Die Geschichte der Region Bessarabien wird oft auch als Geschichte der Republik Moldau bezeichnet. Es ist umstritten, ob die Moldauer ein eigenes Volk sind und damit eine eigene Nationalgeschichte haben oder ein Teil der rumänischen Ethnie sind und die Geschichte Moldaus damit nur eine Regionalgeschichte ist.Stefan Ihrig: Rediscovering History, Rediscovering Ultimate Truth History, Textbooks, Identity and Politics in Moldova (PDF; 277 kB). Jeff Chin und Steven D. Roper: Ethnic Mobilization and Reactive Nationalism. The case of Moldova. Nationalities Papers, Jg. 23, Nr. 2 1995 (PDF; 3,9 MB). Politisch reflektiert sich diese identitätspolitische Auseinandersetzung im Streit der Befürworter einer Vereinigung mit Rumänien und der Unterstützer einer eigenstaatlichen Entwicklung aufgrund einer eigenen moldauischen Identität. Die Geschichte der Republik Moldau ist daher keine stringente Erzählung, sondern zeigt die wechselnden Einflüsse, denen diese weitgehend mit Bessarabien deckungsgleiche Region ausgesetzt war. Zum Teil wird die Geschichte auch unter der Bezeichnung Geschichte Moldawiens gefasst.

Der Name des Landes „Moldova“ in der rumänischen Sprache, deutsch „Moldau“, beinhaltet: das im Mittelalter unabhängige Fürstentum die heutige rumänische Region Moldau (zwischen Karpaten und Pruth) und die heutige Republik Moldau.

Der Name „Moldau“ soll aus dem dakischen „molta“ (viele) und „Dava“ (Burg oder Festung) abgeleitet worden sein. Andere Quellen behaupten, dass Molda, die Hündin des Fürsten „Dragoș des Gründers“ in einem Fluss ertrunken war. Das traurige Ereignis gab dem Fluss und dem Fürstentum seinen Namen. Auch die Theorie, dass der Name Moldau abgeleitet wurde von dem rumänischen Wort „Molid“ oder „Molift“ (Picea abies, deutsch: Fichte, Rotfichte) ist möglich. Aber die meist angenommene Hypothese der Sprachforscher ist, dass sowohl „Moldova“ wie auch die Burg „Moldvar“ (rumänisch: „Baia“, was Höhlung bedeutet) vom altdeutschen Wort „Mulde“ oder „Molde“, was (Aus)Höhlung, Vertiefung bedeutet, herkommen. Das Wort „Mulde“ wurde von siebenbürgisch-sächsischen Arbeitern gebraucht, die von ungarischen Königen, den ursprünglichen Herrschern, in die walachischen Fürstentümer zur Bergarbeit geholt wurden.Constantin C. Giurescu und Dinu C. Giurescu: Geschichte der Rumäner, S. 209–210, Bogdan Petriceicu Hasdeu: Etymologicum Magnum Romaniae, Bukarest, Graeve, 1896, und Gustav Weigand: Linguistischer Atlas des dakorumänischen Sprachgebiets, Leipzig, Barth, 1908. mini|Das unabhängige Fürstentum Moldau mini|Die Folge der Teilungen von Moldau

Frühgeschichte Die lateinischen Ursprünge Moldaus können auf die Periode der römischen Besetzung des nahe gelegenen Dakiens zurückgeführt werden, das auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens, Bulgariens und Serbiens lag. Moldau gehörte nie zur römischen Provinz Dacia, allerdings wurde das Gebiet von den Römern als Teil Dakiens oder als Teil der Sarmatia gesehen.

Etwa in der Zeit von 105 bis 270 bildete sich aus der Vermischung römischer Siedler und der örtlichen Bevölkerung eine neue Kultur, die dako-romanische und später rumänische Kultur. zogen während der Völkerwanderung verschiedene Volksgruppen durch das Gebiet und ließen sich auch teilweise hier nieder, darunter Hunnen, Ostgoten und Ostslawen (Anten), später Protobulgaren, Magyaren, Petschenegen, Kumanen und die Goldene Horde (Mongolen). Im 13. Jahrhundert expandierte Ungarn in die Region und errichtete eine Reihe von Befestigungen nahe dem Fluss Sereth im heutigen Rumänien. Um 1350 wurde die Region von Siedlern rumänischer Sprache und Kultur aus der Region Maramuresch besiedelt, deren Fürst Bogdan I. ein von ungarischer Oberhoheit unabhängiges moldauisches Fürstentum gründete. Ursprünglich Bogdania genannt, erstreckte es sich von den Karpaten bis zum Fluss Dnister; später wurde es in Moldowa umbenannt, wobei der Grund für diese Namensgebung unklar ist (siehe oben).

Mittelalter Das Osmanische Reich war im 15. Jahrhundert zum bedeutendsten Machtfaktor in Südosteuropa geworden. Daneben strebten das Königreich Ungarn und das Königreich Polen auch die Erweiterung ihres Einflussbereiches in Südosteuropa an. Das Fürstentum Moldau versuchte in dieser Phase möglichst viel seiner Eigenständigkeit zu behalten, geriet aber als Vasallenstaat unter osmanischen Einfluss.

Der bedeutendste der spätmittelalterlichen moldauischen Fürsten war Ștefan cel Mare (Stefan der Große) (* um 1433 in Borzești; † 2. Juli 1504 in Suceava), der mit 47 Jahren ungewöhnlich lange regierte. Mit seiner Herrschaft wird die Blütezeit des Fürstentums Moldau verbunden, weshalb er auch von der Bewegung zur Vereinigung von Rumänien und Moldau zum zentralen Erinnerungsort ihrer Identitätspolitik gemacht wurde. In der Überlieferung war er ein bedeutender Kämpfer gegen die Fremdherrschaft, so kämpfte er in 47 größeren Schlachten und verlor nur drei. Am Ende seiner Regierungszeit 1504 war das Fürstentum Moldau weitgehend unabhängig und erlebte eine Phase der wirtschaftlichen Prosperität. Nach seiner Herrschaft flammten die Streitigkeiten zwischen den Bojaren wieder auf und das Land erlebte einen allmählichen Verfall. Schwache Fürsten ließen inkompetente Bojaren den Staat regieren und Steuerzahlungen verweigern, sodass die osmanische Oberherrschaft ihren Einfluss in der Folgezeit wieder ausweitete, die Tributzahlungen erhöhte und die lokalen Herrscher ernannte. Erst als sich das Osmanische Reich selbst im Niedergang befand, konnten die moldauischen Fürsten wieder mehr Einfluss zurückgewinnen.

Russische Expansion alt=Aktie der Moldauischen Landesbank über 100 Thaler, ausgegeben am 1. Januar 1867 in Jassy. Gegründet 1856 als Moldauische Nationalbank von der Dessauer Creditanstalt und Berliner Financiers, 1860 umbenannt.|mini|Aktie der Moldauischen Landesbank über 100 Thaler, ausgegeben am 1. Januar 1867 in Jassy. Gegründet 1856 als Moldauische Nationalbank von der Dessauer Creditanstalt und Berliner Financiers, 1860 umbenannt.„Austria – Wochenschrift für Volkswirthschaft und Statistik“, Nr. 40, Wien, 5. Oktober 1867, S. 1138–1140 Nach dem russisch-türkischen Krieg 1787–1792 musste das Osmanische Reich im Frieden von Jassy (heute Iași) alle Besitzungen östlich des Dnister an Russland abtreten. Ein erweitertes Bessarabien (benannt nach dem walachischen König Basarab I.) wurde nach dem 7. russisch-türkischen Krieg von 1806 bis 1812 durch den Frieden von Bukarest in das Russische Reich integriert. Das Gebiet wurde als Gouvernement Bessarabien organisiert. Es umfasste die Landschaft zwischen den Flüssen Pruth und Dnister und damit etwa die östliche Hälfte des bisherigen Fürstentums Moldau.

Nach Russlands Niederlage im Krimkrieg 1853–1856 wurde im Vertrag von Paris festgelegt, dass Moldau und die Walachei unter die Kollektivgarantie der 7 Unterzeichnerstaaten gestellt würden. Das südliche Bessarabien (die Bezirke Ismail, Bolgrad, Cahul) gingen zurück an Moldau. 1859 wurde Alexandru Ioan Cuza zum Fürsten sowohl von Moldau als auch der Walachei gewählt, wodurch die Fundamente eines rumänischen Staates gelegt wurden. Durch den Vertrag von Berlin 1878 (siehe Berliner Kongress) musste die rumänische Regierung das südliche Bessarabien wieder an Russland abgeben.

Zugehörigkeit zu Rumänien Nachdem im Zuge der Oktoberrevolution von 1917 das Selbstbestimmungsrecht aller Nationalitäten des Russischen Reiches erklärt worden war, konstituierte sich am 21. November 1917 unter der Bezeichnung Sfatul Țării ein Landesrat, der Bessarabien am 15. Dezember 1917 als Moldauische Demokratische Republik proklamierte,Michael Bruchis: The Republic of Moldavia. From the collapse of the Soviet empire to the restoration of the Russian empire. 1996, Google Books ISBN 978-0-88033-373-3 die als autonomer Teilstaat Bestandteil eines föderativ organisierten Russischen Reiches bleiben sollte. Jedoch war die Vereinigung des bessarabischen Landesteils mit dem Königreich Rumänien durch ein Geheimprotokoll in den Friedensverträgen 1918 zwischen Rumänien und den Mittelmächten bereits beschlossen. Im Januar 1918 eroberte das zur Entente gehörende Rumänien Bessarabien und vertrieb die im Rumtscherod organisierten Truppen. Unter dem Druck der Besatzung und in einer Auseinandersetzung, bei der es nicht nur um nationale Identitäten, sondern vor allem um die wirtschaftlichen Interessen der moldauischen Großgrundbesitzer ging, erklärte das Sfatul Țării am 24. Januar 1918 die Unabhängigkeit vom Russischen Reich. Am 27. März 1918 stimmte schließlich eine Mehrheit des Rates für die Vereinigung mit Rumänien und legitimierte damit die faktisch bereits vollzogene Eingliederung Bessarabiens in Großrumänien. Während die Staaten der Entente 1920 die Abstimmung als rechtmäßig anerkannten, betrachteten Sowjetrussland beziehungsweise ab 1922 die Sowjetunion Bessarabien weiterhin als Teil ihres Staatsgebietes und forderte von Rumänien dessen Rückgabe.

Das Gebiet östlich des Dnister war während des Ersten Weltkrieges 1917/18 von Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich besetzt und wurde nach dem Ende des Russischen Bürgerkrieges und der Gründung der Sowjetunion im Dezember 1922 Teil der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Im Jahr 1924 wurde das Gebiet zunächst zur Moldauischen Autonomen Oblast erklärt, sieben Monate später erhob man es zur Moldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (MASSR). Hauptstadt der MASSR war offiziell das „vorübergehend rumänisch besetzte“ Chișinău, so dass bis 1929 (das heute zur Ukraine gehörende) Balta und danach Tiraspol provisorisch die Funktion des Regierungssitzes einnehmen mussten. Mit der Gründung der MASSR bezweckte die sowjetische Regierung in erster Linie die Aufrechterhaltung ihres Gebietsanspruches auf ganz Moldau und erklärte hierzu auch genuin ukrainische Gebiete zu moldauischem Staatsgebiet, was dazu führte, dass der Bevölkerungsanteil ethnischer Rumänen zeitweise bis auf 30 % sank.

Ab 1929 durften Frauen an Kommunalwahlen teilnehmen, jedoch wurde das Frauenwahlrecht von ihrem Bildungsgrad, der sozialen Stellung und besonderen Verdiensten gegenüber der Gesellschaft abhängig gemacht.Jenny Brumme: ‚Inginer și femeie de servicu‘ – Die rumänische Sprache zwischen patriarchalischer Tradition und postkommunistischem Sexismus. In: Wolfgang Dahmen (Hrsg.): Sprache und Geschlecht in der Romania. Romanistisches Kolloquium X. Band 417 der Tübinger Beiträge zur Linguistik, Gunter Narr Verlag, 1997, ISBN 3-8233-5082-X, S. 68.American Bar Association: In: impowr.org. 29. April 2013, abgerufen am 27. August 2019 (englisch). Die Verfassung von 1938 stellte Männer und Frauen in wahlrechtlicher Hinsicht gleich,Text der Verfassung, zitiert nach: American Bar Association: In: impowr.org. 29. April 2013, abgerufen am 27. August 2019 (englisch). und das Wahlgesetz von 1939 führte aus, dass Frauen und Männer, die lesen und schreiben konnten, ab einem Alter von 30 Jahren zu den Wahlen zugelassen waren.Official Gazette of Romania No. 106bis, 9. Mai 1939, Artikel 5, zitiert nach: American Bar Association: In: impowr.org. 29. April 2013, abgerufen am 27. August 2019 (englisch).

Zweiter Weltkrieg