mini|Ortsbild von Weingarten mit den beiden Kirchen Weingarten (Pfalz) (pfälzisch: Wingerde) ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Lingenfeld an.
Geographie Weingarten liegt etwa 12 Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Germersheim, etwa 16 Kilometer nordöstlich von Landau in der Pfalz und etwa 13 Kilometer südwestlich von Speyer im Gäu.
Zur Gemeinde gehören auch die Wohnplätze Am Gartenweg 1 bis 3, Draishof 1 und 2, Weiherhof, Wiesenhof, Am hohen Rain, In der Schäferei, Am Kreuzweg und Hainbachhof.
Durch Weingarten fließt der Hainbach. Der Bruchbach bildet im Norden größtenteils die Gemarkungsgrenze und im Nordosten für ein kurzes Stück der Modenbach.
Weingarten hat mit folgenden Gemeinden eine gemeinsame Grenze: Freisbach, Lustadt, Schwegenheim, Westheim (Pfalz) (alle Landkreis Germersheim) sowie Gommersheim (Landkreis Südliche Weinstraße).
Geschichte mini|hochkant|Wappen der Ritter von Weingarten Mittelalter und frühe Neuzeit Im Bereich des Ortes befindet sich ein Gräberfeld aus der Merowingerzeit.
Das heutige Dorf Weingarten ist im Jahr 771 unter dem Namen Wingarda erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 985 wurde der Ort Opfer des Salischen Kirchenraubs. Aus der Gemeinde stammt das seit 1226 urkundlich bezeugte und 1685 ausgestorbene Geschlecht der Ritter von Weingarten. Die Reste seiner nordwestlich des heutigen Dorfes gelegenen und 1525 zerstörten Burg wurden im 18. Jahrhundert abgetragen. Bis in die Gegenwart weisen mehrere Straßennamen darauf hin, unter anderem eine Ritter-von-Weingarten-Straße oder eine Straße Am Schlossberg. Im Mittelalter gehörte der Ort zunächst den Herren von Hirschhorn und ab Mitte des 15. Jahrhunderts den Herren von Remchingen.
Während der frühen Neuzeit kam das Dorf zur Kurpfalz, innerhalb derer es dem Oberamt Germersheim sowie der Stadt und Fauthei Germersheim unterstand. August Becker berichtet in seinem Buch Die Pfalz und die Pfälzer, dass in Weingarten im 17. Jahrhundert der kurpfälzische Amtsschreiber Beuerlin lebte, der jene Chronik von König Dagobert von Kleinfrankreich schrieb, die zu ihrer Zeit die „politische Bibel“ der Pfälzer Bauern war.
19. und 20. Jahrhundert Die Inbesitznahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen beendete ab 1794 die alte Ordnung. Der Ort wurde von 1798 bis 1814 Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend des Französischen Kaiserreichs. Verwaltungstechnisch wurde Weingarten Sitz einer Mairie, die dem Kanton Germersheim des Arrondissements Speyer im Département Donnersberg zugeordnet war.Statistisches Jahrbuch für das Departement von Donnersberg, 1811, S. 46 (Google Books) Nach der Niederlage Napoleons fiel Weingarten als Teil der linksrheinischen Pfalz aufgrund der auf dem Wiener Kongress 1815 getroffenen Vereinbarungen zunächst an Österreich und 1816 aufgrund eines Tauschvertrages nachfolgend an das Königreich Bayern.
Von 1818 bis 1862 gehörte der Ort dem Landkommissariat Germersheim an, aus dem das Bezirksamt Germersheim hervorging.
Als Folge des Ersten Weltkriegs war die gesamte Region dem französischen Abschnitt der Alliierten Rheinlandbesetzung zugeordnet. Seit 1939 ist Weingarten Bestandteil des Landkreises Germersheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Weingarten innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des 1946 neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.
Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde die Gemeinde 1972 in die neu gebildete Verbandsgemeinde Lingenfeld eingegliedert.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.
Jahr Einwohner Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz, 1863, S. XLII des Anhangs 1802 676 1815 958 1835 1126 1849 1158 1861 1090 Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 65 1871 1075 1905 1027 Jahr Einwohner 1939 1157 1950 1237 1965 1375 1970 1356 1975 1322 1980 1286 1985 1307 Jahr Einwohner 1990 1334 1995 1366 2000 1541 2005 1566 2011 1660 2017 1790
Konfessionsstatistik Im Jahr 1871 waren von den damals insgesamt 1075 Einwohnern 562 evangelisch (52 %), 493 katholisch (46 %) und 20 jüdisch (2 %). 2012 waren 39,9 % der Einwohner evangelisch und 38,1 % katholisch. Die übrigen 22 % gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.KommWis, Stand: 31. Dezember 2012 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende Februar 2025 hatten 27,8 % der Einwohner die evangelische Konfession und 24,2 % die katholische. 48,0 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Weingarten Gemeindestatistik, abgerufen am 24. März 2025
Politik
mini|Rathaus
Gemeinderat Der Gemeinderat in Weingarten (Pfalz) besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG Gesamt 2024 5 6 5 16 Sitze 2019 5 6 5 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2014 4 6 6 16 Sitze 2009 5 6 5 16 Sitze 2004 7 5 4 16 Sitze FWG = Freie Wählergruppe der Ortsgemeinde Weingarten (Pfalz) e. V.
Bürgermeister Stefan Becker (CDU) wurde am 1. Juli 2019 Ortsbürgermeister von Weingarten. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war er mit einem Stimmenanteil von 78,60 % für fünf Jahre gewählt worden. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er als einziger Bewerber mit 77,6 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.
Beckers Vorgänger waren Thomas Krauß (FWG, Amtszeit 2009–2019), Kurt Seibert (SPD, 1994–2009) und Peter Settelmeyer.
Wappen
Gemeindepartnerschaft Es besteht seit 1994 eine Partnerschaft mit der Gemeinde Vieillevigne im Département Loire-Atlantique in Frankreich.
Kultur
mini|hochkant|Denkmalgeschütztes Fachwerkhaus
Kulturdenkmäler Zwölf Objekte in Weingarten stehen unter Denkmalschutz, darunter das Rathaus und die einstige Eisenbahnbrücke im Norden der Gemarkung.
Natur Mit der Eiche im Sumpfschlag existiert innerhalb des Gemeindegebiets ein Naturdenkmal.
Sport Der SV Weingarten 1946 spielte drei Jahre in der viertklassigen Fußball-Oberliga Südwest, ehe er 2005 aufgelöst wurde und 2007 als SV Weingarten 2007 neu gegründet wurde.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Die Gemeinde ist ein Weinort und als solcher ein Teil des Weinanbaugebiets Pfalz. Die Einzellage Schloßberg gehört zur Großlage Trappenberg.
Weingarten verfügt gegenwärtig über eine Apotheke, drei Friseure, zwei Gemüsehandlungen, eine Immobilienagentur sowie eine Autowerkstatt. Hinzu kommen mehrere Betriebe, die sich der Produktion von Agrargütern widmen, hauptsächlich Salat, Radieschen und Rosen. Ferner gibt es eine Pizzeria, ein Restaurant sowie zwei Lokale. Die Raiffeisenbank Weingarten ging 1996 in der VR Bank Südpfalz auf.
Verkehr Weingarten liegt an den Landesstraße 507, von der im Ort die Kreisstraßen 4 und 32 abzweigen. Im Süden streift die Bundesstraße 272 das Gemeindegebiet und mündet bei Schwegenheim in die B 9.
mini|Überreste des Viaduktes der Lokalbahn Neustadt–Speyer
Von Anfang des 20. Jahrhunderts bis 1956 gab es mit der Lokalbahn Neustadt–Speyer einen Anschluss an das Schienennetz. Zwischen Freisbach und Weingarten sind noch die unter Denkmalschutz stehenden Überreste des Viaduktes zu sehen. Auch der Name der Bahnhofstraße zeugt noch von dieser Zeit.
Die Anbindung an den Nahverkehr erfolgt mittlerweile durch zwei Buslinien: einmal die Linie 507 nach Neustadt und Speyer und die Linie 591 nach Landau und Speyer. Beide Linien fahren im Stundentakt. Auf dem Abschnitt Weingarten Speyer fahren beide Linien so versetzt, dass es einen Halbstundentakt gibt. Die Buslinie 599 verbindet Weingarten mit Germersheim über Schwegenheim und Lingenfeld. Sie ist auf den Schülerverkehr ausgerichtet und fährt nur an Schultagen.
Behörden Die Gemeinde gehört zum Zuständigkeitsbereich des Amtsgericht Germersheim. Die zuständige Verwaltungsbehörde ist die Verbandsgemeindeverwaltung Lingenfeld.
Tourismus Durch den Norden der Gemeindegemarkung verläuft der Radweg Vom Rhein zum Wein. Auch der Kraut-und-Rüben-Radweg verläuft quer durch Weingarten hindurch.
Persönlichkeiten Ehrenbürger 2000, 3. Juni: Armand Bossis (* 2. August 1922, † 13. Juni 2009), Initiator der Gemeindepartnerschaft zwischen Weingarten und Vieillevigne. Als Fremdarbeiter war er in der Endphase des Zweiten Weltkriegs zu Schanzarbeiten in der Pfalz herangezogen worden. Eine Familie aus Weingarten half ihm, das Kriegsende zu überstehen, woraus sich in späteren Jahrzehnten eine Freundschaft zwischen den beiden Gemeinden entwickelte.Rainer Baumgärtner: Die Ehrenbürger im Landkreis Germersheim. Hekma-Verlag Maikammer 2018, S. 193 f.
In Weingarten geboren Philipp Brunnemer (1867–1942), hingerichteter sozialdemokratischer Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime Gerhard Settelmeyer (* 1940), Fußballspieler
Mit Weingarten verbunden Johann Henrich Ursinus (1608–1667), lutherischer Theologe, humanistisch-theologischer Gelehrter und Autor, hatte 1633 und 1634 in Weingarten eine Pfarrstelle inne Emil Nesseler (1891–1952), Lehrer und Heimatforscher, wirkte in den Jahren 1910 und 1911 in Weingarten aus Aushilfslehrer Theo Fehn (1910–1984), Pfarrer der Evangelischen Landeskirche der Pfalz sowie Glockenexperte und -sachverständiger, wurde 1935 in Weingarten Pfarrverweser Kurt Seibert, Inhaber der Freiherr-vom-Stein-Plakette Christian Schad (* 1958), evangelischer Theologe, übernahm im Jahr 1986 die Pfarrstelle in Weingarten Steffen Bohl (* 1983), spielte zeitweise Fußball beim SV Weingarten
Weblinks
Internetpräsenz der Ortsgemeinde Weingarten (Pfalz)
Einzelnachweise
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