mini|Straße in Neapel, 19. Jahrhundert, Fotografie von Giorgio Sommer mini|Radial konzentrisch angelegte Straßen in Washington, D.C. Eine Straße ist im Landverkehr ein Verkehrsbauwerk, das Fußgängern und Fahrzeugen als Transport- und Verkehrsweg überwiegend dem Personentransport, dem Gütertransport und dem Tiertransport zur Ortsveränderung dient. Der Begriff Straße bezieht sich insbesondere auf planmäßig mit Straßenbelag angelegte Verkehrsbauwerke.Gerhard Wahrig (Hrsg.), Deutsches Wörterbuch, 1968, Sp. 5450 f. Straßen dienen in erster Linie dem allgemeinen und freizügigen Straßenverkehr.Walter Linden (Hrsg.), Gablers Verkehrs-Lexikon, 1966, Sp. 1464 Sie bilden als Verkehrsträger einen bedeutsamen Teil der Verkehrsinfrastruktur, ein System von Straßen innerhalb einer Region oder eines Staates heißt Straßennetz. Die Straßen dienen als Verkehrsweg zur Fortbewegung von Fußgängern oder Fahrzeugen, so dass die Straßenverhältnisse den Verkehr mit Fußgängern oder Fahrzeugen auch tragen müssen.
Straßen sind über die verkehrliche Nutzung hinaus weit mehr. Straßen sind Teil des öffentlichen Raums, in dem Menschen leben. Auf Spielstraßen spielen Kinder, bei einem Straßenfest feiert die Nachbarschaft. Im Alltag wird ein großer Teil der Fläche zum Parken von Autos verwendet. Auch Bürgersteige sind Teil der Straße und damit häufig auch der Zugang zu Wohnhäusern. Der Raum unter den Fahrbahnen wird häufig für die Kanalisation genutzt, Wasser-, Strom- und Gasleitungen sowie Kabelinfrastruktur dort verlegt. Es sind Rettungswege für die Rettungsdienste und die Möglichkeit für die Müllabfuhr ihren Dienst zu tun. Straßen können, je nach Bauweise und Beschaffenheit der Oberfläche, zur Regenwasserableitung oder direkt zur Versickerung genutzt werden; auch ein Straßengraben oder Restgrünflächen im Straßenraum gehören zur Straße.
Straßen sind auch im übertragenen Sinn Lebensräume von Obdachlosen, die dann mehr oder weniger wortwörtlich „auf der Straße leben“.
Etymologie Das Wort „Straße“ geht zurück auf althochdeutsch „strāȥ(ȥ)a“, das seinen Ursprung in („gepflasterter Weg, der Ortschaften verbindet“) hat. Das Wort „Wasserstraße“ ist möglicherweise eher auf die Meerenge () zurückzuführen.
Je nachdem, auf oder in welcher Materie sich Straßen befinden, unterscheidet man:
Materie Bezeichnung Landfläche Straßen Wasserfläche Wasserstraßen: Flüsse, Kanäle, Seewege Luftraum Luftstraßen
In diesem Artikel werden ausschließlich die auf Landflächen befindlichen Straßen beschrieben.
Ausbauzustand mini|Deutschland: Landstraße mini|hochkant|Manhattan: Straße 33rd Street – Blick nach Westen mini|Madeira: Küstenstraße durch den Nordosten mini|Namibia: Schotterstraße () Je nach Ausbauzustand (mit oder ohne Straßenbelag) wird unterschieden zwischen Naturstraße („Piste“), Weg, Landesstraße oder Autobahn (Highway, Motorway). Naturstraßen sind typisch für die meisten Entwicklungs- und Schwellenländer und bestehen häufig aus dem Bodentyp der die Straße umgebenden Landschaft. Als Bodentypen kommen insbesondere Vertisol (), Schotter, Schwarzerde, Braunerde oder Lateritböden vor. Sie sind nicht ganzjährig befahrbar (nicht regenfest oder winterfest). Wege haben eine gewalzte (oder plattgefahrene) Oberfläche, die aber auch saisonal unterschiedliche Eigenschaften aufweisen kann. Typisch für solche unbefestigten Pisten ist ihr Wellblechprofil (). Wichtige Überlandstraßen sind weltweit häufig gepflastert oder asphaltiert, wodurch ihre Befahrbarkeit auch bei schwierigen Witterungsbedingungen verbessert wird. Straßen nähern sich überwiegend dem natürlichen Verlauf des Geländes an, sofern die entsprechend der vorgesehenen maximalen Fahrzeuggröße und -geschwindigkeit angemessenen Krümmungsradien der Straße einen oberflächennahen Verlauf zulassen.
Die Straßen des Wasserverkehrs heißen Wasserstraßen (Binnenschifffahrt: Flüsse, Kanäle und Seen; Seeschifffahrt: Seewege), im Luftverkehr gibt es Luftstraßen und Organized Track Systeme.
Einzelne Kriterien Unter Straßen werden im Allgemeinen die dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen, Wege und Plätze verstanden. Im Besonderen gehören zu einer Straße: der Straßenkörper: Untergrund – der natürliche Fels oder Boden, auf dem der Straßenkörper aufgebaut ist; Unterbau – künstlich hergestellter Dammkörper zwischen Untergrund und Oberbau, entfällt in Einschnitten; Oberbau – besteht aus einer oder mehreren Tragschichten und der Fahrbahndecke; Erdbauwerke – Dämme, Gräben, Böschungen, Berme; Bauwerke – Durchlässe, Entwässerungsanlagen, Stützwände, Brücken, Tunnel, Lärmschutzanlagen; Fahrbahndecke – mit Fahrbahnmarkierungen und Beschilderung; befestigte Seitenstreifen und Bankette; der Luftraum über dem Straßenkörper; das Zubehör: die amtlichen Verkehrszeichen, die Verkehrseinrichtungen und sonstigen Anlagen, die der Sicherheit, Ordnung und Leichtigkeit des Verkehrs und dem Schutz der Anlieger dienen, Beispiel Leitpfosten, Beleuchtung, Ampelanlagen, Leitplanken, Fahrbahnmarkierungen und die Bepflanzung. die Nebenanlagen: die Straßenmeistereien, Gerätehöfe, Lagerplätze, Ablagerungs- und Entnahmestellen, Hilfsbetriebe und -Einrichtungen. Rechtlich gesehen bildet der gesamte öffentliche Bereich die Straße. Zum Beispiel ist der Begriff „auf der Straße Rad fahren“ insofern irreführend, da dies auch den Gehweg einschließt. Fußgänger, Radfahrer und Kraftfahrzeuge bewegen sich als Verkehrsteilnehmer alle auf der Straße.
Verkehrlich getrennt werden: der Kraftfahrzeugverkehr – er bewegt sich ausschließlich auf der Fahrbahn; sonstiger Fahrzeugverkehr – auf Fahrbahn oder im Falle von Fahrrädern auf (benutzungspflichtigen) Radwegen; Fußgänger – Auf dem Gehweg (wenn vorhanden), ansonsten auf der Fahrbahn.
Schreibweise Auch nach der Rechtschreibreform von 2006 ist in Österreich und in Deutschland allein die Schreibung mit „ß“ korrekt: „Straße“. Vielerorts findet man die sowohl nach den aktuellen als auch den alten Regeln falsche Schreibweise „Strasse“. Dort ist bei Verwendung von Großbuchstaben „STRASSE“ korrekt. In der Schweiz und in Liechtenstein hingegen ist „Strasse“ regelgerecht und wird amtlich so bezeichnet.
Bestandteile des Straßenquerschnittes
Ein Straßenquerschnitt soll die Verkehrssicherheit garantieren, ohne dabei die Leistungsfähigkeit zu beeinträchtigen, die Ziele von Umweltschutz und Städtebau müssen berücksichtigt werden, und die Wirtschaftlichkeit muss gewährleistet sein.
Je nach der benötigten Funktion setzt sich der Straßenquerschnitt aus den folgenden Elementen zusammen: Fahrbahn – unterteilt in Fahrstreifen und Randstreifen, Geh- und Radverkehrsanlagen, gemeinsam oder getrennt Parkflächen Standstreifen Trennstreifen – unterteilt in Mittelstreifen und Seitentrennstreifen, Bankette Borde und Entwässerungsrinnen
Baumaterialien mini|Bau einer Straße mit Asphaltbetondecke mittels Asphaltbetonfertiger (hinten im Bild) und Zweiradglattmantelwalze (vorne im Bild)
Die Fahrbahndecke wird aus Asphaltbeton, Zementbeton, Pflaster oder aus unbefestigtem Material (beispielsweise Schotter) hergestellt.
Verkehrsarten und Nutzungsansprüche hochkant=2.0|mini|Querschnitt einer Straße in Dresden um 1900
Es bestehen verschiedene Nutzungsansprüche für die Verkehrsfläche, weshalb auf Straßen verschiedene Bereiche eingerichtet werden. Hierzu gehören: Fahrbahn; Randstreifen, Trennstreifen, befestigte Seitenstreifen, Bankette; Rad- und Gehwege; Haltestellen, Parkplätze, Parkbuchten und Rastplätze sowie die Flächen verkehrsberuhigter Bereiche. Mit der Bezeichnung Wege werden die ausschließlich für den nicht motorisierten Verkehr ausgelegten Straßen bezeichnet. Eine Ausnahme bilden hier die so genannten ländlichen Wege. Diese sind auch für den motorisierten Verkehr der Land- und Forstwirtschaft ausgelegt.
Im Bereich der Straßen und Wege unterscheidet man weiterhin die freie Strecke, die Ortsdurchfahrt, den Knotenpunkt und die Nebenanlagen.
Verkehrskapazität Die Verkehrskapazität einer Straße ist maßgeblich von deren Ausbauzustand abhängig (Anzahl und Breite der Fahrstreifen, Linienführung). Ferner spielen auch Ortsdurchfahrten mit zahlreichen Einmündungen und Kreuzungen, Bahnübergänge und die Geländetopografie (Steigung/Gefälle) eine Rolle. Auch der Anteil des LKW-Verkehrs ist wichtig. Je höher dieser ausfällt, umso geringer ist die Zahl der Fahrzeuge, die die Straße insgesamt nutzen können, ohne dass der Verkehrsfluss stockt. In Deutschland definieren zwei Regelwerke die Baustandards für Straßen außerhalb von Ortschaften. Für Autobahnen sind dies die Richtlinien für die Anlage von Autobahnen und für Bundes-, Landes- und Kommunalstraßen die Richtlinien für die Anlage von Landstraßen. Sie definieren die Maximalkapazität einer zweistreifigen Straße mit rund 20.000 Fahrzeugen am Tag, wobei sich schon bei Verkehrsstärken über 10.000 Fahrzeugen am Tag die Verkehrsstockungen – etwa in Kreuzungsbereichen, bei langsamen LKW und fehlenden Überholmöglichkeiten oder an Bahnübergängen – häufen können und ein Ausbau, z. B. im 2+1-System oder durch den Umbau von Kreuzungen zu höhenfreien Ein-/Ausfahrten sinnvoll sein kann. Zwei Fahrstreifen pro Richtung, insgesamt vier Streifen, sind der Standard für Autobahnen und hoch frequentierte Bundesstraßenabschnitte mit Verkehrsdichten zwischen 20.000 und 60.000 Fahrzeugen am Tag. Drei Fahrstreifen pro Richtung (sechs Streifen insgesamt) sollen für Verkehrsstärken zwischen 60.000 und 100.000 Fahrzeugen täglich angewandt werden, was auf höher frequentierte Autobahnabschnitte zutrifft. Verkehrsstärken über 100.000 Fahrzeugen am Tag treten nur auf den wichtigsten Autobahnen in Ballungsgebieten auf und machen die Anlage zusätzlicher Richtungsfahrstreifen erforderlich.
Straßenkategorien Straßen werden nach Straßenkategorien unterteilt.
Dazu zählen zum Beispiel Autobahnen, Fernstraßen, Hauptstraßen, Ortsstraßen, Erschließungsstraßen, Spielstraßen, Land- und Forstwirtschaftliche Wege, eigenständig geführte Radwege, Gehwege, Kreisverkehrsplätze, Tunnel oder Parkplätze. In Orten ist die Unterscheidung von Durchgangsstraßen, Stadtstraßen, Siedlungsstraßen, Wohnstraßen wichtig. In Deutschland wird in den Regelwerken der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen innerorts zwischen Hauptverkehrsstraßen, Sammelstraßen und Erschließungsstraßen unterschieden, wobei dies vorrangig die Bedeutung im Kfz-Netz benennt.
Spezielle Kategorien, auch nach Verwendungszweck, sind Anliegerstraßen, Einbahnstraßen, Einkaufsstraßen, Fahrradstraßen, Ferienstraßen, Fußgängerzonen, Panoramastraßen, Passstraßen, Radschnellwege, Rennstrecken, Sackgassen, Zollstraßen (Zollfrei-Straßen) oder temporär geschlossene oder geöffnete Straßen.
Bezeichnung Name mini|Straßenschild in München.