mini|Ansicht von Hördt, rechts die katholische Pfarrkirche St. Georg (2011) Hördt ist eine Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Rülzheim im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Gemessen an der Fläche ist sie die größte und gemessen an der Einwohnerzahl die zweitgrößte Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde.

Geographie Lage Hördt liegt in einer Höhe von 100 bis auf und am Hochufer des Rheins zwischen den Städten Germersheim und Wörth. Die Gemarkung von Hördt ist 18,46 Quadratkilometer groß. Davon sind 670 Hektar Staatswald, 197 Hektar Gemeindewald, 919 Hektar landwirtschaftliche Fläche einschließlich Wegen und Gewässern sowie etwa 60 Hektar bebaute Fläche. Ab 1825 wurde der Rhein bei Wörth unter der Führung von Johann Gottfried Tulla begradigt. Inzwischen gilt die Hördter Rheinniederung als potentieller Retentionsraum. Im Südwesten der Gemeindegemarkung befindet sich der Oberwald.

Gewässer Mitten durch das Siedlungsgebiet der Gemeinde verläuft der Klingbach, der im Osten der Gemarkung in den Michelsbach mündet. Letzterer nimmt den Rottenbach und den Altgraben auf. Zuvor fließen der Oberwaldgraben und der Oberwaldbach in den Rottenbach. Der Spiegelbach bildet teilweise die nördliche Gemarkungsgrenze, der Rhein diejenige im Osten.

Nachbargemeinden Hördt hat im Uhrzeigersinn (beginnend bei 12 Uhr) mit folgenden Kommunen eine gemeinsame Grenze: Germersheim (oder genauer: Sondernheim, einem Stadtteil von Germersheim), Dettenheim, Linkenheim-Hochstetten, Leimersheim, Kuhardt, Rülzheim und Bellheim.

Geschichte Frühgeschichte und Mittelalter Archäologische Funde auf den Ortsfluren wie Steinbeile und Gefäße zeugen von der Anwesenheit von Menschen etwa 5000 v. Chr. in der jüngeren Steinzeit. 1937 wurde in Hördt ein spätbronzezeitliches Urnengräberfeld von etwa 1000 v. Chr. entdeckt.

Zur Römerzeit befand sich auf einer Anhöhe nach Bellheim hin ein römischer Wartturm (specula), an dem sich zwei römische Verkehrswege kreuzten (heutige Gewanne „Alter Turm“). Weitere Funde, z. B. Göttersteine und ein Brückenstein aus dem 2. Jahrhundert, lassen eine römische Siedlung mit weiteren Gebäuden vermuten.

Hördt wird erstmals in einer Urkunde des Klosters Fulda erwähnt. Diese Urkunde im Kopialbuch des Rabanus Maurus bestätigt eine Schenkung eines Acbuto (Agboto vom Elsass) an das Kloster Fulda, die eine Kirche, mehrere Höfe mit 63 Leibeigenen umfasste, davon zwölf zwischen Hördt und Ottersheim (… inter Herdi et Hudamaresheim …). Die Schenkung erfolgte, als Baugolfus Abt des Fuldaer Klosters war (780–802).

Die Ortsentstehung wird von Ernst Christmann zwischen den Jahren 600 und 800 datiert. Später könnte Hördt zur zwischen Hördt und Bellheim gelegenen Burg Spiegelberg gehört haben, die aber 1200 erstmals genannt wird.

Ab dem 12. Jahrhundert war die Entwicklung des Dorfes stark von dem im Februar 1103 errichteten Kloster Hördt und dessen Propstei geprägt. Im Jahr 1540 entstand die Gerichtsordnung des Dorfes sowie die Hördter Dorfordnung.

Neuzeit Im Österreichischen Erbfolgekrieg der 1740er Jahre ordneten französische Truppen den Bau der Queichlinien zwischen Landau und dem Rhein bei Hördt als Befestigungslinie an. Im Wald beim Spiegelbach ist noch eine Schanze erhalten. 1759 kam es zur geodätischen Vermessung und detaillierter Kartierung der Liniendörfer durch französische Ingenieurkorps. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Kurpfalz und unterstand dort dem Oberamt Germersheim.

Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Hördt bis 1814 in den Kanton Germersheim und danach bis 1815 in den Kanton Kandel eingegliedert. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen und kehrte in den Kanton Germersheim zurück. Bereits ein Jahr später wechselte Hördt, wie die gesamte Pfalz, aufgrund des Vertrags von München in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte die Gemeinde dem Landkommissariat Germersheim an; aus diesem ging das Bezirksamt Germersheim hervor.

Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts überstand der Ort weitgehend unbeschadet, jedoch waren insgesamt 193 Opfer an der Front und durch Kriegseinwirkung in der Heimat zu beklagen. Seit 1939 ist der Ort Bestandteil des Landkreises Germersheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hördt innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Hördt 1972 in die neu geschaffene Verbandsgemeinde Rülzheim eingegliedert.

Bevölkerung Einwohnerstatistik Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Hördt

Jahr Einwohner 1802Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz, 1863, S. XVIII des Anhangs. 740 1815 1.284 1835 1.440 1849 1.671 1861 1.512 1871Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 64. 1.533 1905 1.605 Jahr Einwohner 1939 2.060 1950 2.117 1965 2.200 1970 2.234 1975 2.155 1980 2.132 1985 2.075 Jahr Einwohner 1990 2.121 1995 2.256 2000 2.329 2005 2.449 2010 2.424 2013 2.482

Konfessionsstatistik Mit Stand Juli 2025 waren 43,0 % der Einwohner katholisch, 13,0 % evangelisch und 44,0 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Ortsgemeinde Hördt Gemeindestatistik, abgerufen am 17. August 2025 2013 waren 66,0 % der Einwohner katholisch und 14,6 % evangelisch. Die übrigen 19,4 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.KommWis, Stand: 31. Dezember 2013 Im Jahr 1871 waren von insgesamt 1533 Einwohnern noch 98 % (1497) katholisch (98 %) und 2 % evangelisch. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist demnach im beobachteten Zeitraum gesunken.

Christentum Die St. Georgskirche befindet sich auf dem Jergenberg (= Georgenberg), wo einst ein Nonnenkloster stand. In Hördt wird besonders das Hochfest Kreuzerhöhung begangen, seit der Kirchengemeinde im Jahr 1768 eine Kreuzreliquie geschenkt wurde. Im 20. Jahrhundert wurde die Georgskirche zweimal umgebaut, 2001 wurde das Geläut um drei auf sieben Glocken erweitert. Im Frühjahr 2005 wurde die Kirche von innen saniert.

Politik mini|Rathaus in der Schulzenstraße (2012) Gemeinderat Der Gemeinderat in Hördt besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FW-AB Gesamt 2024 2 7 11 20 Sitze 2019 3 9 8 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2014 4 7 5 16 Sitze 2009 6 6 4 16 Sitze 2004 6 6 4 16 Sitze FW-AB = Freie Wähler-Aktive Bürger Hördt e. V.

Bürgermeister Alexander Fischer (FW-AB) wurde am 9. September 2024 Ortsbürgermeister von Hördt. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 67,60 % gegen den bisherigen Amtsinhaber durchgesetzt.

Fischers Vorgänger Max Frey (CDU) übte das Amt von 2014 bis 2024 aus. Dessen Vorgänger Gerd Rheude (SPD) hatte das Amt 25 Jahre ausgeübt.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kulturdenkmäler mini|hochkant|Fachwerk­häuser in der Grünwaldstraße im Jahr 2011

In Hördt stehen 17 Objekte unter Denkmalschutz, darunter die katholische Kirche St. Georg.

Natur Innerhalb der Gemeindegemarkung existieren fünf Naturdenkmale. Mehr als zwei Drittel der Gemarkung sind Natur- und Landschaftsschutzgebiet. Regional bekannt ist die Hördter Rheinaue, das zweitgrößte Naturschutzgebiet der Pfalz (835 ha) mit seltener und geschützter Flora und Fauna. Ebenso erstreckt sich teilweise das Naturschutzgebiet Eichtal-Brand über die Gemarkung von Hördt, sie ist auch Teil des überregionalen Landschaftsschutzgebiets „Pfälzische Rheinauen“.

Regelmäßige Veranstaltungen Im Jahr 1980 beging die Ortsgemeinde ihre 1200-Jahr-Feier mit einer Festwoche und feiert seitdem alle fünf Jahre das „Klosterfest“. Die Turn- und Festhalle steht nach dem Bühnenneubau für alle kulturellen Veranstaltungen zur Verfügung. Zudem findet jährlich die Kerwe (Kirchweih) am letzten Sonntag im August statt.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Seit etwa 1935 ging die Zahl landwirtschaftlicher Erwerbsquellen zurück. Typisch für die Südpfalz waren und sind der Tabakanbau und die lokalen „Zigarrmacher“. Die erste Zigarrenfabrik eröffnete 1863 ihren Betrieb. Die verbliebenen Haupterwerbsbauern erzeugen vorwiegend Tabak, Spargel und Zuckerrüben sowie Getreide. Handel sowie mehrere leistungsfähige Handwerksbetriebe ergänzen die Wirtschaftskraft des Dorfes.

Verkehr Mitten durch die Gemeinde verläuft die Landesstraße 452. Am südlichen Siedlungsrand zweigt von dieser die Landesstraße 493 ab.

Tourismus Touristen bietet sich das PWV-Wanderheim Hördt.

Persönlichkeiten mini|hochkant=0.6|Jakob Baumann (1900) Ehrenbürger 1978: Sr. Eusebia (geb. Kropp, 1917–2007), 61 Jahre tätig in der Schwesternstation der Mallersdorfer Schwestern in Hördt.Rainer Baumgärtner: Die Ehrenbürger im Landkreis Germersheim, Hekma-Verlag Maikammer 2018, S. 48 2015:Rainer Baumgärtner: Die Ehrenbürger im Landkreis Germersheim, Hekma-Verlag Maikammer 2018, S. 51 Gerd Rheude (* 1945), Altbürgermeister (Amtszeit 1989–2014), wurde im Juni 2015 geehrt. 2017, 8. März:Rainer Baumgärtner: Die Ehrenbürger im Landkreis Germersheim, Hekma-Verlag Maikammer 2018, S. 52 P. Hermannjosef Mohr SSM (* 1935), langjähriger Pfarrer von St. Georg Hördt, wurde am 9. April 2017 zum Ehrenbürger ernannt.

Söhne und Töchter der Gemeinde Jakob Baumann (1862–1922), Domvikar in Speyer, Schriftsteller, langjähriger Redakteur der Bistumszeitung „Der Pilger“ Friedrich Gundermann (1906–nach 1982), Träger des Landesverdienstordens Franz Hamburger (* 1946), Sozialpädagoge

Persönlichkeiten, die mit Hördt verbunden sind Andreas Helmling (1959–2019), Bildhauer, schuf 2005 die „Stifterskulptur“ auf der Verkehrsinsel. Veronika Olma (* 1962), Malerin und Designerin, lebte von 2000 bis 2005 in Hördt.

Bildergalerie

Weblinks

Ortsgemeinde Hördt bei der Verbandsgemeinde Rülzheim

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Germersheim Kategorie:Ersterwähnung im 8. Jahrhundert Kategorie:Pfälzische Rheinauen