Westheim (Pfalz) (pfälzisch: Weschde) ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Lingenfeld an.
Geographie Westheim liegt innerhalb der Südpfalz zwischen den Städten Germersheim, Landau in der Pfalz und Speyer. Die Nachbargemeinden von Westheim sind Lustadt, Weingarten (Pfalz), Schwegenheim, Lingenfeld und im äußersten Südosten Germersheim. Der nächstgelegene Ort im Süden ist Bellheim, mit dem Westheim aber keine gemeinsame Gemeindegrenze hat. Zu Westheim gehört der Wohnplatz Holzmühle.
Im Süden Westheims erstreckt sich der Bellheimer Wald, durch den im Westheimer Gemeindegebiet die Druslach und die Queich fließen. Die Queich bildet zum Teil die südliche Gemeindegrenze und mündet etwa fünf Kilometer weiter östlich in den Rhein. Durch den Ort selbst fließt der Hofgraben (gemeinsam mit der Druslach Ergebnis der Teilung des Fuchsbachs bei Zeiskam). Kurz vor ihrer Mündung in die Queich verläuft außerdem die Sollach für ein kurzes Stück über die Gemeindegemarkung.
Geschichte mini|Kirche von 1791 mini|Westheim mit Ortslage auf einer Flurkarte von 1837 Frühgeschichte und Mittelalter Funde aus verschiedenen Epochen wie der Jungsteinzeit, der Bronzezeit, der Hallstattzeit, der Latènezeit und der römischen Kaiserzeit beweisen eine frühe Besiedlung des heutigen Gemeindegebietes. Der heutige Ort wurde mutmaßlich Ende des 5. oder Anfang des 6. Jahrhunderts gegründet.Festschrift GV Liederkranz 1996, S. 40 Als erste Erwähnung des Ortes wird die am 21. Januar 976 in Trebur ausgestellte Urkunde des Kaisers Otto II. angesehen, mit der der Kaiser seinem Getreuen Biso mehrere Besitzungen in den Grafschaften Speyergau und Wormsfeld schenkte, darunter auch Westheim.Eine angenommene erste Erwähnung des Ortes im Lorscher Codex aus dem Jahr 792 erwies sich als nicht korrekt. Ein dort genannter Ort Westheim ist nicht das Pfälzische, vgl. Gerd Pressler u. a.: 200 Jahre Protestantische Kirche Westheim, 1992. Im Jahre 1241 überließ der Dompropst Berthold zu Speyer das seiner Propstei zustehende Patronatrecht und die Einkünfte der Kirche zu Westheim dem Stiftskapitel bei St. Guido in Speyer.Der Landkreis Germersheim im Farbluftbild, S. 74 In der Urkunde, die diesen Vorgang besiegelt, findet sich zum ersten Mal die Erwähnung einer Kirche in Westheim.
Die Endung -heim vieler Orte in der Vorderpfalz ist ein Ergebnis der fränkischen Besiedlungswelle. Ursprünglich wurde diese Endung mit einem Personennamen verknüpft. Dies ist bei Westheim nicht der Fall. Vielmehr ist solch ein geographischer Name wohl auf ein Einzelgehöft zurückzuführen, das in einer bestimmten Himmelsrichtung von einem Ort aus lag. In diesem Fall ist der Bezugsort wohl Germersheim. Die Endung -heim sei dann nur aufgrund der Häufigkeit dieser Endung in der Region gewählt worden.Georg Heeger: Die germanische Besiedelung der Vorderpfalz an der Hand der Ortsnamen. S. 15.
Neuzeit Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Kurpfalz und unterstand dort unmittelbar dem Oberamt Neustadt. 1791 wurde das heutige Kirchengebäude an der gleichen Stelle des Vorgängerbaus errichtet. 1794 kämpfte im Zuge der Koalitionskriege das k.u.k. Husarenregiment „Ferdinand I. König der Bulgaren“ Nr. 11 im Einzugsgebiet von Westheim.
Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Westheim in den Kanton Germersheim eingegliedert und gehörte zur Mairie Lingenfeld. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte der Ort nach dem Wiener Kongress in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte der Ort dem Landkommissariat Germersheim an; aus diesem ging das Bezirksamt Germersheim hervor. Im Jahre 1872 begann das Eisenbahnzeitalter in Westheim, als der Ort an das Eisenbahnnetz der Maximiliansbahn angeschlossen wurde (siehe Abschnitt Verkehr). 1914 erfolgte der Anschluss an das Stromversorgungsnetz, 1936 trat Westheim dem Wasserzweckverband bei.Gerd Pressler: Daten aus der Westheimer Vergangenheit, in: Festschrift zur Einweihung des neuen Schulhauses in Westheim-Pfalz, S. 33 Seit 1939 ist Westheim Bestandteil des Landkreises Germersheim.
Vom Zweiten Weltkrieg blieb auch Westheim nicht verschont. Erstmals wurde Westheim am 24. März 1945 von amerikanischen Bombern angegriffen. Ein weiterer, weitaus verheerenderer Angriff erfolgte einen Tag später. Insgesamt starben sieben Menschen durch die Angriffe, 15 Wohnhäuser, darunter auch das damals älteste Haus Westheims aus dem Jahre 1688, und 43 Scheunen wurden zerstört. Beschädigt wurden über die Hälfte der Wohngebäude Westheims sowie der Kirchturm.Gerd Nagel: Die Kirchturmuhr zeigt 9.45 Uhr als die Sirenen losheulen. In: Die Rheinpfalz.
Nach dem Krieg wurde Westheim innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde die Gemeinde 1972 in die neu gebildete Verbandsgemeinde Lingenfeld eingegliedert, der zusätzlich fünf weitere Orte angehören. Am 9. Februar 1996 wurde die örtliche Volksbank ausgeraubt, was in Zusammenhang mit der Bankraubserie Nordbaden/Südpfalz stand. Am 6. Mai 2015 wurden in der Gemeinde außerdem die gestohlenen Glocken aus der Neuen Johanneskirche in Mußbach an der Weinstraße sichergestellt.
Bevölkerung Einwohnerstatistik Jahr Einwohner 1729 282 1785 379 1802 454 1825 692 1830 745 1836 807 1871 771 Jahr Einwohner 1890 737 1905 736 1932 828 1939 845 1950 898 1961 1.007 1965 1.097 Jahr Einwohner 1970 1.115 1975 1.200 1980 1.237 1985 1.323 1990 1.439 1995 1.599 2000 1.747 Jahr Einwohner 2005 1.749 2010 1.728 2015 1.731 2020 1.742 2023 1.742 mini|400px|Einwohnerentwicklung von Westheim von 1729 bis 2018
Ende Juli 2012 betrug der Anteil der ausländischen Bevölkerung 3,5 %.
Konfessionsstatistik Derzeit (Stand Dezember 2025) sind von den Einwohnern 32,4 % evangelisch, 23,7 % katholisch und 43,9 % sind konfessionslos oder gehören einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Ortsgemeinde Westheim, abgerufen am 23. Januar 2026 Ende Juli 2012 war die Verteilung noch 46,7 % evangelisch, 30,9 % katholisch und 22,2 % konfessionslos bzw. sonstige Glaubensgemeinschaft.KommWis, Stand: 31. Juli 2012
Nach Ergebnissen der Volkszählung von 1871 waren von insgesamt 771 Einwohnern 583 evangelisch (76 %) und 188 katholisch (24 %).Königlich-Bayerischen Statistischen Bureau (Hrsg.): Ergebnisse Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden (Gemeinde-Verzeichniss), München 1873, S. 65
Politik Gemeinderat mini|Das 1985 fertiggestellte Bürgerhaus ist das Rathaus und eine Mehrzweckhalle Der Gemeinderat in Westheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei den Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG Gesamt 2024 7 – 9 16 Sitze 2019 6 1 9 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2014 7 3 6 16 Sitze 2009 9 2 5 16 Sitze 2004 7 2 7 16 Sitze 1999 6 0 10 16 Sitze
Bürgermeister Jahr Ortsbürgermeister Partei 2019– Susanne Grabau FWG 2004–2019 Inge Volz SPD 1997–2004 Dieter Mappes FWG 1979–1997 Alfred Schubart SPD 1974–1979 Karl-Heinz Jung SPD 1960–1974 Ludwig Hoffmann WG Susanne Grabau hatte sich bei der Stichwahl am 16. Juni 2019 mit einem Stimmenanteil von 54,83 % durchgesetzt, nachdem bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 keiner der ursprünglich drei Bewerber eine ausreichende Mehrheit erreicht hatte. Grabau wurde im Juni 2024 als einzige Bewerberin mit 70,6 % wiedergewählt.
Wappen
Gemeindepartnerschaften Die Partnergemeinden von Westheim sind Eggersdorf (seit 1991) in Brandenburg und Großkarolinenfeld (seit 2001) in Bayern.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler mini|Holzmühle Vor Ort befinden sich insgesamt 17 Objekte, die unter Denkmalschutz stehen: die protestantische Kirche, 14 Fachwerkhäuser bzw. Hofanlagen, ein Gebäude auf dem Gelände der Holzmühle und eine Straßenbrücke.
Am 6. April 1481 erteilte der Pfalzgraf Philipp die Konzession zur Errichtung einer Mehl- und Ohligmühle. Der Name Holzmühle rührt von der mittelalterlichen Bezeichnung „Holtz“ für Wald her. Die Mühle befindet sich an der Queich im Bellheimer Wald. Mehrmals war die Mühle von Großbränden betroffen (u. a. 1706, 1934). In ununterbrochener Generationenfolge wurde die Holzmühle ab 1706 betrieben. 1998 wurde die Betriebs-GmbH verkauft. Die Mühle wurde schließlich 2001 stillgelegt.Gisela Stieve: Keine Angst vor Veränderung. In: Die Rheinpfalz. 26. Mai 2017. Die Immobilien befinden sich weiterhin in Familienbesitz. Unter Denkmalschutz steht ein Wohnhaus von 1908 (im Bild im Vordergrund). In der Holzmühle gibt es heute Gästezimmer (B&B), einen Laden (alles rund ums Backen) sowie einen Park und eine ethnologische Sammlung.Website des Hofgutes Holzmühle
Im Heimatmuseum in der Kirchstraße fanden sich viele alte Geräte von Bauern und Haushalten sowie eine Fotosammlung, die das bäuerliche Leben in Westheim dokumentiert.Kurzinfo bei museen.rlp.de Das Museum wurde zwischenzeitlich aufgelöst.
Natur mini|Naturdenkmal Alte Eiche Mit der Alten Eiche existiert innerhalb des Gemeindegebiets ein Naturdenkmal. Regelmäßige Veranstaltungen Am letzten September-Wochenende findet freitags bis montags (bis 2021 samstags bis dienstags)westheim-pfalz.de: Westheimer Kerwe vom 23.-26. September 2022 jährlich die Westheimer Kerwe (Kirchweih) statt. Fastnachtsumzug am Faschingssonntag, an dem auch Gruppen aus den umliegenden Gemeinden teilnehmen.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft In früheren Zeiten war Westheim, wie alle Orte in der Umgebung, ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. In Westheim wurden und werden Sonderkulturen wie Spargel, Gemüse und Tabak angepflanzt. Eine früher existierende Tabakscheune wurde allerdings abgerissen. In Westheim gibt es nur noch zwei landwirtschaftliche Betriebe, dafür aber einige klein- und mittelständische Unternehmen.
Verkehr mini|hochkant|Kirchstraße beziehungsweise Landesstraße 507 mit Kirche
Westheim ist über die Landesstraßen 507 und 538 an das Straßennetz angebunden, die sich im Ort kreuzen.
Zwischen Westheim und Lingenfeld verläuft die autobahnähnlich ausgebaute Bundesstraße 9, die keine Anschlussstelle in unmittelbarer Ortsnähe zu Westheim hat. Genutzt werden Anschlussstellen Lingenfeld, Bellheim-Nord und Schwegenheim. Letztere ist auch der Endpunkt der Bundesstraße 272.
Westheim war über die Bahnstrecke Germersheim–Landau an das Schienennetz angeschlossen. Diese wurde 1999 endgültig stillgelegt, schon seit 1984 fuhren hier keine Personenzüge mehr. Seit Mai 2006 fahren auf einem großen Teil dieser Strecke Fahrrad-Draisinen als touristische Attraktion. Westheim erhielt eine Station in der Ortsmitte, etwa 400 Meter westlich des früheren Bahnhofs. Der Draisinenverkehr verlief ursprünglich zwischen Bornheim und Lingenfeld. Seit 2015 ist Westheim der östliche Endpunkt.
Der nächste Bahnhaltepunkt ist in Lingenfeld an der Bahnstrecke Schifferstadt–Wörth, etwa zwei Kilometer östlich von Westheim. Es gelten die Tarife von VRN und KVV. Westheim selbst ist über die Buslinie 590, die eine Verbindung mit Landau und Germersheim herstellt, an das Nahverkehrsnetz angebunden.
Behörden Die Gemeinde gehört zum Zuständigkeitsbereich des Amtsgericht Germersheim.
Bildung mini|Grundschule