mini|Blick auf Freisbach mini|Fachwerkhäuser in der Hintergasse Freisbach ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Lingenfeld an, innerhalb derer sie sowohl gemessen an der Einwohnerzahl als auch gemessen an der Fläche die kleinste Ortsgemeinde darstellt.

Geographie Lage Freisbach liegt zwischen Landau, Germersheim, Neustadt an der Weinstraße und Speyer.Hauptstraße in Freisbach aus der SWR Landesschau Rheinland-Pfalz, abgerufen am 16. Juni 2014. Freisbach gehört zu den am weitesten nördlich liegenden Gemeinden des Landkreises Germersheim und zählt dort zu den kleinen Orten. Sie liegt in der Gäuebene (Pfälzer Gäu).Zu Freisbach gehören zusätzlich die Wohnplätze Auländer, In den Forlen und Lindenhof.

Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Gommersheim, Weingarten, Lustadt, Freimersheim und Böbingen.

Gewässer Nördlich des Siedlungsgebiets verläuft in West-Ost-Richtung der Modenbach; in diesem Bereich nimmt er von links den Lachgraben auf. Der nördliche Siedlungsrand wird vom Hirschgraben und vom Brühlgraben gestreift. Der Bruchbach bildet im Süden größtenteils die Gemarkungsgrenze.

Geschichte Die frühesten Wurzeln der Gemeinde sind mutmaßlich auf die Zeit um das 6. Jahrhundert nach Christus zurückzuführen. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort als Frispach im Jahr 1179 im Codex des Abtes Edelin von Weißenburg. Über Widegowe von Vriesbach (1215), Eberhard von Ramberg und die Herren von Dalberg blieb der Ort stets im Besitz der pfälzischen Kurfürsten. Bis in das späte Mittelalter hinein konnten sich die Bewohner Freiheiten ähnlich einem Reichsdorf erhalten; somit gehörte der Ort zu den nicht eingekreisten zum Heiligen Römischen Reich zugehörigen Territorien und Ständen. Die Abtei Weißenburg verkaufte ihre Rechte an Freisbach 1482 an das Speyerer Domkapitel.Erhard Nietzschmann: Die Freien auf dem Lande. Ehemalige deutsche Reichsdörfer und ihre Wappen. Melchior, Wolfenbüttel 2013, ISBN 978-3-944289-16-8, S. 32.

Ab 1798 als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Freischbach – so der damalige Ortsname – in den Kanton Landau eingegliedert. 1814 wechselte der Ort in den Kanton Germersheim. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte der Ort in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte der Ort dem Landkommissariat Germersheim an; aus diesem ging das Bezirksamt Germersheim hervor. Seit 1939 ist Freisbach Bestandteil des Landkreises Germersheim.

Nach dem Krieg wurde Freckenfeld innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde die Gemeinde 1972 in die neu gebildete Verbandsgemeinde Lingenfeld eingegliedert.

Bevölkerung Einwohnerstatistik Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Freisbach Jahr Einwohner Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz, 1863, S. XII des Anhangs 1802 405 1815 512 1835 555 1849 596 1861 576 Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 64 1871 557 1905 539 Jahr Einwohner 1939 480 1950 589 1965 548 1970 540 1975 601 1980 664 1985 761 Jahr Einwohner 1990 839 1995 869 2000 1.014 2005 1.042 2010 1.085 2013 1.067

Konfessionsstatistik Im Jahr 1871 waren von insgesamt 557 Einwohnern 528 evangelisch (95 %), 7 katholisch (1 %) und 22 jüdisch (4 %). 2012 waren 45,5 % der Einwohner evangelisch und 24,4 % katholisch. Die übrige 30,1 % gehörte einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.KommWis, Stand: 31. Dezember 2012 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem weiter gesunken. Mit Stand Februar 2025 waren von den Einwohnern 32,9 % evangelisch, 20,5 % katholisch und 46,6 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Freisbach, abgerufen am 24. März 2025

Politik mini|Freisbacher Rathaus

Gemeinderat Der Gemeinderat in Freisbach besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Rücktritte und Neuwahl 2023 Im August 2023 traten alle Gemeinderäte sowie Bürgermeister Peter Gauweiler nach fast 20 Jahren Dienstzeit aus Protest gegen die Unterfinanzierung und hohe Verschuldung der Gemeinde geschlossen zurück.Kein Geld: Gemeinderat und Bürgermeister treten zurück, Rheinpfalz 1. August 2023 Zuvor hatte die Kommunalaufsicht des Landkreises Germersheim mit Hinweis auf das neue Landesfinanzausgleichsgesetz ihre Genehmigung für den Gemeindehaushalt verweigert, weil dieser unausgeglichen war: Für 2023 und 2024 war jeweils ein Defizit von über 600.000 € vorgesehen. Gauweiler kritisierte, dass dafür insbesondere gestiegene Kosten für Pflichtaufgaben und Umlagen an höhere Verwaltungsebenen ursächlich seien, welche keinen finanziellen Spielraum mehr ließen. Freiwillige Leistungen seien dadurch nicht mehr finanzierbar; dies würde sich auch mit einer (von der Kommunalaufsicht geforderten) Grundsteuer-Erhöhung nicht ändern. Daher lehnt der Gemeinderat diese ab und forderte stattdessen strukturelle Reformen der kommunalen Finanzierung.

Am 26. November 2023 fand eine vorgezogene Neuwahl statt, bei der Jochen Ricklefs (parteilos) bei der Wahl zum Bürgermeister mit knapp 72 % gegen Andreas Ackermann (SPD-Mitglied, angetreten zur Wahl als Einzelbewerber) gewann. Weil aber nach wie vor keine längerfristige Lösung für das Haushaltsdefizit in Sicht sei, traten einige gewählte Gemeinderäte ihr Amt nicht an. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion stellte jedoch zumindest eine Genehmigung des Haushaltes für 2023/24 in Aussicht.

Bürgermeister Jochen Ricklefs wurde am 12. Dezember 2023 nach den vorstehenden Ereignissen Ortsbürgermeister von Freisbach. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 setzte er sich mit einem Stimmenanteil von 72,2 % gegen einen Mitbewerber durch und wurde damit für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt.

Langjähriger ehrenamtlicher Ortsbürgermeister war bis 2023 Peter Gauweiler (parteilos), der erstmals 2004 mit 72,0 %, 2009 mit 78,1 %, 2014 mit 74,8 % und 2019 mit 68,19 % der Stimmen in Direktwahl gewählt wurde. Sein Vorgänger war wiederum Uwe Reif (SPD).Wahlamt der Verbandsgemeindeverwaltung Lingenfeld: (PDF; 14 KB) Abgerufen am 20. Januar 2014. Nach Gauweilers Rücktritt 2023 wurde übergangsweise der Verbandsbürgermeister von Lingenfeld, Frank Leibeck, für die Fortführung der Bürgermeister-Geschäfte als Beauftragter bestellt.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Denkmalgeschützte protestantische Kirche

Die GDKE stuft insgesamt acht Objekte in Freisbach als Kulturdenkmäler ein, darunter die Pfarrkirche, mit einer Orgel von 1788/89, erbaut von dem Orgelbauer Johann Georg Geib, drei Fachwerkhäuser und das Rathaus.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Kindertagesstätte „Pfefferminzzwerge“ Verkehr Freisbach wird über die Landesstraße 507, die Landesstraße 530 und die Bundesstraße 272 an das überörtliche Verkehrsnetz angeschlossen. Die Bundesstraße verbindet den Ort mit Landau in der Pfalz, Germersheim, Neustadt an der Weinstraße und Speyer. Der Ort ist durch Linienbusse an den öffentlichen Personennahverkehr nach Speyer, Neustadt an der Weinstraße, Germersheim und Lingenfeld angebunden.

Freisbach besaß ab 1905 einen Bahnhof an der 1956 stillgelegten Lokalbahn Speyer–Neustadt. Das ehemalige Bahnhofsgebäude sowie ein altes Viadukt ist bis heute erhalten. Die vom Unternehmen PalatinaBus betriebene Buslinie 507 stellt eine Verbindung mit Neustadt und Speyer her und die von Hetzler Busreisen betriebene Linie 596 eine solche mit Lingenfeld sowie Germersheim.

Bildung In Freisbach befindet sich eine Kindertagesstätte.

Tourismus Durch die Gemeinde verläuft der Radweg Vom Rhein zum Wein.

Persönlichkeiten Johann Karl Baumann (1714–1794), pfalz-zweibrückischer Orgelbauer, Erbauer einer Orgel in der örtlichen Kirche Benedict Isselhard, 1792/93 Mitglied des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents Gerhard Postel (1941–2012), evangelischer Geistlicher, lebte ab 1991 vor Ort

Weblinks

Internetpräsenz der Ortsgemeinde Freisbach

Einzelnachweise

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