mini|Logo mini|Marktplatz Zelný trh mit dem Palais Dietrichstein und dem Petrov-Hügel mini|Freiheitsplatz in der Brünner Altstadt

Brünn ( Brno ) ist mit über 396.000 EinwohnernPopulation of Municipalities—1 January 2023, czso.cz nach Prag die zweitgrößte Stadt Tschechiens, in der Agglomeration leben etwa 695.000 Menschen.Vymezení území pro Integrované teritoriální investice (ITI) v ČR, mmr.cz Die Stadt, seit dem 17. Jahrhundert das historische Zentrum Mährens, ist heute Verwaltungssitz der Südmährischen Region (Jihomoravský kraj). Brünn besitzt mehrere Universitäten, ist ein wichtiger Forschungsstandort und Sitz des Bistums Brünn der römisch-katholischen Kirche Tschechiens. Die Stadt hat weithin eine bedeutende Stellung als starkes Industrie-, Handels-, Kultur- und Verwaltungszentrum.

In Brünn sind alle Organe der höchsten tschechischen Gerichtsbarkeit angesiedelt. Dies sind das Verfassungsgericht der Tschechischen Republik (Ústavní soud), der Oberste Gerichtshof (Nejvyšší soud) und die Generalstaatsanwaltschaft. Weiter ist die Stadt Sitz des tschechischen Ombudsmanns und der höchsten Wettbewerbsbehörde. Brünn ist mit 62.000 Studierenden ein bedeutender Bildungsstandort in Tschechien; es gibt 13 Hochschulen.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören die Festung Špilberk und die Kathedrale St. Peter und Paul, die gemeinsam die Silhouette des Stadtbilds dominieren. Eine Architekturikone der Moderne ist die Villa Tugendhat, die seit 2001 zum UNESCO-Welterbe gehört. Auch ist Brünn Mitglied des UNESCO Creative Cities Network und wurde 2017 zur „Stadt der Musik“ ernannt.

Auf dem Messegelände Brünn im Stadtteil Pisárky finden alljährlich mehrere für die tschechische Wirtschaft wichtige Messen statt. Die Messetraditon in Brünn begann 1928 mit einer Ausstellung zeitgenössischer Kultur der Tschechoslowakei. Das Automotodrom Brno hat den Masaryk-Ring als Motorsport-Rennstrecke in Brünn abgelöst und ist seither Austragungsort des Großen Preises von Tschechien.

Geographie Lage Brünn liegt am südöstlichen Rand der Böhmisch-Mährischen Höhe. Durch die Stadt fließen die Flüsse Svratka und die von der Stadt Svitavy kommende Svitava, die an der südlichen Stadtgrenze in die Svratka mündet. An der nordwestlichen Stadtgrenze ist die Svratka zu einem etwa 9,5 Kilometer langen und an der breitesten Stelle etwa 600 m breiten Stausee Brněnská přehrada aufgestaut.

Das Stadtgebiet befindet sich in einer Höhe von 190–479 m ü. M. Der höchste Punkt ist der Berg Kopeček (479 m ü. M.) am westlichen Rand des Stadtgebietes.

Klima Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 9,4 °C, der durchschnittliche Jahresniederschlag um 505 mm. Die durchschnittliche jährliche Sonnenscheindauer ist 1771 Stunden und es gibt jährlich 150 Tage mit Niederschlag.

Geschichte mini|Stadtansicht 1593

Auf dem heutigen Stadtgebiet befand sich wahrscheinlich die im Werk des Ptolemaios erwähnte frühgeschichtliche Siedlung Eburodunum.

Zwischen 1021 und 1034 wurde die Burg Brünn erbaut und gab später der anliegenden Siedlung den Namen. 1091 fand zum ersten Mal die Siedlung Brünn Erwähnung. Die Stadt wurde 1243 von Wenzel I. als Königsstadt (Böhmen) gegründet.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 415–424. 1277 ist zum ersten Mal die Festung Spielberg (Špilberk), damals als Burg, erwähnt. Ab 1349 war Brünn Sitz der Markgrafen von Mähren. Im Jahre 1641 löste Brünn Olmütz als Hauptstadt von Mähren ab.

mini|hochkant|Das Měnín-Tor, einziges erhaltenes Stadttor mini|Stadtansicht um 1700 mini|Blick auf Brünn um 1840 mini|Historisches Zentrum (Luftbild)

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Brünn 1643 und nochmals zwischen dem 4. Mai und 23. August 1645 erfolglos durch den schwedischen General Lennart Torstensson belagert. Etwa hundert Jahre später, am 29. März 1742, führte der Erste Schlesische Krieg preußische Truppen vor die Stadt.

19. Jahrhundert 1805 fand nahe der Stadt die Schlacht bei Austerlitz zwischen der österreichischen und russischen Armee einerseits und der Armee des französischen Kaisers Napoleon I. andererseits statt. Napoleon Bonaparte besuchte in diesem Jahr Brünn zweimal: Vom 20. November 1805 blieb er bis in die Nacht auf den 29. November, nach seinem Sieg nochmals vom 7. bis 12. Dezember. Im September 1809 kam er noch einmal in die Stadt, wo ihn seine Armee bereits seit dem 13. Juli erwartete. In dem 1786–1787 von Kaiser Joseph II. neu gegründeten französischen Park Lužánky (: Augarten) veranstalteten Napoleons Soldaten und die Brünner Honoratioren für den französischen Gast eine verspätete Geburtstagsfeier (Napoleon war am 15. August 1809 40 Jahre alt geworden).Lužánky (Augarten), Lidická 50 Encyklopedie Brna Auf Napoleons Anordnung verloren die Brünner Stadtbefestigungen ihre Funktion als Festungen und blieben als Bauwerke erhalten.

Am 7. Juli 1839 wurde die Eisenbahnverbindung nach Wien eröffnet, ein Abschnitt der ersten Fernbahn im Kaisertum Österreich. Kurz nach der Errichtung der Wiener Ringstraße als Vorbild wurden die längst nutzlos gewordenen Befestigungsanlagen abgerissen, anstelle der „Schanzen“ entstand ab 1860/61 nach Plänen von Ludwig Förster ebenfalls eine Ringstraße. Zum Teil blieben die Grünanlagen, zum Teil wurde sie von repräsentativen Gebäuden wie dem Hauptbahnhof oder dem heutigen Mahen-Theater (von Fellner und Helmer) eingefasst.

20. Jahrhundert

In Brünn lebte um 1900 eine überwiegend deutschsprachige Bevölkerung (63 %), während die Vororte außerhalb des Stadtkerns, die bis 1918 nicht zum Brünner Stadtgebiet zählten, überwiegend tschechischsprachig waren. Das Leben in Brünn war daher zweisprachig, und „Brünnerisch“ kann als Vermischung der beiden Sprachen verstanden werden.„Deutsche und Tschechen“ auf bruenn.eu

Nach dem Ersten Weltkrieg lebten in Brünn knapp 55.000 deutschsprachige Bürger. Zu diesen zählten überwiegend die in der Stadt lebenden etwa 12.000 jüdischen Bürger, unter ihnen mehrere bekannte Persönlichkeiten, die sich wesentlich am Kulturleben der Stadt beteiligten. 1930 bekannten sich etwa 52.000 Bewohner zur deutschen und 200.000 zur tschechischen Nationalität, die jüdischen Bewohner beider Nationalitäten inbegriffen.Eva Hahn, Hans Henning Hahn: Die Vertreibung im deutschen Erinnern. Legenden, Mythos, Geschichte. Schöningh, Paderborn 2010, ISBN 978-3-506-77044-8, S. 370.

mini|Malinovského náměstí, im Jahre 1907 Nach der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren im März 1939 und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs begann auch in Brünn die systematische Judenverfolgung. Bis zum Kriegsende wurden 9.064 Juden aus Brünn in verschiedene Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert, es überlebten nur etwa 700 von ihnen. Seit 2010 werden in Brünn Stolpersteine und Gedenksteine in Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt.

Während der deutschen Besetzung bestand in Brünn seit dem 14. April 1939 ein deutsches Landgericht und ab 1940 auch ein Sondergericht.Maximilian Becker: Mitstreiter im Volkstumskampf: Deutsche Justiz in den eingegliederten Ostgebieten 1939–1945. Walter de Gruyter, 2014, S. 46, 47 (books.google.de).

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die deutschsprachige Bevölkerung von Brünn gewaltsam aus der Stadt vertrieben, soweit sie nicht in gemischten Ehen lebte.radio.cz, Radio Prag, 10 Min., abger. 1. März 2020 Ihr Vermögen wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholischen Stadtkirchen enteignet. Im Brünner Todesmarsch (Beginn am 31. Mai 1945) mussten etwa 27.000 vor allem alte und jugendliche Bürger einen Fußmarsch zur 60 Kilometer entfernten österreichischen Grenze antreten. Nach den Schilderungen von Beteiligten kamen dabei ca. 5.200 Personen ums Leben, „amtlich“ belegt sind 2.000 Todesfälle.„Amt“ heißt hier Theodor Oberländer. Siehe Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, Theodor Schieder (Hrsg.): Die Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. Vorarbeiten Fritz Valjavec. Teil 4: Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei. Bonn 1957, 2 Bände. Zum Charakter der Publikation, den Bearbeitern und zum Online-Zugang siehe Artikel des Ministeriums 2015 bedauerte die Brünner Stadtverwaltung die damalige Vertreibung und lud Vertreter von Vertriebenenvereinen zu gemeinsamem Gedenken ein.

mini|Das Verfassungsgericht der Tschechischen Republik hat seinen Sitz in Brünn 1949 wurde das Land Mähren als Verwaltungseinheit aufgelöst und Brünn wurde von der Landeshauptstadt zu einer von mehreren Regionalhauptstädten in Mähren.Zákon č. 280/1948 Sb. ze dne 21. prosince 1948 o krajském zřízení Gesetzestext In der Zeit des tschechoslowakischen Sozialismus behauptete Brünn seine Stellung als eine der führenden Industriestädte des Landes. Für die stetig wachsende Bevölkerung wurden Plattenbausiedlungen am Stadtrand gebaut.

Vom 9. bis 16. Juli 1973 wurden in Brünn die V. Internationalen Feuerwehrwettkämpfe des CTIF (kurz: Feuerwehrolympiade) veranstaltet. Im Programm waren traditionelle internationale Feuerwehrwettbewerbe und erstmals internationale Feuerwehrsportwettkämpfe.

1993 wurde ein Asteroid nach Brünn benannt: (2889) Brno.Daten des Asteroiden (2889) Brno Im Jahr 1998 wurde in Brünn die erste Moschee Tschechiens (ohne Minarett und ohne Kuppeldach) erbaut.

Demographie Mit 381.346 Einwohnern (Stand Januar 2020) ist Brünn die zweitgrößte Stadt Tschechiens.

+ Bevölkerungsentwicklung 1770 - 2000 Jahr Einwohner Anmerkungen 1770 14.972 mit den VorstädtenChristian d’Elvert: Beiträge zu Geschichte der königlichen Städte Mährens, insbesondere der k. Landeshauptstadt Brünn. Band 1, Brünn 1860, S. 15. 1786 10.460 ohne die Vorstädte, in 554 Wohngebäuden, 2.606 christliche und 30 jüdische FamilienJohann Max von Liechtenstein: Handbuch der neuesten Geographie des Österreichischen Kaiserstaates. Band 2, Wien 1817, S. 972. 1791 9.807 ohne die Vorstädte, in 717 Häusern 1804 17.043 ohne die Vorstädte 1835 35.948 Fremdenführer durch Brünn und Umgebung. Thuma, Brünn 1874, S. 4. 1852 49.000 Pierer’s Universal-Lexikon. Band 3, Altenburg 1857. S. 372. 1857 58.809 Carl Kořistka: Die Markgrafschaft Mähren und das Herzogthum Schlesien in ihren geographischen Verhältnissen. Wien und Olmüz 1861, S. 268–269. 1869 73.771 ohne die Garnison (ca. 5.000 Mann), in 2.286 Häusern 1890 94.462 am Jahresende mit der Garnison (3.747 Mann), darunter 69% Deutsche und 31% TschechenMeyers Großes Konversations-Lexikon 5. Auflage, 3. Band, Leipzig und Wien 1896, S. 573. 1900 109.346 am Jahresende mit der Garnison (4.548 Mann), darunter 68.702 Deutsche und 38.365 Tschechen 1909 122.700 Gemeindeverwaltung und Gemeindestatistik der Landeshauptstadt Brünn: Bericht des Bürgermeisters für das Jahr 1909. Brünn 1913. 1910 125.737 HISTORICKÝ LEXIKON OBCÍ CESKÉ REPUBLIKY 1869–2005, I. DÍL. Český statistický úřad. Praha 2006. S. 52 [04.09.26] 1921 221.758 HISTORICKÝ LEXIKON OBCÍ CESKÉ REPUBLIKY 1869–2005, I. DÍL. Český statistický úřad. Praha 2006. S. 52. [04.09.26] 1930 264.925 HISTORICKÝ LEXIKON OBCÍ CESKÉ REPUBLIKY 1869–2005, I. DÍL. Český statistický úřad. Praha 2006. S. 53. [04.09.26] 1950 284.946 HISTORICKÝ LEXIKON OBCÍ CESKÉ REPUBLIKY 1869–2005, I. DÍL. Český statistický úřa. Praha 2006. S. 53. [04.09.26] 1961 314.235 HISTORICKÝ LEXIKON OBCÍ CESKÉ REPUBLIKY 1869–2005, I. DÍL. Český statistický úřad. Praha 2006. S. 53. [04.09.26] 1970 344.031 HISTORICKÝ LEXIKON OBCÍ CESKÉ REPUBLIKY 1869–2005, I. DÍL. Český statistický úřad. Praha 2006. S. 54. [04.09.26] 1980 371.463 HISTORICKÝ LEXIKON OBCÍ CESKÉ REPUBLIKY 1869–2005, I. DÍL. Český statistický úřad. Praha 2006. S. 54. [04.09.26] 1991 388.296 HISTORICKÝ LEXIKON OBCÍ CESKÉ REPUBLIKY 1869–2005, I. DÍL. Český statistický úřad. Praha 2006. S. 54. [04.09.26]