mini|Bundeswehr-Soldat während der Übung Sharp Griffin im Kosovo, 2016
Ein Soldat (nach dem Sold, den er bezieht) ist ein zum Tragen und Einsatz von Waffen berechtigter und ausgebildeter Angehöriger der Streitkräfte eines Staates. Im engeren Sinn bezeichnet der Begriff die Angehörigen der untersten Hierarchieebene, der sogenannten Mannschaftsdienstgrade, im weiteren die Angehörigen sämtlicher Dienstgradgruppen. Von den Soldaten abzugrenzen sind Söldner, die nicht Angehörige regulärer Streitkräfte sind, Militärbeamte, ferner Angehörige von paramilitärischen Verbänden, Freischärler und Partisanen (siehe auch Guerilla) sowie Polizisten. Soldaten tragen üblicherweise oder aufgrund gesetzlicher Vorschriften des nationalen oder internationalen Rechts eine Uniform.
Soldaten haben einen Dienstgrad, der ihre Stellung, ihre Befugnisse innerhalb der Streitkraft sowie ihre Besoldung regelt und durch Rangabzeichen an der Uniform kenntlich gemacht ist. Die Dienstgradbezeichnung ist abhängig von der Truppengattung. Das Anwerben und die Verpflichtung von Soldaten für den Waffendienst wird als Rekrutierung oder Aushebung bezeichnet. Zu unterscheiden ist zwischen Rekrutierungen aufgrund einer gesetzlich geregelten Wehrpflicht, Anwerbung von Freiwilligen und willkürlicher Zwangsrekrutierung, etwa von Kindersoldaten.
Wortherkunft Das Wort „Soldat“ kam zum ersten Mal im 16. Jahrhundert in Gebrauch, entlehnt aus italienisch „soldato“ mit der Bedeutung „Krieger, Gefolgsmann“, wiederum aus Mittellatein soldarius mit der gleichen Bedeutung. Ursprung der Wörter „Soldat“ und „Sold“ ist der Name der römischen Goldmünze Solidus – eine Substantivierung des lateinischen Adjektivs „solidus“ mit der Bedeutung „fest, massiv, solide“.Soldat und Sold, Duden online
Die Synonyme des Lehnwortes „Soldat“ sind noch älteren Ursprungs: „Krieger“ und „Kämpfer“ sind bereits für das Mittelhochdeutsche belegt. Dagegen entstand die Bezeichnung „Milizionär“ erst im 17. Jahrhundert aus dem lat. „miles“ „Soldat“, dessen Bedeutung im Bereich der ehemaligen Sowjetunion abweicht, da sie dort einen Polizisten bezeichnet.
Wortgebrauch Männliche und weibliche Soldaten Der Begriff „Soldat“ wird im Deutschen häufig als generisches Maskulinum für Männer und Frauen gleichermaßen verwendet. In Rechtsvorschriften oder formeller Anrede wird in der Regel von „Soldatin(nen)“ und „Soldat(en)“ gesprochen.
Länderspezifische Bezeichnungen Auch in Österreich ist Soldat die allgemeine Bezeichnung für jene, die im Bundesheer unter Waffen stehen. In der Schweiz wird er häufig als Angehöriger der Armee (AdA) bezeichnet. In den Landstreitkräften der NVA war Soldat der niedrigste Mannschaftsdienstgrad.
„Soldaten“ im weiteren Sinn Der Begriff wird über seine militärische Bedeutung hinaus als Metapher für eine Anzahl „kämpferischer“ Tätigkeiten verwendet. So wird wegen seiner Loyalität zu seiner Partei ein entsprechendes Mitglied als Parteisoldat benannt.
Krieger „Krieger“ ist einerseits eine veraltete Bezeichnung für Soldaten und Söldner, andererseits eine Bezeichnung für Kämpfer in Stammesgesellschaften, die sich zu einzelnen Kriegszügen sammeln und meistens keinen Sold, sondern einen Beuteanteil erhalten.Vgl. Krieger, Duden online
Landser Ein weiterer, eher umgangssprachlicher und allmählich veraltender Ausdruck aus der Soldatensprache ist Landser, das einen Mannschaftsdienstgrad der Infanterie bezeichnet, so noch der Titel der 1957 bis 2013 erschienen kriegsverherrlichenden Zeitschrift Der Landser.
Geschichte Das Berufsbild des Soldaten änderte sich in Europa mit dem Aufkommen stehender Heere. Frühere Heere wurden für den jeweiligen Kriegszug zusammengestellt, wobei Adelige und ihr Gefolge durch feudale Gefolgschaftsstrukturen zur Heerfolge verpflichtet waren und nach Abschluss der Kampagne anderen Tätigkeiten nachgingen. Mit dem Aufkommen der Geldwirtschaft wurde Kriegsvolk von „Gewaltunternehmern“ (nach Elwert) angeworben (Söldner, Landsknecht).
In Europa waren die eigenen Armeen für die Zivilbevölkerung eines Landes oft im Wortsinn verheerend (Hundertjähriger Krieg, Dreißigjähriger Krieg). Egal ob ein feindliches oder freundliches Heer durchs Land zog, der „Sold“ der Soldaten bestand oft nur aus dem, was dem Land und den Bewohnern zu nehmen war. Es lag an den Heerführern, wo und wie sie die Bezahlung ihrer Truppen regelten.
Soldaten fühlten sich zunächst nur an ihren Kommandeur gebunden, der der jeweiligen Einheit oft auch seinen Namen gab. Erst mit dem Übergang von der absolutistischen zur nationalen Staatsidee wandelte sich auch das Bild vom Soldaten, der nun seiner Nation verpflichtet war.
Die Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland, die Bundeswehr, verstehen ihre Soldaten als „Staatsbürger in Uniform“, um deutlich zu machen, dass anders als in früheren deutschen Armeen der Soldat weiter in die zivile Gesellschaft eingebunden bleiben soll, jedoch mit bestimmten Vorrechten und Pflichten.
Seit 1948 sind die Friedenstruppen der Vereinten Nationen, die sogenannten „Blauhelme“ oder „Blauhelmsoldaten“, in zahlreichen Konfliktregionen im Einsatz. Für ihren Beitrag zum Weltfrieden erhielten sie 1988 den Friedensnobelpreis.
Auftrag Der Soldat ist als Verteidiger im Rahmen seiner Armee als Erstes ein Garant für die äußere Souveränität seines Landes, durch die latente Drohung, eine Einschränkung der Souveränität durch die Vernichtung von Menschen und deren materiellen Existenzen zu vergelten.
Andererseits ist der Soldat als Angreifer oft auch nur das Mittel zum Zweck aggressiver Mächte andere Länder anzugreifen, zu erobern und/oder sich an den lokalen Ressourcen zu bereichern.
Im Kriegsfall ist das Aufgabenfeld des Soldaten und seiner Armee sehr weit gestreut. Je nach Lage sind folgende Dinge vordringlich: Aufklären des Feindes Lagebeurteilung Besetzen taktischer, strategischer oder wirtschaftlich wichtiger Punkte Sicherung der Stellung sowie Sicherung des Hinterlandes und der Nachschublinien Feindliche Soldaten kampfunfähig machen
Rechtsgrundlage und -status (Deutschland)
Soldaten stehen in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis, das auf die Sicherung der ständigen Verteidigungsbereitschaft gegen Angriffe von außen gerichtet ist. Sie bilden, trotz zahlreicher Parallelen mit den Beamten (z. B. Besoldung nach dem Bundesbesoldungsgesetz), eine eigene Statusgruppe wie die Richter. Die bürgerlichen Grundrechte können aufgrund der dienstlichen Erforderlichkeit bei Soldaten der Bundeswehr gemäß GG eingeschränkt werden. Die Rechtsstellung und die dienstlichen Pflichten des Soldaten sind im Soldatengesetz (SG) geregelt. Nach Abs. 1 Nr. 1 SG darf „in das Dienstverhältnis eines Berufssoldaten oder eines Soldaten auf Zeit […] nur berufen werden, wer Deutscher im Sinne des (GG) ist.“
Berufsbild mini|hochkant|Ein aragonesischer Soldat des 14. Jahrhunderts (historische Abbildung)
Soldaten bilden die regulären Streitkräfte eines Staates. Sie erfüllen weltweit Aufträge, die ihnen durch den Souverän erteilt werden. Hierbei wird von manchen Soldaten interkulturelle Kompetenz im internationalen Umfeld erwartet.
Soldaten werden während ihrer Karriere – auch zu Friedenszeiten – oftmals an andere Standorte im In- und Ausland versetzt. Dies stellt die Familien vor die Herausforderung, Bekannten- und Freundeskreis, Berufstätigkeit des Ehepartners und die schulische Laufbahn der Kinder mit den Dienstortveränderungen in Einklang zu bringen.
Ein Merkmal zahlreicher militärtypischer Tätigkeiten sind dynamische Handlungen unter Zeitdruck (z. B. schnelles Bewegen im Gelände) mit hohen Lasten (Schutzausrüstung, Waffen).Fabian Hauser: Analyse eines Programms zur Förderung der Leistungsfähigkeit von Eurofighter-Piloten der Bundeswehr (PDF; 8,3 MB). Dissertation, Universität der Bundeswehr, München 2020, S. 71. Daraus ergeben sich besondere körperliche Anforderungen an den Soldatenberuf, die unter Umständen einen im Vergleich zur übrigen Bevölkerung früheren Eintritt in den Ruhestand zur Folge haben können. Auch die Möglichkeiten von Tod und Verwundung im Kampf erhöhen das Risiko einer vorzeitigen Beendigung der Berufstätigkeit.
Die Erfordernisse, die im Einsatz (sowohl Peacekeeping als auch Krieg) an den Soldaten gestellt werden, setzen, neben den allgemeinen militärischen Fertigkeiten, Fachkenntnisse aus nahezu allen zivilen Berufssparten (zum Beispiel aus den Berufen des Luftfahrzeugmechanikers, des Bürokaufmanns, des Rettungssanitäters, des Schreiners, des Mechatronikers u. v. m.) und gängigen Studienrichtungen (zum Beispiel Informatik, Maschinenbau, Pädagogik u. v. m.) voraus. Viele Armeen bilden daher die benötigten Berufe selbst aus oder führen die akademische Ausbildung an streitkräfteeigenen Universitäten (z. B. Universitäten der Bundeswehr) und Militärakademien (z. B. Westpoint) durch.
Für Soldaten auf Zeit, die nicht zum Berufssoldaten ernannt werden, bietet das den Vorteil einer anerkannten Ausbildung, die den Einstieg in das zivile Berufsleben erleichtert.
Ethische und soziale Aspekte des Soldatseins Der bekannteste ideologische Hintergrund für die Erscheinungsform des Soldatentums ist der Militarismus. Die bedeutendste und als zivilisiert betrachtete philosophische Legitimation im sogenannten Westen ist die Philosophie Kants, die er 1795 in seiner Schrift Zum ewigen Frieden veröffentlichte.
Die Aussage „Soldaten sind Mörder“ stammt ursprünglich von Kurt Tucholsky in der Zeitschrift Die Weltbühne. Sie wurde in der Kontroverse um den Aufbau der Bundeswehr im Nachkriegsdeutschland als Kampfparole eingesetzt, ohne ihr eine juristisch belegbare Basis zu geben. Mit dem Mittel der verbalen Anschuldigung wurde hier vielmehr um die politische Meinungsfreiheit einerseits und den Anspruch juristischer und politischer Korrektheit gestritten.
Status des Soldaten im modernen Krieg Über den Status des Soldaten (als Befehlsempfänger, Held, Deserteur, Feigling, Fahnenflüchtiger …) entscheidet die Frage nach dem zuerkannten und tatsächlich vorhandenen Status des Soldaten als Subjekt oder Objekt. Die Untersuchung dieser Frage ist wissenschaftlicher Gegenstand der Soziologie. Die Beantwortung der Frage betrifft vor allem die Themen der gesellschaftlichen und historischen, aber auch der rechtlichen Bewertung des Soldaten und seiner Handlungen.
Ob Soldaten als Subjekte gesellschaftlich anerkannt werden, hängt von verschiedenen Faktoren und Perspektiven ab. Eine gängige gesellschaftliche Wahrnehmung beschreibt sie als willenlose Befehlsempfänger und damit als Objekte und nicht als Subjekte, denen ein Nachdenken über die Situation und ein eigenständiges Handeln zugesprochen wird. Einen ausgesprochenen Subjektstatus erhalten hingegen einerseits diejenigen, „die nicht nur ihren Befehl ausführen, wie dies erwartet wird, sondern mehr tun, als ihre Vorgesetzten von ihnen erwarten“ und „(w)enn dieser unerwartete oder außerordentliche Einsatz von den Vorgesetzten zumindest im Nachhinein begrüßt wird, dann werden diese Soldaten gemeinhin als Helden bezeichnet“.Jens Warburg (2009): Soldatische Subjekte und Desertion. In: jour fixe initiative berlin (Hrsg.) Krieg. Münster, 2009. Seite 131 Auf der anderen Seite wird denen ein besonderer Subjektstatus zugewiesen, die sich den Befehlen verweigern oder widersetzen. Zu dieser letzten Gruppe gehören Deserteure, Fahnenflüchtige, Meuterer, Streikende. Eine entscheidende Rolle spielt hier die Frage, „ob sie die ihnen erteilten Befehle ausführen oder sie verweigern“.Jens Warburg (2009), Seite 152 Soziologisch gesehen bleiben Soldaten Subjekte, „weil sie als verletzungsoffene leibgebundene Wesen zu intentionalem Handeln fähig sind.“ Nach Warburg schließt dies nicht aus, „dass sie Zwängen unterliegen“, jedoch führe dies nicht dazu, „dass sie zu bloßen Werkzeugen in den Händen ihrer Vorgesetzten werden.“