mini|Trockenmüsli mit Früchten in Milch mini|Müsli mit frischen Früchten mini|Overnight Oats mit tropischen Früchten Müsli [], auch Müesli, Birchermüesli oder Birchermus, ist eine nicht gekochte Zubereitung mit den Hauptzutaten Haferflocken und Obst, die kombiniert mit Milch, pflanzlicher Milch oder Milchprodukten wie Joghurt üblicherweise zum Frühstück gegessen wird.

Schon vor rund 23.000 Jahren rösteten Steinzeitmenschen wilde Weizen- und Gerstenkörner, zerstießen sie in einem primitiven Mörser und aßen sie zusammen mit Himbeeren, Feigen und Mandeln u. a. als Körnergrütze. Haferbrei spielte im Laufe der weiteren menschlichen Ernährungsgeschichte Europas und Vorderasiens immer eine wichtige Rolle, galt mit regionalen Unterschieden aber auch oft als Armenspeise. Populär wurde die ungekochte Variante um 1900 durch den Aargauer Arzt und Ernährungsreformer Maximilian Oskar Bircher-Benner, der dazu durch Ernährungsgewohnheiten schweizerischer Alphirten inspiriert worden war. Heute ist Müsli wesentlicher Bestandteil der europäischen Frühstückskultur. Müesli ist neben Schokolade eine der Schweizer Spezialitäten, die weit über die Schweiz hinaus Verbreitung gefunden haben.

Die ursprüngliche Apfeldiätspeise „d Spys“ Der Aargauer Arzt und Ernährungsreformer Maximilian Oskar Bircher-Benner entwickelte sein ursprüngliches Birchermus vor 1900. 1897 stellte er seine Rohe Apfelspeise während eines Studienaufenthaltes in Dresden dem promovierten Arzt Heinrich Lahmann vor, der dieses Müsli, überzeugt von dessen Wirkung, in der Sanatoriumsküche des Lahmann-Sanatoriums einführte. Bircher-Benner wiederum nahm von hier viele weitere Anregungen mit in die Schweiz.Jürgen Helfricht: Biografie des berühmten Dresdner Naturheilers Dr. med. Heinrich Lahmann (1860–1905). In: Lahmanns Dresdner Kochbuch. Edition Krickau, Dresden 2001, ISBN 3-00-006709-4, S. 273–313, hier S. 294.

Bircher-Benner eröffnete 1904 am Zürichberg ein Sanatorium „Lebendige Kraft“, wo das Birchermus als leicht bekömmliches Abendessen gereicht wurde. Seine Kreation nannte er inzwischen Apfeldiätspeise oder einfach d Spys (, schweizerdeutsch ‚die Speise‘). Damit konnte er viele seiner Sanatoriumsgäste von den Vorteilen einer Vollwertdiät mit frischem Obst überzeugen.

Bircher-Benner gilt als Pionier der Vollwerternährung. Ursprünglich war er überzeugt, dass unbearbeitete pflanzliche Rohkost, wie sie für ein Müsli verwendet wird, „biologisch wirksame Lichtquanten“ enthalte, aus denen der Körper „Lebenskraft“ gewinnen könne – eine Hypothese, die sich später als falsch herausstellte (siehe Biophotonen). Als Vertreter vegetarischer Rohkosternährung waren für Bircher-Benner die mit Schale und Kerngehäuse frisch geriebenen Äpfel das Wichtigste, nicht etwa die Getreideflocken. Kondensmilch verwendete er, weil die zu damaliger Zeit unpasteurisierte Frischmilch ein hohes Tuberkulose-Risiko darstellte. Das Originalrezept nach Bircher-Benner

Für eine Portion: 1 gestrichener Esslöffel Haferflocken 3 Esslöffel Wasser 12 Stunden einweichen 1 Esslöffel Zitronensaft 1 Esslöffel gezuckerte Kondensmilch beifügen und zu einer Sauce vermischen etwa 2 Äpfel (400 g) einer möglichst säuerlichen Sorte; unmittelbar vor dem Servieren mit der Schale auf der Bircherraffel direkt in die Sauce hineinreiben und gelegentlich umrühren, damit sich das Apfelfleisch nicht bräunt 1 Esslöffel Haselnüsse oder Mandeln gerieben darüber streuenBerta Luise Brupbacher-Bircher. Das Wendepunkt-Kochbuch. Wendepunktverlag, Zürich 1927

Weitere Geschichte Der Ernährungsreformer Bircher hielt zahlreiche Vorträge über Rohkosternährung und bewarb dabei seine Apfeldiätspeise. Zu einem ersten Durchbruch und Bekanntheit im deutschsprachigen Raum verhalfen dem Birchermus die unzähligen Kochbücher und Schriften von Mitgliedern der Bircher-Familie. Bereits in den 1920er-Jahren stand die Apfelspeise auf der Speisekarte vegetarischer Restaurants. Richtig populär wurde das Birchermus vorerst nur in der Schweiz. Ab den 1940er- und 1950er-Jahren wurde das Birchermus regelmäßig zum Abendessen eingenommen. Auch in den Küchen von Gefängnissen, Heimen, Klöstern und des Militärs stand es regelmäßig auf dem Menüplan.

Mit der Popularität kamen bald Rezepte auf, die sich vom Original unterschieden. Kondensmilch wurde durch Milch, Joghurt oder Rahm (Sahne) ersetzt. An Stelle der Haferflocken traten zunehmend die schon seit den frühen 1940er-Jahren industriell hergestellten Trockenmischungen:

Birmus (Obsthalle AG in Romanshorn, 1942), ein komplettes Birchermüesli mit getrockneten Äpfeln, Milchpulver, Getreideflocken, Sultaninen und Haselnüssen. Frutifort (1946zwicky.swiss Zwicky: Chronik der Zwicky AG), die „fertige Birchermüesli-Mischung nach Dr. Bircher“ der Thurgauer Schälmühle Zwicky AG enthielt dagegen keine Früchte, sondern nur verschiedene Getreideflockensorten. Auf der Verpackung wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man der Mischung frische Früchte beigeben sollte. 1954 wurde von Hipp in Sachseln in der Zentralschweiz die Firma Somalon AG gegründet, die zunächst die Hipp-Babynahrung in der Schweiz anbot. Nach kurzer Zeit stellte diese jedoch auf die industrielle Herstellung von Birchermüesli-Mischungen um und hatte damit Erfolg.bio-familia.com Geschichte der bio-familia AG Die Firma heißt heute bio-familia AG und gehört zur Hipp-Firmengruppe. 1985 versuchte Kellogg’s, den Begriff Müsli als Markennamen schützen zu lassen. Dies scheiterte an einem acht Jahre älteren Eintrag in Deutschland. Stattdessen wurden Müslix und Müeslix eingetragen.

Geschichte im gesellschaftlichen und politischen Kontext In der nationalsozialistischen Ernährungspolitik des „Dritten Reichs“ wurde Haferkonsum in all seinen Verwendungsformen propagiert, was sich auch gut in die NS-Körperpolitik und die Wunschvorstellungen vom gesunden und kräftigen deutschen Menschen einbetten ließ, wobei zusätzlich Bezüge zu den als fleißige Haferesser geltenden alten Germanen hergestellt wurden. Hintergrund waren aber insbesondere kriegswirtschaftlich motivierte Autarkiebestrebungen.

Im August 1969 sorgte das Woodstock-Festival im US-Bundesstaat New York für einen unbeabsichtigten Popularitätsschub: Nachdem sich die Besuchermassen des Open-Air-Festivals von geplant 200.000 unkontrolliert auf rund 400.000 verdoppelt hatten, brach auch schnell die Lebensmittelversorgung der Festivalbesucher zusammen. Auf vielfältige Weise wurde improvisierte Notverpflegung organisiert, bei der auch Müsli und andere Getreidegerichte eine wichtige Rolle spielten. Diese Begebenheit verstärkte über die USA hinaus den Bekanntheitsgrad von Müsli ebenso wie dessen klischeehafte Assoziation mit Hippies und Anhängern der 68er-Bewegung.

Die ab den 1970er-Jahren entstandenen Umweltbewegungen und Neuen Sozialen Bewegungen sahen in der Ernährung ein Praxisfeld, in dem Gesundheitsfragen mit Umweltschutz und Konsumkritik verknüpfbar sind. Indem Vollwertkost und Vegetarismus propagiert wurden, rückte auch die Haferkost wieder verstärkt in den Fokus. Von der Gegnerschaft wurden die Angehörigen dieser Szenen mit Spottnamen wie „Müslis“ und „Müslifresser“ verunglimpft.

Ab Mitte der 1980er-Jahre begann der konventionelle Lebensmittelhandel, sich auf den Bio-Markt auszuweiten und Naturkostprodukte in die Regale der Supermärkte zu bringen. Damit war Naturkost im Mainstream angekommen. Das setzte die Naturkostbranche unter Professionalisierungsdruck und löste einen Verdrängungswettbewerb aus. Außerdem definierten amerikanische Marktforscher und Werbestrategen um das Jahr 2000 einen neuen Konsumententyp mit angeblich riesiger Kaufkraft: LOHAS – der Lifestyle of Health and Sustainability, also ein an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientierter Konsumstil. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen löste sich die ideologische Befrachtung des Müslikonsums unter dessen Anhänger- und Gegnerschaft langsam auf und wich sachorientierten Bewertungen und Entscheidungen.

Spätestens mit dem Fall der ideologischen Hürden wurde Müsli in weiten Teilen der Welt zu einem Standard auf den Frühstücksbuffets der Hotels. Heute bewirbt z. B. der Deutsche Fußball-Bund Müsli als gesunde und fußballgerechte Ernährung.

Müsli im heutigen Gebrauch Heutige Produkte Im Handel steht der Begriff Müsli heute meist für Mischungen der Trockenprodukte, die vom Verbraucher insbesondere noch um eine Frischobst-Zutat, eine Flüssigkeitszutat und ggf. weitere Zutaten ergänzt und zum Verzehr angerichtet werden können. Dabei wird in der Regel unterschieden zwischen

Basismischungensind grundlegende Mischungen aus Getreideflocken und Kernen, die als Grundlage für individuelle Müslizubereitungen dienen. Sie enthalten hauptsächlich Vollkornflocken wie Hafer, Dinkel, Roggen und Gerste sowie oft Saaten wie Sonnenblumenkerne und Leinsamen. Basismischungen sind ungesüßt und enthalten keine Trockenfrüchte oder Nüsse, sie sind damit über die Müslizubereitung hinaus auch in der herzhaften Küche einsetzbar.

Fertigmischungenmini|hochkant|weniger verbreitete Trockenfrüchtesind weitestgehend verzehrfertige Trockenmischungen, die über die Bestandteile von Basismischungen hinaus durch weitere geschmacksgebende und meistens auch süßende Zutaten ergänzt sind. Dabei kann es sich um die verschiedensten Arten von traditionellem Trockenobst (insbesondere Rosinen, Datteln, Feigen), Nüsse und nussähnliche Früchte, Zucker, Honig und andere Süßungsmittel oder auch um Anteile von Knuspermüsli handeln. Auch gefriergetrocknetes Obst (z. B. Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren), Kakao oder Schokolade können hinzugefügt sein. Je nach Schwerpunkt dieser Zutaten werden die Fertigmischungen auch als Fruchtmüsli oder Nussmüsli, bei auf Kinder zugeschnittenen Mischungen auch als Kindermüsli bezeichnet.

Basis- und Fertigmischungen sind in vielfältigen Ausprägungen und verschiedenen Gebindegrößen im Handel erhältlich, können aber auch individuell selbst hergestellt oder über den Internet-Versandhandel auch individuell konfigurierbar bezogen werden.

Weitere im Handel gebräuchliche Produkte, in deren Bezeichnung oder Namen Müsli enthalten ist:

Als Knuspermüsli werden in der Regel Getreideflockenmischungen bezeichnet, die oft mit geschmacksgebenden Nuss-, Mandel- und Trockenobstgranulaten versetzt sind und durch Zugabe von Zucker, Ahornsirup, Honig oder anderen Süßungsmitteln verklumpt und anschließend gebacken worden sind. Als weitere Bezeichnungen dafür sind Crunchy und insbesondere im englischen Sprachraum auch Granola üblich.

Müsliriegel enthalten als Grundzutaten gepufftes, geflocktes, geröstetes oder gemahlenes Getreide verschiedener Sorten, die durch den Zusatz von Kohlenhydraten, Fetten oder Gelatine und durch Backen oder andere lebensmitteltechnische Verfahren in Riegelform mit hart-knuspriger oder zäh-biegsamer Konsistenz fixiert worden sind. Je nach Sorte werden zusätzlich Schokolade, Trockenobst, Nüsse, Mandeln, Fruchtfüllungen, Milchcreme oder Glasur verarbeitet. Müsliriegel sind insbesondere als Zwischenverpflegung für Schulkinder oder Ausflüge beliebt. Speziell für Schwerelosigkeitsbedingungen hergestellte Müsliriegel haben auch im Bereich der Astronautennahrung eine lange Tradition.

Insbesondere im Bereich von Fruchtjoghurts werden üblicherweise auch einige Sorten unter Bezeichnungen wie Bircher-Müsli, Frühstücksmüsli o. ä. angeboten, die Getreideflocken und andere typische Müslibestandteile im Fruchtanteil enthalten. Außerdem werden im Handel verschiedene Fruchtjoghurts in Zweikomponenten-Bechern mit separaten Knuspermüsli-Rationen angeboten.