rechts|310px Rutesheim ist eine Stadt in Baden-Württemberg und gehört zum Landkreis Böblingen.

Geographie Rutesheim liegt in der Südwestecke des Strohgäus, das zum Naturraum Neckarbecken gehört. Die Stadt unmittelbar an der Bundesautobahn 8 (A8) ist fünf Kilometer von Leonberg und sieben Kilometer von Heimsheim entfernt.

Nachbarorte Benachbarte Siedlungen sind (von Nordost im Uhrzeigersinn) Heimerdingen, Gebersheim, Leonberg, Eltingen, Warmbronn, Renningen, Malmsheim, Heimsheim, Flacht und Weissach.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Rutesheim in den Grenzen vom 31. Dezember 1971 gehörten neben Rutesheim die Siedlung Rutesheim-Heuweg sowie die abgegangenen Ortschaften Aichingen, Bechingen, Miemingen und Hennenhäusle.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 118–120 Zum 1. Januar 1972 wurde das Nachbardorf Perouse eingemeindet, 2008 die Gesamtgemeinde zur Stadt erhoben. Im Stadtteil Perouse leben rund 1.300 Einwohner.

Schutzgebiete

Zu Rutesheim gehört das nördlich von Heimsheim gelegene Naturschutzgebiet Feuerbacher Heide-Dickenberg, welches zum FFH-Gebiet Calwer Heckengäu gehört. Es grenzt an das Landschaftsschutzgebiet Heimsheim. Südlich von Rutesheim liegt das Landschaftsschutzgebiet Bohlhalde mit Hang und westlich des Ortes das Landschaftsschutzgebiet Schafwäsche. Nördlich von Rutesheim hat die Gemeinde Anteil am FFH-Gebiet Strohgäu und unteres Enztal.

Geschichte mini|300px|Rutesheim 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch Rutesheim Rutesheim, früher auch „Ruthemsen“ geschrieben, wurde erstmals im Jahre 767 in einer Urkunde des Klosters Lorsch erwähnt. Politisch gehörte Rutesheim ab etwa 750 zum Glemsgau, ein Herrschaftsbezirk eines Gaugrafen, der ab dem 13. Jahrhundert nur noch als Regionalbezeichnung diente und als solche vom „Strohgäu“ abgelöst wurde. Rutesheim kam schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts durch Kauf an die Grafschaft Württemberg. Grundherrlich war Rutesheim im 15. Jahrhundert Bestandteil des Böblinger Witwenguts der Erzherzogin Mechthild. Später kam das Dorf zum Oberamt Leonberg und verblieb auch dort nach der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg. Am 30. Juni 1837 gingen 120 Gebäude in einer Feuersbrunst verloren. 1869 erfolgte mit der Eröffnung des Bahnhofs an der Schwarzwaldbahn der Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Rutesheim 1938 zum erweiterten Landkreis Leonberg. 1945 geriet Rutesheim in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im Bundesland Baden-Württemberg aufging. 1973 vollzog sich die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der Rutesheim zum Landkreis Böblingen kam.

Perouse

Das am 1. Dezember 1971 eingemeindete Perouse entstand durch die Ansiedlung von 71 Waldenser-Familien, die ihre am 13. Juni 1699 gegründete Gemeinde in Erinnerung an ihre ursprüngliche Heimatgemeinde Perouse (heute Perosa Argentina) im Piemont nannten. Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg hatte den aus Frankreich vertriebenen Waldensern das Land angeboten.

Stadterhebung Auf Beschluss der Landesregierung vom 22. Januar 2008 wurde Rutesheim zum 1. Juli 2008 die Bezeichnung „Stadt“ verliehen. Am 26. Juni 2008 übergab Ministerpräsident Oettinger in einem Festakt die Stadturkunde.

Einwohnerentwicklung Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 ¹ 1.654 1. Dezember 1880 ¹ 1.754 1. Dezember 1890 ¹ 1.787 1. Dezember 1900 ¹ 1.799 1. Dezember 1910 ¹ 1.990 16. Juni 1925 ¹ 2.220 16. Juni 1933 ¹ 2.375 17. Mai 1939 ¹ 2.515 13. September 1950 ¹ 3.368 6. Juni 1961 ¹ 5.273 Jahr Einwohner 27. Mai 1970 ¹ 7.719 31. Dezember 1980 8.291 27. Mai 1987 ¹ 8.511 31. Dezember 1990 9.025 31. Dezember 1995 9.515 31. Dezember 2000 9.970 31. Dezember 2005 10.145 31. Dezember 2010 10.249 31. Dezember 2015 10.624 31. Dezember 2020 10.87531. Dezember 202511.207

Religion Kirchenrechtlich gehörte Rutesheim bis zur Reformation zum römisch-katholischen Landkapitel Grüningen im Speyrer Archidiakonat Trinitatis.Das Archidiakonat Trinitatis, das dem „Stiftspropst bei Allerheiligen“ zustand, war in die Landkapitel Weil der Stadt, Grüningen (heute Markgröningen) und Vaihingen an der Enz unterteilt. Vgl. Karte des Archidiakonats Trinitatis im Bistum Speyer (um 1500)

Seit der Reformation im Herzogtum Württemberg 1534 gehörte der Ort zur evangelischen Superintendenz Leonberg. Die evangelischen Kirchengemeinden in Rutesheim sind innerhalb der Evangelischen Landeskirche dem Kirchenbezirk Leonberg zugeordnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Neubürger unterschiedlicher Konfession hinzu. In der Stadt Rutesheim gibt sechs Kirchengemeinden: drei evangelische (Rutesheim, Perouse und Heuweg-Silberberg), eine evangelisch-methodistische, eine katholische und eine neuapostolische Gemeinde sowie eine altpietistische Gemeinschaft.

Politik Bürgermeister 1978–2002: Wilfried Reichert 2002–2018: Dieter Hofmann 2018–2026: Susanne Widmaier seit 2026: Tobias Pokrop

Gemeinderat In Rutesheim wurde der Gemeinderat bis 2019 nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. 2023 wurde die unechte Teilortswahl abgeschafft. Der Gemeinderat in Rutesheim hat seit der Kommunalwahl 2024 18 Mitglieder. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019BWVBürgerliche Wählervereinigung Rutesheim20,44427,985UBRUnabhängige Bürger Rutesheim21,48424,235CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands18,54321,044SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands12,4729,982GRÜNEBündnis 90/Die Grünen14,153––WIRWir in Rutesheim12,922––GABLGrün-Alternative Bürgerliste––16,783gesamt100,018100,019Wahlbeteiligung68,59 %65,61 %

Wappen

Gemeindepartnerschaften Rutesheim pflegt interkommunale KontaktePartnerstädte im Internetauftritt der Stadtverwaltung Rutesheim; abgerufen am 6. Februar 2024. mit Scheibbs in Niederösterreich; Partnerschaft seit 1972 Saalburg-Ebersdorf in Thüringen; Kontakte seit 1989 Perosa Argentina in der norditalienischen Region Piemont; Freundschaftsvertrag 2008, Partnerschaft seit 2017

Infrastruktur und Wirtschaft Verkehr mini|Bahnhof Rutesheim Rutesheim liegt unmittelbar an der Bundesautobahn 8 (A8), 5 km von Leonberg, 18 km von Stuttgart-Mitte und 22 km vom Flughafen Stuttgart und der Neuen Messe entfernt. Im September 2008 wurde nach dem sechsstreifigen Ausbau der A8 die Anschlussstelle Rutesheim für den Verkehr freigegeben. Die Umgehungsstraße (Nordumfahrung Rutesheim) entlastet seit Juli 2007 den Stadtkern vom Durchgangsverkehr und verbindet das Gewerbegebiet Schertlenswald ortsdurchfahrtsfrei mit der Autobahn. Der Stadtteil Perouse wird durch eine 2017 eröffnete zweite Umfahrung nun vollständig vom Durchgangsverkehr entlastet.

Die Stadt ist über die Schwarzwaldbahn an das Schienennetz angebunden. Auf dieser Strecke verkehren die Linien S6 (Weil der Stadt–Leonberg–Stuttgart) und S60 (Böblingen–Renningen–Stuttgart) der S-Bahn Stuttgart mit dem Halt am S-Bahnhof Rutesheim. Dieser befindet sich 2,5 km vom Rutesheimer Stadtkern entfernt auf dem Gebiet des Leonberger Stadtteils Silberberg, verbunden durch eine Stadtbuslinie des VVS.

Ansässige Unternehmen In Rutesheim sind vor allem mittelständische Betriebe und Handwerksbetriebe ansässig. Neu angesiedelt wurde 2013 die Firma Porsche mit rund 400 Mitarbeitern in Rutesheim. Der Maschinenbauer Voith produziert Hydraulikteile an seinem Standort Rutesheim.

Bildungseinrichtungen Mit dem Gymnasium, der Realschule und der Theodor-Heuss-Schule (Grund- und Werkrealschule) verfügt Rutesheim über drei Schulen. Alle drei bieten offene, ganztägige Angebote. Dafür wurde eine neue Mensa mit Aula im Schulzentrum erstellt. Den Busverkehr zu den Schulen wickeln die Firmen Wöhr-Tours aus Weissach und Seitter aus Friolzheim ab. Weiterhin gibt es zehn Kindergärten und Krippen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Obstsortenmuseum Häsel: Anlage mit etwa 190 alten Obstsorten

mini|hochkant|Turm der Evangelischen Johanneskirche Rutesheim

Bauwerke Rathaus (Geografische Koordinaten: ) Evangelische Johanneskirche (Geografische Koordinaten: ); 1789 wurde die Kirche durch Kirchenrats-Baumeister Wilhelm Friedrich Goez aus Ludwigsburg im Stil der Zeit um- und ausgebaut. 1854 erhielt der Turm nach dem Entwurf von Architekt Christian Friedrich Leins seine heutige Gestalt. 1956 wurde der Kirchenraum grundlegend umgestaltet. 2017 waren Dachsanierungen und Modernisierungen erforderlich. Wasserturm (Geografische Koordinaten: )

Persönlichkeiten mini|hochkant|Evangelische Kirche und Gemeindehaus im Stadtteil Perouse Wilhelm Kopp (1856–1910), evangelischer Pfarrer, wirkte und starb in Perouse Georg Schmidgall (1867–1953), führender Studentenhistoriker, in Rutesheim geboren Heinz Fuchs (1934–2012), Unternehmer und Rennwagenkonstrukteur Wolfgang Kermer (* 1935), Kunsthistoriker und Hochschulrektor, lebte von 1970 bis 1982 in Rutesheim Tim Striegel (* 2001), Koch, dessen Restaurant mit Michelinstern ausgezeichnet wurde

Sport Die SKV Rutesheim (Sport- und Kulturvereinigung) betreibt die Abteilungen Fußball, Handball, Turnen, Volleyball, Tischtennis, Sportabzeichen, Lauf-Treff, Walking-Treff und die Sängerabteilung. Die Fußballabteilung spielt mit ihren aktiven Teams in der Verbandsliga Württemberg (I.) und der Bezirksliga Enz/Murr (II.), der größte Erfolg war der Aufstieg in die damals drittklassige Amateurliga Württemberg im Jahr 1976. Der CVJM Rutesheim ist mehrfacher deutscher Eichenkreuzmeister im Indiaca.mini|hochkant|Katholische Kirche St Raphael Rutesheim

Literatur

Herbert Vinçon: Rutesheim mit dem Waldenserdorf Perouse. Heimsheim 2008

Weblinks

rutesheim.de Historische Auszüge aus dem Heimatbuch

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Böblingen

Kategorie:Ersterwähnung 767 Kategorie:Stadt in Baden-Württemberg Kategorie:Stadtrechtsverleihung 2008