden an die Woiwodschaft Niederschlesien und umfasst im Wesentlichen die frühere brandenburgische Neumark (Ostbrandenburg) sowie Teile des nördlichen Niederschlesiens, der östlichen Niederlausitz und des westlichen Großpolen.

Die Hauptstädte der Woiwodschaft Lebus sind Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe) als Sitz des von der Zentralregierung eingesetzten Woiwoden, der für die Verwaltung der zentral aus Warschau zugeteilten Finanzen, für das Innenressort und für die Polizei zuständig ist, sowie Zielona Góra (Grünberg) als Sitz des Woiwodschaftsmarschalls, seiner Regierung und des Regionalparlaments (Sejmik).

Geschichte Die Namensgebung der Woiwodschaft bezieht sich auf das historische, beiderseits der Oder gelegene Land Lebus. Die Stadt Lebus befindet sich am westlichen Ufer in Deutschland, sie war seit der Inbesitznahme durch Bolesław Chrobry bis Mitte des 13. Jahrhunderts polnischer Fürsten- und Bischofssitz. Später gehörte der größte Teil der heutigen Woiwodschaft bis 1945 zur Mark Brandenburg sowie zu Niederschlesien, aber Powiat Międzyrzecki, Gmina Kargowa, Gmina Babimost, Gmina Zbąszynek, Gmina Wschowa, Gmina Szlichtyngowa, der Ostteil der Gmina Sulęcin mit Trzemeszno Lubuskie (Schermeisel), Wielowieś (Langenpfuhl), Grochowo (Grochow), Zarzyń (Seeren) und Pamiątkowice, sowie der nördlich von Packlitz gelegene Teil der Gmina Świebodzin mit Gościkowo (Paradies) und Nowy Dworek (Neuhöfchen), blieben Teile Großpolens.

Die deutsche Bevölkerung in diesem Gebiet wurde, sofern sie nicht bereits geflohen war, nach 1945 vertrieben. Die zur selben Zeit neu angesiedelten, überwiegend polnischen Bewohner waren zuvor wiederum zum Teil im Zuge der Zwangsumsiedlung von Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten vertrieben worden.

Die heutige Woiwodschaft entstand 1999 im Zuge einer Verwaltungsreform aus der Vereinigung der damaligen Woiwodschaften Gorzów Wielkopolski (Landsberg) und Zielona Góra (Grünberg) sowie aus einem kleinen Teil der Woiwodschaft Leszno (Lissa).

Wappen Beschreibung: In Rot und Grün gespalten, vorn am Spalt ein goldgekrönter, goldgeständerter und -bewehrter mit goldenem Kleestängel bedeckter silberner Adler und hinten zwei goldene sechszackige Sterne pfahlgestellt.

Verwaltungsgliederung Die Woiwodschaft Lebus ist in 12 Landkreise und zwei kreisfreie Städte unterteilt. Sie liegen zwar jeweils innerhalb eines gleichnamigen Landkreises, gehören ihm aber selbst nicht an.

Kreisfreie Städte 24px Gorzów Wielkopolski (Landsberg a.d. Warthe) ; 86 km² 24px Zielona Góra (Grünberg) ; 278 km²

Landkreise

(Einwohner und Fläche am )

Landkreise Größte Kleinsteflächenmäßig Powiat Żarski Powiat Wschowskibevölkerungsmäßig Powiat Żarski Powiat Sulęciński

Geographie Landschaft mini|Topographie der Woiwodschaft Lebus Mit einer Gesamtfläche von 13.988 km² gehört Lebus zu den kleineren Woiwodschaften innerhalb Polens.

Die Erdoberfläche der Region wurde maßgeblich während des Eiszeitalters geprägt. Besonders im Süden der Woiwodschaft finden sich ausgedehnte Höhenzüge, zu denen unter anderem Ausläufer des Lausitzer Grenzwalls gehören, die mit dem 227 Meter hohen Rückenberg (Góra Żarska) den höchsten Punkt der Region markieren. Ähnliche Höhen werden außerdem bei Nowe Miasteczko in den Dalkauer Hügeln (Wzgórza Dalkowskie), bei Zielona Góra im Grünberger Rücken (Wał Zielonogórski) sowie in der Nähe von Łagów erreicht. Zwischen den Höhenlagen befinden sich zahlreiche Urstromtäler, wie beispielsweise das Thorn-Eberswalder Urstromtal, das Warschau-Berliner Urstromtal oder das Glogau-Baruther Urstromtal.Raport regionalny – Województwo Lubuskie, Prof. dr hab. Tadeusz Kudłacz, abgerufen am 27. September 2020.

Außerhalb der größeren Städte ist Lebus überwiegend dünn besiedelt. Über die Hälfte der Fläche ist bewaldet, wobei die Niederschlesische Heide (Bory Dolnośląskie) sowie die Puszcza Notecka und die Puszcza Rzepińska die größten geschlossenen Waldgebiete sind. Lebus ist die am stärksten bewaldete Woiwodschaft Polens.

Rohstoffe Auf dem Gebiet der Woiwodschaft wurden rund 28 kleinere Erdgas- und 20 Erdölfelder dokumentiert. In den zentralen und südwestlichen Regionen wurden außerdem bedeutende Braunkohlevorkommen nachgewiesen, wobei derzeit jedoch nur in Sieniawa bei Łagów ein kleinerer Braunkohletagebau existiert. Ein großer Tagebau im Bereich Gubin ist derzeit in Planung. Weitere Rohstoffe der Region sind unter anderem Kies (insbesondere entlang des Bóbr), Kupfer, Ton und Tonminerale.

Gewässer mini|Lebuser Seenplatte bei Łagów Charakteristisch für die Region sind zahlreiche Seen, von denen 26 die Fläche von 1 km² überschreiten. Der größte See ist dabei mit rund 8,2 km² der Schlawasee (Jezioro Sławskie) in der östlich gelegenen Lissaer Seenplatte (Pojezierze Leszczyńskie) bei Sława. Im Zentrum der Woiwodschaft befindet sich die Lebuser Seenplatte (Pojezierze Lubuskie) mit dem Großen Nischlitzsee (Niesłysz) nahe Świebodzin als größtem See, der knapp 5 km² einnimmt. Anteile an der Südpommerschen Seenplatte (Pojezierze Południowopomorskie) hat die Woiwodschaft zudem im Nordosten, wo sich bei Dobiegniew der Hermsdorfer See (Osiek) befindet.

mini|Obra bei Skwierzyna Die Fläche der Woiwodschaft gehört vollständig zum Einzugsgebiet der Oder. Die wichtigsten Flüsse sind: Odra (Oder) Warta (Warthe) Obra Noteć (Netze) Postomia (Postumfließ) Ilanka (Eilang) Pliszka (Pleiske) Nysa Łużycka (Lausitzer Neiße) Lubsza (Lubst) Bóbr (Bober) Kwisa (Queis) Czerna (Tschirne) Obrzyca

Klima Lebus gehört zu den wärmsten Gebieten innerhalb Polens mit vergleichsweise milden Wintern, hohen Jahresdurchschnittstemperaturen von 8,5 °C bis 10 °C und einer langen Vegetationsperiode von 210 bis 230 Tagen im Jahr. Im nördlichen Teil der Woiwodschaft sind durch die relative Nähe zur Ostsee stärkere ozeanische Einflüsse erkennbar, wohingegen das Klima in den mittleren und südlichen Teilen trockener und milder sowie kontinentaler ist. Seit einigen Jahren wird in dieser Region aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen auch wieder verstärkt Weinanbau betrieben. Die durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmengen bewegen sich in niederen Lagen bei Werten bis 550 mm, in höher gelegenen Gebieten sowie innerhalb der Seenplatten bei rund 600 mm. Westwindströmungen sind kennzeichnend für das Klima der Woiwodschaft.Woiwodschaft Lebus, PWN, abgerufen am 2. September 2020.

mini|Nationalpark Warthemündung

Naturschutzgebiete Nationalpark Drawa (Drawieński Park Narodowy) Nationalpark Warthemündung (Park Narodowy Ujście Warty) Landschaftsschutzgebiet Berlinchen-Landsberg (Barlinecko-Gorzowski Park Krajobrazowy) Landschaftsschutzpark Łagów (Łagowski Park Krajobrazowy) Muskauer Faltenbogen (Park Krajobrazowy Łuk Mużakowa), als Teil eines UNESCO Global Geopark Gryżyński Park Krajobrazowy Krzesiński Park Krajobrazowy Przemęcki Park Krajobrazowy Pszczewski Park Krajobrazowy

Nachbarwoiwodschaften bzw. -bundesländer

Bevölkerung mini|Zielona Góra mini|Gorzów Wielkopolski mini|Nowa Sól mini|Żagań mini|Świebodzin

Am 31. Dezember 2019 waren 1.011.592 Einwohner in der Woiwodschaft Lebus gemeldet, davon sind 492.166 Männer (48,65 %) und 519.426 Frauen (51,35 %). Knapp 65 Prozent der Bevölkerung lebt in Städten.Bevölkerung nach Woiwodschaften am 31. Dezember 2019 – Hauptstatistikamt GUS, abgerufen am 18. September 2020.

Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt rund 72 Einwohner pro Quadratkilometer. In den beiden Hauptstädten Zielona Góra und Gorzów Wielkopolski sowie in den südlichen Landkreisen Nowa Sól, Żagań und Żary ist die Bevölkerungsdichte jeweils am höchsten, während sie im Landkreis Sulęcin lediglich 30 Einwohner pro Quadratkilometer beträgt.

Bevölkerungsentwicklung Die Bevölkerungszahl der Woiwodschaft Lebus bewegt sich seit vielen Jahren auf einem stabilen Niveau von knapp über einer Million Einwohnern.Einwohnerentwicklung 1995 bis 2019, Polska w liczbach (gemäß der Daten vom Hauptstatistikamt GUS), abgerufen am 27. September 2020.

JahrEinwohnerzahl 1995 1.014.591 2000 1.008.472 2005 1.009.198 2010 1.011.024 2015 1.018.075 2019 1.011.592 2021 1.003.150

Lebenserwartung Im Jahr 2019 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung in der Woiwodschaft Lebus bei Männern 72,9 Jahre und bei Frauen 81 Jahre.Lebenserwartung im Jahr 2019 (PDF) – Hauptstatistikamt GUS, Główny Urząd Statystyczny, S. 17–18, abgerufen am 16. Juni 2021.

Größte Städte Die beiden Städte Zielona Góra und Gorzów sind mit rund 140.000 bzw. 125.000 Einwohnern die einzigen Großstädte von Lebus. Die dann folgenden Städte haben gerade einmal ein Drittel dieser Einwohnerzahlen. Insgesamt gibt es 43 Städte in der Woiwodschaft Lebus.

Stadt Powiat(Landkreis) Deutscher Name Einwohner 24px Zielona Góra kreisfrei Grünberg in Schlesien 24px Gorzów Wielkopolski kreisfrei Landsberg an der Warthe 24px Nowa Sól Nowa Sól Neusalz an der Oder 24px Żary Żary Sorau 24px Żagań Żagań Sagan 24px Świebodzin Świebodzin Schwiebus 24px Kostrzyn nad Odrą Gorzów Küstrin 24px Międzyrzecz Międzyrzecz Meseritz 24px Słubice Słubice Frankfurt-Dammvorstadt 24px Sulechów Zielona Góra Züllichau 24px Gubin Krosno Odrzańskie Guben 24px Lubsko Żary Sommerfeld

Wirtschaft Lebus hat eine mäßig stark ausgeprägte Industrie, die sich vor allem auf die Hauptstädte, auf die Kreisstädte Nowa Sól und Żary sowie auf die Standorte der Sonderwirtschaftszone Kostrzyn-Słubice (K-SSSE) fokussiert. Wichtige Wirtschaftszweige sind die Elektroindustrie, Maschinenbau, Holzverarbeitung und Möbelindustrie, die chemische Industrie sowie die Lebensmittelproduktion. In der Wirtschaftsstruktur dominieren kleine und mittelständische Betriebe.Informationen über die Region Lebus (PDF; 2,1 MB), Główny Inspektorat Ochrony Środowiska, abgerufen am 2. September 2020

Verglichen mit anderen polnischen Regionen spielt die Landwirtschaft nur eine untergeordnete Rolle, da nur rund 40 Prozent der Flächen landwirtschaftlich genutzt werden. Weite Landstriche weisen eher nährstoffarme Sandböden auf, lediglich lokal sind fruchtbarere Braun- und Schwarzerden zu finden. Es werden hauptsächlich Getreide (vor allem Gerste, Weizen und Triticale) und Kartoffeln angebaut. Regional wird auch der Weinanbau wieder verstärkt betrieben. Bedingt durch ausgedehnte Waldgebiete ist allerdings die Forstwirtschaft von Bedeutung.

Rund um die Seenplatten in Lubniewice, Łagów, Niesulice und Sława gibt es außerdem eine Vielzahl an kleineren touristischen Einrichtungen.

Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreichte die Woiwodschaft 2018 einen Index von 58 (EU-27 = 100), bezogen auf den Wert pro Erwerbstätigem erreichte Lebus hingegen einen Index von 67 (EU-27 = 100).GDP per capita in EU regions in 2018, Eurostat, 5. März 2020, abgerufen am 9. Januar 2021

Mit einem Wert von 0,862 erreicht Lebus Platz 14 unter den 16 Woiwodschaften Polens im Index der menschlichen Entwicklung.

Arbeitsmarkt Die Arbeitslosenquote lag 2004 noch bei 23,2 %, (PDF). im Dezember 2009 bei 15,9 %. Sie beträgt 2020 schließlich noch rund 6 %.

Am niedrigsten waren die Arbeitslosenquoten im Juli 2020 in den Hauptstädten Zielona Góra (3,5 %) und Gorzów Wielkopolski (3,6 %) sowie in den Landkreisen Słubice (3,7 %) sowie Świebodzin und Gorzów (jeweils 4,9 %). Die höchsten Arbeitslosenquoten verzeichneten die Landkreise Strzelce-Drezdenko (11,1 %), Żagań (9,9 %) und Krosno Odrzańskie (9,6 %).Arbeitslosigkeit im Juli 2020 – Woiwodschaft Lebus / Regionales Arbeitsamt in Zielona Góra, Wojewódzki Urząd Pracy w Zielonej Górze, abgerufen am 27. März 2021.

mini|Rektorat der Universität Zielona Góra

Bildungswesen