mini|Das Musée du Louvre in Paris (2007)
Ein Museum (von , ursprünglich ein Heiligtum der Musen) ist eine gemeinnützige, auf Dauer angelegte, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zum Zwecke des Studiums, der Bildung und des Erlebens materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.
Definition Ziel eines Museums ist, materielle und immaterielle Zeugnisse zu einem bestimmten Thema fachgerecht und dauerhaft aufzubewahren und Besuchern zugänglich zu machen. Bestände, die aus Platzmangel nicht dauerhaft gezeigt werden können, werden im Depot verwahrt.
Insbesondere seit den 1970er-Jahren haben sich Museen im deutschsprachigen Raum mehr und mehr als Lernorte zur Wissensvermittlung verstanden. Heute befindet sich der Begriff des Museums im Wandel, da zunehmend eine stärkere Kontextualisierung vor allem archäologischer und historischer Artefakte gefordert wird.
Meistens wird von den Besuchern ein Eintrittsgeld erhoben.
Im Juli 2023 haben die Nationalkomitees des internationalen Museumsverbandes – ICOM Belgien, ICOM Deutschland, ICOM Österreich und ICOM Schweiz eine allgemeingültige, deutsche Übersetzung der auf der außerordentlichen Generalversammlung beschlossenen, aktualisierten Museumsdefinition veröffentlicht:
Etymologie Das Wort Museum () taucht zum ersten Mal in der hellenistischen Antike auf und bezeichnete ein Heiligtum der Musen. Das im 3. Jahrhundert v. Chr. gegründete Museion von Alexandria war eine der bedeutendsten Forschungseinrichtungen der Antike, ihm angegliedert war die Bibliothek von Alexandria.
Die Bezeichnung Museum taucht in der Renaissance wieder auf. Der Humanisten Paolo Giovio bezeichnet den Teil seines Hauses in Como, die seine Sammlung zeigte Musaeum. 1546 erscheint dazu der erste gedruckte Sammlungskatalog „Musaei Joviani Descriptio“ seiner privaten Gemälde.
Zumeist benutzte man zu dieser Zeit das Wort 'Museum' jedoch in Anlehnung an die Bibliothek von Alexandria für Bibliotheken, wie etwa der Kunsthändler Philipp Hainhofer bei seiner Beschreibung der Bibliothek des Kurfürsten von Sachsen.
Als allgemeiner Begriff fungiert die Bezeichnung erst seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert für eine Institution mit einer öffentlichen Sammlung (neben Pinakothek oder Glyptothek).
Geschichte Antike Bereits die Ptolemäer und die Könige von Pergamon unterhielten große Kunstsammlungen. Der Tempel des Friedens (auch bekannt als Forum Pacis) in Rom, der von Kaiser Vespasian im Jahr 75 n. Chr. errichtet wurde, kann ebenfalls als eine der frühesten Formen eines Museums betrachtet werden. Er beherbergte eine Sammlung von Kunstwerken und Schätzen, darunter Beutestücke aus Jerusalem, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Dies diente sowohl der Selbstdarstellung des Kaisers als auch der Vermittlung von Kultur und Geschichte.
Neuzeit Das Dresdner Stallgebäude mini|Das Gebäude des Dresdner Kurfürstlichen Stalls (1586–1588) in seiner heutigen Neo-Renaissance-Form Das erste Museum der Neuzeit war das Renaissance-Stallgebäude „Kurfürstlicher Stall und Stallhof Dresden“ (später Johanneum genannt) in Dresden, erbaut zwischen 1586 und 1588. In diesem präsentierte der sächsische Kurfürst Christian I. nicht nur seine kostbaren 128 Elitehengste, sondern auch mehr als 50 geschnitzte Figuren von Pferden und Reitern, Schlitten, Waffen und historischen Rüstungen. In diesem Stallgebäude wurden von Anfang an Führungen angeboten, und der Stall wurde zudem bereits im ersten Reiseführer der Region im Jahr 1632 beschrieben.
Zum Zweck der Ausstellung, die bewusst auf das Thema der teuren Pferde der Reitkunst ausgerichtet war, wurden das Innere und Äußere des schlossartigen Stalls aufwendig bemalt. Ein Automat verteilte Willkommensgetränke, und mehr als 35 Räume wurden mit den Accessoires der Pferde dekoriert. mini|Der ursprüngliche Zustand des Dresdner Stallgebäudes in der Renaissance. Dieses prunkvolle Pferdemuseum wurde durch die Ablehnung von Bildern im Zuge der Reformation motiviert. Es wurde jedoch begleitet von einer Ahnengalerie der Wettiner, die ebenfalls ab 1588 im Langen Gang in Dresden zu besichtigen war und zu der ein Führer erstellt wurde. Das Hauptaugenmerk lag jedoch auf den Pferden, während das Traktat 'Bedenken wie eine Kunstkammer aufzurichten sey' Christian I. ab 1587 zugänglich war.
Die Kunst- und Wunderkammern Eine andere Art von Museen entstand aus privaten Sammlungen wohlhabender Einzelpersonen, Familien oder Institutionen, die Kunstwerke, seltene oder kuriose Naturgegenstände und Artefakte zusammentrugen. Diese Wunder- oder Kunstkammern des Adels oder kirchlicher Würdenträger oder speziellen privaten Kunstsammlungen waren anfänglich allerdings noch nicht dem Publikum, sondern lediglich limitierten Besuchern zugänglich.
Eine der ältesten Kunstkammern befand sich ab ca. 1560 in Schloss Ambras in Innsbruck. Eine weitere Kunstkammer befand sich in der 1558 und 1563 erbauten Wiener Hofburg, deren Fundamente im März 2013 wiederentdeckt wurden. Auch das Dresdner Residenzschloss enthielt ab ca. 1560 eine Kunstkammer, die in den noch heute bestehenden Dresdner Kunstsammlungen aufging.
Noch älter waren einige der Rüstkammern, wie etwa die Dresdner Rüstkammer aus dem 15. Jahrhundert, die ab 1588 im Dresdner Stallgebäude öffentlich zu besichtigen war.
Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelten sich zudem an den größeren fürstlichen Höfen und im Vatikan bedeutende Sammlungen. Beispiele sind:
Die Farnesischen Sammlungen. In Basel erwarb die Stadt 1661 eine vom Verkauf ins Ausland bedrohte private Sammlung, das Amerbach-Kabinett, und machte sie 1671 öffentlich zugänglich. 1688 eröffnete Johann Daniel Major in Kiel ein öffentliches natur- und kulturgeschichtliches Landesmuseum, das Museum Cimbricum. Spätestens ab 1705 ließ Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz die Gemäldegalerie Düsseldorf als selbständigen Museumsbau errichten, nach dem Vorbild der Sammlungen der Medici, die 1739 in toskanischen Staatsbesitz übergingen. In Braunschweig wurde 1754 das Herzog Anton Ulrich-Museum eröffnet. Es war nach dem 1753/1759 eröffneten Britischen Museum das zweite öffentliche Museum der Welt, aber das erste öffentliche Museum des europäischen Kontinents. 1769 bis 1779 wurde in Kassel das Fridericianum errichtet. Im 19. Jahrhundert entstanden auch Handelsmuseen an Wirtschaftshochschulen in Europa und Japan.
Nach der Französischen Revolution entstanden ausgehend vom Louvre und dem Musée des Monuments français große, programmatisch der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Museen.Cornelius Steckner: Das Museum Cimbricum von 1688 und die cartesianische „Perfection des Gemüthes“. In: A. Grote (Hrsg.), Macrocosmos in Microcosmo. Die Welt in der Stube. Zur Geschichte des Sammelns 1450 bis 1800. Opladen 1994, S. 603–628.
Cornelius Steckner: Museen im Zeichen der Französischen Revolution: vom evolutionären zum revolutionären Museum. In: A. Grote (Hrsg.), Macrocosmos in Microcosmo. Die Welt in der Stube. Zur Geschichte des Sammelns 1450 bis 1800. Opladen 1994, S. 817–853. Im Zuge der Revolutionskriege und der Säkularisation wurden riesige Kunst- und Kulturbestände beweglich. Im frühen 19. Jahrhundert wurden bedeutende öffentliche Museen eingerichtet, so in München die für antike Kunst bestimmte Glyptothek sowie die Alte und Neue Pinakothek, in Berlin das Alte und das Neue Museum, das Germanische Museum in Nürnberg, die Neue Eremitage in Sankt Petersburg und das Kunsthistorische Museum in Wien. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahmen auch die naturwissenschaftlichen und technischen Museen einen Aufschwung.
In einigen Städten im deutschen Sprachraum kam es im 19. Jahrhundert zu bürgerlichen Gründungen von Museen, beispielsweise das Städel-Museum in Frankfurt am Main. Vielfach sind Vereine auch mit speziellen oder regionalem Bezug tätig geworden, z. B. in Heimatmuseen oder Bergbaumuseen, darunter der Geschichts- und Museumsverein in Alsfeld, 1897.
Im 20. Jahrhundert wurden die Museen stark von politischen Ereignissen beeinflusst. So wurde in Deutschland die sogenannte entartete Kunst aus den Museen entfernt, während im Zweiten Weltkrieg in den von Deutschland besetzten Ländern erhebliche Mengen an Kulturgut konfisziert und nach Deutschland transportiert wurden. Zugleich wurden in ganz Europa Kunstgüter ausgelagert, um sie vor der Zerstörung zu bewahren. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde versucht, den Kontakt des Museums zum Publikum zu verbessern, um den sterilen Charakter der Präsentation aufzuheben.Museum. In: Brockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage, 15. Band. Mannheim 1991, ISBN 3-7653-1115-4, S. 225 f.
Neue Museen Heute trägt man mittels besonderer Formen wie dem Erlebnismuseum, Museen lebender Pferde, wie dem musee vivant du cheval in Chantilly, oder stärker kontextualisierten Museen dem gewandelten Besucherinteresse Rechnung.
Die nicht-kontextualisierte Ausstellung von archäologischen Funden wurde teils als 'inhuman' oder als 'Aufforderung zur Plünderung' bezeichnet.
Funktionen, Aufgaben, Tätigkeiten, Schutz alternativtext=Prozesslandkarte der Kernprozesse im Museum|mini|Prozesslandkarte der Kernprozesse im Museum Die Kernaufgaben von Museen liegen im Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln. Zugleich sind Museen Organisationen, die den Theorien der Arbeitswissenschaft und der Organisationstheorie zufolge komplex aufgestellt sind. Um ihre Aufgaben systematisch erfüllen zu können, greifen Museen auf ein Bündel ineinandergreifender Arbeits- und Geschäftsprozesse zurück, die sich den drei Prozessebenen Führungs‑, Kern- und Unterstützungsprozesse zuordnen lassen. Zu den Führungsprozessen zählen Aufgaben der Steuerung etwa im Bereich der Strategie, der Konzeptentwicklung sowie der Organisationsentwicklung, aber auch der Personalführung, der Förderung der internen Qualifizierung und Weiterbildung oder der externen Kooperationen. Die Kernprozesse beziehen sich auf die unterschiedlichen Aspekte musealer Arbeit wie der Sammlungspflege, der Forschung, der Ausstellungsarbeit und der museumspädagogischen Vermittlungsarbeit. Die Unterstützungsprozesse beziehen sich dagegen auf die Administrations- und Verwaltungsaufgaben. Zu ihnen zählen etwa die Bewirtschaftung der Außenanlagen und der Gebäude, das Technikmanagement mit Sicherheits-, Präsentations- und Bürotechnik sowie der weitere administrative Bereich mit der Verwaltung, der Budgetverwaltung und Buchhaltung, der Dokumentation oder der Einkauf. Darstellen lässt sich dies als Prozesslandkarte, ein aus dem Qualitätsmanagement stammendes Instrument zur Darstellung von Geschäftsprozessen.
Neben der Museumspädagogik, der Restaurierung und Werterhaltung unterhalten sämtliche Museen Schausammlungen (ständige Ausstellungen) sowie sehr häufig Sonderausstellungen (auch mit Werken anderer Museen). Dabei dienen Museen nicht nur der Zugänglichkeit und dem Erhalt der Exponate, sondern beeinflussen auch deren Wahrnehmung als Kulturgut. In Museen die mit religiösen Objekten arbeiten werden nicht nur die Herkunft und die Erhaltung eines Objekts berücksichtigt, sondern auch dessen frühere Verwendung und Status. Religiöse oder heilige Gegenstände werden beispielsweise nach kulturellen Regeln behandelt. Jüdische Gegenstände, die den Namen Gottes enthalten, dürfen nicht entsorgt werden, sondern müssen begraben werden.