Nufringen ist eine selbstständige Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Landkreis Böblingen, Regierungsbezirk Stuttgart. Die Gemeinde besteht nur aus dem Hauptort, Ortsteile gibt es nicht. Zusammen mit der Stadt Herrenberg und der Gemeinde Deckenpfronn gehört Nufringen der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft „Herrenberg-Deckenpfronn-Nufringen“ an.
Geographie Die Gemeinde liegt im oberen Gäu, zwei Kilometer von Herrenberg und 13 Kilometer von Böblingen entfernt an der Bundesstraße 14 und an der Gäubahn sowie am westlichen Rand des Naturparks Schönbuch.
Weiterhin befindet sich Nufringen in der Metropolregion Stuttgart, gleichzeitig in der Region Stuttgart und dort an der sogenannten Entwicklungsachse Stuttgart–Horb. Die nächstgelegenen Oberzentren sind Herrenberg, Böblingen und Sindelfingen.
Nufringen ist Mitglied im sogenannten Gäu-Quadrat. Hier treffen neben den vier Regierungsbezirken (Stuttgart, Tübingen, Freiburg und Karlsruhe) auch die Regionen Stuttgart, Neckar-Alb, Nordschwarzwald und Schwarzwald-Baar-Heuberg zusammen.
Schutzgebiete
Gärtringen hat Anteil am Landschaftsschutzgebiet, am FFH-Gebiet, am Vogelschutzgebiet und am Naturpark Schönbuch. Zudem gehört der Eisweiher zum FFH-Gebiet Gäulandschaft an der Würm.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Nufringen 1681, Forstlagerbuch von Andreas Kieser mini|rechts|Luftbild von Nufringen, Juni 1918 Bis zum 19. Jahrhundert Die erste urkundliche Erwähnung von Nufringen geht auf das Jahr 1182 zurück. Im 13. und 14. Jahrhundert lag der Ort im Einflussgebiet der Pfalzgrafen von Tübingen, die ihn 1382 an Württemberg verkauften, wo er dem Amt Herrenberg zugeordnet wurde. Durch den Dreißigjährigen Krieg und die Pest wurde die Bevölkerung drastisch reduziert und erreichte erst im 18. Jahrhundert wieder eine Größe wie vor diesen Ereignissen. Zu Zeiten des Königreichs Württemberg blieb Nufringen beim Oberamt Herrenberg. 1879 erhielt der Ort Anschluss an das Streckennetz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen.
20. Jahrhundert Die Verwaltungsreform von 1938 während der NS-Zeit in Württemberg, die die alten Grenzen der Oberämter durch neu umfasste Landkreise ersetzte, führte zur Zugehörigkeit der Gemeinde zum Landkreis Böblingen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Nufringen durch einen alliierten Bombenangriff am 8. Oktober 1943 zu etwa 40 % zerstört – mehr als 150 Gebäude gingen verloren. 1945 wurde die Gemeinde Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Nach dem Krieg nahm Nufringen einen raschen Aufschwung.
Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Für die Gemeinde Nufringen ist das Statistische Landesamt Baden-Württemberg zuständig.
Jahr Einwohner 1900 1123 1925 1286 1950 1736 1960 2303 1970 2866 1980 3814 1990 4232 1995 4453 2000 4805 2005 5325 2010 5389 2015 5503 2020 5897 2025 5791*https://www.nufringen.de/de/gemeinde-politik/unser-nufringen/zahlen-daten
Das rasante Wachstum der Gemeinde ab den 1970er Jahren ist unter anderem auf das Wirtschaftswachstum in der Region Stuttgart sowie auf den S-Bahn-Anschluss (S1 Kirchheim (Teck) – Stuttgart – Herrenberg) zurückzuführen.
*Zahlen vorbehaltlich Aktualisierungen
Religionen Nufringen ist evangelisch-pietistisch geprägt. Rund 50 % der Bevölkerung gehören dem evangelischen Glauben, ca. 25 % dem katholischen und die restlichen 25 % gehören einem anderen oder keinem Glauben an. mini|Pelagiuskirche Nufringen: Turm mit Schallarkaden und Würfelkapitell Nord Der Ort hat eine eigene zum Dekanat Herrenberg gehörende evangelische Kirchengemeinde der Landeskirche Württemberg, zu der die Pelagiuskirche, eine Wehrkirche, und ein evangelisches Gemeindehaus gehört. Pfarrer der Gemeinde ist seit 2021 Marcus Girrbach.Evangelische Kirchengemeinde Nufringen.
In Nufringen befindet sich zudem ein katholisches Gemeindezentrum (St. Maria, Königin des Friedens), das zu der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius gehört, die die Gemeinden Kuppingen, Nufringen, Affstätt, Oberjesingen und Deckenpfronn umfasst.
Des Weiteren gibt es eine neuapostolische Kirche sowie ein Gemeindehaus der evangelisch-baptistischen Kirche.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Nufringen besteht aus den 14 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzenden. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FLNFreie Liste Nufringen46,15648,467CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands27,80430,314SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands14,11221,233GrüneBündnis 90/Die Grünen11,942––gesamt100,014100,014Wahlbeteiligung72,49 %66,70 %
Bürgermeister Seit Ende des Zweiten Weltkriegs hatte die Gemeinde folgende Bürgermeister: Jakob Henne (1945–1946) Kurt Dieterle (1946–1954) Walter Schittenhelm (1954–1986) Roland Wolf (1986–2002) Ulrike Binninger (2002–2018) Ingolf Welte (2018–2026) Simon Speiser (seit 2026)
Wappen und Flagge
Die Farben der Stadtflagge sind Gelb (Gold) und Rot.Beschreibung von Flagge und Wappen im Internetauftritt der Gemeindeverwaltung Nufringen; abgerufen am 1. Februar 2024.
Gemeindepartnerschaften Seit dem Jahr 2007 findet ein Austausch mit der mittelitalienischen Gemeinde Canino (Provinz Viterbo, Region Latium) statt. Die Partnerschaft ist bislang noch nicht offiziell besiegelt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Den Nufringer Vereinen stehen Sportstätten (Kunst-)Rasenplätze, Leichtathletikstadion, Schießbahn, Tennisplätze, 2 Mehrzweckhallen sowie zahlreiche Vereinsräume zur Verfügung. Die Vereine sind unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft der Nufringer Vereine organisiert. Jedes Jahr wird ein umfangreicher Veranstaltungskalender mit Vereins- und Gemeinschaftsveranstaltungen aufgestellt.
Pelagiuskirche
alternativtext=|mini|Pelagiuskirche Der älteste Teil der Kirche ist der romanische Turm, der um 1150 als Teil einer Wehranlage erbaut wurde.Pelagiuskirche auf landeskirchenstiftung.de, abgerufen am 29. April 2024. Um 1300 erfolgte der Anbau des Chores sowie der Sakristei. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Seitenkapelle angefügtEv. Kreisbildungswerk und Kath. Bildungswerk Kreis Böblingen (Hrsg.), Die Kirchen im Landkreis Böblingen, München 1990, S. 60.
An bemerkenswerter Ausstattung sind unter anderem eine Steinkanzel mit Baldachin und ein Taufstein aus dem 14. Jahrhundert vorhanden. 1996 gestaltete Herbert Günterberg die Taufkapelle mit. Auch überraschend ist, dass eine Glocke von Hans Lachenmaier von 1505 noch im Turm hängt. Für notwendige Sanierungen und die Instandhaltung des Gebäudes wurde eine Stiftung (Stiftung Pelagiuskirche Nufringen) eingerichtet. Das benachbarte Pfarrhaus ist ein Werk Elias Gunzenhäusers aus dem Jahr 1599. Dort verbrachte der Maler Theodor Schüz von 1835 bis 1858 als Sohn des Pfarrers seine Kindheit.
Naturpark Schönbuch Nufringen liegt am Rande des Naturparks Schönbuch, dem größten geschlossenen Waldgebiet im Ballungsraum Mittlerer Neckar. Der Naturpark ist ein wichtiges sowie beliebtes Naherholungsgebiet und zugleich ein einzigartiger Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Er verzeichnet jährlich mehr als 4 Millionen Besucher. Die Gemeinde ist Mitglied des Fördervereins Naturpark Schönbuch.
Naturschutzgebiet „Ried“ Im Jahr 2007/2008 hat die Gemeinde den stark verlandeten Eisweiher wiederhergestellt und einen Teil des Brühlgrabens renaturiert. Sie wurde dabei von der NABU-Ortsgruppe Gärtringen-Nufringen-Rohrau unterstützt; die NABU-Ortsgruppe hat für ihr Engagement im Jahr 2009 den Hauptpreis im NABU-Wettbewerb „Flussjuwel“ erhalten. Das Naturschutzgebiet ist ein Rückzugsraum für bedrohte Tierarten wie z. B. den Eisvogel.
Sport Die Gemeinde verfügt über ein Beachvolleyballfeld, Bolzplätze, mehrere Spielplätze, ein Kleinspielfeld, eine Bocciabahn sowie zwei Mehrzweckhallen (Schwabenlandhallehttps://www.nufringen.de/de/freizeit-vereine/sport-und-freizeitanlagen/schwabenlandhalle#c388 und Wiesengrundhallehttps://www.nufringen.de/de/freizeit-vereine/sport-und-freizeitanlagen/wiesengrundhalle#c387).
Wirtschaft und Infrastruktur Trotz der Nähe zum Ballungsraum Stuttgart und zu „Industrie-Riesen“ wie der Mercedes-Benz Group ist die Zahl der Berufsein- und Auspendler mit je rund 1800 fast gleich hoch. In der Gemeinde arbeiten über 2000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte (Stand 2009).
Wirtschaft In der Gemeinde befinden sich zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, eine Postagentur sowie zwei Bankinstitute.
Von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Gemeinde sind die beiden Gewerbegebiete „Gründen“ und „Buchen“.
Ansässige Unternehmen Ensinger GmbH stellt Hochleistungskunststoffe, Compounds und Halbzeuge her SULT Staub- und Lufttechnik plant, fertigt, montiert Absaug- und Filteranlagen
Bildungseinrichtungen Grundschule im Wiesengrund Fünf kommunale Kindergärten Im Wiesengrund, Schulstraße, Steigstraße, Zeppelinstraße sowie Waldkindergarten „Wilde Füchse“ Private Kinderkrippe Seepferdchen GbR Außenstelle der Volkshochschule Herrenberg.
Die weiterführenden Schulen innerhalb des Landkreises Böblingen sowie die Universitäten in Tübingen und Stuttgart sind mittels ÖPNV gut zu erreichen.
Betreuung In der Gemeinde ist auch das Samariterstift Nufringen angesiedelt, ein Altenpflegeheim mit 32 Plätzen, das als erste Einrichtung im Landkreis Böblingen komplett nach dem Hausgemeinschaftsmodell gebaut wurde und betrieben wird. Darüber hinaus bietet es eine Begegnungsstätte, die von der Gemeinde erstellt wurde und betrieben wird.
Verkehr mini|Bahnhof Nufringen Nufringen liegt 1,5 Kilometer nordwestlich der Autobahn A 81 (Singen–Stuttgart) und direkt nordwestlich an der Bundesstraße 14 (Stockach–Stuttgart). Zudem durchquert die Gäubahn den Ort. Der Haltepunkt Nufringen wird von der Linie S1 (Kirchheim unter Teck–Stuttgart–Herrenberg) der S-Bahn Stuttgart bedient und verfügt über einen kostenlosen P+R-Platz. Dieser zählt mit einer Auslastung von 100 % zu Spitzenzeiten zu den am meisten genutzten P+R-Plätzen im VVS-Gebiet. Über die Autobahn bzw. mit der S-Bahn sind der ca. 35 km entfernte Flughafen Stuttgart und die Landeshauptstadt Stuttgart gut zu erreichen.
Mit der Buslinie 753 (Rohrau – Gärtringen – Nufringen – Herrenberg ZOB) ist Nufringen seit Dezember 2017 auch wieder an das öffentliche Busnetz angeschlossen. Damit ist auch die Nachbarortschaft Rohrau mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar.
Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Nufringen über Gärtringen und Ehningen mit Böblingen und in der anderen Richtung mit Herrenberg verbunden.
Persönlichkeiten
Weitere Persönlichkeiten Wolf von Nufringen (13. Jahrhundert), adliger Herr in Altingen Theodor Schüz (1830–1900), deutscher Maler, Sohn einer Nufringer Familie Herbert Günterberg (1910–1998), deutscher Grafiker, Maler, Zeichner, Karikaturist und Illustrator.
Literatur
Roman Janssen: Nufringen: Eine Gäugemeinde im Wandel der Zeit, WEGRAhistorik-Verlag Stuttgart 1998, ISBN 3-929315-03-3
Weblinks
Internetseite der Gemeinde Nufringen bei leo-bw, dem landeskundlichen Informationssystem Baden-Württemberg
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Böblingen
Kategorie:Ersterwähnung 1182