Die Josefstadt ist seit 1850 Teil des Wiener Stadtgebiets und seit 1861 der 8. Wiener Gemeindebezirk. Sie ist der flächenmäßig kleinste Bezirk Wiens und gehört zu den inneren Bezirken (innerhalb des Gürtels).

mini|Sitz der Bezirksvorstehung und ehemaliges Amtshaus am Schlesingerplatz (eine Ausbuchtung der Florianigasse)

Geografie mini|Luftbild der Josefstadt von Südwesten aus aufgenommen; auf der linken Seite ist der Gürtel als Bezirksgrenze zu sehen. Auf der rechten Seite das Wiener Rathaus an der Zweierlinie

Die Josefstadt wird folgendermaßen begrenzt: Norden: Alsergrund (9. Bezirk), Grenze: Alser Straße Osten: Innere Stadt (1. Bezirk), Grenze: Zweierlinie Süden: Neubau (7. Bezirk), Grenze: Lerchenfelder Straße Westen: Ottakring (16. Bezirk) und Hernals (17. Bezirk), Grenze: Lerchenfelder und Hernalser Gürtel

Die Josefstadt liegt im Zentrum der Stadt Wien und ist mit einer Fläche von 1,08 km² der kleinste Wiener Gemeindebezirk, wobei die Josefstadt nur 0,26 Prozent der Fläche Wiens einnimmt. Der Bezirk liegt zwischen dem Wiener Gürtel und der Zweierlinie und gehört zu den am dichtesten verbauten Bezirken Wiens. Nur 2 Prozent der Bezirksfläche entfallen auf Grünland.

Nachbarbezirke Die Josefstadt gehört mit anderen 1850 eingemeindeten Vorstädten zu den „inneren Bezirken“ zwischen Gürtel und Ringstraße. Im Westen bildet der Wiener Gürtel mit den Abschnitten Hernalser bzw. Lerchenfelder Gürtel die Grenze zu den 1892 eingemeindeten Außenbezirken Hernals und Ottakring, im Osten trennt die Zweierlinie entlang des Straßenzuges Landesgerichtsstraße – Auerspergstraße die Josefstadt von der Inneren Stadt. Die nördliche Bezirksgrenze zum Bezirk Alsergrund verläuft seit 1861 entlang der Alser Straße, im Süden bildet die Lerchenfelder Straße die Grenze zum Bezirk Neubau.

Topografie Der Bezirk Josefstadt liegt auf einem Plateau zwischen zwei heute kanalisierten Wienerwaldbächen, wobei die Josefstadt nicht ganz an die Bäche heranreicht. Der Alserbach (heute unter der Lazarettgasse geführt) und der Ottakringer Bach (heute zwischen Lerchenfelder Straße und Neustiftgasse) gruben vor der Verbauung tiefe Täler mit teilweise starkem Gefälle in das Gebiet, wodurch sich beträchtliche Höhenunterschiede innerhalb des Bezirksgebietes ergeben. Die westliche Bezirksgrenze am Lerchenfelder Gürtel liegt in einer Höhe von 204,5 Meter, am östlichen Bezirksrand erreicht der Friedrich-Schmidt-Platz eine Höhe von 180 Meter. Auch zwischen dem Norden und dem Süden des Bezirksgebietes existieren Höhenunterschiede. So liegt die Kreuzung Kochgasse/Alser Straße im Norden auf 185 Meter Höhe, das Plateau Florianigasse-Skodagasse auf 198 Meter Höhe, und die Kreuzung Lerchenfelder Straße / Kaiserstraße im Süden auf 196 Meter Höhe.Stimmer; Klusacek: Josefstadt S. 3.

Flächennutzung Die Flächen der Josefstadt werden fast ausschließlich als Baugebiet oder für Verkehrsflächen genutzt. 70,34 % des Bezirksgebietes werden von Bauflächen eingenommen, ein Wert, der nur vom benachbarten Neubau übertroffen wird. Der Großteil der Baufläche (85 %) entfällt dabei auf Wohngebiete, der Rest fast ausschließlich auf kulturelle, öffentliche und religiöse Einrichtungen (14,4 %). Als Betriebsgebiet gewidmete Flächen machen in der Josefstadt hingegen einen verschwindend geringen Anteil aus. Die Josefstadt hat bei dieser Widmungsart sowohl in absoluten, als auch relativen Zahlen den niedrigsten Wert der Wiener Gemeindebezirke. Neben den Bauflächen nehmen die Verkehrsflächen mit 27,6 % die größte Fläche ein. Die Josefstadt ist dadurch der Bezirk mit den wenigsten Grünflächen. Nur 2 % der Bezirksfläche entfallen auf diese Nutzungsart, wobei 95 % der Grünflächen Parkanlagen sind.Magistratsabteilung 5 (MA5): Nutzungsarten nach Bezirken

+ Flächennutzung in ha 2001 Baufläche Grünfläche Gewässer Verkehrsflächen 76,23 2,2 – 29,94 Wohnbau Betriebs­gebiet öffentliche Einrichtungen Landwirt­schaft Parks Wälder Wiesen Klein­gärten Freizeit­flächen64,810,4410,98–2,09–––0,12

Bezirksteile Die Josefstadt wurde aus den ehemaligen Vorstädten Altlerchenfeld, Breitenfeld, Josefstadt und Strozzigrund sowie einem kleinen Teil von Sankt Ulrich gebildet. Hinzu kam 1862 der südliche Teil der Alservorstadt, der bis dahin zum Bezirk Alsergrund gehört hatte.

Im Nordosten des Bezirksgebietes liegt zwischen Landesgerichtsstraße, Florianigasse und Feldgasse die Alservorstadt, deren nördlicher Teil zum Bezirk Alsergrund gehört. Zum Bezirksteil Alservorstadt gehören das Landesgericht für Strafsachen Wien („Graues Haus“) an der „Zweierlinie“, das Museum für Volkskunde sowie die größte Parkanlage des Bezirks, der Schönbornpark. Im Nordwesten des Bezirks liegt zwischen Gürtel, Florianigasse und Feldgasse die Breitenfelder Pfarrkirche.

Der Norden der Josefstädter Straße sowie der Südosten des Bezirksgebietes gehören zum Bezirksteil Josefstadt. Die bedeutendsten Gebäude sind das Theater in der Josefstadt und die Piaristenkirche Maria Treu. Um die Strozzigasse liegt der kleine Bezirksteil Strozzigrund um das ehemalige Palais Strozzi. Eingeschlossen wird der Strozzigrund im Westen und Osten von Altlerchenfeld, wo sich in der Pfeilgasse mehrere Studentenheime befinden. Im Südosten des Bezirksgebietes befindet sich im südlichen Bereich der Piaristengasse auch ein kleiner Teil von Sankt Ulrich, dessen größter Teil im angrenzenden Bezirk Neubau liegt.

Eine Gliederung des Bezirksgebiets besteht ferner in den Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die drei Zählbezirke in der Josefstadt sind Laudongasse, Josefstädter Straße und Bennoplatz.

Wappen rechts|150px|Bezirkswappen der Josefstadt

Das Wappen des Bezirks Josefstadt repräsentiert die fünf ehemaligen, selbständigen Gemeinden, aus denen der seit 1861 8. Bezirk (zuvor 7.) 1850 gebildet wurde. Der Herzschild zeigt den heiligen Josef auf blauem Grund auf einer Wiese stehend. Er symbolisiert den Bezirksteil Josefstadt, die ihren Namen zu Ehren Kaiser Josephs erhalten hatte. In einer Hand hält er einen Lilienstamm, in der anderen das Jesuskind. Im vom Betrachter aus gesehen linken (heraldisch rechten) oberen Wappenteil wird das Wappen von Altlerchenfeld dargestellt. Der rote Grund wird von einem silbernen Kreuz geteilt, in den vier Feldern stehen vier goldene Lerchen. Im rechten, oberen Wappenteil symbolisiert eine Elster als sprechendes Wappen den Bezirksteil Alservorstadt. Sie sitzt vor goldenem Grund auf einem belaubten Strauch. Im linken unteren Wappenteil steht die heilige Maria für den Bezirksteil Breitenfeld. Sie schwebt auf einer Wolke über einer grünen Wiese und trägt ein goldenes Gewand mit einem roten Mantel. In den Händen hält sie Zepter und Reichsapfel. Die Darstellung entstammt dem Wappen des Schottenstifts, das hier zahlreiche Besitzungen hatte. Der rechte untere Wappenteil steht schließlich für den Strozzigrund. Es zeigt das Wappen der Grafen Strozzi mit einem silbernen Querbalken auf rotem Grund. Gräfin Maria Katharina Strozzi stieß durch ihre Bautätigkeit die Verbauung des Gebietes an.

Geschichte mini|Die Josefstadt um 1830 mini|Ehemaliges k.u.k. Militärgeographisches Institut, Friedrich-Schmidt-Platz 3 mini|Die Breitenfelder Pfarrkirche und mehrere Zinshäuser

Das Gebiet der heutigen Josefstadt wurde erst relativ spät besiedelt. Nur in der Nähe der Inneren Stadt lag seit dem Mittelalter eine namenlose Siedlung. Das einzige bedeutendere Bauwerk war ein Gutshof, der sogenannte Rote Hof. Intensive Besiedlung begann erst am Ende des 17. Jahrhunderts. Diese Siedlung wurde 1700 von der Stadt Wien erworben (nicht eingemeindet) und erhielt nach Kaiser Joseph I. den Namen Josefstadt. Weiter stadtauswärts gab das Schottenstift 1801 Grundstücke zur Verbauung frei, auf denen dann die Vorstadt Breitenfeld entstand. Die Straßen dort zeigen noch die typische Struktur aus der Biedermeierzeit. Altlerchenfeld wurde zwar schon 1295 erstmals erwähnt, größere Bautätigkeit setzte aber auch erst um 1700 ein.

1850 wurden diese Vorstädte gemeinsam mit kleinen Teilen von Sankt Ulrich (Neubau) und der südlichen Alservorstadt (Alsergrund) als 7. Bezirk Josefstadt nach Wien eingemeindet; seit der Teilung der Wieden 1861 ist es der 8. Bezirk. 1862 wurde die Bezirksgrenze zum Alsergrund von der Florianigasse nordwärts an die Alser Straße verlegt und damit der südliche Teil der Alservorstadt zum neuen 8. Bezirk geschlagen.

Die bis heute letzte Änderung der Bezirksgrenze erfolgte 1995 im Bereich der Auerspergstraße und betraf lediglich Verkehrsflächen.Gesetz über eine Änderung der Grenze zwischen dem 1. und 8. Bezirk (LGBl. für Wien 13/1995), ausgegeben am 20. März 1995.

Die Josefstadt entwickelte sich zu einem Sitz des Bürgertums, hier leben auch viele Beamte. Die meisten Bürgermeister Wiens wohnten ebenfalls hier. Heinz Fischer, von 2004 bis 8. Juli 2016 Bundespräsident, wohnt ebenfalls in der Josefstadt, in der Josefstädter Straße 21. Außerdem gilt die Josefstadt neben den Bezirken Neubau und Mariahilf auch als Bezirk der Intellektuellen und der Künstler, viele Schauspieler und Schriftsteller sind in der Josefstadt wohnhaft.

Der 8. Bezirk ist der zweite Bezirk Wiens, in dem die Grünen bei Wahlen zur Bezirksvertretung (23. Oktober 2005) die relative Mehrheit erzielten. Damit stellten sie von November 2005 bis November 2010 den Bezirksvorsteher. Im Oktober 2010 trat der damalige Bezirksvorsteher Heribert Rahdjian mit der eigenen Liste ECHT an und erzielte fünf Mandate. Stärkste Fraktion wurde ein Wahlbündnis aus der Österreichischen Volkspartei und dem Bürgerforum Josefstadt, das seit November 2010 mit Veronika Mickel-Göttfert die Bezirksvorsteherin stellte. Seit der Wahl 2020 fungiert wiederum ein Grüner, Martin Fabisch, als Bezirksvorsteher.

Bebauung und Charakteristika Die Bautätigkeit in der Josefstadt war durch verschiedene Phasen geprägt. Die erste Phase der Bebauung erfolgte Ende des 17. Jahrhunderts, als die Zweite Wiener Türkenbelagerung vom Entsatzheer beendet worden war. Viele Adelige und Bürger zogen in die Vorstädte des damaligen Wien, da genügend Raum für repräsentative Häuser mit Garten vorhanden war. Von 1770 bis 1780 wurden große Grünflächen parzelliert, womit die zweite Phase einherging.

Die dritte Phase wurde durch die enorme Bevölkerungsentwicklung in Wien im 19. Jahrhundert eingeleitet und führte zur Verbauung großer Flächen in den damaligen südlichen und westlichen Vorstädten von Wien, in denen sich die neuen Wohnbauten stark an den prunkvollen Bauten der Ringstraße orientierten. Zu dieser Zeit wurden das Rathausviertel, das Parlament, der Justizpalast und die Universität Wien errichtet, weshalb viele Angehörige der Mittelschicht wie Beamte oder auch Studenten in die Josefstadt zogen.

Nach dem Abbruch der Josefstädter Kaserne und des Linienwalls erfolgte Anfang des 20. Jahrhunderts die vierte große Verbauungsphase. An Stelle des Linienwalls wurde die schon zuvor gebaute Gürtelstraße verbreitert., auf wien.gv.at, abgerufen am 12. April 2015.

Heute wird die Josefstadt vor allem durch Zinshäuser aus dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert geprägt, da der überwiegende Teil des dicht verbauten Bezirks von Kriegsschäden verschont geblieben ist. Der an den 1. Bezirk grenzende Osten des Bezirks ist Teil des historischen Zentrums von Wien, das 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden ist.Interaktive Karte von Wien – Kulturgut, auf wien.gv.at, abgerufen am 11. April 2015.

Im Jahr 2011 bestand die Josefstadt zum stark überwiegenden Teil (75,4 Prozent) aus Gebäuden, welche vor dem Jahr 1918 errichtet wurden. Von 1.130 Gebäuden wurden 852 vor 1918 erbaut. S. 20–22, wien.gv.at, abgerufen am 13. August 2021.

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