mini|Wechselkurs des Euro zum Rubel seit 2005

Der russische Rubel () ist die offizielle Währung der Russischen Föderation. Er wird auch in den von Russland militärisch besetzten Gebieten der Ukraine (Oblast Cherson, Volksrepublik Donezk, Republik Krim, Volksrepublik Lugansk, Oblast Saporischschja und Sewastopol) sowie in den international nicht anerkannten Republiken Abchasien und Südossetien – welche völkerrechtlich als Teil Georgiens zählen – verwendet.

Die Währung ist unterteilt in 100 Kopeken, jedoch spielen diese Münzen durch die Inflation im allgemeinen Zahlungsverkehr keine Rolle mehr. Der Name des Rubels stammt aus dem 14. Jahrhundert und bedeutet „abgehackt“, „herunterschlagen“ (russisch ). Das Währungssymbol ist ₽ (Unicode: U+20BD) und der Währungscode (ISO 4217) ist RUB. (inoffizielle Währungssymbole sind und ) Im Gegensatz dazu kennzeichnete der frühere Code RUR den Rubel vor seiner Neuwertung von 1998 (1 RUB = 1000 RUR).

Geschichte

mini|50 Rubel (Baku 1918) mini|Rubel 1723 mini|hochkant|Das 2013 eingeführte Rubel-Symbol

Im 14. Jahrhundert wurde der russische Rubel erstmals in Form von Gold- und Silbermünzen eingeführt. Bis dahin verwendete man Edelmetalle in Barren als Zahlungsmittel. Um auch kleinere Beträge zahlen zu können, wurden von den Barren kleine Stücke abgebrochen. Auf diese Weise entstand der eigentliche Name der Währung. Denn „Rubel“ bedeutete so viel wie „Abschlag“.

Im 16. Jahrhundert etablierte sich der Rubel als Zahlungsmittel in ganz Russland. Das Zarentum Russlands begann im 17. Jahrhundert eine systematische Prägung von Silberrubel und Silberkopeken. Auf den neuen Münzen war das Porträt des russischen Zaren zu erkennen. Auch im 18. Jahrhundert wurden Porträts der russischen Kaiser und Kaiserinnen auf den Münzen verwendet. Während dieser Zeit wurden kleinere Stückelungen der Münzen auf Gold geprägt. Signifikante Veränderungen im Design wurden Anfang des 19. Jahrhunderts vorgenommen.

20. Jahrhundert Zur Zeit der Russischen Revolution wurde ab 1917 durch große Mengen von Papiergeld eine Hyperinflation verursacht. In der Sowjetunion gab es in den 1920er Jahren wieder eine neue, stabilisierte Währung mit dem Namen „Rubel“, die teilweise mit Gold-, Silber- und Billonmünzen im Umlauf hinterlegt war. Ab dem Zweiten Weltkrieg kam es erneut zu einer Inflation. 1947 und 1961 erfolgten Reformen.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 lehnten die meisten ehemaligen Unionsrepubliken den Sowjetischen Rubel als Zahlungsmittel ab und wollten eine eigene Währung einführen. Seither existieren verschiedene Nachfolgewährungen wie der russische Rubel, der belarussische und der transnistrische Rubel. Es gab verschiedene gescheiterte Versuche von Währungsunionen.

Die russische Zentralbank druckte 1992 neue Banknoten mit dem Motiv der russischen Flagge und der russischen Zentralbank anstelle einer Landesbezeichnung. Noch im selben Jahr begann die Privatisierung des Staatseigentums. Über 70 % der Geschäfte, Restaurants, Cafés und Werkstätten wurden an Privatpersonen verkauft; sie standen nun nicht mehr unter staatlicher Führung. Nach der Liberalisierung des Handels und der Freigabe der Preise begann eine Hyperinflation (1992 verzwanzigfachten sich die Preise durchschnittlich, die Inflationsrate betrug also rund 2000 %). In den Folgejahren betrug die Inflationsrate zwischen 100 % und 500 %.. Deutsches Lehrmittel- und Kulturzentrum KIROV. Das Realeinkommen der Bevölkerung sank drastisch, einige Teile der Bevölkerung verarmten.Neue Rubel nach Bedarf. Spiegel online, Ausgabe 14/1992.

1995 befand sich die russische Wirtschaft in einem Zustand akuter Stagflation. Der Produktionsrückgang stoppte zum ersten Mal seit 1991, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte, die Preise stiegen jedoch massiv weiter. In dieser Zeit erfolgte eine starke Aufwertung des russischen Rubel, die vor allem durch die hohen Exporte und Direktinvestitionen in die Rohstoffindustrie getrieben wurde.„Rohstoffbasierte Staatsfonds – Theorie und Empirie“ (PDF; 1,2 MB). Forschungsbericht Nr. 0108, Institut für Makroökonomik, Universität Potsdam, M. Clemens, W. Fuhrmann In den folgenden Jahren erholte sich die russische Volkswirtschaft durch den ansteigenden Rohstoffhandel. Die Inflationsraten sanken deutlich und das BIP wuchs jährlich.

Am 1. Januar 1998 wurde aus 1000 alten Rubel 1 neuer Rubel – der russische Staat „strich drei Nullen“. Jelzin sagte, dieser Erlass ziehe einen endgültigen Schlussstrich unter die Epoche der hohen Inflation; außerdem werde der Zahlungsverkehr dadurch leichter. Die Zentralbank richtete ein Sorgentelefon für Bürger ein.Spiel mit dem Rubel. Spiegel online, Ausgabe 33/1997.

In dieser Zeit galt die Wirtschaftspolitik als erfolgreich. Die Inflationsraten waren niedrig, der Wechselkurs gegenüber den Weltwährungen stabil und die Zinssätze rückläufig.

Rubelkrise 1998 1998 und 1999 gab es in Russland die Rubelkrise. Im Zuge der asiatischen Finanzkrise ging die Nachfrage nach Rohöl und Nichtmetallen zeitweise zurück bzw. deren Preise sanken. Ein Teil der Anleger (z. B. russische und asiatische) verkaufte ihre Investments. Der Kurs der staatlichen Schuldverschreibungen sank; der Wechselkurs des Rubel ebenfalls. Die Zentralbank reagierte darauf mit drastischen Erhöhungen des Leitzinses (am 27. Mai 1998 für einige Tage auf 150 %), um den Kursrutsch zu stoppen. Am 17. August 1998, wenige Stunden nachdem der russische Präsident versichert hatte, dass es keine Abwertung des Rubel geben werde, kündigte die Zentralbank eine Abwertung des Rubels um 53 % an. In diesem Zusammenhang wurde der Devisenmarkt eingeschränkt und ein Drei-Monate-Moratorium für die Bedienung fälliger Auslandsforderungen gegenüber russischen Privatschuldnern erlassen. Der Staat erklärte sich für vorübergehend zahlungsunfähig. Die Veröffentlichung verschiedener Wirtschaftskonzepte zur Rettung des Rubels, wie die Verstaatlichung der Geschäftsbanken, trug zum Kursverfall des Rubels bei. Im Zuge dieser Finanzkrise stieg die Inflationsrate auf 85 %, viele Banken gingen in die Insolvenz und der Anteil der Armen stieg deutlich.Die Russland-Krise 1998. Welt online.Kathrin Berensmann: Russische Währungs-, Finanz- und Schuldenkrise. 1999.

Trotz starker wirtschaftlicher Probleme erfuhr die Volkswirtschaft zur Jahrtausendwende ab 1999 eine Trendwende. Gründe dafür waren in erster Linie die gestiegenen Weltmarktpreise für Rohöl, Erdgas und Metalle in Verbindung mit der Abwertung des Rubels und der Senkung der Reallöhne. Dadurch erlangte Russland einen großen Kostenvorteil. Aufgrund fiskalpolitischer Entscheidungen konnte die Inflationsrate im Jahr 2000 auf 21 % gesenkt werden. Das Wirtschaftswachstum stieg jährlich und Russland erholte sich relativ schnell.Eric von Breska: Die Kreditpolitik des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank gegenüber Russland. 2001. Aufgrund der Abhängigkeit der russischen Wirtschaft hinsichtlich der Ölgewinne wurde im Jahre 2004 der „Russian Oil Stabilization Fund“ gegründet. Dieser sollte zum einen der hohen Volatilität der Ölpreise und zum anderen den Gefahren eines steigenden realen Wechselkurses entgegenwirken. Der Fonds ist innerhalb von drei Jahren auf 84,4 Mrd. US-Dollar gewachsen. Sinkt der Budgetsaldo, so kann er zum Teil mit dem Sparguthaben ausgeglichen werden. Es muss jedoch immer eine Mindestreserve gehalten werden.

Weltweite Finanzkrise 2007/2008 Die weltweite Finanzkrise 2008 traf den russischen Staat verzögert. Durch die global verlangsamte Wirtschaft brachen die Rohstoffpreise ein, was vor allem Russland traf. Als die US-Börsen abstürzten, ließen sich internationale Investoren ihre Anteile in Russland, die etwa den halben russischen Börsenmarkt ausmachen, auszahlen. Nachdem die Kurse der russischen Aktien um 20 % gesunken waren, kam es zu weiteren Kurseinbrüchen. Die russischen Ölaktien sind seitdem um 60 % gefallen. Der nominale Wechselkurs des Rubels gegenüber dem Dollar ist im August 2008 um 3,2 % und im September 2008 um 4,5 % gesunken. Er stand somit im Oktober des Jahres in einem Verhältnis von 26,2:1 zum Dollar. Der Rubel geriet unter starken Abwertungsdruck.

Das Wechselkursziel der russischen Zentralbank betrug Anfang 2008 41 Rubel gegenüber einem gewichteten Währungskorb von US-Dollar und Euro. Im Laufe des Jahres schwankte dieser noch um 30 Rubel.Konjunkturschlaglicht: Russland in schwerer Rezession (Download, PDF, 42 kB), in: Wirtschaftsdienst, 89. Jg. (2009), H. 4, S. 272–273.

Die Zentralbank war dadurch zu beträchtlichen Stützungskäufen gezwungen. Jedoch mit Erfolg, denn der Abwertungsdruck auf den Rubel schwächte sich ab. Die Regierung war in der Lage, den Rubel zu halten und einen Ausbruch von Bankkollapsen vorzubeugen. Sie konnte jedoch nicht den Aktienmarkt stabilisieren.„Russland und die internationale Finanzkrise“ (PDF; 1,2 MB). Russlandanalysen 171/2008, Herausgeber: Universität Bremen und deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, .Globale Finanzkrise 2008 und Wirtschaft Russlands. Russlands Perspektiven, Friedrich-Ebert-Stiftung, Autor: Leonid Grigorjew, Ausgabe: 12/2008 pdf

Ereignisse nach der Finanzkrise 2013 wurde in Russland eine Abstimmung für ein Rubel-Symbol ausgeschrieben. Aus fünf Vorschlägen setzte sich das Zeichen durch, bei dem das kyrillische „R“ (aussehend wie ein lateinisches „P“) mit einem waagerechten Strich versehen ist.web.archive.org abgerufen am 27. Mai 2014. Ende 2013 besaß die russische Zentralbank Fremdwährungen im Wert von damals über 500 Mrd. US-Dollar; Ende 2014 hatte sie noch Fremdwährungen im Wert von etwa 400 Mrd. US-Dollar.FAZ.net vom 26. Dezember 2014: Russlands Notenbank vergibt jetzt Dollar-Kredite

Im Jahr 2014 machten sich die Wirtschaftssanktionen, die die USA, Japan, Australien und die EU im Zuge der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland sowie dem russischen Krieg in der Ukraine seit 2014 verhängt hatten, sowie der Ölpreisverfall auf den Finanzmärkten bemerkbar. Der Rubelkurs sank 2014 in Relation zu allen Leitwährungen stark. So wurde am 16. Dezember erstmals kurzzeitig der Wechselkurs von 100 Rubel für einen Euro überschritten, obwohl die Zentralbank den Leitzins zuvor von 10,5 auf 17 % erhöht hatte.Russlands Zinsschritt verpufft. Der Rubel fällt ins Bodenlose, FAZ.net vom 12. Dezember 2014Selbst Putin kann den Absturz des Rubel nicht stoppen, Welt.deSchönreden der Krise – Der russische Präsident Putin versucht, selbst dem dramatischen Verfall des Rubels etwas Positives abzugewinnen – und verspricht gute Zeiten. Die Indizien aber deuten auf wachsende Nervosität, FAZ.net vom 3. Dezember 2014

Putin thematisierte den Rubelkurs bzw. -verfall in seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation am 4. Dezember 2014.Presidential Address to the Federal Assembly (englisch), 4. Dezember 2014 Hierbei erklärte er, dass die Währung bei fallenden Ölpreisen noch weiter an Wert verlieren könne.Putin: Nato baut an neuer Berliner Mauer. Artikel vom 18. Dezember 2014 im Portal manager-magazin.de, abgerufen am 19. Dezember 2014 Im Jahr 2014 hatte der Rubel etwa 60 % seines Außenwertes verloren; die Furcht vor weiterer Geldentwertung trieb viele Russen zur Flucht in Sachwerte.Schnell weg mit dem Rubel, FAZ.net vom 16. Dezember 2014Rubel-Absturz: Russland-Crash erreicht Deutschland, spiegel.de Der russische Wirtschaftsminister Alexei Uljukajew äußerte sich deutlich anders als Putin; er nannte verschleppte Reformen und Nicht-Handeln als Ursachen.Interview: Russischer Wirtschaftsminister gibt Russland die Schuld an der Krise, spiegel.de vom 18. Dezember 2014

Laut Angaben der russischen Regierung betrug die Inflationsrate 2014 über 10 %, sie war damit so hoch wie seit 2009 nicht mehr.FAZ.net vom 25. Dezember 2014: Russland erklärt Finanzkrise für beendet Am 30. November 2015 bezifferte die Bank ihren Fremdwährungsbestand auf etwa 365 Mrd. US-Dollar.International Reserves of the Russian Federation, 26. Dezember 2015

Überfall Russlands auf die Ukraine 2022