mini|Blumenwiese in den Schweizer Alpen Als Blumenwiese werden umgangssprachlich artenreiche Wiesen (gelegentlich auch andere Grünlandgesellschaften) bezeichnet, die viele blühende krautige Pflanzen (Blumen) aufweisen. Diese Wiesen sind in vergangenen Jahrhunderten durch damals übliche traditionelle Formen der landwirtschaftlichen Bodennutzung unbeabsichtigt von selbst entstanden, heute aber in der Regel nur durch besondere Maßnahmen zu erhalten oder ggf. neu zu begründen. Die Blumenwiese ist das Biotop des Jahres 2011.
In Gärten und im Garten- und Landschaftsbau ist die Blumenwiese ein vor allem ästhetisches Gestaltungsziel, das im Verlaufe der Jahreszeiten verschiedene Aspekte an Farbe und Wuchshöhe bietet. Dabei steht nicht der Naturschutz im Vordergrund, sondern das ästhetische Erlebnis. So genannte Blumenwiesen-Mischungen, die im Handel angeboten werden, enthalten häufig keine Pflanzenarten der Wiesen, sondern einjährige Arten, wie Klatschmohn und Kornblume, die bereits im ersten Jahr blühen, meist in Garten- oder Zuchtformen. Dies sind keine Arten der traditionellen Wiesen.
Traditionelle Wiesen mini|Sommerblumen in Mecklenburg Der Lebensraum Wiese ist durch menschlichen Einfluss entstanden und durch ihn geprägt.zur Entstehung vgl. z. B. Dirk Kauter: Sauergras und Wegbreit. Die Entwicklung der Wiesen in Mitteleuropa zwischen 1500 und 1900. Heimbach Verlag, 2002. ISBN 3-935380-05-4 Wiesen werden grundsätzlich durch Mahd genutzt – im Gegensatz zu Viehweiden, die von Vieh beweidet werden. Wird die Nutzung eingestellt, verbrachen die Wiesen, die charakteristische Lebensgemeinschaft geht verloren.
Die heutigen landwirtschaftlichen Fettwiesen, die durch Meliorationsmaßnahmen auf hohen Ertrag hin optimiert sind, bestehen allerdings fast ausschließlich aus Grasarten und sind fast immer arm an Blüten.Sieglinde & Lothar Nitsche: Extensive Grünlandnutzung. Neumann Verlag, 1994. ISBN 3-7402-0149-5Hartmut Dierschke & Gottfried Briemle: Kulturgrasland: Wiesen, Weiden und verwandte Staudenfluren. Ulmer Verlag 2002. ISBN 3-8001-3816-6 Gelegentlich kommen noch einige wenige Krautarten vor, die dann Massenvorkommen ausbilden können, in besonders hochwüchsigen Beständen können aber Krautarten fast ganz fehlen. Besonders stark wirkt sich hier die hohe Düngung mit stickstoffhaltigen Düngemitteln aus. Gegenüber diesem modernen Wirtschaftsgrünland fallen die Flächen auf, die noch traditionell bewirtschaftet werden, oder bei denen sogar eine Biotoppflege eine eigentliche Nutzung ersetzt oder in den Hintergrund gedrängt hat. In der Landwirtschaft werden diese als Extensivgrünland oder Biotopgrünland bezeichnet.Gottfried Briemle: Empfehlungen zu Erhalt und Management von Biotop- und Extensivgrünland. Landinfo 2/2007: 16-22. alternativtext=Typische Deutsche Blumenwiesen (Biotop des Jahres 2011)|mini|Sommerblumen-Einsaat (gärtnerische „Blumenwiese“) in Monheim Blumenwiesen als Grünlandbiotope werden von Vegetationskundlern nach der jeweiligen Artenkombination der Pflanzenarten in ganz verschiedene Vegetationstypen eingeteilt, die nach der pflanzensoziologischen Methodik als Pflanzengesellschaften beschrieben worden sind. in der Biotopkartierung und Landschaftsökologie werden auf dieser Grundlage unterschiedliche Biotoptypen unterschieden.
Trockenrasen Trockenrasen und Magerrasen sind völlig ungedüngte, besonders artenreiche Grünlandlebensräume, die manchmal gemäht, häufiger aber beweidet werden. Besonders blütenreich sind Kalktrockenrasen (Mesobrometum) und basenreiche Borstgrasrasen (Nardetum), während basenarme Borstgraswiesen und Sandtrockenrasen von Natur aus blütenärmer sind.
Fettwiesen Zu den Fettwiesen im vegetationskundlichen Sinn zählen nicht nur die stark gedüngten Intensivgrünländer, sondern auch von Natur aus nährstoffreiche oder nur schwach gedüngte, artenreiche Wiesen. Der Übergang von den Trockenrasen zu den eigentlichen Wiesen ist dabei je nach Stickstoffgehalt des Bodens fließend (anders, als man nach der Namensgebung erwarten würde, spielt die Bodenfeuchte dabei kaum eine Rolle, wie schon seit über 50 Jahren bekannt istvgl. Ernst Klapp: Grünlandvegetation und Standort. Parey Verlag, 1965.). Übergangsformen, die vegetationskundlich bereits zu den Fettwiesen zählen, werden als Trockenwiesen oder Magerwiesen bezeichnet. Typische Pflanzengesellschaften sind die Glatthaferwiese (Arrhenateretum elatioris) in tieferen Lagen, und die Goldhaferwiese (Polygono-Trisetion) der Gebirge und Mittelgebirge. Blütenreiche Ausbildungen dieser Wiesentypen sind die eigentlichen „Blumenwiesen“. Einige typische Krautarten sind: weiß blühend: Wiesenmargerite, Wiesen-Labkraut, Wilde Möhre, Wiesen-Kerbel gelb blühend: Gewöhnlicher Hornklee, Wiesen-Platterbse, Scharfer Hahnenfuß, Wiesen-Pippau, Wiesen-Pastinak, Echte Schlüsselblume, Wiesen-Bocksbart, Gewöhnlicher Löwenzahn blau, rot und violett blühend: Wiesen-Klee, Wiesen-Storchschnabel, Wiesen-Glockenblume, Acker-Witwenblume, Wiesen-Flockenblume, Wiesensalbei, Gamander-Ehrenpreis grünlich blühend: Spitzlappiger Frauenmantel, Spitzwegerich, Wiesen-Sauerampfer Auffallend viele dieser Arten führen die Wiese bereits im (deutschen) Namen und zeigen damit den Schwerpunkt ihres Vorkommens an.
Feuchtwiesen Feuchtwiesen sind bodennasse Wiesengesellschaften, meist mit hoch anstehendem Grundwasser. Die eigentlichen Feuchtwiesen, pflanzensoziologisch als Sumpfdotterblumen-Wiesen oder Kohldistel-Wiesen (Calthion) bezeichnet, entsprechen den Glatthaferwiesen auf nässegeprägten Standorten, sie sind genauso arten- und blütenreich wie diese. Bei sehr reichlicher Stickstoff-Düngung (wie bei der heutigen landwirtschaftlichen Bodennutzung die Regel) werden sie meist durch blütenarme Wiesenfuchsschwanz-Wiesen verdrängt.Hartmut Dierschke (1997): Wiesenfuchsschwanz- (Alopecurus pratensis-) Wiesen in Mitteleuropa. Osnabrücker Naturwissenschaftliche Mitteilungen Band 23: 95-107.
Bewirtschaftung
Düngung Blumenwiesen sind umso artenreicher, je weniger sie gedüngt werden. Ohne Stickstoffdüngung haben die meisten Pflanzenarten artenreicher Wiesen Entwicklungsmöglichkeiten. Mit Stickstoffdünger sind wenige Arten wie Wiesen-Fuchsschwanz so konkurrenzstark, dass andere Arten nicht überleben können. Bei einer starken organischen Düngung und ausbleibender Weidepflege können sich Weideunkräuter ausbreiten – etwa Stumpfblättriger Ampfer, Gewöhnlicher Löwenzahn und Quecken. In ehemals gedüngten Wiesen dauert es nach Umwandlung in eine extensive landwirtschaftliche Nutzung oft viele Jahre, bis die angereicherten Nährstoffe dem Boden entzogen sind. Nährstoffentzug findet nur dann statt, wenn Blumenwiesen im Frühjahr oder Sommer gemäht werden und das Mähgut abtransportiert wird. Siehe dazu Extensivgrünland.
Anzahl Schnitte Vor Einführung der Stickstoffdüngung in der Landwirtschaft wurde eine Wiese ein bis zweimal (=zweischürig) im Jahr zur Heugewinnung gemäht. Die in einer Wiese vorkommenden Pflanzenarten haben sich darauf über Jahrtausende (seit der Bronzezeit) angepasst, bzw. es siedeln sich in zweischürigen Wiesen nur Arten an, die an diese Nutzung angepasst sind. Eine Liste von mitteleuropäischen Pflanzenarten mit der Angabe, wie viele Schnitte sie vertragen, haben Briemle und Ellenberg aufgestellt,Gottfried Briemle, Heinz Ellenberg: Zur Mahdverträglichkeit von Grünlandpflanzen. Möglichkeiten der praktischen Anwendung von Zeigerwerten. In: Natur und Landschaft 69 (4), 1994, S. 139–147. sie lehnt sich an die bekannten Zeigerwerte an.
Eigentliche Wiesen (d. h. keine Magerrasen) wurden traditionell immer zweimal gemäht. Der erste Schnitt lag dabei im Juni (je nach Region und Wärme Mitte bis Ende Juni), der zweite Schnitt meist Ende August oder Anfang September. Auf sehr nährstoffreichen Standorten ist darüber hinaus ein dritter Schnitt (oder eine Nachweide) im Oktober üblich. Eine Pflege, die sich an diesen Werten orientiert, wird auch für Blumenwiesen empfohlen.Reinhard Witt, Bernd Dittrich: Blumenwiesen. Anlage, Pflege, Praxisbeispiele. BLV Verlag, München/Wien/Zürich 1996. ISBN 3-405-14867-7 p.66 Intensivgrünländer, die hohe Stickstoffdünger-Gaben erhalten, insbesondere aber für Silagegewinnung dienen, werden bis zu sechsmal im Jahr gemäht, um das eiweißreiche Mähgut optimal verwerten zu können. Erste Einschnitte sind schon im Mittfrühling (April) möglich. An diese Nutzung sind nur wenige Pflanzenarten angepasst. Werden Hochertragsgrünländer in der Nutzung extensiviert (weniger gedüngt, seltener gemäht), wird der Aufwuchs überständig und ist dann nicht mehr als Futter verwertbar. Dies ist zu vermeiden, wenn die Arten und Sorten des Intensivgrünlands durch besser angepasste ersetzt werden.
Ein einmaliger Wiesenschnitt im Herbst wurden in der traditionellen Landwirtschaft nur auf extrem nährstoffarmen Niedermoorstandorten durchgeführt. Das Mähgut wurde dann nicht zur Fütterung, sondern als Einstreu genutzt. Solche Wiesen heißen daher Streuwiesen.
Schnitttechnik Eine Schnitthöhe von 5 bis 10 cm begünstigt Pflanzenarten, die ihre Erneuerungsknospen nicht am Boden haben. Niedrigere Schnitthöhe, wie sie mit modernen Kreiselmähern üblich ist, verletzen teilweise den Boden und führen dann zur Ausbreitung von einjährigen Arten. Bei sehr niedriger Schnitthöhe müssen Pflanzen aus ihren Wurzeln austreiben und es werden austriebsfähige Gräser begünstigt.
Neuanlage von Blumenwiesen mini|Städtische „Blumenwiese“, mit Einjährigen Die moderne Feldflur, die durch Äcker und blütenarme, hochertragreiche Intensivgrünländer bestimmt wird, wird von vielen Menschen als verarmt wahrgenommen. Seit auch die relativ ertragreichen, blütenreichen Ausbildungen der Fettwiesen immer seltener werden (selbst die typische Glatthaferwiese wird in der Roten Liste der gefährdeten Vegetationstypen in der Vorwarnliste geführtEintrag im Floraweb des BfN), gibt es Bestrebungen, Blumenwiesen neu anzulegen. In der freien Landschaft sind dabei besonders bedrohte Vegetationseinheiten mit vielen bedrohten Pflanzenarten bevorzugte Zielobjekte des Naturschutzes. Außerdem werden nach Umgestaltungen und Baumaßnahmen z. B. neu geschobene Böschungen als Blumenwiesen gestaltet. Manchmal werden sie auch im Zuge der sog. Eingriffsregelung nach dem Bundesnaturschutzgesetz als Kompensation für einen Eingriff in die Natur angelegt. Eine ehrenamtliche Initiative, die sich die Förderung von Blumenwiesen zum Ziel gesetzt hat, ist das „Netzwerk blühende Landschaft“.Netzwerk blühende Landschaft: Homepage